am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ich brenne durch die nacht, ratlos. es ist eine schrecklich unsinnige zeit. es gibt  nichts zu sagen, oder kaum noch etwas. ich finde den einstieg nicht mehr, den ersten schritt. oder das thema.

diese leere. vielleicht läßt die sich doch noch irgendwie nutzen. irgendwann. kurz vor schluß vielleicht. ich brenne weiter.

männerbewegung in den wochenblättern (84)

Erstens werden Opfermythen verbreitet, nach denen Männer immer und überall benachteiligt seien. Das zweite Muster bezeichnet er als „Anti-Etatismus“ – öffentliche Institutionen würden für schuldig befunden, die Gleichstellung bevormundend voranzutreiben. Und als drittes Muster nennt er den Tabubruch. Die Männerrechtler spielten sich als progressive Denker auf, die es endlich wagten, gegen Denkverbote der political correctness vorzugehen.

schreibt johanna kutsche in der zeit. nichts neues eigentlich, spannend bis entlarvend versprechen aber die kommentare zu werden. ;-)

throwing bones

die zweite alte, kleine und kurze, wirklich sehr kurze, geschichte, drüben bei den bones: Bericht (ganz leicht überarbeitet).

jesus lebt in neukölln

das fahrrad auf der schulter stehe ich auf dem treppenabsatz und warte. für zwei menschen plus rad ist die treppe einfach zu schmal. außerdem steigt die frau die stufen nur langsam, schritt für schritt. ich mag ihr nicht in den weg laufen.

jesus wohnt ja bekanntlich ganz oben, sagt sie als sie an mir vorübergeht, um sich dann gleich an den weiteren, offensichtlich mühseligen aufstieg zu machen. keine ahnung, ob sie überhaupt zu mir gesprochen hat. dennoch stehe ich da und lausche. ich höre, wie ein stockwerk weiter oben erst geklingelt wird. dann geklopft. dann öffnet sich eine tür.

was solls, ich trabe schleunigst weiter nach unten. draußen regnet es. und es ist höllisch kalt in neukölln.

der geist der maschine

rechner nervt. verweigert mitunter den start. fährt auch schon mal selbstständig runter, um sich anschließend gleich wieder selbst neu zu erwecken. aber das konnte er ja von anfang an recht gut, eigeninitiativ hochfahren, ohne jeglichen impuls von außen. deshalb wird er jede nacht radikal abgeschaltet. vielleicht nimmt er das ja übel, vielleicht hat er ja eine seele. (vermutlich verabschiedet sich aber nur das netzteil oder irgendein anderes stück hartware, das auszutauschen ich mir dann nicht leisten kann.)

throwing bones

irgendwie muß ich mich wieder auf meine arbeit konzentrieren. so dachte ich eben. so dachte ich eigentlich in den letzten wochen schon immer wieder mal. ohne großen erfolg. der aktuelle text liegt brach, seit letztem november ungefähr. mittendrin abgebrochen, verlassen und verreckt. ich weiß einfach nicht weiter. obwohl ich genau weiß, wie es weitergehen soll. die tür krieg ich trotzdem nicht auf. nichts hilft.

statt dessen fallen mir plötzlich nachts diese geschichten von damals ein. allesamt ziemlich kurz, weil noch in die schreibmaschine gehauen. uralt also, fast zwanzig jahre. (kaum zu glauben.) keine ahnung, ob ich die überhaupt noch irgendwo habe, wenigstens auf papier. die meisten sind zwar irgendwo veröffentlicht, aber ich weiß wirklich nicht mehr, wo.

was soll ich sagen? zusammengetippt in einer kleinen worddatei, ich bin ein furchtbar strukturierter mensch. gut zwei drittel der kleinen sammlung verwerfe ich heute. harmlos bis läppisch oder aber schrecklich aufgesetzt. der rest steht, damals wie heute. fast bin ich selbst erschrocken. da ist es wieder, das thema gewalt. dazu kommen noch zwei weitere, etwas längere sachen.

den anfang macht nun Das Schweigen, drüben bei den bones. (in den knochen wühlen. auch darüber habe ich mal geschrieben, vor langer zeit.)

restart nach migräne

ich hab auch mal kopfschmerzen, höre ich oft. meistens beruht das auf ahnunglosigkeit, mitunter ist es auch ein mehr oder weniger versteckter vorwurf. keine ahnung, warum migräne das absurde image des drückebergertums in sich trägt. vielleicht sind es die witze über frauen, die sich vor dem sex drücken wollen. (seit wann ist sex eigentlich pflicht?)  dumme scherze, die gerne auch ins gegenteil verkehrt werden. nein, sex hilft nicht bei migräne. es hilft eigentlich gar nichts, ich hab alles schon versucht.

migräne kommt und geht wie ein grausamer gott, zu mir seit über dreißig jahren. dabei habe ich glück, ich bin nur zwei, höchsten fünf tage im monat völlig ausgeschaltet. (ich weiß von einer, die nach mehreren schlaganfällen inzwischen arbeitsunfähig und verrentet ist. und dabei noch keine vierzig.) der rest meiner zeit geht gut oder läßt sich bewältigen, irgendwie. sagenhafte sieben bis zehn tage im monat wache ich tatsächlich schmerzfrei auf. was jedesmal eine eigenartige wonne ist, kaum zu beschreiben.

anfangs wußte ich nicht, was das ist. migräne ist kein schmerz, jedenfalls nicht nur. migräne ist ein zustand, körperlich, psychisch und sozial. und ich dachte, die welt wäre eben so. so ist das leben, man wird langsam zerquetscht. so saß ich in der schule und hoffte, nicht entdeckt zu werden. froh, dabei sein zu dürfen. häufig aber unfähig, zu begreifen, was von mir verlangt wurde. zielgerichtetes hören und sehen fällt schwer. konzentriertes nach außen funktionieren ist so gut wie unmöglich. konsumieren geht aber meistens, wahrnehmen im sinne von begreifen. ich weiß auch nicht, warum. und wie. mitunter stand ich aber auch an der tafel und setzte lediglich die kreide an, weil ich mehr nicht verstanden hatte. setzen sechs, arbeitsverweigerung. für mich eine erleichterung.

natürlich habe ich inzwischen vieles unter migräne getan, erledigt und bewältigt, zum teil mit, zum teil ohne medikation. das gehört einfach dazu. prüfungen habe ich so geschrieben, unterricht gehalten, sex gehabt. geht alles, manchmal. alkohol trinke ich kaum noch, obwohl ich gerade harte sachen ganz gerne mag. doch wozu das übel auch noch provizieren. dafür werde ich ein manchmal etwas schräg angesehen. ich schiebe es auf das motorrad, darauf, daß ich diesbezüglich eine persönliche null-promille-politik fahre. was auch stimmt.

was mich aber nicht weiter ehrt, denn einmal, ein einziges mal, bin ich tatsächlich unter schwerster migräne motorrad gefahren. drei kilometer vielleicht, mehr nicht, nach zwölf stunden arbeit, abends um neun, bei schneeregen. ich wollte einfach nur schnell nach hause. wo ich dann anschließend über eine stunde lang, noch vollständig in der motorradwinterkluft, frierend im flur hockte und die letzten drei meter bis in bett nicht mehr schaffte. drei tage hat mich dieser zustand damals gekostet. lebenszeit. die bislang längste mirgänespanne. (meine lust auf einen neuen rekord hält sich in grenzen.)

der letzte donnerstag war vergleichsweise harmlos. keine zwölf stunden, dann war ich wieder frei. ein kilo körpergewicht habe ich in der zeit übrigens verloren. ich weiß nicht, wie das geht, aber das ist oft so. es waren auch schon mal drei kilo in knapp zwei tagen. migräne hat erwiesenermaßen viel mit magen- und darmgeschichten zu tun.

und wenn ich mal kopfschmerzen habe, einfach nur kopfschmerzen, dann nehme ich übrigens – wie alle anderen auch – eine schmerztablette. kopfschmerzen habe ich allerdings verhältnismäßig selten.

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