im laufe des tage sehe ich ein paarmal in den spiegel, mehr so im vorbeigehen, und schleudere mir die 50 entgegen.
los, sage ich ihr. wehr dich!
passiert aber nix.
nach zirka vierzehn tagen fangen schnittblumen an zu faulen und zu stinken. höchste zeit also, die sagenhafte 50er-blumenriege zu entsorgen, bevor die erste sommerliche hitzewelle den vorgang zusätzlich erschwert.

diese satte sonne ist nun also verschwunden. und mit ihr ihre deutliche dekadenz, mit deren hilfe sie sich womöglich noch die eine oder andere fette stunde gegönnt hätte. leise lächelnd und latent verschlagen.

meine 50! überraschte mich mit einem spontanen kurztrip ans naheliegende meer, kurz darauf dann mit noch mehr scharfen sachen. (z. t. in bonbonfarben gehüllt, getarnt.) außerdem mit einem achselzucken, mit einer gelassenheit, beinah leichtigkeit, die mir eher fremd ist. dennoch fällt es mir schwer, zurückzudenken an 30, 35, 40. wie anders. selbst die vielen menschen, die mich am samstag besucht haben, sind offensichtlich gern hergekommen. und auch gern geblieben und hier gewesen, auch im nachhinein. das alles ohne große schwierigkeiten. ich bin überrascht.
irgendwie lässig diese 50!, wenn sie dann echt werden. echt gut. (und jetzt muß ich raus auf den balkon, die diesjährigen tomatenbäume festbinden.)
aufwachen mit dem vertrauen schmerz im nacken. einmal ibuprofen hilft, sofort. nach minuten schon tritt das vergessen ein, ein kleines wunder fast. oder auch nicht. der sich seit einigen wochen deutlich abzeichnende verlust eines stabilen hormonzyklus‘ tut wohl sein übriges dazu. seltsam übrigens, wenn dieser durchaus lebensprägende rhythmus nach 36, 37, vielleicht auch 38 jahren, ich weiß es nicht genau, mit einem mal verschwindet. keine ahnung, wonach ich mich jetzt richten soll. wie mich fühlen.
vollmond ist außerdem auch.
dinge zusammensuchen, erinnerungen, gegenstände oder körperliche gegebenheiten, die mein alter bezeugen. die lesebrille etwa, die sich kaum noch verheimlichen läßt. das passiert mir in letzter zeit immer häufiger.
als ich klein war hieß der kaffee zum beispiel noch noch bohnenkaffee, und meine oma ging im konsum einkaufen. also kon_sum, mit der betonung auf kon. was jedoch nicht daran liegt, daß ich im osten aufgewachsen bin. das bin ich nicht, ich bin aus dem ruhrpott. kon_sum hieß in den 60ern natürlich längst edeka oder co op, nur meine oma belegte den laden noch mit dem alten genossenschaftsnamen. den gab es vor/während/nach dem krieg auch im westen, in den arbeitervierteln zumindest. im kruppschen imperium, wo auch die wohnungen, häuser, sportplätze und vereine zechenorganisiert waren. und bohnenkaffee, in abgrenzung zum muckefuck, war zu eben jener zeit ein immer noch gängiges nachkriegswort. obwohl in den schicken, neuen kühlschränken doch längst die buttercremetoren und fleischberge einzug gehalten hatten.
im kon_sum übrigens, längst ein edeka oder co op, im grunde jedoch derselbe alte tante emma laden, gab es auch rabattmarken, die in ein heft geklebt wurden. das durfte ich immer machen, wenn ich bei meiner oma war. und rückblickend muß ich sagen, daß mir das sehr gefallen hat. besser auf jeden fall als dieses payback (bonusprogramm?) heute. pay_back, mit der betonung auf pay. das sagt doch alles.
nach meiner benamung, nach all den fremdbezeichnungen und vergleichen mit tieren oder dreck, nach den kategorien, in die man als erwachsene gesteckt wird: auszubildende, motorradlesbe, studentin, deutsche, bürohilfe, autorin, geliebte, gehaßte, junge frau, junger mann. die da, der da, das da. nach all dem hatte ich heute morgen zum ersten mal das gefühl, ein mensch zu sein. vielleicht einfach nur das.
sollte im alter erlaubt sein.
madame modeste meint doch tatsächlich, ich sei alterslos. keinen tag älter sähe ich aus als vor knapp acht jahren, als wir uns bei einer lesung kennenlernten. gut, das höre ich hin und wieder mal, und partiell kann ich das durchaus bestätigen. ich bin ja nicht blind. (nur extrem kurzsichtig.) aber da sie damals behauptet hat, ich sähe nicht einmal annähernd aus wie über 40, bin ich jetzt doch ein wenig erschrocken.
meine haare sind jedenfall deutlich weißer. was aber nur daran liegt, daß ich sie lasse. und nicht einmal das kann mir was. offensichtlich.
jetzt ist sie also da, die erste brille mit eingebauter lesevorrichtung. und es ist nicht so, wie ich gedacht hatte, nämlich daß ich mich damit endgültig uralt fühlen würde. es ist genau das gegenteil, ich fühle mich zehn jahre jünger. ich kann wieder lesen, ohne das zu lesende, sei es nun das handy, der kindle oder einfach nur papier, zuvor dämlich durch den raum zu schwenken, um die richtige leseposition in punkto abstand und licht auszumachen. arbeiten wird dadurch auch irgendwie leichter, ich muß nicht immerzu die linsen einschrauben, um die darüber dann die reine lesebrille setzen zu können. die hab ich ja nun schon länger, aber auch das ist eine nervige spielerei. und sucherei.
ganz schick ist sie eigentlich auch. dunkelgraues plastik, mit einer eingefügten hellen linie an der seite und metallbügeln. etwas eckiger und auch schmaler als die letzte, die ich hatte. die von dem geburtstagsbild. nebenbei bemerkt habe ich neulich in diesem schwedischen klamottenladen gesehen, daß diese mittigen nerdbrillen inzwischen als aufgepustete fensterglasimitationen zu modeaccessoires mutiert sind. wow. da habe ich vor schreck gleich einen von diesen überdimensionierten fußballspielern von der decke gerissen. (echt! aus versehen natürlich.)
und jetzt sitze ich hier, freue mich und lutsche gummibärchen dazu.