am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (59)


es ist ein probem bei der art, wie ich schreibe, dass ich dazu weit offen sein muss. in letzter instanz schöpfe ich immer aus dem eigenen, auch aus dem moment. das ist ein wagnis. denn ich bin, was ich bin und immer anders. ich bin das material.

das heißt, eigentlich ist das natürlich kein problem, denn ich schreibe ja nicht über mich. die geschichte ist eine andere, eine mir sehr fremde. in den meisten fällen zumindest.

schwierig wird es, wenn mein aktueller zustand wenig erfreulich, mir selbst im grunde unerträglich ist. und auch nachhaltig bleibt. wenn ich vor mir selbst weglaufen, mich verkriechen, verstecken und völlig vergessen möchte. um mich bestenfalls niemals wiedersehen zu müssen, in diesem leben, dieser welt.

dann ist das schreiben ein desaster, denn es funktioniert nicht. nicht für mich.

die lösung ist einfach, sie heißt: offen bleiben!

nicht verkriechen, nicht flüchten. ins feuer gehen und brennen. den schmerz in den text tragen. keine angst, es passt immer. und der text wird es danken.

es geht um familien. heute das geflecht um das kind geknüpft, sprachlich versteht sich. morgen geht es an die beziehung der erwachsenen. es ist schwierig, das steht jetzt schon fest. aber es wird eine liebeserklärung geben. scheiß drauf!

so allein ist es richtig.

bonding (58)


der kopf ist leer und will nicht. nicht schreiben, nicht denken, das hat doch alles keinen sinn. so bin ich aufgewacht in der kleinen stadt, die mir einfach nur gleichgültig ist, diesmal. ich will nicht hiersein, wozu?

irgendwann dann einfach angefangen. das ist der vorteil an meiner dämlichen arbeitsweise, bei der ein kapitel nach dem anderen abgearbeitet wird. also immer weiter, ohne große experimente. irgendwann sind so sieben seiten durchgegackert und zusätzlich eine seite frisch geschrieben. nach stunden, die mir keine große freude bereitet haben.

alles das ohne große innere beteiligung, auch die ist mir egal. heute zumindest. was morgen ansteht – oder später am tag, heute noch – wird auf die art nicht funktionieren.

ich möchte aufgeben, da ist kein leben mehr.

aber abwarten.

bonding (57)


gestern ein wenig angegeben. heute dafür bezahlt und nur wenig geschafft und fast gar nichts gezaubert. aber gelogen war das nicht, dann eben später. zaubern muss sein, irgendwann.

also das gerüst überarbeitet, mit gesprochener sprache und leben unterfüttert. es wird, ganz ohne frage. es entwickelt sich gut. aber es wird und wächst langsam. und es ist natürlich mehr, viel mehr zu sagen, zu schreiben, als ich mir das so dachte. im vorfeld, bei der erarbeitung der kapitelstruktur. bis ganz zum ende habe ich mich gewagt, du liebe zeit. und jetzt muss ich da durch.

na gut, ich bin einverstanden.

bonding (56)


wenig habe ich bemerkt von der zeit, die vergangen ist, seit ich aus der letzten schreibzeit zurück bin. über drei wochen ohne schreiben, in schock und in schmerz gefangen. ausweglos.

gut, wenn es schon keinen weg mehr gibt, dann gibt es eben das schreiben. als letztes, als nichts, das gibt es immer. auch das macht mich zu einer der besten. dass ich mich jetzt doch daran mache, das anstehende kapitel zu schreiben, das das beziehungskapitel ist. was auch sonst!?

oh wunder, oh zufall.

und natürlich wird es gut. weil ich es über den riss ziehen werde, der sich mal verzweifelt und mal wütend tief in mich eingräbt. so soll es sein.

entlang der detaillierten kapitelnotizen gearbeitet und damit so gut wie durch. fast alle punkte sind abgehakt, somit steht das gerüst, immerhin. ein gutes gerüst, aber das ist es nicht. das kann es nicht sein. morgen werde ich also zaubern und leben hauchen, mich damit auch selbst wieder beleben. mit den verbleibenden zwei oder drei punkten auf der liste. und mit mehr noch, viel mehr. es braucht so viel mehr. immer

es braucht das, was ich jetzt noch nicht weiß. nicht wissen kann.

bonding (55)


die vierzehn stunden arbeit gestern waren schon ein wenig viel, ich spüre es deutlich. trotzdem geht es natürlich weiter, there is no other way. die arbeit entlang der solide ausformulierten kapitelstruktur macht sich hervorragend. ich kann mich nicht erinnern, das jemals vorher so gemacht zu haben. aber es funktioniert. und darauf kommt es an.

sechs grob heruntergeschriebene seiten seit gestern nacht, einfach so. da passt vieles noch nicht, da fehlt auch noch einiges. aber es ist das so wichtige gerüst, in dem ich im anschluss weiterspinnen kann. das wird gut, aber daran zweifle ich nie. nur das gerüst macht mir sorge, jedesmal. so leicht wie heute kommt es doch eher selten daher.

und siehe, ich bin zufrieden.

bonding (54)


im eifer der inneren und äußeren gefechte fast vergessen, dass das fünfzehnte kapitel ja seit tagen schon zum ausdrucken ansteht. und anderes auch. die neue, ausführliche kapitelstruktur zum beispiel, die vor allem. sieben kapitel auf fünf seiten ausgeführt. (lustig: die ersten fünf kapitel haben noch auf eine seite gepasst. damals. ; )

damit wird sich die verschmierte und verkrakelte übersicht der letzten wochen deutlich verbessern. hoffe ich.

und natürlich musste ich dann auch noch mal ran an das aktuelle kapitel, kurz vor ausdruck. da kann ich nicht anders, denn ein bisschen was geht ja immer. noch.

bonding (53)


früh aufgewacht, gefrühstückt, dann früh an die arbeit gegangen. alles gut, der text ist doch noch lebendig geworden, im letzten moment sozuagen. zusammen mit der ersten tangopassage. endlich. zurück in berlin werde ich acht seiten ausdrucken und abheften. dann werde ich weitermachen, vielleicht nicht sofort. aber weiter, noch weitere 80 seiten. der aktuellen rechnung zufolge, vermutlich mehr. ich kenne mich doch.

langsam klärt sich also die lage, die innere, meine ich. meine lage. ziemlich spät, diese schreibzeit ist ja nun so gut wie vorbei. ein fazit bringe ich nicht zusammen, aber immerhin: ein kapitel. doch es war keine reine schreibzeit diesmal, es war eine schmerzzeit und eine heilzeit und womöglich so manches mehr. so hoffe ich.

aber ein anderes fazit hat mich heute erwischt. vor etwa zweieinhalb jahren, also im august 2017, habe ich angefangen, einen alten, kaum angefangenen text ausgraben zu wollen. seine fragmente genaugenommen, hier an diesem ort. noch nicht in dieser genialen wohnung, aber auch nicht weit. ende 2017 dann noch einmal hierher, in eine andere unterkunft, und kaum einen schritt weiter im text. wenig anders sah es dann anfang april 2018 aus, das war letztes jahr ostern. zum ersten mal in dieser wohnung hier, beste lage, bester schreibtisch, bestes ambiente. ich glaube, ich hing im vierten kapitel fest. und wusste nicht weiter.

dann lief mir ein dranbleiben über den weg, genau zu diesem datum. ein tag nach meinem geburtstag. seitdem läuft es, zu hause ebenso wie in den schreibzeiten. ich könnte auch sagen, ich habe meine schreibzeit jetzt auch im eigenen heim. endlich. das hilft ungemein.

der letzte sommer dann, wieder hier in dieser wohnung. ich suche nicht weiter, genau hier ist es richtig. august 2018 also, ein jahr nach dem vorsichtigen anfang, und es war grandios. unschlagbar heiß, unerträglich im grunde. aber ich mitten in der arbeit und immerzu zweifelnd. anders kann ich wohl gar nicht erst. und ich ebenso mitten in dieser kleinen stadt, voller sehnsucht nach ruhe und weite. so sehr, dass ich gar nicht wieder gehen wollte.

und jetzt? nun ja, ich weiß noch nicht so recht. wird sich zeigen.

doch der unterschied lässt sich messen. er beläuft sich seit heute auf 197 seiten text. und einen agenturvertrag. ich glaube, das kann sich sehen lassen.

bonding (52)


so. das war kapitel 15. morgen noch einmal durch die letzten beiden seiten, dann soll das gut sein. bis auf weiteres zumindest.

zwei seiten tango übrigens. wenn ich schon nicht mehr selber tanzen kann. irgendwer muss ja, soll ja. in meinem namen. und die drei machen das ganz gut, glaube ich.

wie drei? ach so, naja. was weiß denn ich!? ; )

noch ein ganzer tag morgen, anschließend ein halber vielleicht. ich weiß es noch nicht so genau. das sollte reichen für zwei seiten. ich mag das ja, wenn die orte, die dinge und die zeit sich derart einig sind. das ist selten.

bonding (51)


beim schreiben muss man sowohl mit erwartungen als auch mit prognosen immer so vorsichtig wie möglich sein. ich sollte das wissen. ich weiß es auch, aber ich ignoriere es mit größtmöglicher bereitwilligkeit.

zwei kapitel hatte ich mir vorgenommen in dieser schreibzeit. das eine, kleine fertigmachen, das ja längst angefangen und im grunde schon so gut wie abgeschossen war. dann das folgende, weitaus größere. zumindest grob durchpflügen sollte doch drin sein, dachte ich, einmal von vorne bis hinten. so war das geplant. gewesen.

nicht eingeplant war die müdigkeit, obwohl ich gerade die hätte voraussehen können. und sollen. doch das eigene, das so tief in das schreiben hineinwirkt, mitunter, gerade das verleugne ich seit jeher nur allzu gern. zumindest wenn es um die physis geht. ebenso nicht eingeplant war die arbeit an der kapitelstruktur, obwohl diese glasklar auf der hand lag. ignorieren ließ sich das nicht, auch nicht übersehen. nur dachte ich eben, das wäre an einem nachmittag erledigt.

da lag ich wohl falsch, in beidem.

gerade eben erst zeigt sich, dass ich wohl froh sein kann, wenn mir das eine, kleine kapitel noch gelingt. genau genommen bin ich zuversichtlich, es läuft wieder. ich musste nur erst zurückfinden an diese stelle des manuskripts, während die intensiven planungen der ersten paar tage hier sich ja auf ganz andere, viel spätere romanphasen bezogen. eine rasante reise, ich muss schon sagen.

doch im grunde liege ich jetzt ganz gut, es gibt nichts zu klagen oder zu jammern. schon gar nicht wegen der zeit, im gegenteil. übersicht habe ich gewonnen, spielraum und weitsicht. damit lässt sich doch arbeiten, ganz sicher.

oder anders gesagt: ich denke wieder, dass es durchaus etwas werden könnte in diesem jahr. fertig werden, meine ich, mit allem. nicht nur das eine oder andere kapitel, sondern die erstfassung.

tragisch ist nur, dass jetzt gern bleiben würde, hier an meinem schreibzeitort. gerade habe ich mich eingegrooved, dehne mich aus zwischen schlafen, arbeiten, mittagsschlafen, eisessen, radfahren und weiterarbeiten.

so ein woche noch, zusätzlich. das wäre gut.

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