am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit/81

nein, ich bin nicht spontan verreist, das steht erst im märz wieder an. aber schreibzeit ist ja immer. oder zumindest immer wieder mal, auch zu hause. nicht ganz so viel, in letzter zeit, das stimmt. das hat seine gründe.

schreiben ist immer schwer, so umwerfend es auch ist, das zu können. das ist normal. aber schreiben scheint immer wieder auch mal unmöglich. an dem punkt wird es gefährlich, es kratzt an der existenz derzeit. ich glaube nicht, dass ich es einfach lassen kann. ich habe andere gesehen, die das schreiben aufgegeben haben. weitgehend zumindest, die nur noch bloggen. das ist mir nichts, aber weiter weiß ich oft auch nicht.

konkret muss ich allerdings, es gibt eine deadline. eine heimliche, nicht offiziell. dennoch ist sie da, und ich will sie nutzen. dafür habe ich einen über zehn jahre alten, in sich abgeschlossenen text hochgeholt. etwas, was mir sehr am herzen liegt, bislang aber hat es noch keinen weg gefunden. wie so vielen, nichts scheint im moment seinen weg zu finden. zumindest nicht, solange es mit mir verbunden ist.

die arbeit ist kein problem. wenn ich es schaffe, die dazei zu öffnen, dann ist alles, was danach kommt, überhaupt kein problem. das ist beruhigend, einerseits, andererseits auch ein desaster. aber nur für mich, nicht für den text. ich drehe mich, alles immer im kreis.

heute habe ich etwas seltsames gemacht. ich habe den text, meinen deutschen text, in das übersetzungsprogramm geladen, dass ich gelegentlich für meinen brotberuf verwende. einfach so, ich weiß nicht warum. englisch ist meine andere sprache, die einzige, die neben deutsch sicher in mir wohnt. ganz woanders, fast dass ich meine, eine andere zu sein, wenn ich englisch sprechen darf. oder lesen, auch wenn ich englisch nur sehr, sehr langsam lese. aber so gerne!

das ergebnis war eigenartig, im erleben vor allem. neben den vielen groben fehlern*, die solche programme produzieren, kam mir ein sehr knapper, trockener stil entgegen. viel kürzer als mein deutsch, logisch. viel präziser und weniger versülzt, obwohl der inhalt zwar zum teil kaputt war, aber keines falls verfälscht. ein bisschen war ich verliebt in den neuen klang, die englische kürze, die auf ganz andere art luft lässt für interpretation.

als gäbe es im schreiben keine moral, die das gesagte einzufangen und zu verankern versucht. keine plausibilität, nur behauptung. und poesie, das vor allem.

das hat mir gefallen.

* einen spezialbegriff habe ich geändert, aufgrund einer massiven fehlübersetzung. grandios!

fertig

die bautruppkarawane draußen ist ein paar hundert meter weitergezogen. das poltern am morgen kommt jetzt von weiter weg. die erfahrung sagt mir, dass dort die kopfsteine ausgebuddelt werden. nachgesehen habe ich nicht, dazu war heute zu viel arbeit. an der hiesigen kreuzung liegen noch gut zusammengeschoben und mit absperrgittern versehen ein paar haufen aus müll und material. gelegentlich kommt der kleine bagger und ein paar seiner mitarbeiter und sie räumen alle zusammen darin herum. mülltrennung, würde ich das nennen. alles, was weiterbenutzt oder verarbeitet werden kann, wird auf paletten geschichtet und an den neuen bauabschnitt verbracht. der rest wird irgendwann in einen müllwagen geschafft, hoffe ich. dann ist es schön.

aber noch nicht fertig. an einer seite muss der neue asphalt noch an die angrenzende kopfsteinstraße angeschlossen worden. bislang ist da noch sand oder matsch, je nach wetterlage. und dann die fahrbahnmarkierung und das eine oder andere verkehrsschild, vermutlich. sonst wird das hier so schnell keine offizielle fahrradstraße. das könnte auch noch eine weile dauern, denke ich seit ein paar tagen. eventuell wird das erst zusammen wirksam, also wenn der andere abschnitt auch fertig ist. also in ein paar monaten, im spätsommer oder herbst sogar. ein bisschen schade und unbehaglich, wenn so große sachen sich am ende verbräseln. bevor sie irgendwann endlich fertig werden. in berlin.

doch ich will nicht unken, es ist gut so, wie es jetzt ist. endlich wieder ruhe vor meinem fenster, das vor allem anderen. der rest verwächst sich.

vor der anderen baustelle, der stammkneipe, aus der vielleicht eine kita wird, so das gerücht, stand neulich ein kastenwagen, dessen aufschrift mir etwas mit gaststättenküchenaustattungen vermittelte. seitdem frage ich mich, ob kitas auch eine küche brauchen. ja, oder? also vielleicht stimmt das gerücht. aber möglicherweise, wer weiß. das ist sicher auch bald soweit.

wund geschrieben

ich renne ein bisschen hin und weg dieser tage. ein bisschen wie immer, aber ein bisschen auch anders. es muss eben, so viel und immerzu. doch die übergänge werden fließender, wie mir scheint. leichter auch. es gibt einen neuen grund, der etwas anders trägt. etwas ungreifbares, fassungsloses.

ich weiß noch nicht, was das sein oder werden soll. aber einstweilen folge ich gern, mal sehen, was das soll.

in das freiberufliche habe ich mehr ruhe gebracht, endlich. zumindest im moment ist es so. das mag auch an der für dieses jahr durchgedrückten honorarerhöhung liegen, kann sein. damit bin ich in der lage, zeit gegen geld zu rechnen, und ich tue es, zum glück, offensichtlich zugunsten der zeit. das war in den letzten jahren durchaus durchgehend anders.

außerdem: es geht auf den frühling, da bin ich sicher. gut, wenn ich nach draußen sehe, dann liegt da schnee und die berliner gehwege sind zu eis zusammengetrampelt. aber das macht nichts, den frühling rieche immer immer schon kurz nach neujahr. das ist keine ahnung, das ist gewissheit. dazu kommt, dass der umbau des neue motorrads bald abgeschlossen sein wird. die koffer sind bereits angebracht, navi und heizgriffe auch, und passende verstellbare hebel sind auch endlich gefunden. was fehlt ist die zulassung, aber die ist auf dem weg. auch das machen andere für mich, das kann nicht mehr ewig dauern.

ich freue mich, sehr, auf diesen frühling, dieses jahr. es bringt etwas leichtes, für mich. das ist absurd, ich weiß. die lage, global betrachtet, ist desaströs. also vielleicht ist das alles trügerisch und letztendlich nicht wahr. wer weiß?

da ist auch das schreiben. ja, es ist da, es ist immer. in dieser zwischenzeit. auch wenn ich hier nicht davon berichte, denn derzeit es gibt dazu nicht besonders viel zu berichten. das thema ist wund, ich trau mich nicht. und außerdem: manchmal besteht das schreiben nicht aus worten.

hi ren!

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schnee

kurz nach acht melden sich die straßenbauer mit dem einsatz der kleinen rüttelmaschine zurück. schräg gegenüber, vor dem späti, wird die fläche mit den ganz kleinen steinen gerichtet. da hatte ich neulich geschaut und mich über die sanfte unebenheit gewundert, bei nähe betrachtet. stolperfallen für mäuse.

ein kleiner bautrupp, vier oder fünf männer vielleicht und der vorarbeiter mit dem steifen nacken, alle in dicke klamotten gepackt, als wollten sie ins gebirge. himalaya oder so, irgendwann fing es ja auch an zu schneien. ein kleines treiben, nicht der rede wert. und liegen geblieben ist auch nichts. aber kalt ist es, das schon.

die letzten fahrradbügel wurden eingepasst, neue steinreihen gelegt und schaufel und besen geschwungen überall.bagger gibt es nicht mehr, weder den großen, noch den kleinen flitzer. alles wird per hand geschleppt. und weil nichts mehr großzügig abgesperrt ist, mussten die männer sich ständig dem parkbegehren anliegender kraftfahrzeuge erwehren, die sich anschickten selbst über ihr werkzeug zu fahren. wortgefechte zum jeweiligen geschehen gingen mitunter hin und her, von autofenster zu schubkarre, als gäbe es da etwas zu diskutieren.

was für ein job. in der kälte zu knien und sich womöglich umfahren, zumindest aber anraunzen zu lassen.

ich sitze zu hause, heute, arbeite von hier. es ist warm, der kaffee ist gut, es ist alles da. nich tienmal muss ich aus dem haus. aus dem mir verbundenen büro in charlottenburg dagegen kommen unbehagliche meldungen: die trecker machen rabatz, die ganze zeit. im netz (meinem netz, jaja) lese ich, dass das schon mitten der nacht so war. an allen möglichen ecken und enden von berlin, nur hier nicht, zum glück. bei mir war es die rüttelmaschine kurz nach acht.

also: alles ruhig in neukölln, das ist doch auch mal schön.

zeit ist längst

die kurzfristige eiseskälte hatte immerhin zur folge, dass mir die umfassende funktionalität meiner heizung maximal vorgeführt wurde. sowohl bei mir zu hause als auch im büro am dienstag. da vielleicht ein bisschen spät, also genau zu dem zeitpunkt, als ich mich auf den heimweg machte. aber immerhin, richtig heiß waren die heizkörper auf einmal.

es warm haben, das ist etwas, das freude macht.

dennoch bemühe ich mich im großen und ganzen natürlich, sparsam zu sein. es hat sich ja nichts geändert seit letztem winter, das klimadings und so. im gegenteil.

als ich heute in diversen läden einkehrte, weil ich tatsächlich das gewünschte produkt online nicht finden konnte, war ich schon ein wenig überrascht. im letzten jahr wurden rolltreppen abegschaltet, von wegen energiesparen. ich erinnere mich genau. heute standen bei zwei von fünf läden die eingänge sperrangelweit offen, sodass der gehwegbereich großzügig mitgeheizt werden konnte. gar nicht einladend, nein. und gefunden habe ich auch nicht das, was ich wollte.

die erste arbeitswoche in diesem jahr hat mich schwer erwischt, und zwar weniger der starre brotjob als vielmehr das freiberuflich. also das, was so nebenbei laufen sollte. es nimmt immer mehr raum ein, während die fähigkeit, mich selbst zu bremsen, immer weiter abnimmt. das bedeutet zwar, kontinuierlich ausreichend geld einzunehmen. aber ich verkaufe ja meine zeit, mein leben. in dem sollte anderes platz finden, ich bin alt und werde immer älter. wie alle.

es ist seltsam, wenn die zeit absehbar wird. wie an der sache mit dem frisch gepflanzten, kleinen pinn zu erkennen war.

am frühen abend standen zwei nette junge männer von der linken vor meiner tür, um mich über die bevorstehende wahl zu informieren. ich darf an dieser stelle tatsächlich an der bundestagswahlwiederholung teilnehmen, wer hätte das gedacht. ich glaube, ich konnte die beiden ein wenig davon überzeugen, dass nicht alle boomer weitreichend schwachköpfig unterwegs sind. immerhin. und ich werde natürlich wählen, wie immer. oder anders, mal sehen.

diese welt ist dennoch ein mist, das stellt sich immer deutlicher dar. ich bin froh, nicht mehr achtzehn zu sein. das allein begründet meine zuversicht. es ist ein glück, dass es langsam aber sicher absehbar wird.

egal

ein bisschen ist es ja immer so, dass nach dem urlaub gerne noch ein bisschen mehr urlaub platz hätte. um der erholung wegen, es ist ja doch immer recht viel zu tun. und diesmal ist es noch ein wenig ärger, vielleicht wegen der vorhergehenden erkrankung. dieses covid sitzt mir immer noch in den bronchien, am morgen vor allem, stundenlang. so war es beim letzten mal auch, ein paar monate hat sich das gezogen. wenn das jedesmal so geht, man kommt ja nicht so wirklich drum herum. offensichtlich. das ist unschön.

gestern nacht noch todesmutig die festplatte des hauptrechners aufgeräumt, die sich über ein paar jahre sauber vollgefressen hatte. temporäre dateien und so zeug. nicht, dass ich das schon einmal gemacht hätte. zumindest händisch nicht. es scheint aber alles geklappt zu haben. nur die lesezeichen in chrome, den browser für den socialising stuff only, sonst nutze ich den nicht. die lesezeichen dort sind nun alle weg, was nicht so wahnsinnig dramatisch ist. aber es gab da auch ein paar gebookmarkte videos, die ich alle noch irgendwann mal sehen wollte. oder vielleicht auch nicht, wie das so ist. egal.

heute also endlich ein bisschen zeit für das wirkliche wichtige. das schreiben an einem alten, kleinen text. das eilt nicht, denke ich. aber ein bisschen eben schon, wenn mein energiehaushalt weiter so niederwertig läuft. wovon ja auszugehen ist.

es ist winter. das dauert noch, bis das wieder wird. im frühling vermutlich, also frühestens im märz oder so. vielleicht.

oder auch nicht.

aber so ist das jetzt.

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das rad anhalten, für einen moment der kraft, dazwischen. (zwei federn)

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