am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (92)

das erste von drei aufeinanderfolgenden erweiterten schreibzeitwochenenden zu hause geht zuende. ich höre jetzt auf zu arbeiten, besser ist besser. obwohl ich noch stunden weiterschreiben sollte, soviel liegt noch in diesem vorletzten kapitel. verborgen. vergraben. aber da ich morgen ohnehin nicht weiterachen kann, ab morgen ist geld verdienen im brotbürojob angsagt.

ich fasse nicht, wie ich in letzter zeit immerzu derart danebenliege. ich sollte es lassen, das seitenplanen und seitenzählen. zügig zu erledigende fünfzehn waren geplant für das aktuelle, vorletzte kapitel. lächerlich, im nachhinein betrachtet. nicht nur, weil ich inzwischen einunddreißig geschrieben habe und noch nicht fertg bin. auch und vor allem, weil ich es vorher hätte wissen müssen. die masse des materials, die intensität, dass es um ein ende geht, einen abschluss. das alles hätte mir hinweis sein müssen, worum es wirklich geht.

andererseits ist es ein glück zu sehen, dass ich mich immer vom material beherrschen lasse. oder lenken zumindest. wie auch sonst? was bin schon ich? ich zwinge den stoff nicht in meine armselige vorformulierung. ich weiß um die wichtigkeit der improvisation, gerade auch beim schreiben. woher sonst käme der klang, der atem, das leben.

am donnerstag also geht es weiter. erst ein paar noch grobe passagen ausweiten, dann noch einmal von vorne bis hinten durch die gestern und heute neu geschrieben seiten. am freitag. danach dann sofort ins nächste, ins letzte kapitel

dafür bleiben drei wochenenden, erweiterte schreibzeit zu hause. dann ein kurzer ausflug nach leipzig, zur messe. schreibzeitunterbrechung, das muss möglich sein. das ist vielleicht sogar wichtig, in dem fall. danach noch einmal zwei fette wochenenden, bevor die osterfreizeit beginnt.

jetzt habe ich schon wieder durchgerechnet und zeit gezählt. was für ein unsinn. immerhin verrate ich nicht, auf welche ziffer sich meine seitenzahlvoraussage für das letzte kapitel beläuft. sie mir selbst zu verheimlichen, war mir jedoch nicht möglich. leider.

schreibzeit (40)

es geht ans eingemachte. die kommenden drei wochenenden, jeweils erweitert auf drei oder vier tage, habe ich mich terminfrei gemacht. und damit schreibzeittauglich für das letzte kapitel. nein, falsch, das erste, das jetzige wochende ist noch für das vorletzte kapitel.

es schreckt mich, das hier so aufzuschreiben. denn es ist so, es wird so werden. und dann bin ich allein.

ich spüre jetzt schon, wie es langsam wieder in mir aufsteigt. das eigene, das ich. wie sich die persönliche geschichte in mir behaupten will. all das, worauf es nicht ankommt beim schreiben. dinge, die so lange zur ruhe gesetzt waren. melden sich zu wort, drängen sich mir auf. ähnlich, aber anders. wer weiß, was damit passiert.

vielleicht wird es interessant. oder wichtig, für was auch immer. für ein neues buch oder für mich selbst. vielleicht beides. oder es wird verrückt, unerträglich und sinnlos. egal.

erst noch vier bis fünf wochen schreiben. fertigschreiben. dann.

ich weiß nicht

ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll. wie es ist, an einem buch zu schreiben, das in so vielerlei hinsicht queer ist, dabei andererseits auch von grund auf normal. und zeitgleich über hanau zu lesen. lesen zu müssen, immer wieder.

ich weiß nicht, was los ist in dieser welt. was ich dazu sagen soll. und dann schreibe ich einfach weiter, als wäre nichts gewesen. mein ganz normales buch, damit es bald fertig ist. und wer weiß.

ich weiß nicht, ob es in zwei jahren oder so, wenn es vermutlich erscheinen wird, nicht nur noch queer sein wird. weil sowas eben nicht normal ist.

schluss jetzt, nichts

alles wird anders, immerzu. zu der schreiberschöpfung gesellt sich neuerdings eine gewisse aufgeregtheit. zunächst im text, da nähert sich der vergangenheitsstrang dem gegenwartsstrang bis auf ein paar monate. und auf einmal verwechsle ich permanent die zeitformen. ich starre bruchteilsekunden auf das wort „klang“, ohne zu verstehen. ohne zu wissen, ob es eine gültige verbform darstellt. von der bedeutung ganz zu schweigen. so lange starre ich, dass ich sie nicht nur spüre, die leere und hilflosigkeit in meinem hirn. die zeit steht, und ich kann sie für einen augenlick betrachten und studieren. die zeit und die leere.

gut, das ist das, das ist normal. irgendwie. zumindest der schreiballtag, die schreiberfahrung, die schreiberschöpfung. gleichzeitig nähert sich der text insgesamt dem jetzt. meinem jetzt, meiner wirklichkeit. wenn ich in ein paar wochen fertig sein werde, dann wird er relativ zügig gelesen und gewertet werden. von meiner privaten testleserschaft, sorgfältig zusammengestellt, wie auch in der agentur. und dann: was weiß ich!? jedenfalls wird er nicht jahrelang irgendwo einen papierstapel bilden, wie der erste roman. damals. auch an dem punkt starre ich in die leere und die zeit. und verstehe nichts.

überhaupt, dieses nichts. dieses schreiben ist mir mehr und mehr zu meiner buddistischen praxis geworden. so gesehen waren die letzten jahre ein heart-core retreat, in dem ich mich vielfältig und nachhaltig schlecht benommen habe. unaufmerksam war ich, rücksichtslos, vor allem mir selbst gegenüber, und weitgehend verwirrt. auch das ist ziemlich normal. und gut geschrieben habe ich in diesem zustand, hoffentlich.

ich weiß nicht, wo und wie ich da am ende herauskommen werde. noch kann ich nichts davon sehen, nur die angst. weil alles immer anders ist. es gibt keine garantie.

schreibzeit (39)

irre. immer wieder irre.

wenn sich nach der starre und den zweifeln an allem das material wieder öffnet und schenkt. ein zauber fast. dinge, von denen ich keine ahnung hatte, dass ich sie schreiben würde. keine taue mehr, unhandlich und schwer. stattdessen fäden, die leuchten und schwingen. sich nirgendwo festsetzen wollen und sollen. warum denn auch?

zufrieden bin ich, glücklich fast.

aber natürlich muss so manches, was sich mir gerade aufschlüsselt, noch geschrieben werden. das eine der beiden enden ist doch noch nicht ganz zu ende gebracht. heute.

bonding (91)

einiges ist mir klargeworden mit dem heutigen schreibreichen tag.

zum einen war ich zu schnell. nicht im schreiben, obwohl vielleicht auch das. vor allem aber im denken, in meinen erwartungen an mich selbst. das aktuelle kapitel lässt sich nicht einfach so zügig runterreißen. quasi wie nebenbei. es lässt sich auch nicht ohne sorgfältige konzentration knapp halten, immerhin umfasst es etwa zwei jahre. es soll ja durchaus knapp sein, hat aber bei aller knappheit das plansoll jetzt bereist überschritten. wie schon so oft in der arbeit an diesem text. form und länge findet sich weitgehend von allein, und auch der inhalt enthält immer razum für improvisation.

zum anderen habe ich begriffen, dass ich wohl zweimal ein ende schreiben muss. schließlich habe ich zwei erzählstränge, und beide verdienen einen sauberen abschluss. am ende sogar einen zusammenschluss, von dem ich noch keinen schimmer habe.

aber das kommt erst im nächsten, im letzten kapitel. daran denke ich jetzt nicht. es geht immer nur schritt für schritt, sonst geht es nie.

schreibzeit (38)

ich muss es zugeben, ich jammere auf hohem niveau. ich schreibe viel an diesem wochenende, ich schaffe einiges. zum beispiel ist die bewerbung so gut wie fertig, ein paar stunden habe ich auch an den übersetzungen gesessen. geld verdienen, auch das muss sein.

und das aktuelle kapitel ist auf zirka zwanzig seiten gewachsen. das ist durchaus viel für zehn tage. vor allem, weil es doch irgendwie gut ist, hatte ich heute den eindruck. darüber hinaus ist es fast fertig.

nur noch das kapitelende.

bonding (90)

schwerer einstieg, ich weiß nicht warum. vielleicht will ich zuviel oder zu schnell. keine ahnung. doch es macht mir angst, wie weit es mich aus dem text getrieben hat. in ein paar tagen nur.

vielleicht ist es die erschöpfung, das hirn, das nicht mehr kann. das nicht mehr will, nur noch vergessen. das wäre gut, denn das ist nicht tragisch. das ließe sich lösen, irgendwie. da hätte ich möglichkeiten.

aber vielleicht ist es schlimmer. vielleicht verliere ich den zugang und der text geht mir flöten, so kurz vor schluss. da ist alles wichtig, jedes wort, das ich setze. und jedes, das ich lasse. im moment aber funktioniert nichts davon. ich sehe auch nichts, ich spüre nichts. alles ist leer.

wenn das der fall ist, dann weiß ich nicht. dann ist alles nur noch glück. oder verzweiflung, wenn ich pech habe. obwohl ich das ende natürlich auch erzwingen könnte. doch das wäre schlimm. das wäre verrat.

und tatsächlich habe ich heute ein paar seiten geschrieben. wie blind, einfach den vorgaben entlang, die es ja geben muss. am ende mehr denn je. und die es zum glück auch gibt, sonst ginge jetzt gar nichts. da steht nun also etwas, ich weiß nicht genau was. da muss ich morgen mal sehen. auch das acht mir angst.

vielleicht ist alles auch noch anders. am anfang, selbst von vielen, vielen seiten, ist mir das schreiben wie der umgang mit feinen fäden oder garn. alles ist leicht und noch kaum zu erkennen. es fliegt durch die welt und ist schneller verschwunden als eingefangen. später sind es stränge, die ich ineinanderflechte. die ich mit kraft in schwung bringe, sie an ihren platz werfe oder wenigstens in die richtung. wo sich sich dann sorgfältig niederlassen, irgendwo in der nähe zumindest. inzwischen hantiere ich seit einiger zeit mit schweren tauen, von denen ich jetzt nur noch kurze stummel in den händen halte. die muss ich an die jeweils richtige stelle biegen, mit aller kraft, und sie dort befestigen. dann das ende verschwinden lassen, es möglichst unsichtbar machen, das auch noch. an dem einzigen ort, wo sie sowohl halten als auch sinnvoll wirken können. es gibt nur einen.

und den ort zu finden.

das ist nicht leicht.

das kostet kraft.

schreibzeit (37)

die erschöpfung wächst, das hätte ich nicht gedacht. dazu schmerzen, mein körper will nicht mehr. schreiben. und der geist will sich anschließen. das ist. ich weiß gar nicht, wie. beängstigend.

gestern zum ersten mal gedacht, dass ich auf den letzten metern vielleicht nicht mehr in den text finde. selbst in dem schon bestehenden, der in jahren harter arbeit entstanden ist. kein einziges vernünftiges wort habe ich gefunden, das mich retten, mich wieder hätte einfangen können. alles nur scheiße!

heute ging es dann wieder. besser geschlafen, länger vor allem. der tango am abend zuvor hat auch geholfen, seltsamerweise. kurz vorher war mir ja mehr nach zusammenbrechen. das dauert aber wohl noch ein wenig. muss ja auch, ich muss ja schreiben. und auch das kommt mir heute schon wieder ein wenig machbarer.

gemacht habe ich aber etwas anderes. nach der einen bewerbung im literarischen bereich letzte woche, die mich viel kraft gekostet hat, mehr als ich vorab gedacht hätte. obwohl doch alles in zusammenarbeit mit der agentur lief, ohne die es wohl auch wenig sinn gemacht hätte. danach also habe ich mich gleich an eine zweite bewerbung gemacht, die ich ohne agentur auf den weg bringe. ohne jegliches bedauern, das soll so. es ist auch ganz etwas anderes. ebenfalls literarisch, irgendwie, aber mehr so eine fortbildung für mich.

ich bin einigermaßen zufrieden, mehr als gestern auf jeden fall. ohne dass ich den grund dafür benennen könnte. für gestern oder für heute. wenn ich mich zwischendrin nicht stundenlang mit meinem drucker hätte beschäftigen müssen, wäre ich vielleicht damit fertig geworden mit dieser zweiten bewerbung. so hat es eine weile gedauert, bis das schwarz wieder funktioniert hat. und jede menge druckerpatronen hat es auch gekostet.

jetzt hab ich halt morgen noch ein bisschen was vor mir, bis ich den umschlag schließen und den packen papier auf den weg bringen kann.

bevor ich dann wieder ans schreiben gehen kann. wenn ich kann.

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