viel arbeit heute, viel text. und viel geschafft, obwohl vieles auch noch im nebel liegt. unklar, ob es so bleiben kann. ob es steht, gut genug zumindest. für erste. inhalt und form, ich jongliere mit beidem, zeitgleich. ein bisschen ist das ein gewagtes spiel.
das letzte kapitel, wie fast alle ab der hälfte des manuskripts, ist in zwei teile gesägt. mit dem ersten teil dürfte ich einigermaßen durch sein, seit heute. das war nicht leicht, aber doch sauber machbar. der zweite teil, nun das letzte kapitel, dagegen ist ein brocken. alles ist anders, besonders die energie. aber auch die geschichte, dazu gibt es neue szenen, alles rückblenden. eigentlich mehr als das: flashbacks. damit steht und fällt die konstruktion.
ich zweifle nicht, aber das ist noch einmal richtig arbeit. fürchte ich. und gerade bin ich nicht sicher, ob ich mich gleich dieses wochenende da durchprügeln sollte. natürlich ist unklar, ob ich es schaffen kann, in zwei tagen. da ist so viel nebel, überall, dass ich das nicht einschätzen kann. überhaupt gar nicht.
so recht kann ich gerade die finger nicht vom text lassen. nach der arbeit denke ich darin herum, obwohl ich totmüde bin. ich schlafe so schlecht in letzter zeit. trotzdem schaue dann manchmal sogar in die datei und tippe ein bisschen darin herum. ohne dass ich glaube, damit einen großen wurf machen zu können. vor allem aber schaue ich in bücher, sehr alte bücher, die ich vor jahrzehnten gelesen haben mag. alles über mütter und kinder, frühkindliche entwicklung und schwarze pädagogik. lange nicht gesehen, das zeug. zeug, das mich schaudern lässt.
außerdem schimpfworte recherchiert, gestern schon. das ist gar nicht so leicht. ich will für das buch nicht all die nehmen, die ich selbst kenne. das führt mich auf falschen grund. aber treffliche schmähnamen zu finden oder gar zu erfinden, das ist gar nicht so leicht. das braucht auch noch ein wenig, bis das sitzt.
bei genau dieser schimpfnamenrecherche hat sich zu allem überfluss noch ein fenster aufgetan, der titel für das nächste projekt. vielleicht ein arbeitstitel, aber das ding ist so gut. das könnte glatt der endgültige titel bleiben. es ist der schimpfname der hauptfigur, der so unglaublich passt. der den schimpf verlassen und ihr zueigen werden könnte. wenn ich es richtig mache. so eigen ist er. und zusammen mit diesem namen haben sich gleich auch erste neue strukturen gezeigt, ein erzählhaltung womöglich. die grundlage der story habe ich ja schon seit langem fest in der hand. genau weiß ich das alles nicht, natürlich nicht. ich habe auch die zeit nicht, ausgerechnet jetzt tiefer einzusteigen. oder hinauszufliegen aus diesem fenster, um mich umzusehen.
erst einmal muss ich ja durch das aktuelle manuskript. eine oder zwei wochen noch, bis das nächste stadium erreicht ist. wieder nur ein zwischenstadium, aber was für eines. die fassung, die an die verlage gehen wird.
das letzte kapitel ist bereinigt, an zwei stellen etwas frischer text eingefügt. neue elemente, ebenso eine frisch geschriebene seite im vorletzten kapitel. zwei dieser neuen elemente waren höllisch schwer zu erfassen und eigentlich kaum zu schreiben. ich bewege mich am äußersten rand meiner sprache. das ist also noch lange nicht fertig.
grob gesagt ist aber dennoch alles im letzten kapitel auf eine einheitliche überarbeitungsstufe gebracht. bereit für einen weiteren durchgang, um das sprach- und denkgeflecht zu verfeinern. überhaupt für eine feinere ausgestaltung des endes. das kommt dann in der nächsten schreibzeit, nächste woche, donnerstag bis sonntag. wieder vier volle tage, vermutlich. ich hoffe doch!
bleiben zuletzt die beiden neuen elemente, frisch aus der hölle, schlüsselstellen womöglich. die brauchen länger, da bin ich sicher. ich weiß nicht einmal, ob ich es hinbekommen. gut genug, zutreffend. erfahrbar. ich weiß es wirklich nicht, aber irgendwie wird es.
es hat sich so einiges sortiert über nacht. das habe ich kurz notiert, zum glück, dann bin ich erstmal durch den regen gelaufen. eine hose kaufen, bei karstadt am herrmannplatz. so leer dort, zum teil auch die regale. dann ein fladenbrot in der nähe des s-bahnhofs sonnenalle. ein ganz schöner marsch, fast zwei stunden. über acht kilometer, sagt die app. früher dachte ich immer, ich schaffe sechs kilometer in der stunde. als kind. aber vielleicht waren es von altenessen bis karnap ja auch keine sechs kilometer. fünf komma sechs, sagt google. und sechsundfünfzig minuten.) aber ich verrenne mich gerade.
wieder zu hause erstmal kaffee und frühstück. dann alle hosen angezogen und das sortiment begutachten, vier hosen aussortiert. hätten eigentlich sechs werden können, aber zwei werde ich wohl einfach aus liebe noch ein- oder zweimal tragen müssen. eh sie dann auseinanderfallen. endlich. anschließend mit der ELSTER beschäftigt, die gern ein verlängerungszertifikat hätte, dieses aber nicht zu mit downloaden will. auf den infoseiten findet sich ein solcher fall natürlich nicht. nur der hinweis, dass man es einfach noch einmal versuchen solle. würde ich gern, nur finde ich den download-ort nicht mehr. der fehlversuch war irgendwann anfang august. ach verdammt, ich verrenne mich schon wieder.
nach der ELSTERei vor frust erstmal ins heiße wasser gestiegen. und weil der nacken heftig schmerzt, nach der nächtlichen motorradfahrt gestern. nicht wirklich ein wunder, das habe ich noch unterwegs gemerkt. der rücken tut auch weh, besonders beim atmen. tief innen, dass ich nicht tief atmen mochte. das bad hat nicht so recht geholfen, jetzt hoffe ich auf die nacht. aber so recht weiß ich nicht, meistens tut es morgens mehr weh. schon wieder verannt. so ist das mit der schreibarbeit.
irgendwie dann doch alles in den text eingearbeitet, was mir vorgeschwebt war. kaum zu greifen im grunde, und es sitzt auch noch längst nicht. aber es steht da., gekb markiert. damit ich es wiederfinde, für die nötigen überarbeitungen. vorher habe ich sogar noch den bestehenden text weiter sortiert und geputzt.
jetzt ist alles ausgelegt, habe ich den eindruck. so wird es zu ende gehen. bleiben fünf seiten auszuputzen, der text steht aber schon gut da. also nicht so schlimm, wie die letzten zehn, zwölf seiten. und dann die neu geschriebenen passagen, abwarten, hängen lassen, wachsen lassen. fertig.
es ist sehr anders geworden, der ganze text. obwohl ich vor allem die kleine binnengeschichte geändert habe. die stimmung, die energie. die tiefe auch. das ist gut, viel besser.
vierhundertachzig normseiten sind es jetzt. das ist mächtig viel, zuviel vermutlich. aber kürzen geht immer, ein bisschen zumindest. kürzen ist gut.
fleißarbeit gleich nach dem aufstehen. alle gestern angerissenen seiten durchgegangen und sortiert, dialoge aufgeräumt und angepasst. saubermachen also, putzen.
das ist nicht besonders spaßig. das ist sogar frustrierend, weil ich (noch) nicht sehe, was ich tue. oder gar was auf mich zukommt.
das vorletzte kapitel heute ließ sich leicht handhaben, bleibt noch das schwierige letzte. ich könnte morgen damit anfangen, mich vielleicht in ein café setzen und die struktur aufbrechen. ich könnte aber auch etwas ganz anderes machen, etwas ruhe in mich bringen. noch etwas mehr verzweiflung und erschöpfung, damit sich meine sicht klärt. also vielleicht erst am nächsten donnerstag: ins café, an die struktur, mit hammer und meißel und kettensäge, wenn es sein muss.
es gibt keine eile, es ist zeit. es wird gehen, alles. es wird gut. es bleibt auch noch zeit für ein paar kleinigkeiten, wenn das letzte kapitel steht. die sache mit den verpassten telefonaten meiner erzählerin, das vor allem. die pflege der einen, vermutlich missglückten nebenfigur natürlich. und nicht zuletzt noch ein wenig wienatmosphäre, falls das möglich ist. vermutlich nicht, denn dafür wollte ich ja nach wien in diesem sommer, gleich nach klagenfurt. letzteres mag also warten, vielleicht bis zum nächsten sommer.
es geht gut. alle mittleren baustellen der letzten woche sind bereinigt, einigermaßen. gut genug, dass ich ruhig weitergehen kann. das folgekapitel war zu meiner überraschung schon bearbeitet. da gab es nur wenig zu tun. jetzt bleiben nur zwei, die beiden letzten, die mal eines waren. seitenzahl: zweistellig! im unteren bereich.
eines davon wird schnell gehen, das erste. da bin ich schon halb durch, hab es etwas aufgeräumt, also an die neue gewichtung der binnenstory angepasst. es sollte kein problem sein, das an diesem wochenende fertigzustellen.
das zweite, das letzte wird schwer. richtig schwer! da sollte im grunde fast alles anders werden, und am ende doch auf denselben punkt kommen. ich weiß noch nicht so genau, wie ich das umsetzen soll. ich habe auch noch nicht genau nachgesehen. vorsichtshalber.
ein eigenartiges gefühl beherrscht mich. als hätte ich gar nichts getan, nichts geschafft in den letzten vier tagen. dabei habe ich nächtliche debatten über die egozentrik meiner erzählerin geführt. über meine eigene egozentrik wohl auch, wobei ich beides zunächst nicht so recht gelten lassen wollte. alles eine frage der perspektive. und der ebenen. ich habe zwei passagen nicht umgeschrieben, sondern grundlegend neu konzipiert, eine grob gerichtet für den feinschliff später. und ein paar neue aspekte, die ich noch nicht so recht weiß. außerdem eine bestehende szene um etwas ganz neues ergänzt.
das ist nicht wenig, fast zwanzig seiten, zum teil komplett neu. außerdem war ich paddeln gestern, fast den ganzen tag. mit einem geliehenen seekajak auf der dahme, mal so richtig mit speed. endlich habe ich es begriffen. das ein- und aussteigen macht mich aber immer noch so richtig satt nass, da hilft nix. und heute dann schnitzel essen und eis im park, am letzten sommertag. menschen treffen, die ich umständehalber lange nicht gesehen habe. man weiß ja auch nicht, wie der winter werden wird. ob man da wieder lange keine menschen mehr sehen können wird.
ich. ich meine ich. (ist sie das, meine egozentrik?)
im grunde kann ich zufrieden sein. all die angefangenen stellen sitzen noch nicht, sind keinesfalls fertig. aber jetzt ist ohnehin zeit, sie erst einmal ruhen zu lassen. alles gut also.
zurück im text, wie versprochen. nur ein bisschen, heute war arbeitstag, anschließend stand eine kleine übersetzung an, die morgen fertig sein muss. eigentlich wollte ich nicht mehr, bin dann aber doch noch durch ein paar frisch geschriebende dialoge vom wochenende. gar nicht so schlecht, alles in ordung eigentlich. ein paar feinheiten, die die energie steuern. bis es wehtut.
der text hat mich überwältigt, übrigens. er hat angefangen, mich zu fragen, verlangt von mir, was ich bislang verweigert habe. er will mein leben. ich bin kein mensch, ich bin das material. ich koche die substanz, ich spüre es. körperlich.
vor etlichen jahren zehn oder fünfzehn vielleicht, habe ich die kiste der eigenen kindheit geschlossen. nicht zwanghaft und nicht vernagelt, sie hat sich eher von selbst geschlossen. nach all dem reden und suchen, den wiederholungen bis zur erschöpfung hat sich der deckel langsam geschlossen. und ich war einverstanden, nicht mehr zu fragen, obwohl längst nicht alles ergründet ist, und nach und nach zu vergessen. irgendwann muss man aufhören damit, ganz egal, wann. fertig wird man nie damit, ein natürliches ende gibt es für diese dinge also nicht.
jetzt hat der text danach gefragt, nach mir und meinen erfahrungen. er hat kontakt aufgenommen, weil er einen abgrund will, der unter alles gelegt ist. das fundament. gedacht habe ich es immer schon, eigentlich ohne jeden zweifel vorausgesetzt. aber nur wenig formuliert, um es nicht zu übertreiben. mich nicht darin zu verlieren. das war gut, glaube ich. sonst wäre all das andere, das darüber nicht gelungen.
die kiste steht also offen, mitten im raum, weil der text es so will. nicht ich. ich erkenne es wieder, alles. ich erkenne mich wieder. ich spüre den sog, die verzweiflung, körperlich. ich bin fassungslos, dass ich so gelebt habe, so lange. in so engen schleifen zu anfang, dass es nichts anderes zu geben schien.
ich weiß wirklich nicht, wie das kind, das ich war, überhaupt zu leben in der lage war. wie es weiterleben konnte, immer wach und klar. und immer am abgrund. dass es mich heute gibt, wie mich gibt. kein monster und kein mörder, ein erzähler. (und manchmal ein trampeltier, aber eher selten.)
das ist so lange her, vierzig jahre, fünfzig oder noch mehr. trotz allem ist das alles ist nicht mehr ich. ich kann damit arbeiten, ohne mich oder das, was damals war, zu verraten. ich kann es nutzen, wie der text es fordert. das tue ich jetzt. und es gelingt.
persönlich ist wenig übrig, was noch zu erledigen ist. das aber sollte ich tun, ganz bald.