am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

tobak

weniger warm heute, aber immer noch warm genug. regen war angekündigt, aber geregnet hat es dann doch kaum. also die jacke angezogen, aber nicht den pulli drunter. so war es gut, da hab ich dazugelernt gestern. den hut hätte ich auch zu hause lassen können, aber der ist zu schick für einen ständigen garderobenplatz. deshalb.

ich wollte der gegend doch noch eine chance geben und ein bisschen laufen. außerdem gehört ja laufen zum schreiben wie die buchstaben zur schrift. und ich wollte einen wochendend-standard finden und haben, das war gar nicht so leicht. die plastikhänger an den laternen waren leer, in dem einkaufzentrum gab es keinen zeitschriftenladen und dann war ich auf einmal am bahnhof. der dortige buchladen hatte auch keinen, ohnehin kam mir der ziemlich mäßig bestückt vor. nur ein riesenstapel sauber gedruckter pamphlete gegen die geschlechtergerechte sprache usw. ist mir gleich am eingang in die augen gehüpft. das wäre ja interessant gewesen, aber sowas kauft man ja nicht. (und verlinkt man nicht.) und klauen wolle ich auch nicht, wirklich nicht.

beinah wäre ich schon wieder los und in vertraute gegenden gefahren, nur für eine zeitung. zum glück weiß ich inzwischen, dass man diesbezüglich hier auf das stichwort „tabak“ manchmal ganz gute karten hat. so wurde ich dann doch noch fündig.

also bin ich geblieben, hier in der umgebung. ich habe einen markt gefunden, der wie ein kleiner naschmarkt aussieht. nur dass er wohl nicht täglich stattfindet, denn gestern war es da noch recht leer. und viele tauben habe ich gesehen, überall in der nähe von fressbuden. also da, wo in berlin vorwiegend die spatzen sich aufhalten. die scheint es hier tatsächlich nicht zu geben. nebenbei habe ich gelernt, wie und wo man in wien glasflaschen entsorgt. ich war schon ein wenig in sorge und wollte auf mastodon, bluesky oder twitter nachfragen. oder gleich alle drei bemühen, wie man das gerade so macht. muss ich ja jetzt aber nicht mehr.

sommer in wien

nach den schlechten träumen erstmal zum einkaufen, dafür war gestern keine zeit. da war es früh, da ging es noch. nach dem frühstück dann und einem letzten kleinen übersetzereinsatz in diesem monat, als ich wieder aus meinem schicken wohnloch gekrochen kam, hat es mich fast erschlagen. ich laufe nur ein paar hundert meter und frage mich, warum ich eine jacke trage. (immerhin hatte ich den winterhut nicht aufgesetzt.) alle anderen laufen in kurzen hosen herum, in ärmellosen t-shirts und flipflops. naja, fast alle. einen habe ich gesehen in einer art daunenjacke. der war noch deplazierter als ich.

ich schwitze. also binde ich mir die jacke um die hüfte und laufe zur orientierung ein bisschen durch die unmittelbare gegend. ich bin nicht weit von da, wo ich beim letzten mal schon war. etwas südlich des hauptbahnhofs, in favoriten, glaube ich. nur nicht ganz so abgeschlagen, es ist nicht weit zur u-bahn. ich muss nicht so viel durch gähnend langweilige wohnstraßen, äh, wohngassen laufen. die wohngebäude sind hier wirklich nicht so spannend wie in anderen bezirken. und die straßen selbst, wie soll ich sagen? vermutlich bin ich berlin-verwöhnt, und dabei geht es mir nicht um die weitläufigkeit. mir fehlen die bäume. (das hab ich bestimmt schon mal irgendwo erwähnt.) hier gibt es kaum welche in den straßen, auch auf plätzen sind sie eher selten und wenn, dann sind sie winzig und dünn. richtige bäume gibt es nur in parks, habe ich den eindruck.

das ist wirklich berlin: all die alten bäume.

ich laufe, und ich finde die verbindung zu meinem vorherigen aufenthaltsort wie von selbst. sehr voll ist es hier, menschen aller couleur. rocker und punks, skateboards und rollatoren, schlips- und hijabträger*innen. große und kleine hunde, keine tauben, glaube ich. ich hab hier noch nie eine taube gesehen, kann das sein. oder spatzen.

hier ist es also ein bisschen wie zu hause, kebab und döner an allen ecken, burger und grillhähnchen. und ich schäme mich ein wenig, aber ich habe recht bald die nächste u-bahn genommen und bin in gegenden gefahren, die ich schon besser kenne. und die mir besser gefallen. es sind nur vier haltestellen bis zum zentrum. (wo ich dann auch nicht bleiben wollte, nur schnell etwas wegen einem wochenticket regeln.)

ohnehin bin ich diesmal nicht so sehr zum rumlaufen hier, sondern vor allem zum schreiben. oder eben das zu tun, was immer noch nötig sein wird, um wieder ins schreiben zu finden. lesen vor allem, denken und suchen. vielleicht auch einfach anfangen. und am ende womöglich doch laufen, was weiß ich. die gegend hier ist es jedenfalls nicht.

trotzdem bin ich froh, dass ich mir für 2024 eine andere ecke ausgesucht habe. nördlich vom westbahnhof, also mehr in die richtung, in der mein opa seine ersten jahre verbracht hat. das ist dann vermutlich ein bisschen mehr mein wien.

minus minus

das war, gelinde gesagt, eine katastrophale bahnreise gestern. statt knapp zwei stunden länger als geplant wurden es über vier, weil ich mich im gewusel der „bayrischen cosplayer“ (frei nach frau kaltmamsell) und verwirrenden anzeigetafeln, die zwar verkündeten, dass sie nicht richtig funktionieren. aber wie dann damit umgehen?

das alles, ohne jeglichen versuch, der bahn die schuld zuzuschieben: in nürnberg bin ich, wie geplant, aus dem zug nach münchen ausgestiegen, um in einen nach wien zu wechseln. eingestiegen bin ich aber dann in einen anderen zug nach münchen, brechend voll mit lederhosen und bierfässern. versehentlich, weil das eben auf der anzeigetafel so stand, und ich im gewusel nicht auf die zugschilder gesehen habe. auch nicht hätte sehen können, so voll war das da.

so saß ich dann also ein bisschen in münchen herum, das war nicht schön. am bahnhof gab es gemecker und gezeter, menschen, die sich anschrien, in vier sprachen zeitgleich mit der polizei drohen. münchen ist nicht nur süßer senf und blauweiß. münchen kann auch ziemlich aggressiv.

anschließend noch im railjet richtung budapest bis es dunkel war. was ich daran am meisten bedaure ist, dass ich für die ursprüngliche strecke nürnberg-wien einen panoramasitzplatz gebucht hatte. also ganz vorne, mit blick geradeaus. verdammt!

so etwas lässt mich ja auch immer zweifeln, ob das alles richtig ist. ich am richtigen ort bin, nicht nur in wien jetzt. das auch, aber mehr noch frage ich mich generell. was ich tue und warum. und ob das alles noch irgendeinen sinn macht.

dementsprechend waren die träume am morgen.

das bett an sich ist prima, die wohnung sehr schön eingerichtet, sogar einen schreibtisch gibt es. aber sie liegt im erdgeschoss, umgeben von hohen wohnblöcken und mit blick auf die mülltonnen. das ist ziemlich dunkel, sogar das wetter ist von innen schwer zu erkennen. komisch. außerdem verläuft über mir offensichtlich flughafenein- oder ausflugsschneise, aber das ist nachts natürlich egal.

teure späße

reisetag: von #wien nach #tddl. das war so harmlos, wie ich es erwartet hatte. österreichische züge funktionieren einfach, das hört man ja immer wieder. und heute hat das tatsächlich gestimmt. der ice stand zwanzig minuten früher bereit zum einsteigen, fuhr auf den punkt genau los und erreichte klagenfurt zur exakt korrekten zeit. das wetter war auch überaus reisefreundlich, bewölkt und ein bisschen windig, dabei deutlich unter 25°. später sogar unter 20°, in klagenfurt ist jetzt noch alles nass, die straßen und die luft, und zwischendrin auch ich.

ich stelle fest, dass ich bei der ausstattung dieser reise so ziemlich manches falsch gemacht habe. nur vier t-shirts mitgenommen und in wien keines davon schnell mal durchgewaschen, weil ich ja wusste, dass in der wohnung hier eine tolle (halbe) maschine steht. wie gemacht für kleine mengen. aber jetzt alles nass, auch das schlafzeug, sämtliche socken, unterwäsche und die eine jacke.

die falsche jacke, wie ich ja schon vor ein paar tagen wusste. es wird nicht so heiß sein, wie früher immer, besonders nachts. zum glück ist das so, das war oft unerträglich. leider hat der reißverschluss der falschen jacke heute, kurz vor der dauerberegnung, offensichtlich endgültig den geist aufgegeben. zu hause würdeich ein bisschen daran herumbasteln, mit einer zange, manchmal klappt das. aber hier habe ich keine zange und also eine ständig offene jacke, die ohnehin grundfalsch ist.

als erstes, gleich nachdem ich mir ein rad aussuchen durfte, musste ich also mal eine jacke kaufen gehen, auch weil ich am sonntag irgendwann spät erst zurück in berlin sein werde. und da scheint ja land unter zu sein, derzeit. doch eine jacke im hochsommer, da ist die auswahl begrenzt. ich schaue drei geschäfte durch, denke noch, dass ich vielleicht besser eine regenjacke. aber im letzten jahr gab es ja in der bewerbstasche solche regencapes, wer weiß. und eigentlich will ich sowas, wie ich es absichtlich zu hause am haken hängen lassen habe. jetzt. hier. haben. klassischer jeansjackenschnitt, nicht zu kurz, viele taschen. es gibt dinge, da bin ich offensichtlich blöd festgefahren.

große hoffnung auf genau so etwas habe ich nicht, aber tatsächlich werde ich fündig. jeansschwarz nicht cordgrau, wie die zu hause, immerhin. made in bangladesch, mit ein paar absichtlichen, aber zum glück recht kleinen löchern und schon angekratzten kanten. auch sonst schlecht gearbeitet, die köpfe gehen schwer, eine tasche ist etwas schief. was nicht an bangladesch liegt, ich weiß, sondern ichweiß, ichweiß, ichweiß. das ist peinlich.

diese jacke war um mehr als die hälfte günstiger als der hut, den ich mir gestern erst kaufen musste. weil ich ja auch den falschen hut mitgenommen habe, den aus wolle gewebten, statt den luftigen aus papier. der mir noch dazu ein wenig zu groß ist, schon mal grad ohne haare. ich habe jetzt also noch einen hut aus raffiastroh, der garantiert nicht made in bangladesch ist.

aber made in china, wie ich gerade sehe. tja.

ich stelle fest: diese reise kostet deutlich mehr geld als angedacht. aber, ehrlich gesagt, habe ich gar nicht viel gedacht, weder beim packen noch beim geld ausgeben. gerade macht es nichts, und das ist mitunter immer noch eine große freude. dass ich mich beim aussuchen nicht für den um vierzig euro günstigeren hut entscheiden muss. sondern problemlos den nehmen kann, der leichter ist, besser passt und sowieso viel besser aussieht.

flüchtig

doch wieder eine schöne menge gelaufen, ist doch mein letzter tag hier. für eine ganze weile zumindest. und es hat sich noch einiges geklärt.

geboren und aufgewachsen im ruhrpott habe ich irgendwann als kind wien zu sehen bekommen. und das muss ein bisschen ein schock gewesen sein. wer das ruhrgebiet kennt, weiß, was ich meine. aus der gegend der schuhschachtelhäuser in die welt der gebäude. gebäude, die ein alter haben, zeiten gesehen haben und spuren davontragen.

als ich heute vom stephansplatz zügig zum museumsquartier zu finden versuche, wobei es mir egal ist, auf welche sehenswürdigkeiten ich dabei treffen mag. während ich also laufe, wieder mal, und ein gutes gefühl dabei habe; ich könnte die richtige richtung gefunden haben. da fange ich irgenwann an, den blick zu heben, über die prachtläden dieser mir nur namentlich bekannten weltmarken hinweg.

ich sehe gebäude mit gesichtern, denen ich in die augen sehen kann, die fenster. selbst ganz oben, die kleinen, flachen scheiben haben seele und welt. wer das ruhrgebiet auch nur ein bisschen kennt …

dazu kommt sicher, dass es in meinem leben wenig kultur gab. damals. ich war nie im theater, weil meine eltern nie im theater. glaube ich. theater habe ich erst in wuppertal gelernt. ich war nie im museum, weil meine eltern. nein, das stimmt nicht: wir waren in museen, aber ich habe nichts verstanden. es gab keine erklärung. nur die, dass die echten maler so malen können als wäre alles fotografiert. alle anderen sind pfusch. (entartet?) ich war auch in keinen anderen großen städten, soweit ich mich erinnern kann. nur in münchen vielleicht, in einer der pinakotheken. das war schrecklich.

ich hatte nur bücher und kino, ich habe alles gelesen und gesehen, was in meine reichweite kam. aber ich hatte keinen überblick. bis heute.

in letzter zeit kommt es mir immer wieder, dass ich einen hauch von kind in mir spüre. also nicht weiß oder einzupassen versuche, was ich an geschichte über mich gehört habe. sondern wirklich spüre, sehe, fast sogar weiß. aber doch nicht so wirklich.

so war es auch heute, als ich hochgesehen habe. ich bin sogar stehengeblieben, wieder ohne mich zu kümmern, wo ich denn gerade sein könnte. diese dunklen, großen, diese wuchtigen bauten. wesen, als seien sie belebt, nicht nur bewohnt. das ist kaum zu fassen.

der hauch erwischt mich bei schlichten holzfensterrahmen. als würde ich sie persönlich kennen, aber danach greifen kann ich natürlich nicht. solche art von erinnerung ist nicht wirklich erinnerung. es ist eher eine verwirrung. eine art flüchtiger zauber, der sich gleich wieder auflöst.

was ich wirklich erinnere ist, dass es keine karten für die hofreitschule gab. die waren damals schon auf monate, wenn nicht jahre vorabverkauft. darüber gab es einen großen streit, auch ich war nicht begeistert. es war mir versprochen worden. aber meine mutter war lange nicht zu beruhigen.

gerade denke ich, dass mir dieses pferdeschauspiel sicher wenig gefallen hätte.

nichtigkeiten

der tag beginnt mit einer plötzlich verschwundenen internetverbindung. meine vermieterin stellt hier einen guthabenanschluss zur verfügung, das wusste ich nicht. ich könnte gar nicht sagen, wie lange ich schon über das verfüge, was früher standleitung heißt. dementsprechend verhalte ich mich. das guthaben habe ich also mit konsequenter dauernutzung, mit lesen und bloggen, mit selbstverständlichem streamen von musik und filmen, dazu auch noch nach der arbeit sehen, in wenig mehr als einem tag abgesaugt. das war mir ein wenig peinlich. es wurde aber schnell gefixed, und ich habe zuzahlung angeboten.

gegen mittag habe ich mich dann ausgeloggt, mein rohmanuskript eingepackt, die kamera und noch ein bisschen mehr kram. dann bin wieder los, weg von hier. wo mich offensichtlich nicht viel hält. das haus an sich ist super. an fast jeder tür kleben sticker mit politischen infos zu den bewohner*innen, viel zu frauenrechten, klimawandel und klimarettung, radfahrsachen. aber draußen ist es öde. (oder ich gebe mir nicht die muße, es genauer zu testen?)

ich fahre in den 15. (bezirk; das ist übrigens nicht kiez, sondern stadtteil. natürlich! kieze heißen hier gräzl. hab ich heute gelernt.) eine seltsame, ebenfalls wenig touristische gegend. ich mache das nur, weil dort die adresse meines opas ist. ich will da nicht hin, aber wie der zufall es will, laufe ich genau darauf zu. gegenüber ist jetzt etwas, das heißt wild im west, eine sich entwickelnde brache. da ist kultur, aktuell gab es einen flohmarkt. da war mir nicht nach, schade. auf musik hätte ich lust gehabt.

ich laufe also, schaue mich um. das ist auch eine wohngegend, die sicher nicht die beste ist. ein-euro-läden, dönergeruch und das vertraute anne der kinder, die nach ihrer mutter rufen. ich finde ein motorradgeschäft, das genau die maschinen im fenster stehen hat, die ich gerade in die nähere auswahl nehme. natürlich ist es zu, aber ich sehe genug, um eine marke gleich wieder auszumustern. zu breit, zu wuchtig.

ich laufe und laufe, am ende werden es fast 20.000 schritte sein. ich esse einen salat, der nicht der renner ist, danach lande ich in dem café, von dem ich weiß, dass ich mich niederlassen kann. das ich kenne, das ich mag. da, endlich, hole ich tatsächlich das papier heraus und sortiere mich. so ist das mit dem schreiben. manchmal muss man laufen, sehr viel laufen.

zurück gehe ich durch die innere stadt, auf der suche nach einer u-bahn. ich weiß jetzt auch, warum ich das derzeit gern tue. gezielt interessiert mich im moment da wenig, aber in dem aktuellen text geht es um eine auf den ersten blick touristische reise. um einen wienbesuch von ganz weit außen, auch wenn sich dahinter viel mehr rührt. ich brauche also diesen blick auf die kulisse.

und langsam verstehe ich auch, was diese (innere?) stadt so einmalig macht. diese größe, diese wucht, die de facto längst nicht mehr wuchtig und ganz sicher nicht groß ist. das alles ist lange vorbei, nur dass es eben noch da ist. die show und die kulisse. dem entgegen steht eine weitreichende nichtigkeit, die sich wien in der welt in der zwischenzeit erworben hat. diese stadt hat alles hinter sich, muss sich nichts mehr beweisen. nur noch die alltagsgeschäfte erledigen, wie alle, wie überall.

kein wunder, dass sich alle welt herkommt und sich damit fotografieren lassen will. das hat jedenfalls deutlich mehr sinn als etwa neuschwanstein zu besuchen. das ist pappmasché dagegen, das ist lüge. wien ist keine lüge.

aber wien ist vorbei.

läuft

viel gelaufen, den ganzen nachmittag.

erst hier in der gegend, wo mir schnell klar war, dass es eine art hiesiges neukölln sein könnte. es ist ein bisschen weg von allem, auch mit den öffentlichen verkehrsverbindungen hakt es ein wenig. es ist etwas schmutzig, hier und da liegt zeugs rum. nicht so viel, wie bei mir zu hause vor der tür, also keine matratzen und kühlschränke und so weiter. ich sehe menschen mit kopftüchern, döner- und pizzaläden, gemüsehändler mit den üblichen außenständen. die scheinen überall gleich zu sein, in hamburg, in münchen, in berlin und hier eben auch. auf gutes fladenbrot werde ich also nicht verzichten müssen, sollte ich tatsächlich übersiedeln.

insgesamt kommt die gegend aber entspannter rüber als neukölln, wo ein ständiges gedränge und geschiebe herrscht. wo es immer häufiger ärger gibt. die sonnenalle zum beispiel heißt hier quellenstraße und ist deutlich cooler, vielleicht sogar besser ausgestattet. aber vielleicht meine ich das auch nur, weil ich kurz da bin, ein paar stunden. da weiß ich nix, während ich zu hause von jeder prügelei lese, von den unfällen und angriffen. und dann jedesmal weiß, wo das gewesen ist, ohne extra nachsehen zu müssen.

nach einer weile reißt es mich weg von hier, auch weil ich auf eine vielversprechende straßenbahn treffe. straßenbahnfahren ist gut, das dauert zwar, aber ich sehe ein bisschen was. ich fahre also und steige aus nach gefühl. weil ich nach einer regenjacke sehen will, lande ich natürlich da, wo ich mich schon etwas besser auskenne. wo ich weiß, dass die geschäfte offen sind, und irgendwo muss da auch ein bankomat sein, wie das hier heißt.

dann verlässt mich die innere richtung. ich will gar keine regenjacke mehr, ich hab ja genug zu hause. und es regnet überhaupt nicht mehr. stattdessen ich brauche einen größeren beutel, weil ich auch den kleinen rucksack zu hause gelassen habe. ich dachte halt, dass es ja die bewerbstasche geben wird, wie jedes jahr. aber jetzt und hier weiß ich nicht wohin mit der kamera und den manuskriptseiten. selbst den gekauften standard trage ich wie blöd in der hand. ich laufe, doch ich finde nichts.

ich laufe an dem laden vorbei, wo ich gern einen salat esse oder einen kaffee trinke. ich laufe weiter, ich laufe auch an dem bankomat vorbei. das rächt sich wenig später, als ich einkehren will, wo nur bargeld funktioniert. und davon habe ich nicht mehr genug parat. immerhin komme ich so in den genuss von schupfnudeln mit mohn, denn der laden ist in der nähe des bankomats, den ich dann finde.

im standart lese über den bachmannpreis und einen tennislehrer, und mir bleibt ein wenig die spucke weg. das ist gute satire, ja. das ist böse, besonders die fakten. (wobei mir schon immer klar war, dass klagenfurt rechte provinz ist.)

einen beutel kaufe ich mir schließlich im museums quartier, so einen sack, den man sich mit ein paar dünnen stippen auf den rücken packen kann. beim bezahlen bekomme ich noch eine tragetasche im selben design dazu. manchmal ist alles irgendwie schräg.

anschließend läuft es dann wieder.

ich suche mir eine u-bahnstation, einfach die nächste, der ich über den weg laufe. ich steige spontan eine station nach hauptbahnhof aus, weil ich meine, von dort aus laufen zu können. da scheint die sonne, das ist eine überraschung. das laufen geht auch, ohne straßennamen, einfach nach richtung, mit dem mobiltelefon angepeilt. das ist sogar ganz leicht, aber es ist weit.

und ich spüre, nach und nach, wie ich in eine reichlich tote gegend hineinlaufe. das gibt es also auch.

nasse luft

schon wieder wien? ja, tut mir leid, hat sich so ergeben. eigentlich bin ich auf dem weg nach klagenfurt, und da braucht es aufgrund von flugvermeidung von berlin aus einen zwischenstopp.

geschlafen bis zum geht nicht mehr, fast halb elf. ich weiß gar nicht, wann ich das das letzte mal konnte. selbst wenn ich wollen würde, schaffe ich das kaum mehr. zu hause schreien die dinge, hier ist es still. unten in der straße wird gefahren und geredet, auch in die nacht hinein. fast wie in berlin. doch hier bin ich im fünften stock, neunundneunzig treppenstufen, da erreicht mich das nicht. es ist kühl in der nacht, der wind, das ist gut. bei echten sommerwetter ist das vermutlich kein guter ort.

schnell beim billa um die ecke gewesen. nicht zuviel kaufen, das ich nicht mit nach klagenfurt nehmen kann. das ist nicht einfach, kaffee, zucker, milch, das muss. aber limoncello oder nicht? das war heute die frage, mehr verrate ich nicht. auf dem rückweg regnete es schon wieder, aber nicht richtig. es ist mehr so die luft nass, das ist alles. wuppertalregen, denke ich. das gibt es in berlin überhaupt gar nicht.

jetzt sitze ich und höre landfall, laurie anderson mit dem kronos quartet. schon ein paar jahre alt, warum wusste ich nicht davon? wo ich beide so sehr verehre! und ich schulde noch einen bericht von dem event letzten montag, ich weiß. ein bericht oder ein paar worte zumindest. doch die worte fehlen, noch. ich hoffe darauf …

ich dachte, ich sei in margareten gelandet, aber es ist wohl favoriten. schwein gehabt. aus persönlichen gründen, die nichts mit der stadt zu tun haben. favoriten klingt gut, ein schönes wort zumindest. ich schau mir das gleich mal an hier.

wieder laufen und denken, wie beim letzten mal. dieses mal mit kühlem, manchmal nassem kopf. das ist anders, das ist gut.

seelenwetter

wieder in wien und das wetter ist wie wuppertal. es ist kühl hier, regen und wind. die wohnung liegt ganz woanders, diesmal. ein anderer kiez, würde man in berlin sagen. das bringt mich gleich nach der ankunft ein wenig aus dem tritt. es wäre nicht weit zu laufen von bahnhof aus, knapp drei kilometer. doch das lasse ich, das suchen im regen, und nehme ein taxi.

kein hof diesmal, die wohnung liegt gleich an der straße. und hoch oben ist sie, gleich unter dem dach. auch wie in wuppertal, damals. das hatte ich lange nicht. es ist keine ferienwohnung, hier wohnt wirklich wer. odre es ist eine arbeitswohnung, eine malerin vermutlich. überall stehen bilder, überhaupt ist die einrichtung seltsam und interessant. manches gefällt mir, sehr, anderes nicht so. insgesamt ist es ein bisschen zu voll. aber so ist das wohl bei menschen, die gemälde schaffen.

ich habe meinen platz hier schon gefunden. einen tisch in guter höhe, einen stuhl, der funktioniert. wenn ich schreiben will, dann wäre das kein problem. sogar das papier habe ich diesmal dabei, keine ahnung ob. aber das war das erste, das ich rausgelegt habe, als es ans packen ging.

vergessen habe ich diesmal nur das ohrenspray und eine richtige jacke, eine regenjacke vielleicht sogar. das wetter dieser tage hatte ich irgendwie anders verstanden.

die fahrt war häßlich. zugfahren könnte so schön sein, aber das war jetzt meine siebte zugfahrt innerhalb von zwölf monaten. und nicht eine davon ist planmäßig und reibungslos über die bühne gegangen. ja, da war dieses wetter gestern, ich weiß. und irgendwas ist immer, das muss man verstehen. vermutlich kann ich froh sein, dass gerade noch nicht gestreikt wird. himmel, was hätte ich dann getan?! wobei natürlich auch das zu verstehen wäre, unbedingt. ich bin ausm pott, mein oppa war berchmann!

nur die stimmung, die auf den gleisen herrscht. das gemecker und gedränge, die verachtung. ich halte mich zurück, ich bemühe mich. doch das ist kein spaß.

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