raum für notizen

inferno

22. Februar 2022 - 01:16

so ein tag. nächtliches großfeuer in essen, genau da, wo ich anfang der 60er geboren bin und vier jahe lang gelebt habe. im segeroth, ein stadtteil den es heute schon lange nicht mehr gibt, das steht jetzt die uni. und der rest heißt westviertel und nordviertel, lerne ich. der segeroth war sowas wie neukölln, nur hundert jahre früher. ein klassisches arbeiterviertel, sammelbecken für menschen von überall, lange zeit das am dichtesten besiedelte gebiet der stadt überhaupt. so richtig weit bin ich also nicht gekommen.

am abend suche ich im netz nach alten karten und stadtplänen. auch so kann man vergangenheit lernen, z .b. dass der park, in dem ich als kind immer spazieren gefahren wurde, damals noch ein friedhof war. (hatte ich das doch richtig im kopf.) und dass es darin einen jüdischen friedhof gibt, der heute unter denkmalschutz steht.

da war noch viel mehr, aber das ist lange her. alles ist anders. das wusste ich schon, als ich vor drei jahren dort war und durch genau diesen neubaukomplex gelaufen bin. irritiert, was aus meiner hässlichen drecksstadt geworden ist. nur die stahlstraße, die gibt es noch. habe ich heute nachgelesen.

in dieses finden und suchen und finden hinein, fast schon in der nacht: die desaströse machthaberei eines alten mannes. wie aus einem anderen jahrtausend, wie dieses spiel, das ich als kind tatsächlich häufig gespielt habe.

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21. Februar 2022 - 00:08

gegen fünf am nachmittag feierabend gemacht, aber dann nicht recht gewusst, wie weiter. was tun mit dem sonntagsrest?

auf die liste geschaut habe ich nicht, all die kleinen und großen erledigungen. da hätte sich sich sicher etwas gefunden, aber stattdessen habe ich der müdigkeit in mir nachgehorcht. das virus, die zeit und der krieg. das hört ja nicht auf, einfach so. es geht mir nur unter in arbeit. und die katastrophen sind ja auch wirklich exquisit in diesem jahr.

allerdings ist das jahr im grunde egal, ob dieses oder das letzte oder irgendein kommendes. der winzig kleine, tatsächlich allererste zukunftsimpuls meines leben, 2020 war das, ist längst verstorben. und geblieben ist die peinlichkeit, dass ich es recht hemmungslos ausgesprochen habe, für meine verhältnisse. dass ich keinen zweifel hatte, weder an mir noch an den anderen, die mit ins boot gehört hätten. was für eine großartige illusion.

das boot ist leer, das muss ich jetzt verstehen. sehen, dass es ist wie immer. dass es so bleibt und der blick nach vor keine option.

morgen ist wieder arbeit, zum glück. wie alles arbeit ist, zum glück. dafür will ich noch leben, weiter nichts.

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20. Februar 2022 - 14:29

zwei männer fahren mich nach hause. sie tun das nicht für mich, ich habe irgendetwas für sie getan. einer von beiden ist mein onkel, und da gibt es etwas, das er von mir noch will. deshalb fährt er mich, viele hundert kilometer. als wir bei mir ankommem, in dieser winzigen wohnung, die ich gerade renoviere, da fangen sie an zu streichen. weil sie denken, dass das scheckige der wände, das grün und das gelb das unter meinem frischen anstrich noch durchscheint, so nicht sein soll. es soll aber, und überhaupt: ich will das selber machen. alles anders machen. doch ich komme nicht durch zu den beiden männern, die einfach machen. es machen, wie sie es wollen. was ich auch tue oder sage, dagegen komme ich nicht an. da wache ich lieber auf.

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verweht

20. Februar 2022 - 00:26

alles wieder ruhig, zwischenzeitlich, besonders gegen abend. weniger schmerzen heute, nachdem die vergangene nacht eher schwierig war. bis in den morgen, obwohl die schulter im schlaf dann doch etwas ruhe gegeben hat. statt dessen war dann eben der rücken dran, quasi bei jedem schritt. das hatte ich auch lange nicht.

zum tangounterricht bin ich dann aber trotzdem, mit zwei oder drei ibuprofen intus. das ging dann sogar richtig gut, obwohl ich am morgen noch dachte, dass ich absagen muss. oder vielleicht nur dasitzen und zusehen. von wegen, das war wohl die beste stunde ever. und ich hab niemandem davon gesagt, das ist doch müßig. immerzu dieses gerede über die persönlichen befindlichkeiten. manchmal funktioniert das, nicht immer. aber es ist möglich.

wenn ich eines leid bin, nach den bislang zwei coronajahren, dann sowieso vor allem auch das. die ständigen erörterungen der eigenen befindlichkeit, in permanenter wiederholung. befindlichkeiten, die doch so viel anders nicht sind als die der anderen. doch die anderen bleiben die anderen, es sei denn sie werten ihre befindlichkeiten gleich. das ist ein ganz besonderes elend.

der rest war arbeit, ohne große wucht dahinter. mir ist doch sehr nach ein wenig pause. oder nach frühling. deshalb nur wenig, ein paar übersichtliche listen, frage-antwort-spiele.

so ist der tag verweht, ganz leise. und gut.

morgen will ich gern schlafen, so lang es mich lässt. so ein sonntag soll es sein. ein bisschen traurig.

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nix passiert

19. Februar 2022 - 00:06

einiges erledigt heute, dafür mit dem rad herumgefahren. das ist immer noch ein spaß. und es wird noch mehr ein spaß sein, wenn erstmal frühling ist. davon bin ich überzeugt.

den schreibexzess der letzten woche erfolgreich (?) abgeschlossen und weitergereicht. das war das ziel, mehr liegt nicht in meiner hand. der rest ist schweigen.

das war gut.

doch die windigkeit dieser tage schlägt mir aufs gemüt. immer so ein sturm nach dem anderen, wie in wellen kommt das, fast ohne pause. (no pun intended.) da kommt mein denken nicht mit, es verweht sich, bevor ich es begriffen habe. das ist unangenehm, das will ich so nicht.

jetzt ist nacht. draußen scheppert das gerüst an dem haus schräg gegenüber, und die weiße folie, die auf dem dachstuhl angebracht ist, macht beim flattern einen mächtigen lärm. keine ahnung, ob ich dabei schlafen kann. immerhin war die feuerwehr schon da, hat die statik geprüft oder was auch immer. und die polizei hat den bürgersteig mit flatterband gesichert.

mir kann also nix passieren. (von wegen.)

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18. Februar 2022 - 00:02

müde sein, das ist gut. in kombination mit zufriedenheit erst recht, was wahrlich nicht selbstverständlich ist. das ist noch besser.

wenn ich hochsehe allerdings, dann schaue ich in einen neuen kalten krieg. nein, in einen alten, längst erkalteten. wer hätte das gedacht.

aber ja, man kann auch erfrieren in dieser welt.

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16. Februar 2022 - 17:12

es geht um eine beerdigung, dafür bin ich angereist. ich soll reden, wie andere auch, aber ich soll die letzte rede halten. ich weiß nicht warum, ich war nicht sehr befreudet mit der jetzt toten. nicht mehr, aber daran denke ich nicht lange. ich bin da, und ich tue, was ich kann.

zu meiner überraschung wird die zeremonie gefilmt und live übertragen. ich lese meine rede vom titelblatt einer zeitung ab, auf englisch. keine ahnung, wer den text für mich übersetzt hat. ich bin sicher, ihn selbst geschrieben zu haben, aber jetzt erkenne ich ihn nicht wieder. während ich lese und spreche, versuche ich zu erkennen, was ich sage.

doch das funktioniert nicht im traum, da spüre ich nur das englische, die melodie, die mir leicht fällt und gefällt. was ich sage und geschrieben habe, das hat eine haltung. zufrieden wache ich auf.

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alles nichts

16. Februar 2022 - 01:02

es gibt durchaus tage, da verfluche ich das schreiben. da weiß ich nicht mehr, wie ich jemals auf die idee kommen konnte, das tun zu wollen. aber es ist jetzt schon so lange her, über vierzig jahre, dass ich mich dahinein verbissen habe. ich kann nichts anderes mehr tun, es ist mein leben.

auch wenn es mein leben frisst, andererseits.

ich wünschte, ich wäre stärker. noch viel stärker. stark genug, um es zu ertragen, wie womöglich alles ins nichts laufen wird. letztendlich.

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15. Februar 2022 - 00:01

das war ein überraschend lebendiger tag, verglichen mit dem gestrigen absturz durch überschreibung. oder was auch immer das war.

auf der arbeit auf eine batzen arbeit gestoßen, der in ein paar wochen oder so auf mich zukommt. nicht dass mir davon mal wer erzählt hätte. aber gut, ich hab es selbst entdeckt und gleich darauf hingewiesen, dass es deutlich schlimmer ist, als es auf den ersten blick aussieht. sehr viel mehr händisches herumsuchen, systematisch aber aufwändig. wurde dann auch schnell bestätigt, das insiderwissen in meinem bereich. da kam ich mir nach jahren dann doch mal wieder ein bisschen kompetent und zuständig vor.

zwischendrin die waschmaschine laufen lassen zu können, zum briefkasten zu gehen, eine eilige überweisung zu erledigen und all so zeugs, neben der arbeit sozusagen, das fängt dann doch, mir ein klein wenig zu gefallen. spontan das bett abzuziehen zum beispiel, dass ich jetz in einem frischen bett liege. das ist unschlagbar.

kein schreiben heute, logisch. ein bisschen texterfassung für das übersetzungsprojekt am abend, nach dem essen, gegen neun. sieht machbar aus, und es ist immer eine erleichterung, eine gewisse übersicht zu haben. genau die habe ich endlich wieder einmal.

ebenso von vorteil ist es, noch etwas von dieser scharfen kürbismöhrensuppe im tiefkühlfach zu haben. und mich rechtzeitig daran zu erinnern, dass ich das tiefkühlfach leeressen muss, weil der kühlschrank abgetaut werden muss. steht so auf der liste, mit höchster priorität.

nicht so gut ist es, wenn mir der werkzeugkasten kurz nach elf uhr nachts auf den flurboden scheppert. dabei wollte ich doch nur einen schraubendreher, um den klorollenhalter besser zu fixieren, mit neuen längere schrauben. sowas kann ich ja manchmal nicht lassen, wenn es mir schon auffällt. auch mitten in der nacht.

also lauter kleine freuden heute, wenn ich es recht betrachte. (bis auf das geschepper.)

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branding/4

13. Februar 2022 - 23:57

am freitag den bestehenden text vor mich gestellt, fünfundzwanzig seiten, wie auf ein podest oder eine staffelei. dann zur axt gegriffen und los, weil zwei drittel davon weg muss. das heißt, ein neuer text soll entstehen, etwas anderes muss aus dem kommen, was bereits existiert.

zum abend hin auf etwa elf seiten gekommen, was nicht genug war. aber gut, hervorragend sogar. weil also keine fehler zu erwarten waren, in aller ruhe zum tango gegangen. gegessen, getanzt, geredet und getrunken.

in der nacht noch gedacht und über den titel entscheiden, die aufteilung. das dann am samstag gleich umgesetzt und etwa die hälfte des textrumpfs durchgearbeitet. fast mit leichtigkeit, muss ich sagen. so leicht, dass zwischendurch ganz entspannt das küchenregal abgebaut, umgebaut und wieder angebaut habe. was wesentlich länger gedauert hat, als ich gedacht hatte. das war schon ein bisschen mies.

erst spät also, am abend schon, in die zweite hälfte, von der ich dachte, dass sie nicht so aufwändig sein würde. wenig umzustellen, nur kürzen, keine probleme. von wegen. die abendarbeit lief nicht besonders rund, keine zufriedenheit wollte sich einstellen. nur frust und müdigkeit. aber runter auf knapp zehn seiten war ich am ende dann doch.

heute gleich am morgen eingesteigen. hinten eingestiegen, wo es mir nötig schien nach den unsauberheiten des vorherigen abends. leicht war es nicht, ich musste zum letzten mittel greifen. mir alles laut und langsam vorsagen, nicht nur schnell, damit es schnell geht. oder gar nicht, weil. nein, gar nicht geht gar nicht. rezitieren muss ich immer.

vier stunden waren das oder mehr noch, sechs vielleicht. doch das ergebnis ist gut, unter neun seiten bin ich gekommen. die dramaturgie stimmt, die spannung sogar. das denke ich, weiß es aber im grunde nicht.

ich höre trotzdem auf, da ist es noch hell. weil ich weiß, dass mehr nicht mehr geht, nicht an diesem wochenende. ich lasse den text und schicke ihn ab, zum gegenchecken. weiter geht es dann am donnerstag, die letzten feinheiten erledigen. so ist der plan.

keine zehn minuten später falle ich in mich zusammen, in eine tiefe, vor allem auch körperliche erschöpfung. es war ein anstrengendes wochenende, damit hatte ich so nicht gerechnet. das schreiben vor allem hat alles von mir verlangt, das vor allem hatte ich nicht auf dem plan. das bauen war ein leichtes dagegen, trotz leichtem muskelkater.

und jetzt ist mal schluss hier. in ein paar stunden fängt die neue arbeitswoche an.

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