raum für notizen

disziplin: traumhaft

20. Februar 2022 - 14:29

zwei männer fahren mich nach hause. sie tun das nicht für mich, ich habe irgendetwas für sie getan. einer von beiden ist mein onkel, und da gibt es etwas, das er von mir noch will. deshalb fährt er mich, viele hundert kilometer. als wir bei mir ankommem, in dieser winzigen wohnung, die ich gerade renoviere, da fangen sie an zu streichen. weil sie denken, dass das scheckige der wände, das grün und das gelb das unter meinem frischen anstrich noch durchscheint, so nicht sein soll. es soll aber, und überhaupt: ich will das selber machen. alles anders machen. doch ich komme nicht durch zu den beiden männern, die einfach machen. es machen, wie sie es wollen. was ich auch tue oder sage, dagegen komme ich nicht an. da wache ich lieber auf.

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16. Februar 2022 - 17:12

es geht um eine beerdigung, dafür bin ich angereist. ich soll reden, wie andere auch, aber ich soll die letzte rede halten. ich weiß nicht warum, ich war nicht sehr befreudet mit der jetzt toten. nicht mehr, aber daran denke ich nicht lange. ich bin da, und ich tue, was ich kann.

zu meiner überraschung wird die zeremonie gefilmt und live übertragen. ich lese meine rede vom titelblatt einer zeitung ab, auf englisch. keine ahnung, wer den text für mich übersetzt hat. ich bin sicher, ihn selbst geschrieben zu haben, aber jetzt erkenne ich ihn nicht wieder. während ich lese und spreche, versuche ich zu erkennen, was ich sage.

doch das funktioniert nicht im traum, da spüre ich nur das englische, die melodie, die mir leicht fällt und gefällt. was ich sage und geschrieben habe, das hat eine haltung. zufrieden wache ich auf.

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13. Februar 2022 - 10:34

die berliner wohnung ist gekündig, eine neue gefunden, woanders. ich freue mich sehr, ich weiß aber nicht mehr, wo sie ist. deshalb werde ich traurig, möchte doch gerne wieder zurück. also fahre ich herum auf der suche, mit straßenbahnen und zügen, bis ich mich völlig verloren habe. im zimmer meines bruders dann, bin ich beschämt. ich habe die geschenke zu hause vergessen, stattdessen das geschenkpapier eingepackt. und meine mutter sieht aus wie eine uralte zwölfjährige, scheint freundlich gesinnt. ich sehe nicht. ich habe die legosteindicken gläser aus meiner brille genommen, um sie zu putzen. ich sehe nichts, auch nicht die frau, die dazukommt. sie hat einen schlüssel, den höre ich in der tür. du bist ja gar nicht so monströs, sagt die frau. nein, sage ich. keine angst. ich stehe auf und dabei verliere ich die gläser. damit bin ich entgültig verloren und erwache.

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17. Januar 2022 - 18:16

ich gehe in einen laden, um eine waffe zu kaufen. ich weiß, dass das ein aufwand wird, man braucht zeugnisse, bescheinigungen und so weiter. gründe vor allem, bevor man überhaupt einen antrag stellen kann. ich weiß nicht, ich habe nichts davon. doch alles geht ganz einfach. so eine art colt mit trommel, wie ich ihn als kind aus plastik hatte, darf ich gleich mit nach hause nehmen. ohne zu bezahlen, erstmal so zur probe. ich weiß dann aber nicht, was ich damit probieren könnte. ich will das ding gerade zurückbringen, da werde ich wach.

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06. Januar 2022 - 10:51

im anflug auf berlin. nimm doch die autobahn, sagt vorne jemand. ich sitze hinten und sehe alles, als hätte der flieger kein dach mehr. wir rutschen und drehen uns dann, die flügel weit außen zerreißen bäume und masten. dennoch bleibt innen alles still. am ende steigen wir aus wie immer, nehmen unser gepäck und benutzen die leiter. die leiter? denke ich beim aufwachen.

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04. Januar 2022 - 23:32

nach hause kommen, in ein hotelzimmer, wo sie auf mich wartet. aber dann ist sie da mit einer anderen, und ich bin nicht eifersüchtig, aber doch zerstört, irgendwie, weil es jetzt vorbei ist. das warten.

auf der zugfahrt mit den beiden spreche ich mit der anderen, die nicht auf mich gewartet hat, und erzähle von der, mit der jetzt sie statt ich. die andere ist erstaunt, ohne abwehr, dennoch ungläubig. ich lasse sie fahren.

zu hause stehe ich in meinem bad, das dunkel ist, fast schwarz, wie kohlendreck. auch die armaturen sind heruntergekommen, verrrostet und verkalkt. und sie sind überall, an der wand vor allem. wenn ich daran reibe, um sie zu säubern, den kalk runterzukriegen vielleicht, dann sprüht das wasser in alle richtungen. das lasse ich lieber. es hilft auch nicht.

und also bleibt alles dunkel, bis ich aufwache.

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26. Oktober 2021 - 11:45

der boden neben meinem bett löst sich auf, das holz splittert und bricht, am ende kann ich hindurchsehen. ich weiß nicht, was ich tun soll. eigentlich will ich es so lassen, soll passieren, was passieren muss. aber jemand ruft um hilfe, die feuerwehr vielleicht oder andere fachleute. die sperren mein schlafzimmer ab, indem sie eine plexiglasplatte in die tür schrauben. dahinter sind meine sachen, mein leben, meine nacht.

das geht nicht. es dauert nicht lang, und ich öffne die tür wieder. gäste kommen und flicken den kaputten boden mit kleinen brettern. das ist nicht schön, aber es funktioniert. ich kann wieder schlafen. dann wache ich auf und sehe, dass die wände weg sind. nicht alle, aber viele, mitsamt der türen. alles ist größer und weiter. es ist verwirrend, aber ist gut.

dann wache ich auf und weiß: ich habe arbeit.

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08. September 2021 - 08:11

ich sitze am wasser, am meer. es ist türkis und reicht bis zu mir. ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. sage ich mir in dauerschleife, bis ich aufwache.

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25. August 2021 - 07:35

eine interviewreihe mit „alten“ frauen. ich sitze hinten bei der kamera, ich weiß nicht warum. als wäre ich noch nicht „alt“. aber ich bin auch nicht die kamerafrau. oder die interviewerin. ich bin nur da und freue mich auf meine frühere lieblingslehrerin, die auch interviewt wird. ich freue mich so, dass ich von dem interview selbst gar nichts mitbekomme. ich sehe nur eine frau in meinem „alter“, was mich nicht im geringsten wundert.

dann ist es vorbei, und ich frage mich, was ich tun kann. damit ich erkannt werde. als frühere schülerin, als mensch auch, als „alte“. das scheint mir aussichtslos, was mich aufregt und betrübt zugleich. in der kurzen zeit, die bleibt, in der eile. wie als kind in dieser schule, tag für tag. wo ich niemals war, wo aber doch mein eigentliches, mein einziges leben stattfand.

dann aber steht sie hinter mir, die alte lehrerin, dann neben mir, dann stehe ich auf und dann begrüßen wir uns. nein, sie begrüßt mich, vorsichtig, rechts und links. dann zeigt sie mir eine tätowierung oder nein, eine narbe eher, mittig zwischen ihren brüsten. eine helle sonne über ihrem solar plexus. oder ein tier womöglich. nein, zwei tiere. vielleicht auch ein zeichen, ein bogen oder kern. ja, was denn?

es ist zu schnell, es geht vorbei, das leben. ich bin autorin, will ich sagen, aber sie ist schon weg: meine lehrerin. es ist nicht wichtig. ich wache auf und vergesse sie, sofort. bis sie wieder da ist, als ich in der küche stehe, beim kaffee, und kurz die brille weglege. sie ist immer da, sie sind es alle. so gehe ich in den tag.

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20. Juli 2021 - 09:38

immer wieder werde ich bestohlen. das merke ich, wenn dinge in meiner wohnung fehlen. aber ich weiß nie, wann sie verschwunden sind. manchmal nicht einmal, ob sie verschwunden sind. bis ich leute sehe, von außen, innen in meiner wohnung. ich gehe hinein, die große halle am eingang. ich scheuche die beiden in den lichtkegel links hinten, in der ecke. ich nehme ihnen alles ab, was sie genommen haben. der frau nehme ich auch den mantel und ziehe ihn an. dann weise ich ihnen den weg hinaus.

tagelang laufe ich mit diesem mantel, die hände in den taschen. links eine handvoll glasmurmeln, das gefällt mir. das will ich auch. rechts ein schriftstück, handgeschrieben. ich lese es nicht. aber die murmeln will ich behalten, denke ich. bis ich die frau auf der straße treffe, und sie auf mich zuläuft, sich zu entschuldigen. ich gebe ihr alles, was in den taschen ist, auch die murmeln. und mehr noch, dinge, die ich gar nicht begreife.

den mantel behalte ich, sage ich der frau. und sie nickt als wäre es recht. dann gehe ich, ohne zurückzusehen. ich bin frei und wache auf.

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