am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bodenberührung

gemütlich. so war es heute hier. losgelaufen gegen mittag, ein bisschen mit der straßenbahn vertan, aber egal. stattdessen die u-bahn genommen, falsch ausgestiegen und den stadtpark gefunden. der, mit der güldenen johann-strauss-miniatur und diesem hässliche kanal. irgendwie dann doch den weg zum augarten gefunden, da dann gleich wieder verlaufen und das gelände von linksrum hinten betreten. da, wo es tatsächlich etwas waldig ist.

im grunde ist auch dieser park einer mit spalierstehenden bäumen und durchschlagenden sichtachsen. preußisch, denke ich dann immer. potsdam. jeder nach seiner fasson, also eigentlich französisch. ich mag das nicht. ich finde das schlimm.

herausragend am augarten sind tatsächlich die beiden betontürme, ebenfalls schön in achse. das ist zutiefst absurd. man könnte wohnen, dort irgendwo, und einen ständigen blick auf den gezirkelten garten und auf betonmassen haben. alltag.

aber eine recht angenehme wiener gegend, diese leopoldstadt. scheint mir ruhiger, beinah ein wenig gediegen. aber nicht zu posh, so auf den ersten kleine blick. außerdem jüdisch besiedelt, bis heute, ganz offensichtlich. alltag. das ist in berlin ja leider häufig anders, nicht offen sichtlich, besonders in neukölln.

auf dem rückweg lerne ich straßenbahnfahren. lerne, dass der hinweg deutlich einfacher gewesen wäre, hätte ich die straßenbahnen berücksichtigt. schöner auch, weil man von da aus etwas sehen kann. dennoch steige ich nach wenigen haltestellen wieder aus, um einmal die innere stadt zu durchqueren.

da ist nichts, was mich über die maßen interessiert. zumindest heute nicht, aber es ist schon auch schön dort. abseits der touristenmaschine, die alten steine in den gassen. auf das muss ich immer, als ruhrpötterin, wo alles nachkrieg ist. altes suchen und finden. den boden, am besten noch berühren.

ich gehe zügig und sicher, ich tue so als ob. mich erwischt keiner der kostümierten animateure überall. ich gehe tapfer durch die häuser hindurch, meistens geht das ja. und verlaufe mich dann doch, auf der suche nach der einen, bestimmten straßenbahn. das war wohl zu hoch gegriffen.

am ende rette ich mich in die nächste u-bahn, wo zwischen zwei verschiedenen u-bahn-linien menschen mit gelben westen spalier stehen. über die ganze breite des gangs werden die tickets kontrolliert. wow. das ist beeindruckend, aber so richtig begreife ich es nicht. eine beförderung findet ja an der stelle noch gar nicht statt.

passt

ich schlafe lange und träume viel. wirres zeug, nicht der rede wert. wie ich gummibärchen kaufe, zum beispiel, einen riesigen plastikeimer, und drinnen ist ein plastiklöffel, damit sollen wohl die bärchen gelöffelt werden. bah!

natürlich sagt das nichts über mein derzeitiges essverhalten, überhaupt gar nicht.

viel zu spät also breche ich auf zum augarten, eher halbherzig, und ich verfahre mich gleich zu beginn, kriege mich wieder ein, finde mich im laufen, habe aber mein handy vergessen. also weiß ich nicht, wo ich hinlaufe, aber egal. und dann wird alles anders.

so geht urlauben für mich, glaube ich. von außen wie ein großes, leeres nichts.

ich kaufe eine lederhose, mehr oder weniger spontan. eigentlich wollte ich das schon lange, hatte aber in münchen nie den mumm. hier scherze ich mit der dezent bedirndlten verkäuferin und finde mich gar nicht peinlich. zumindest solange ich nicht in den spiegel schaue. denn da steht mir eine alte frau gegenüber, in kurzen kinderhosen, die selig grinst.

  • die haben sie fürs leben, sagt das dirndl.
  • für den letzten rest, denke ich. (denke ich.)
  • sagen sie das nicht, sagt das dirndl.
  • (oups!)

dann finde ich eine u-bahn, die mir vertraut vorkommt, hier ist ja alles mit farbe, das hilft. so komme ich wieder in die gegend, in der ich wohne. und hier angekommen kann ich laufen, ohne nachsehen zu müssen. ich rate die richtung, biege ab in kleine straßen, verzeihung gassen natürlich, und komme genau da aus, wo ich denke dass ich auskommen müsste. alles stimmt, die gegend findet sich zusammen in mir. ich rate sogar die straßenbahn, korrekt, die mich bis vor die tür bringt. die 49.

beim gehen denke ich text. bruchstücke, die einen ansatz für das nächste projekt sein könnten. das, dessen papier ich zu hause vergessen habe. im grunde sind es weniger als bruchstücke. nur satzfetzen, die die neue richtung markieren könnten. stilistisch vor allem. das ist gar nicht so schlecht, vielleicht sogar das deutlich bessere vorgehen. ganz neu, ganz anders. an nichts altes gebunden, das ist ja gescheitert.

sagte ich schon, dass der neue text von einer reise nach wien handelt? vor über vierizig jahren, ende der siebziger.

die dinge finden sich.

urlauben

ich bin eine schlechte reisende, ich sage es immer wieder. und es stimmt, auch wenn ich mir und allen anwesenden gelegentlich beweise, dass ich es durchaus kann. wenn ich muss. aber ich reise wirklich nur, wenn es einen grund dafür gibt. und urlauben kann ich überhaupt nicht. oder nur, wenn andere mich dazu einladen oder mitnehmen. dann allerdings kann das sogar sehr schön sein.

jetzt und hier tue ich nun also, was zu tun ich herkam. und das ist nicht urlaub. das ist auch nicht schreiben, in erster linie, wie das vergessene papier mich lehrt. ich bin hier, um hier zu sein. das ist alles.

mehrmals am tag laufe ich los, einfach so. sehen, wo ich lande. wie ich mich zurechtfinde, mich wiederfinde. hier. das wetter kommt mir entgegen, es ist warm und es windet. das ist gut. wien erinnert mich manchmal an altenessen, auch hier gibt es diese nachkriegsschuhkistenhäuser. dann wieder meine ich mich in wuppertal, obwohl die leichte hügeligkeit den vergleich zum bergischen land keineswegs standhalten kann. als ich nachschaue, welche neue gegend ich morgen erkunden könnte, welchen park, schönbrunn vielleicht oder schloss belvedere. darin erkenne ich die kleine stadt bei berlin, die ich so lange für mein schreiben bevorzugt habe, obwohl die doch so preußisch ist.

ich entscheide mich für den augarten, vor allem wegen den kriegsmonstern, die mich als kind so beeindruckt haben. als ich das erste mal hier war, nicht allein. im geflecht der familie, in höchster urlaubsanspannung ohne ausweg.

auch deshalb urlaube ich nicht. weil ich es nicht kenne.

was ich nicht tue, irgendwie nicht umsetzen kann, selbst wenn ich es womöglich gerne wollen würde, das sind museen, theater, solche sachen. ich schaue nicht einmal danach, ich nehme mir nichts vor, und was ich zufällig finde, das merke ich mir nicht. als wäre es nicht erlaubt, für mich, nur für andere gemacht.

nein, hier verlaufe ich mich in selbstverachtung. auch das kann ich, wenn es der grund für eine reise ist. aber deshalb bin ich nicht hier, nicht jetzt.

ich will durch die stadt laufen, sie erfahren, sehen, riechen und spüren, ob ich hier leben will in ein paar jahren. als letzten schritt sozusagen, noch einmal etwas ganz anders. (das hatte ich immerhin als kind schon gewusst: in wien will ich sterben!) und was mich quält und beschwert bei jedem schritt, das ist die frage, ob es dazu nicht zu spät ist. ob es überhaupt möglich sein wird, die überlegung allein. die entscheidung.

es ist nicht leicht über die armut hinwegzusehen, schritt für schritt, die im alter womöglich wieder mein leben durchdringen wird. jetzt nicht, und auch nicht morgen, übermorgen, kommendes jahr. aber die chancen dazu stehen gut, auch weil sich auf dem gebiet des schreibens nun so lange schon nichts als stagnation ausbreitet. unter armut fällt man keine solchen lebensentscheidungen. da geht es nicht um schönheit, weite oder träume. da bleibt man, wo man ist und fragt nicht.

am besten schaut man nicht einmal hin, aber das konnte ich noch nie. nicht sehen und nichts sagen.

freiwillig

das hab ich fotografiert, weil ich mir das merken wollte. diese passage, ausgehend von der inneren mariahilfer straße, den raimundhof. und der hinweis, dass der durchgang durch diese freiwillig ist, unbezahlbar. (obwohl die dinger in wien wohl genau so heißen.)

jenseitig

tanzen bis zuletzt, zu haben im TANZCAFE JENSEITS in wien.

meinwien/8

eines in berlin wird mich killen, das weiß ich jetzt schon. das mit dem verkehr. womöglich war ich ja in wien nur in gegenden, in denen es entweder verkehrsberuhigt oder aber sonstwie sowieso ruhig ist, kann sein. aber dieses aufeinander schauen, dieses unhektische und nicht aggressive. unfassbar, wie wohl das tut. alle mit allen, also alle zusammen. das ist kaum zu fassen, wenn man aus berlin kommt. ich kann gar nicht sagen, wie oft ich in den letzten tagen unschlüssig an irgendeiner wiener kreuzung stand und sämtliche, wirklich alle autos, die langsam daherkamen: sie blieben stehen. für mich, die ich nicht einmal sicher war, wohin ich denn eigentlich wollte. (beinah schon schweizer verhältnisse.)

in berlin unvorstellbar! keine ahnung, welche maßnahmen ergriffen werden und wie lange sie sich etablieren müssten, damit so etwas auch nur in den bereich des möglichen käme. allein davon zu träumen liegt im land der utopie. knn sein, dass das an der menge der menschen liegt. so viele autor, so viele fahrräder, roller, scooter und anderes zeug. so viel gedränge in den bussen und bahnen, ober- und unterirdisch. kann sein, dass es an der weite liegt, der riesigen ausdehnung der stadt. ja ja, ich weiß. das sind oft nicht leicht zu bewältigende strecken. aber das gehupe und geschrei, immerzu. als wäre es ein kampf, um den raum, den fahrraum, parkraum und schutzraum.

ja gut, vielleicht ist es das. in berlin. ein straßenkampf oder so ähnlich. (blödes wortspiel, ich weiß. ach egal.)

eines ist klar. in wien bräuchte ich kein motorrad, schon gar keine so große kiste wie die jetzige. die kawa käme weg, noch in berlin. das e-bike reicht, die öffentlichen sind super, und überhaupt. die stadt ist klein, da geht man auch zu fuß recht gut. (wie in wuppertal damals, nur ohne das treppensteigen). aber vielleicht eine brixton? sind die nicht eh aus österreich?

meinwien/7

schlechte nacht bei maximal dröhnender klimaanlage. irgendwann schlage ich taumelnd und ohne brille das fenster zu, klemme dabei offenichtlich die gardine ein, am morgen hat sie löcher. geholfen hat es auch nicht, in dem doch recht kleinen zimmer und in der hitze kommt ohnehin schnell das gefühl des eingesperrtseins auf. kurz danach wird nebenan ausgiebig gevögelt, vermutlich in einer wohltemerierten umgebung.

jetzt sitze ich in einem café mit durchschnittlichem kaffee, aber sehr guten pancakes. es gibt netz. ich habe den rechner dabei, den ganzen tag werde ich ihn mit mir herumschleppen, müssen. immerhin wird der tag nun wohl doch nicht der heißeste dieser woche. im gegenteil, ab nachmittag soll ein temperatursturz stattfinden, zehn grad weniger. schon jetzt weht ein guter, lauer wind durch die passage, in der ich sitze. und mir sorgen mache, ob es mir gegen abend nicht zu kühl sein wird.

ja, ich bin eine schlechte reisende.

ich sitze hier und lese. oder ich schreibe. ich habe vor, lange hier zu sitzen. die basilikum-limette-limo ist ausgezeichnet. laufen werde ich später, vielleicht. oder anderswo sitzen. das klingt schon besser, das klingt wie gutes reisen. richtig?

wenn es eines an wien zu bemängelt gibt, dann, dass es an schönen, großen bäumen fehlt. so viele fenster liegen prall in der sonne, unbeschützt, und auch insgesamt verbessert sich ja das klima einer stadt durch begrünung. berlin ist da ein segen. ich habe hier und da angemerkt, wie sehr das hier fehlt, und immer die antwort erhalten, dass nichts zu tief wurzeln dürfe, weil die unterirdische versorgung recht hoch läge. oder so ähnlich, keine ahnung. recherchiert habe ich das nicht.

aber ich registriere die vielen dachgärten, die von nahezu überall zu erkennen sind. das gefällt mir, auch wenn es mir nahezu unwirklich vorkommt. ich stelle mir das zu heiß vor da oben. aber wer weiß, vielleicht weht auch da ein guter wind. so ein begrüntes dach würde ich gern mal besuchen, um es selbst zu erfahren, aber vermutlich tragen diese gärten wie auch immer zur verbesserung des stadtklimas bei. könnte ich mir vorstellen.

und dann es gibt diese großen wasserdüsen überall, die sprühnebel um sich verbreiten. einfach so auf der straße stehen die, und der asphalt darunter ist klatschnass. das ist witzig, ich mag das, hilfreich ist es auch. aber es ist wohl nix mit wassersparen, weniger duschen und die gärten verdursten lassen. hier scheint es wasser genug zu geben, anders als in berlin und brandenburg.

ich wünschte, ich könnte die politik und ihre themen ausblenden, wenigstens im urlaub. ein ganz klein wenig gelingt das vielleicht, weder in klagenfurt noch hier in wien habe oder hatte ich tv. das hilft, aber im grunde geht es eben nicht. nie.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner