am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (122)

ja, ich bin dran. es ist gerade nicht leicht. es ist sogar sehr schwer geworden seit letzer woche. seit es diesen knacks gegeben hat. da ist der text zu mir durchgebrochen, in den ganz persönlichen bereich eingedrungen. damit hatte ich nicht mehr gerechnet.

ich weiß nicht, ob das gut ist, und wie ich damit umgehen soll. doch es ist wie es ist. jetzt muss ich damit arbeiten.

zum glück ist die story so weit weg von mir, dass meine persönliche angerührtheit keine chance hat, direkt in den text zu fließen. ich habe nur angst, dass ich den blick verliere. und dass die kraft nicht reicht.

der text wird es schaffen, da habe ich keine zweifel. und um mich geht es nicht, ich stelle mich nur zur verfügung. doch am ende habe bin ich es, die die aufgabe hat, den preis zu zahlen. das ist das letzte, das hatte ich vergessen. ich muss ganz persönlich die konsequenzen tragen, wer sinst sollte das tun. ohne zu wissen, was diese sein werden.

an dem punkt wird das schreiben ein blindflug. das gelände ist gefährlich und unbekannt. wenn der text gut ist, wirklich treffend und präzise, dann war ich an diesem ort noch nie zuvor. und bin geflogen.

ich muss damit leben, was ich angerichtet habe. das gehört ab sofort zu mir. und nur zu mir.

nachtrag: eigentlich liege ich gut in der überarbeitung, nicht einmal zweihundert seiten noch.

alltag

manchmal, in diesen kleinen momenten, in denen alles zu schwer wird. nur einen augenblick lang, auch nur zwei oder drei kilo vielleicht, über die ich zu klagen habe. von den lebenslangen tonnenlasten rede ich nicht mehr, so gut we nie. die gehören dazu.

dann reitet mich manchmal der teufel, und ich denke, dass menschen empathiefähig wären oder zumindest interessiert. und dass das helfen könnte.

es mag an mir liegen, aber ich ernte in solchen momenten des anvertrauens vorwiegend korrekturen. und moral.

auch das muss ich mir merken: es gibt keine hoffnung. es gibt keinen trost. es gibt keine menschen für mich.

merksatz

früher einmal, da war dieses internet ein ort der begegnung, des austauschs auch, wo man leben und erleben teilte. aber das ist lange her, und das waren blog.

dieses facebook heute, das ist einfach kein ort.

das darf ich nie vergessen.

rad

wenn ich mal eine nacht nicht so richtig schlafe, also so richtig schlecht schlafe, nicht einfach nur wenig. wenig schlafe ich ja meistens. wenn ich ausnahmsweise mal stundenlang wachliege, weil sich etwas im hirn dreht, das nicht mit dem buch zu tun hat, mit kreativen ideen und deren entwicklung. wenn die alten geschichten auferstehen und sich wieder einmal mit mir beschäftigen wollen. wenn es mir doch wieder über die bettdecke turnt, was sich nicht erzählen lässt. die wahrheit, die ich nicht vergessen kann. die ich dann doch zu erzählen versuche, immer und immer wieder. obwohl doch niemand da ist, niemals. wenn ich also deshalb einfach nur nicht einschlafen kann.

dann nimmt mir das schnell alle kraft, so eng ist es inzwischen. dass ich einen ganzen tag brauche, um mich davon zu erholen. rein physisch. was in der zeit in meinem hirn abgeht, keine ahnung. ich muss nicht mehr immerzu hören auf diesen wahn. immerhin. so vieles davon ist falsch.

gestern war das, die nacht auf mittwoch. und jetzt ist donnerstag, richtig? nein, freitag! langsam geht es wieder.

als ich mein altes rad von der reparatur aus potsdam zurückgeholt habe, letzten samstag war das. so stolz bin ich auf das ding, das jetzt schon über vierzig jahre bei mir ist. da sagt der typ in dem ladendoch glatt: irgendwann blaucht mal eben ein neues. tatsächlich, das war sein einziger kommentar. und ich versuche ich herauszureden, dass ich es selten benutze und außerdem mehr als nur ein weiteres habe. was völliger quatsch ist, denn das eine ist ein rennrad und das andere ein spazierrad. soll heißen cruiser. letztes ist also irgendwie alltagtauglich, aber de facto sauschwer und klobig.

ich weiß das. und es ist so, dass ich vor einiger zeit bereits begonnen habe, mich nach einem neuen umzusehen. wenig zielstrebig und ohne großen druck dahinter. weit gekommen bin ich damit zunächst auch nicht.

kürzlich habe ich es dann aber gefunden, mein wunschrad. (nicht mein traumrad, das ist ein anderes, aber das macht derzeit keinen sinn. ich wüsste nicht, wohin damit.) eher zufällig, gesucht hatte ich nicht. trotzdem habe ich mich ziemlich schnell verliebt.

mehr verrate ich nicht. nur soviel: es hat strom und wiegt trotzdem lediglich vierzehn kilo. (leichter ist nur mein rennrad.) ich kann es in kupfer oder in petrol haben. wenn ich wirklich will.

will ich das? das schwere hinter mir lassen und mit ein bisschen mehr saft vorausfahren.

schreibzeit (49)

langsam verschwindet die schwüle aus der wohnung, das ist gut. auch die nächte werden wieder erträglich. draußen ist es still, es sind wenig menschen unterwegs.

es regnet. so einfach ist das.

irgendwo in mir ist dieser tage etwas gebrochen. ein kleiner knacks nur, der vor allem schärfe in die luft gebracht hat. eine gewisse klarheit. ich erkenne die umrisse, die zusammenhänge der vergangenen fünf bis sieben jahre. der schreibzeit also, die bald zuende geht. wenn die story dann raus aus mir, sich öffnen wird in die welt. ich sehe, was mein ist daran.

ich bin erschrocken, und es ist doch erst der anfang. vermutlich.

ich bereite mich vor auf das, was kommt. ich weiß bescheid, ich kenne das. und ich darf es nicht übertreiben, wie schon einmal. doch ich bereite mich vor, kopfüber zu hängen und in die tiefe zu tauchen. und dort zu bleiben, mir zu greifen, da unten, was ich nur greifen kann.

es wird nicht reichen, es ist nie genug. auch das weiß ich. ich kann nur tragen, was ich gerade eben so tragen kann.

doch ich freue mich darauf, den kern zu treffen, letztendlich, seinen reichtum zu erkennen.

einen augenblick lang.

bonding (121)

viel arbeit in den letzten tagen vor urlaubsende, dafür bin ich aber jetzt auch so in etwa halb durch. das ist viel mehr als ich erhofft hatte. dabei musste sogar ein kapitel aufgebrochen und in zwei neue hinein strukturiert werden. das war anstrengend, doch jetzt schon sehe ich, dass es sich auf jeden fall gelohnt hat. so kann, so darf es gerne weitergehen. die richtung stimmt, und ich hege die hoffnung, dass die zweite hälte ein klein wenig einfach zu überarbeiten ist. da war ich mehr drin, hab nicht mehr so viele unsicherheiten einfach mal eingebaut. weil ich besser noch nicht wusste.

am ende taucht aber immer auch das eigene wieder auf. ganz egal, wie weit man sich entfernt hat von sich und der eigenen geschichte. am ende ist sie wieder da und schreibt sich ein in den text. das ist so wunderbar wie auch komplex, denn es ist immer auch das eigene, das den text doch noch zerstören könnte. dennoch ist es nicht zu verhindern, zumindest kann ich das nicht.

also folge ich auch dem sog, der jetzt entsteht. ich kann nicht anders. wenn ich nicht schreibe, versuche ich zu ergründen, was ich mit dem text angerichtet haben könnte, in mir und meinem leben. womit ich womöglich in folge zu rechnen habe.

ich bin zu müde, um das jetzt hier näher auszuführen. und ich habe es auch noch längst nicht verstanden, doch bislang sieht es gut aus. es scheint alles richtig gewesen zu sein.

zu hause

kaum wieder in neukölln, schon dreht sich alles ein wenig schneller. noch nicht allzu schnell, aber immerhin. das bloggen kommt bereits zu kurz. das allin gefällt mir schon nicht.

es gibt dinge zu tun, ja. das ist so, hier liegt immerzu irgendetwas unerledigt herum. meistens jede menge davon. es gibt verabredungen einzuhalten, und in dieser woche waren es zwei besonders exquisite, die mich großartig erfreut haben. (wenn ich auch die eine nicht so gut gemeistert habe, im nachhinein betrachtet.) auch das schreiben kommt nicht zu kurz, niemals. ich bleibe dran; ich muss, weil ich will.

doch die erschöpfung bleibt ständig in reichweite, trotz urlaub, trotz coronabedingter menschenleere um mich. immer noch habe ich kaum termine mit menschen, jetzt schon seit monaten. eine weile halte ich durch, mal mehr und mal weniger. dann geht mir die kraft aus, meistens sehr plötzlich. der rest kann dann nur noch mit aktivem kraftaufwand bewältigt werden, ohne freude meiustens und außer atem.

nur das schreiben, das geht immer. auch in größter erschöpfung, in teilen ist es sogar am besten so. (wenn das mal nicht trügt.)

mir geht das dicke fell aus, mit dem ich üblicherweise meinen alltag kaschiere. ohne das sehe ich durch alles hindurch, spüre das denken und fühlen der anderen, nah oder fern. ich höre, bis in meine träume. ich träume.

dieses fell wird nicht mehr wachsen, fürchte ich. seit jahren schon schwindet es, und übrig bleibt diese feine struktur, in der ich gezeichnet bin. die mich nicht retten wird, am ende. und die mich gerettet hat, mein ganzes leben schon.

ein erfolg noch lässt sich vermelden: der optikerärger ist endlich bestmöglichst beendet. (hatte ich gar nicht erzählt? ach naja, egal.) nach vier, sechs, vielleicht sogar acht wochen verfüge ich nunmehr über eine bildschirmbrille, die wirklich funktioniert. hallelujah! so gut war die atrbeit in den ganzen vergangenen jahren nicht. (also vielleicht liegt diese ganze erschöpfung auch nur an der ständigen augenanstrengung?)

und morgen fahre ich nach babelsberg und hole das rad.

nach hause.

ausgezeichneter abschied

wieder zu hause. ein eigenartig leichter abschied diesmal, beinah banal. es ist das wasser, dieses viele wasser so nah. das wird zur entscheidung beitragen, irgendwann. ich weiß nicht, wann. ich weiß auch nicht, wie das alles zustande kommen soll. ich sehe blind.

gegen halb zwölf auf vollbepackte bike. auch das lerne ich langsam wieder, wie ein motorrad zu packen ist. obwohl das fahrgefühl natürlich ein völlig anderes ist. die wetter-app stand auf 90% regen, trotzdem bin ich todesmutig ganz ohne regenzeug gefahren. mir war so unbedingt danach, ein bisschen zu frieren. es hat dann aber gar nicht geregnet, weder auf der fahrt noch sonst. bis gerade eben, so gegen neun.

fazit: ausgezeichnetes motorradwetter!

wenig geschlafen in der letzten nacht. das kommt davon, wenn man am frühen abend so erschöpft ist, dass einfach dann schon geschlafen werden muss. stattdessen also wach gelegen, auf den regen gewartet, auf donner und blitz. es gab dann aber nur wetterleuchten und ein wenig wind. mehr nicht.

außerdem im text herumgedacht. gute ansätze, die ich hoffentlich umgesetzt bekomme. (ich notiere zu wenig, fällt mir gerade auf. die ganze zeit war es anders, da war es egal. aber jetzt ist die zeit!)

das letzte

der letzte tag sollte einer auf dem wasser sein. das immerhin ist gelungen.

von der spitze des hiesigen parks unter der glienicker brücke durch, die havel entlang, bis ich die pfaueninsel sehen konnte. für die alte frau mit dem keinen, windanfälligem boot, das auf der großen havel sicherlich ein bisschen dämlich aussieht, war das ein ganz schönes stück. ich musste ja auch wieder zurück. der trip hockt mir jetzt als sonnenbrand in der haut und als leichter stich im hirn.

dieses hin- und wieder zurückfahren, geht mir ein wenig auf den zwirn. wenigstens im kreis, das wäre schön. also dann vielleicht ganz anders im nächsten jahr: mit zelt und schlafsack usw. immer weiter von hier nach da. ist ja nicht so, dass ich all das nicht irgendwo hätte. oder mit dem motorrad irgendwo hin, und dann von dort aus die wasser erkunden, in der feldberger gegend zum beispiel. das steht eh noch aus.

das ein- und aussteigen klappt, hier zumindest, immer besser. ich verstehe das boot immer besser und richte mich danach. nasse füße kriege ich dennoch meistens, das ist wohl normal. und einen nassen arsch, wiel ich neuerdings links schiere wassermassen ins boot schaufel.

das alles ist noch ein punkt für diese gegend. dummerweise. überall sind augezeichnete einstiegspunkte in eine grandiose, schier unergründbare wasserlandschaften. von hier aus könnte ich tagestouren oder kurztrips spontan von jetzt auf gleich starten. sogar zu fuß erreichbar ist all das wasser, die in fahrradnähe habe ich noch längst nicht alle erkundet. achje …

als ich aus dem wasser kam, war der hintere fahrradreifen platt. wie schon am morgen, als beide ventile verschwunden waren. (eine parkwächterrache?) diesmal war es aber wohl der schlauch, der das anschließende schieben mit platten nicht so gut vertragen hat. also: wieder schieben und latschen in der gluthitze des mittags, noch dazu mit nassen bootsschuhen und einer einer fetten blase unter dem rechten fuß. die hatte ich extra noch nicht geöffnet, weil ich davon ausging, auch jeden fall noch mit beiden füßen im see stehen würde. so also von der ausstiegstelle bis zu den mir bekannten hiesigen fahrradläden gehumpelt, die beide nicht helfen konnten oder wollten.

anfang und ende dieser zeit hier stehen diesmal unter einem seltsamen stern.

den schlauch selbst wechseln. natürlich, zu hause kein problem. aber das motorradwerkzeug reichte nicht, und mehr habe ich nicht dabei. die hinterradmuttern sitzen so fest, nach jahren der nichtbenutzung, dass ich es improvisiert nicht losbekommen habe.

ein kraftproblem also, so ähnlich wie die wohnungstür, die ich auch nicht aufbekommen habe. obwohl ich genau den richtigen ansatz hatte.

zuletzt dann doch einen der beiden radläden überredet, das rad bis samstag wieder fit zu machen. geht in ordnung, ich hätte es sowieso in den nächsten tagen holen müssen. und dafür hier irgendwo im freien stehen lassen müssen. das hat ja schon einmal nur schlecht geklappt und mich das komplette rad gekostet. so steht das alte ding bis zur abholung immerhin sicher in einer werkstatt. hoffe ich. die bremsen kommen auch gleich dran, obwohl sich das bei der alten kiste kaum lohnt. aber bremsen sind wichtig.

nach der aktion war die luft raus. die lust auch, wie mir ein vertipper weismachen will. der geplante letzte trip in die stadt gestrichen. der körper auf einmal zerschossen, dass ich nach dem duschen für stunden geschlafen habe. alles verschlafen, die letzte zeit hier

naja, ich komme wieder. am samstag. ich muss früh hiersein, weil der radladen nur drei stunden offen ist. im grunde passt das, ich bleibe einfach den ganzen tag und tue, was ich heute nicht tun konnte. am wasser liegen, in der sonne. wenn das wetter hält. sonst in dem café sitzen, wo ich mich entschieden habe, es doch noch einmal zu versuchen mit dem romanstoff. am abend dann essen gehen im holländischen viertel.

mal sehen. alles ist ja ein mal sehen, derzeit.

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