am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

meinwien/11

wien bleibt konstant windig und staubig in diesen letzten tagen, dazu ebenso konstant unter 30°. das ist gut, heißt allerdings nicht, dass ich nicht ständig verschwitzt bin. es ist eben auch schwül, so hätte man früher gesagt. morgen soll es wieder regnen, da bin ich froh. und zurück in berlin soll es dann richtig kalt sein, die ganze woche über. das wiederum kann ich mir kaum vorstellen.

wien ruscht mir ein wenig weg, das tut mir sehr leid. ich weiß nicht, wann ich wieder herkommen kann. doch es war letztendlich wesentlich mehr schreibarbeit als gedacht, die ich mir mit hergebracht habe. pech! aber jetzt bin ich fertig, zumindest habe ich abgegeben. also schluss.

gestern war ich noch einmal im wienmuseum, musste noch etwas nachschauen. dann bin ich zurück durch das eher poshe wien, wie mir scheint. vorbei an der staastsoper, ein sehr fettes ding. heute bin ich dann früh raus in den wind, mit der bahn bis zum yppenplatz zum dyke march. lange geblieben bin ich nicht, demos sind mir ja immer ein klein wenig langweilig. aber der yppenplatz ist cool. mit markt heute, sehr ähnlich dem am maybachufer. nur irgendwie besser. viel weiter, mit mehr raum, mehr licht. wirklich sehr schön.

viel gelaufen bin ich heute, das ging so grade wieder. seit ich mir gleich am ersten tag in münchen eine blase unter den linken fuß gelaufen habe, war das leider ein wenig schwer. ich verstehe nicht, wie andere das machen. sich ihre blasen nicht unter den fuß zu plazieren, sondern an die ferse vielleicht oder auf die zehen. ich kann das nicht, das ist übel. blasen an den fußsohlen muss man öffnen, sonst geht gar nichts mehr. das wiederum bedeutet ein ständiges säubern und frisch verkleben, zum teil mit fersenpflastern, die innerhalb von ein paar schritten sich fest mit den socken oder schuhinnensohlen verbinden. das klebt wie aus. vier blasenschichten habe ich gezüchtet in diesen knapp zwei wochen, immer wieder hat sich eine neue in der frischen neuen haut nachgebildet.

morgen werde ich noch ein wenig unterwegs sein, aber viel zeit bleibt nicht mehr. dabei ist wien eine laufstadt, wie gemacht dafür. schade!

meinwien/10

gestern in konstanter hitze, schweißnass das wienmuseum betreten. ein schönes, wohltempriertes gebäude, in dem man sich gut aufhalten kann. gerne auch ein paar stunden, bevor die gebuchte führung beginnt. drei stunden später dann wieder ins freie treten, da ist es dunkel geworden und kühl. ganze 10° kühler.

weiter geht ein wind durch wien, so tut das gut. wien ist ja ohnehin recht windig, und zwar nicht im doppelten sinn. hier weht es oft und kräftig, ob fönwarm oder kühl. aber den rest der woche bleibt es unter 30°, so heißt es zumindest. ich hoffe sehr darauf.

ein guter tag also, um noch einmal nach und durch schönbrunn zu spazieren. das liegt ganz in der nähe, und ich wollte schon immer mal zur gloriette hochlaufen und schauen, wie sich wien von da aus macht. letztendlich war es mir aber immer zu warm, die breiten, schnurgeraden schotterwege sind im sommer wahre glutöfen. allerdings kann man sich auch durch die „wälder“ schlagen, kein problem. weniger grade, schmale und verschattete wege, treppauf, treppab dort hoch, die gibt es auch.

oben angekommen wird dann alles wieder weit, und es ist heiß. vor allem auch staubig, bei dem wind, der da geht. es ist richtig ein bisschen stürmisch. und der blick auf wien, der ist so lala. man sieht, wie übersichtlich die stadt im grunde ist. alles recht niedrig, wenige gebäude, die herausstechen. das muss aber auch alles nicht. da liegt eben eine stadt in einer senke. eine schöne, eine seltsame stadt, und so lange schon.

langsam wird mir klar, dass ich mich von wien nicht einfach so verabschieden kann. jeden schritt, den ich hier gehe, sagt mir, dass ich genau hier sein sollte. es sind reine sachzwänge, die mich davon abhalten. schwerwiegende sachzwänge. aber, wer weiß? irgendwann muss ich die geschichte des fräuleins finden, erfinden und erzählen, das hier um die ecke vermutlich jemandem zu diensten war. und dafür muss ich recherchieren, sehr viel mehr als ich das bislang musste.

das ist nirgends anders, das ist hier. das ist sicher.

meinwien/9

doch nicht im wienmuseum gewesen heute. bei der recherche habe ich herausgefunen, dass es am mittwoch eine führung gibt, an der ich gern teilnehmen möchte. Frauen in der Wiener Geschichte. es ist das bild, das mich sofort gepackt hat: ein klappbett für eine dienstbotin. so soll meine urgroßmutter hergekommen sein, zu diensten in einem haus in wien. ich weiß leider nicht wo, auch nicht von wo genau sie gekommen sein mag. doch ich weiß mehr inzwischen als beim letzten mal als ich hier war. ich kenne ihren vollen namen, ich weiß besser, wie lange sie in wien geblieben ist, viel länger als ich dachte. und ich weiß, dass sie nicht gleich ins ruhrgebiet ist, sondern nach berlin. in die heutige kollwitzstraße. tatsächlich! ihr name findet sich in alten adress- oder branchenbüchern, wo sie als blusennäherin annonciert, mehr als einmal. und immer noch unter ihrem mädchennamen, der heute der meine ist.

aber das habe ich sicher alles schon einmal hier aufgeschrieben, in wenig anderen worten vermutlich. die geschichte dahinter, die kenne ich noch nicht. ich weiß auch nicht, wie ich sie finden könnte. die zu schreibende geschichte weiß erst recht nicht, die wartet. ich warte auch. bis ich sie erfinden kann.

also habe ich den tag begonnen und ein bisschen handwäsche erledigt. lange her, so ohne waschmaschine. ein paar socken, zwei unterhosen, drei t-shirts. danach erst gab es kaffee und frühstück, in aller ruhe. anschließend bin ich raus, vorbei an der letzten wiener adresse der berliner blusennäherin, zeillos durch wien. nichts neues, einfach durch die gegend, die ich inzwischen am besten kenne. heute fühlte sich das sehr nach zu hause an, das ist natürlich trügerisch. das ist zu einfach, und es schmerzt ien wenig. morgen, in der gegend um den karlsplatz, wird das anders sein. die kenne ich bislang nur wenig, die liegt irgendwie zwischen museumsquartier und stadtpark. totes, leeres land. aber die karlskirche sieht grandios aus, ich freue mich.

das wetter wird auch erträglicher, hoffentlich. heute war es noch recht schlimm. gegen ging nur im schatten, in der sonne weder sitzen noch bleiben. auch nicht in der tram, oder bim, oder wie auch immer. da nur auf der richtigen seite. ich schwitze und klebe, es ist nicht schön.

wienzeit ≠ schreibzeit?

während es sich in ganz deutschland, zumindest aber in berlin, offensichtlich deutlich abgekühlt hat, heizt sich wien gerade erst auf. zum glück nicht über 40°, aber doch deutlich in diese richtung. gestern 39°, heute 38°, morgen nur noch 35°, danach geht es noch weiter abwärts. das sagt zumindest die app.

in der unterkunft empfängt mich ein großer standventilator, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. die wohnung ist klein und eher unterdurchschnittlich. dafür natürlich günstig. ein zimmer mit zwei fenstern zur straße, ein vorgelagerter raum beherbergt bad und küche. er liegt gleich hinter dem eingang. dusche und klo sind separat, das ist hier ja nicht ungewöhnlich. es gibt keine waschmaschine, das hatte ich übersehen. mist! vieles hier ist kaputt oder auf dem weg dahin. zum beispiel beiden vorhandenen stühle. das ist unangenehm, denn ein kleines bisschen will ich ja doch arbeiten. und der tisch ist zu klein, der schrank wackelt, die schönste der vorhandenen lampen flackert, geht dann aus. außerdem ist alles vollgestellt mit den häßlichsten aller plastikpflanzen. die musste ich erstmal in einer ecke zusammenstellen, damit ich auch den letzten platz nutzen kann.

aber das geschirr ist sauber und nett neutral, die dusche frisch renoviert. das kommt mir entgegen. wie natürlich der ventilator, da hat jemand mitgedacht. es gibt nur die beiden fenster zur straße, zwar liegen die in richtung norden. außerdem schaue ich auf eine häuserfront gegenüber, es gibt keine direkte sonne. niemals. um den himmel zu sehen, muss ich mich aus dem fenster lehnen. draußen geht ein schneller, aber heißer luftzug heute. wie aus einem fön. drinnen kann ich nur den glaseinsatz der wohnungstür ins treppenhaus öffnen. was ich natürlich tue, denn dort ist es kühler.

es ist also so, wie es klingt. ich war nur kurz zum einkaufen draußen, kurz vor mittag. den rest des tages habe ich hier verbracht, gelesen und gearbeitet. im luftzug des ventilatotors. und das war gut so, ich bin zufrieden. ich will ja nur das exposé putzen, das ich am sonntag abgeben muss. das meiste ist längst fertig, aber man weiß ja nie. jetzt bin ich im thema und habe auch noch etwas luft.

aber wienuraub ist das nun natürlich nicht, da hat mir die hitze doch erhelblich reingefuscht. vielleicht gehe ich morgen ins wienmuseum, das wurde mir empfohlen. und verbringe den ganzen tag dort, in einem hoffentlich gut gekühlten gebäude.

wienzeit

statt schreibzeit sosagen, sonst wäre ich am ende zehn tage in der stadt gewesen, ohne wirklich in der stadt gewesen zu sein. das ist mir im sommer schon passiert, und das war ziemlich blöd. dem text ist es zugute gekommen, ja. aber mir nicht so wirklich.

für diesmal heißt es: die letzten tage waren reine schreibtage, bis heute. und zwar in dem muster, wie ich es hier schon festgehalten habe. also mit einer kleinen mittagspause irgendwo unterwegs in wien, für ein besseres funktionieren. schreiben hat ja immer auch etwas physisch anstrengendes, und das nicht nur, weil ich dabei auf enem blöde küchenstuhl vor einem bildschirm hocke.

die letzten tag waren außerdem zwar alle recht mild, aber auch ein klein bisschen verregnet. heute gab es dann sonne satt, da konne ich nicht anders. und musste noch einmal deutlich ausgedehnter ein weiteres stück wien erkunden, das mir bislang noch weitgehend unbekannt ist.

also zum schottenring gefahren und von dort aus in die berggasse, zum freudmuseum spaziert. ich war nicht sicher, ob ich auch hineingehen wollte. (wollte ich dann nicht.) aber ich wollte die gegend sehen, deren name mir bislang nicht einmal geläufig war. rossau, nie gehört. aber beachtlich, ganz anders als der bereich um den westbahnhof, in der ich mich hauptsächlich herumtreibe. aus gründen. allerings auch definitiv in der kathegorie unerschwinglich. (unleistbar, wie es hier heißt.) was schade ist, denn dort war es streckenweit sehr, sehr ruhig. und viel sauberer als hier. (fünfhaus, wenn ich mich nicht irre.)

weil ich eben schon schottentor statt schottenring geschrieben habe, fahre ich vielleicht morgen zum schottentor, steige dort aus und schae mal. obwohl ich da sicher schon war, aber mal sehen. es ist ja immer wieder überraschend , wenn in fremden städten so nach und nach die bekannten bereiche zusammenwachsen. ganz überraschend mitunter, an rändern, an denen man es nicht erwartet.

und gestern übrigens, da bin ich die pumpendorfer gegangen, von der u-bahn-station bis zum raimundhof. das war nicht so schön. das ist keine gute straße, zum laufen zumindest.

echtes handwerk

am morgen, nicht allzu früh, ein kleiner schock. als das radiofeature, das ich noch im bett zu hören begonnen habe, plötzlich abbrach, und ich feststellen musste, dass das wlan ausgefallen war. nach zehn bis fünfzehn minuten leicht panischem herumprobieren, alle kabel checken, den router neustarten, dann nochmla und noch einmal, da ging es auf einmal wieder. da war ich kurz davor, den vermieter kontaktieren zu müssen, um ihm, leicht panisch, meine missliche lage darzulegen: also nein, ich bin hier nicht im urlaub, ich arbeite, ich muss also ein netz haben. sofort.

wie elend das doch alles ist. das erste buch habe ich ganz ohne geschrieben, aber immerhin auf einem computer.

dennoch: die wohnung, die mir gestern noch ein wenig unheimlich war, gefällt mir heute deutlich besser. eingerichtet ist sie ziemlich scheußlich, da gefällt mir wirklich nichts. auch die baulichen gegebenheiten sind eher fragwürdig, die heizung macht mitunter geräusche wie ein formel1-rennmotor und die klospülung scheint jedesmal zum abschluss aus den badewannenabfluss zu rülpsen. auch der blick aus dem fenster ist ein wenig traurig. an dieser stelle ist die straße schmal, deshalb schaue ich vor allem in die gegenüberliegenden fenster. aber gut, ich bin hier auch im ersten stock, und es gibt von drüben auch eine schöne reflektion des sonnenlichts von der fassade.

die gegend hingegen gefällt mir sehr, ich bin froh über meine entscheidung, diesmal genau hierher zu kommen. bislang war ich in der gegend ja nur herumspaziert, jetzt bin ich da. und ich erkenne eine art leichtigkeit. es ist alles gut durchwachsen, es gibt enge und weite momente. es gibt richtige dönerbuden, diverse alternativläden und echtes handwerk. es ist also keinesfalls so posh wie in neubau, und das ist gut so. ein bisschen dreckig ist es auch, aber nicht so sehr wie in neukölln. vielleicht komme ich wieder, im sommer.

von hier aus kann ich zum auer-welsbach-park spazieren, ich muss einfach nur der straße folgen. dort angekommen überkommt mich doch wieder der tiefe wunsch, doch noch einmal den ort wechseln zu können. herkommen zu können, für immer. das ist beängstigend, das geht einfach nicht weg. obwohl es nicht klug ist, diesen gedanken weiterzuverfolgen.

aber es hilft ja nichts. auf dem weg zurück fragt mich eine frau, ob ich von hier sei. ich schüttle den kopf, sage spontan naaa, mit einem langgezogenen a. und bin im gleichen moment peinlich berüht von meinem albernen versuch, aus tiefstem inneren offensichtlich so tun zu wollen, als sei ich eben doch von da. nein!

wien kann übrigens schon auch ziemlich überraschen. als ich mich das erste mal genau hier umgesehen habe, das war vor etwa drei jahren in etwa, schätze ich. da habe ich auch berichte gelesen, die einen umbau der äußeren mariahilfer ankündigten. und jetzt, jetzt ist das doch tatsächlich schon umgesetzt. da ist man als berliner*in ja platt. es ist fertig, richtig fertiggebaut, bis ziemlich genau zu dem haus, in dem mein opa damals. also hier, genau hier. und direkt gegenüber wird auch mächtig gebaut, eine stadtoase. wow!

wobei: eines muss ich jetzt mal klarstellen, auch für mich selbst und für das möglicherweise nächste buchprojekt. es ist nicht der opa, um den es geht. über den wird bald alles gesagt sein. eigentlich geht es um seine mutter, meine urgroßmutter, von der ich so gut wie nichts weiß. nicht einmal ihren vornamen. was ich aber weiß, ist hochspannend. das reicht für einen anfang. denn immerhin trage ich ihren nachnamen, von dem ich immer wusste, dass ich nie hergeben würde.

meinwien ist anders

wie immer, die geplante reise angetreten, ohne wirklich reisen zu wollen. das kenne ich ja inzwischen von mir, dass ich bereits im voraus reisemüde bin. das muss ich hier eigentlich auch nicht noch einmal erwähnen. nein, ich bin keine reisende. tue es aber dennoch, wenn es sein muss. weil es sein muss.

wien empfängt mich windig und kühl, schwer wolkenverhangen, aber ohne regen. das war gestern, nach einer langen zugfahrt, vorn im ersten wagen, auf dem panoramasitz. die scheibe war natürlich vernebelt, also habe ich getan, was ich tun muss und tun will. den rechner ausgepackt, die papiere dazu und in das bestehende chaos eingetaucht. daraus dann in drei stunden drei seiten zusammengeschrieben. noch nicht den text, erstmal nur die struktur. selbst dazu bin ich ja in der letzten woche nicht mehr gekommen. die arbeitszeit im zug war also ganz anders als bislang, wo ich gleich in den text springen konnte. möglich, dass auf diese weise mehr ruhe ins schreiben kommt.

heute ist das wetter hervorragend, solide zwölf grad, viel sonne und wind. also in der sonne gut warm und im wind recht frisch. morgen soll es ähnlich sein, in der nächsten woche dann richtig toll. die wohnung ist so lala. wieder eine, die eher etwas seltsam ist. das schlafzimmer hat keine tür und liegt direkt gegenüber des eingangs. das bad riecht seltsam, aber das liegt wohl an dem blauen klodeozeug, das bei jedem spülen aktviert wird. sage und schreibe elf plastikblumentöpfe stehen hier herum, die hab ich als erstes alle zusammen in eine ecke plaziert. da können sie gerne ein rudel bilden. außerdem darf ich nur die beiden handtücher nutzen, die mir bereitgelegt wurden. jedes weitere kostet drei euro. aber mit keinem darf ich mir die haare trocken, wenn diese gefärbt sind. wobei: nee, meine haare haben ja schon lange keine farbe mehr. da bin ich also raus.

die stadt überwältigt mich nicht mir auf anhieb, mehr ein wenig verzögert vielleicht. die rasanten u-bahn-rolltreppen überraschen mich nicht mehr, ich richte mich schon im vorfeld darauf ein. ich stehe vor straßenbahnschienen nicht mehr blöd herum und suche nach der ampelregelung. ich weiß, dass es keine gibt, dass es an mir ist, auf straßenbahnen zu achten. lediglich deren laute warnzeichen, immer und überall, erschrecken mich noch. aber wenn ich wieder schöne neue worte lerne, heute zum beispiel „wasserrohrgebrechlichkeit“, mit betonung auf rohr, wenn ich mich verhört habe. das war eine durchsage in der straßenbahn.

dass sich meinwien so ändert, liegt mit sicherheit auch daran, dass der wienteil des manuskripts fürs erste abgeschlossen ist. aktuell bewege ich mich in england, von wien aus, was aber ganz gut zu funktionieren schein. dahin reisen kann ich aktuell nun wirklich nicht. das andere ist, dass ich von hier aus jedesmal, wenn ich ein paar schritte bis auf die hauptstraße, die mariahilfer gehe, unmittelbar auf das haus schaue, in dem der opa gelebt hat. ich fahre mit der straßenbahn daran vorbei, und das erkennen dieses gebäudes macht es mir leicht, die richtige haltestelle zu erwischen.

dahinter wiederum liegt noch etwas anderes. die nächste buchidee, ein neues manuskript, dessen titel schon so lange feststeht. und das mit dem jetzigen eng zusammenhängt, mehr noch als mit den davor. mit dem aber auch.

wenn ich das noch tun will, wenn ich also einen kleinen funken sinn darin erkennen kann. dann muss ich wiederkommen, in mein anderes wien. denn dann gibt es hier viel zu tun.

anders wien

ich habe mich bemüht, meine tage hier etwas besser aufzuteilen, zwischen der schreibarbeit und eben dem hiersein. das geht ja nun wirklich nicht, dass ich in wien bin, das erste und vielleicht einzige mal in diesem jahr, und doch irgendwie nicht hier bin. und ich habe recht banale dinge getan, also nicht so zeugs, das man sich aus dem hochkulturkalender heraussucht.

im kino war ich. in E.1027, und verdammt, hat sich das gelohnt! dieser film ist wie ein tanz inszeniert, wie ein gedankestrom zugleich, ein lebenslanger atemzug der dinge. das thema hätte schrecklich gestaltet sein können, es birgt in sich alles, was nur allzugern verabscheut wird. und damit meine ich nicht nur, am wenigstens sogar, das frau-mann-desaster. nein! sehen sie selbst:

im theater war ich auch. das war geplant, die karte habe ich vorab in berlin bereits besorgt. die leopoldstadt hat mich von vorne bis hinten gepackt und mitgenommen bis zum ebenso erwarteten wie beklemmenden schluss. dabei sind sowohl stück als auch inzenierung auf den ersten blick recht bieder, insbesondere die bühnengestaltung, die aus einer reinen drehbühnenkiste besteht. innenraum, außenraum, immer im wechsel. und das ist es. dem entgegen stehen allein der text und die vier, acht oder noch mehr personen auf der bühne, deren timing und brillanz eine familiengeschichte durch die zeit atmet.

dazu habe ich einiges mitgenommen, was meinen text stützt. und dafür bin ich ja hier, dass dieses wien mein wienkapitel unterfüttert. ebenso wie diese sicht von riesenrad mir die heimliche dominanz, immer noch, der flaktürme bestätigt hat:

die donauinsel habe ich gesehen und die donau. leider war es dort recht voll, ich vermute wegen des donauinselfestes. damit hatte ich nicht gerechnet, derzeit scheint hier alles mögliche stattzufinden, von dem ich nichts mitbekommen habe. aber die donau kann doch richtig blau sein, das kann ich nunmehr bestätigen. mit einem deutlichen stich ins grün.

gestern war dann ein gerumpel und geklapper hier im treppenhaus, das scheint ein umzug gewesen zu sein. überall lag zeugs herum und vor dem haus stand ein transportwagen bereit. das hat mich ja schon ein wenig getriggert. ich weiß zwar derzeit wirklich nicht, woran ich bin. aber das mit mir und diesem wien ist wohl doch noch nicht so richtig vorbei. ich kann es nicht sagen, nicht jetzt. das muss wachsen, über dieses jahr hinaus. im herbst werde ich wohl ein letztes mal als gast wiederkommen, habe ich mir eben gedacht.

ob ich danach, im jahr darauf, hier etwas eigenes benötige? etwas sehr kleines für den anfang? nicht für immer, nur für einen weitergehenden test. ein schreibschlafzimmer mit internet, kochecke und duschklo, ein eigenes rad vielleicht. ob das überhaupt denk- und bezahlbar sein kann? meine kapazitäten sind und bleiben ohne zweifel beschränkt, ich müsste auf einen zufall hoffen. auf mehr als das.

oje. es ist möglich, dass genau das nötig sein wird.

schweberad

immer noch in wien. es scheint als wäre mein entdeckungsdrang der letzten jahre weitgehend erloschen. womöglich habe ich es mir also wirklich entgültig abgeschminkt, auch innerlich, hier tatsächlich irgendwann einmal leben zu wollen. in diese richtung hatte ich mir ja im winter erst, hier vor ort, sämtliche umwägbarkeiten vorgerechnet. die finanziellen vor allem, die altersbedingten und überhaupt. ich war zu dem schluss gekommen, dass es nicht möglich sein wird. dass es sich einfach nicht rechnet.

ganz einfache rechnung übrigens, mit einem traurigen ergebnis eines weitgehend armen lebens.

kann aber auch sein, dass ich diesmal wirklich viel text vor mir habe. viel schwerer zu bewältigen auch, weil es auf einen ersten fixen punkt zugeht. ich tue, was ich kann, und es läuft gut. (noch drei seiten.) außerdem habe ich mir eine heftige blase unter den linken fuß gelaufen, auf der anreise bereits. das rächt sich jetzt. ich kann gar nicht so viel herumlaufen und zu entdecken versuchen, wie ich möchte.

ich tue es aber doch, wie man sieht.

ja, mozartkugeln gibt es auch in wien. ganz echt, die aus salzburg. nicht überall, aber doch am prater.

da bin ich gestern hin, weil ich schnell mal mit dem riesenrad fahren musste. nicht für mich, für einen keinen teil des textes. dafür muss ich das wissen, wie das ist. meine erinnerung an riesenradfahren ist alt, sicher an die fünfzig jahre. jetzt also habe ich eine frische erinnerung, allerdings mit einem sicherlich viel moderneren riesenrad. und nun weiß ich auch nicht.

so ist schreiben, alles improvisation und imagination.

große lust hatte ich auf dieses riesenrad übrigens nicht. es ist auch gar nicht so riesig, aber dennoch war ich überraschenderweise begeistert. das ding ist tatsächlich gebaut wie die schwebebahn, alles genietet und gespannt. im rund gedacht, sieht das natürlich noch viel komplexer aus als in wuppertal.

großartig. auch die aussicht, ja. könnte durchaus sein, dass ich das noch einmal mache. einfach so.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner