am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit (2)

bewölkt ist es, ein wenig windig sogar. der tag gestaltet sich angenehm, obwohl die 30° schon fast wieder geknackt sind. gleich muß ich ein wenig laufen und denken. und ein fahrrad besorgen vielleicht. mein altes schrottrad, das ich bei meinem ersten besuch in diesem jahr leichtfertig einfach am bahnhof hab stehen lassen, ist tatsächlich geklaut worden. kaum zu glauben eigentlich, das war wirklich kurz vor völligem vermurkst sein, mit rahmenschaden sogar. das ist schade, denn ich will auf keinen fall blöd mit dem motorrad umherfahren. wenn ich mal umherfahren mag.

stille orte übrigens, wenn dann der sägelärm von früh morgens verstummt ist, haben die eigenschaft, daß man die menschen viel deutlicher hört. einzelne menschen in der unmittelbaren umgebung. das ist mir ein wenig seltsam, verstörend fast. also passe ich sehr genau auf, was ich tue. welche musik ich in welcher lautstärke wähle zum beispiel.

schreibzeit (1)

die nacht war stickig. regen gab es bislang nicht, aber eine nachbarin hat den rasen ausgiebig gesprengt. das hat ein wenig geholfen.

auch in potsdam, in idyllischer babelsbeger hinterhoflage, fangen einzelne menschen gegen sieben uhr an, mit sägen zu sägen. also nicht gleich hier im hof, zum glück. aber auch nicht weit. und dann ist man halt wach, früh wach.

beim duschen tatsächlich ein wenig geföstelt. wie schön. der untere rücken schmerzt noch, aber weniger als gestern immerhin. der nacken ist deutlich besser. mit rucksack motorrad zu fahren war ja noch nie so mein ding. und das hat sich im alter nicht geändert, muß ich jetzt mal sagen. (ich geh ja auf die sechzig, das flüstere ich mir selbst mitunter zu. und glaube es mir bislang kaum.)

ein wenig planlos bin ich noch was die arbeit angeht. alle türen zu, aber das wird schon. es ist ja zeit, ein klein wenig zeit, nur dafür. schreiben.

ver\reisen

was für ein ermüdender tag. diese hitze, so langsam kann ich das wirklich kaum noch begreifen. es scheint immer mehr zu werden. gestern war es heißer, ich weiß. wenn man den messungen und ziffern vertraut. aber die fahrt heute, mit einem nicht voll aber doch ziemlich bepackten motorrad hat mächtig geschlaucht. zumal die kiste mir beinah hingeknallt wäre als sie schon fast vollständig bepackt war. das übliche, eine seite des hauptständers wollte gern im boden versinken, allen kleinen pflastersteinen zum trotz. das resultat sind 250 kilo in schräglage. kein schöner anblick und auch nicht leicht zu handhaben. geflucht und geschwitzt habe ich, noch bevor es überhaupt losging.

viel vergessen habe ich. also nicht nur das eine teil, irgendeines, das man halt immer vergißt. sonst klappt es ja nicht mit dem reisen. nee, diesmal fehlen die mehrfachsteckdose, die richtigen kopfhörer (dafür andere, geht ja auch), das opinel (denn in keiner ferienwohnung sind die scharfen messer wirklich scharf) und ein paar toilettenartikel. alles nicht schlimm, kann man alles besorgen oder drauf verzichten. aber komisch ist es schon. eigentlich bin ich anders.

vor allem aber müde jetzt.

die wohnung ist wird heiß, ausgerechnet am nachmittag steht hier voll die sonne. und es gibt nichts, um sie wenigstens ein bißchen auszusperren. außer einem riesigen ventilator. das heißt: arbeiten am morgen und dann später am abend wieder. so sieht es aus. und so wie jetzt geht es.

dazwischen ist paddeln angesagt. viel trinken, wenig essen. oderirgendsowasinderrichtung.

möglichkeiten

vor zehn jahren oder so, kurz nachdem ich nach berlin gekommen bin, dachte ich eben. da hätte ich eine werkstatt mieten, ein auto kaufen und mich auf flohmärkten und bei trödelhändlern umsehen sollen. schicken schrott finden und in tolles zeug umbauen, tische, lampen, regale usw. möbel halt und dann verkaufen, das wärs gewesen. das wäre heute noch fein, eine werkstatt haben. das vor allem. und geld wär da wohl auch drin gewesen.

aber auf sowas kommt man nicht, wenn man so gar kein geld hat. nicht einmal auf die idee. und wenn, dann hätte ich mir vermutlich eingeredet, daß ich nicht ausreichend qualifiziert bin. eine dekorateurin ist ja keine schreinerin. oder? also hätte ich auch nie jemandem davon erzählt, der oder die vielleicht das hätte vorfinanzieren können, was so alles nötig gewesen wäre. und das wäre ja nicht wenig gewesen. ein unsichtbarer kreislauf, der ins nichts führt. nennt man auch armut.

heute machen das, was ich damals hätte beginnen können, alle möglichen heimbastler auf die unsinnigste art. und bilden sich was drauf ein, bloggen und twittern drüber und schreiben bücher am ende. (die ich dann übersetzen darf, immerhin.) das mit der qualifikation wäre damit also ausgehebelt, wenn nicht ohnehin. aber darum geht es gar nicht. es geht darum, einfach immer im leben zu tun, was man gut kann und gerne will. und eben das zu erkennen. ebenso zu erkennen, daß das nicht mehr funktioniert, wenn da so gut wie kein geld ist. armut macht immer auch das denken arm, die ideen und die kreativität und damit das schöpfen und schaffen. so sehr man sich dagegen wehren mag. das hätte ich nicht von mir gedacht.

heute ist alles anders, und so ist es auch gut. jetzt. denn mit der werkstattidee wäre auch gewerbe, steuern und marketing verbunden gewesen. letzteres vor allem, mächtig viel davon. und damit habe ich es ja nicht so gar nicht. schon die freiberuflichkeit verlangt mir diesbezüglich einiges ab, das mich an den rand der verzweiflung treibt, mitunter. also ist es gut, alles gut. nur ein wenig schade halt.

und überraschend, auf einmal glasklar vor sich zu sehen, was möglich gewesen wäre. (damals. und was ich wohl im moment alles übersehen mag?)

neukölln ist laut im sommer, besonders in diesem sommer. menschen schreien herum, weil sie freude haben oder streit. das geht bis spät in die nacht, in der nacht wird es sogar besonders laut. ich habe große sehnsucht nach ruhe, immer mehr eigentlich. die kommende schreibzeit wird das beinhalten. das macht mir fast angst, denn es sind nur 10 tage. und das ist nichts. das wird sie seele nur noch sehnsüchtiger machen.

aber ruhe immerhin habe ich selbst. stille und schweigen ist mir zueigen, trotz aller inneren unruhe, die ich ebenso beherberge. das geht nicht verloren, es ist mir nicht fremd.

langsamkeit dagegen? langsamkeit ist eine andere welt. meine sehnsucht danach ist aber ebenso päsent und will befriedigt werden, so fremd mir langsamkeit an sich auch ist. und sie wird bereitstehen in meinem potsdamer schreibrefugium, in allen raumecken wird sie herumlungern, auf den wegen, die ich schon ganz gut kenne, und in der luft. ob ich sie erkennen werde? oder auch nur ertragen?

wo langsamkeit doch zum schreiben gehört, ganz und gar untrennbar damit verbunden ist. (für mich zumindest. andere sind da schneller, ich weiß.) schreiben ist vertrauen in die zeit, die vergeht. und auf die momente in der zukunft, die möglichkeiten, die in diesen augenblicken darin liegen und geschöpft werden können. könnten.

jetzt: an die arbeit, die koffer anschrauben und so weiter. zeugs regeln, keine langsamkeit vorschützen.

endlich

viel zu tun, bis ich am mittwoch endlich wieder in schreibzeit gehen kann.

das boot mußte geflickt werden. tatsächlich. das soll mir erstmal wer nachmachen, so ein doch recht robustes packraft gleich bei der dritten fahrt zu perforieren. aber es war ein eisen, davor hatte man mich gewarnt. eine rostige winkeleisenstange, senkrecht am uferboden, im böschungsbewuchs versteckt. was will man da machen.

dann die beiden seitenkoffer fürs motorrad. seit über zwei monaten stehen sie hier herum, und genau so lange suche ich nach einer lösung, sie auch anzubringen. das heißt, die lösung war im grunde recht einfach, allein die umsetzung. es waren einfach die passenden eisenwarenteile nicht zu bekommen. nirgends, nicht einmal im exquisitesten fachhandel. von baumarkt ganz zu schweigen. fündig wurde ich schließlich in einem bootsgeschäft, zumindest geeignete haken gab es da. die u-form-schrauben allerdings waren tatsächlich nicht aufzutreiben, die mußte ich aus einer gewindestange selber biegen. schön sind sie nicht geworden. die schlosser haben mich damals in der lehre nicht wirklich haben wollen, obwohl die deko-auszubildenen eigentlich durch alle vorhandenen handwerke geschleust wurden. aber frauen in der schlosserei? damals wohl noch undenkbar. was ein schraubstock ist, weiß ich dennoch und besitze auch einen. mein opa hat mir das gebiet nicht vorenthalten. metall ist dennoch nicht so mein ding.

morgen dann nur noch festschrauben und gleich weiter im text. bügeln und dabei nachdenken, das hilft vielleicht weiter.

jemand im haus ist gestorben, vielleicht vor tagen schon. entdeckt wurde es erst gestern, die hitze hat dabei geholfen. ich habe nichts gemerkt, obwohl auch ich mehrfach an der tür vorbeigegangen sein muß. man wünscht es sich, das es anders wäre. daß menschen nicht einfach so sterben, während man selbst ein paar türen weiter ißt und trinkt und schlecht träumt. und dann tot sind, während man selbst trinkt und träumt und zur arbeit fährt. als wäre nichts. aber es ist so. das war mir klar als ich nachts, als die polizei den körper aus der wohnung holte, an der im treppenhaus bereitstehenden bahre vorbei einen blick in die offenstehende wohnung nicht nicht werfen konnte.

aber warum mußte ich auch noch einmal raus, um nach einem mond zu suchen, der eh nicht zu finden war. heute morgen war dann alles wieder (polizei)versiegelt.

aber ohne probleme abtrennbar, sagt der mensch, der die bilder bringt und grinst. schnauze, sage ich und wende mich an den arzt. die bilder sind höchst realistisch, schön bunt auch, beinah dreidimensional. verstehen kann ich sie dennoch nicht. sind das strahlend blaue augen irgendwo zwischen meinen eierstöcken? wieder wende ich mich an den arzt, der hinter den bildern hockt. dann wache ich auf, und das radio spielt „lean on me“. (we all have to live, we all have to die.)

keine klagen (65)

das wars. mit den preisen bin ich einigermaßen einverstanden, auch wenn das eine oder andere innerhalb der prozedur wie auch bei den ergebnissen verwundert. doch wer kennt schon die geheimen dynamiken innerhalb einer solchen jury, hinter den türen vor allem und zwischen den gemütern. was noch dazu an strategien gefahren wird, das möchte ich gar nicht wissen. kein wettbewerb ist gerecht, schon gar keiner, in dem es um kunst geht.

jetzt sind alle weg, nur ich bleibe noch eine nacht. im nächsten jahr mache ich das anders, das habe ich heute morgen schnell noch mit frau kaltmamsell besprochen. da fahre ich auf zwei tage verteilt mit dem zug und zwar über münchen, übernachten kann ich bei ihr. zurück dann vielleicht über wien, ebenfalls mit dem zug. die strecken sollen ja recht schön sein. wien mit aufenthalt, zu recherchezwecken. bis dahin sollte ich so weit sein, auch wenn es mir gerade ein wenig gewagt erscheint.

nach abschluß der preisvergabe übrigens noch mit autorInnen, verlegerInnen, lektorInnen, moderatorInnen, agentInnen usw. zum essen. der betrieb halt. beim bewerb. ich bin nicht weiter aufgefallen und konnte ein wenig lauschen und spingsen, wie das so läuft. ganz harmlos eigentlich.

jetzt bin ich allein. wurde aber auch zeit. (einchecken, packen, abschied.)

keine klagen (64)

gestern dann doch noch ein wenig nächtlichen lendhafen genossen, bis spät für meine verhältnisse. gegen zwei oder so. das theatercafé hab ich mir dann aber nicht mehr gegeben, vor allem wegen der vorstellung, beengt in viel rauch zu sitzen. nein!

gleich geht’s zu den preisen in den studiogarten. mir war das immer schon der unwichtigste teil der veranstaltung, auch schon, als ich nur am tv dabei war. ein unbefriedigender teil, egal wie es ausgeht. und in diesem jahr bin ich gnaz besonders bei den autorInnen. vielleicht weil ich selbst der arbeit wieder so nah bin, mittendrin sozusagen. oder weil ich zwei von ihnen schon seit langem persönlich ein bißchen kenne. keine ahnung. jedenfalls überkam mich gestern in der lesepause ein heftiger jurorInnenunmut. also vielleicht irre ich mich, hab einfach nicht genug aufgepasst. aber.

die kritikleistung schien mir nahezu unterirdisch diesmal. verstolpert, verfahren, oft falsch. aber gut, so ist es immer, mehr oder weniger. aber warum wurden grundlegende regeln der literaturkritik ausgehebelt? verwechseln von autorInnenstimme und erzählstimme, herumlektorieren an als fertig zu betrachtenden texten und nicht zuletzt dem oder der autorIn gegenüber auf irgendeine art persönlich werden. ob nun frau sievers kieferorthopädischer alltag thematisiert oder anselms (den kenn ich halt) weitegehend großartiger text zu besprechen per se einfach verweigert wurde. was war das? unlust oder unfähigkeit? kapitulation? dafür wurde kaum gestritten innerhalb der jury, sich selbst haben sie nicht entblößt. kein feuer, kein licht.

ich will das nicht. ich will lesarten aufgezeigt bekommen, meinetwegen vorgeführt. ich will auf feinheiten hingewiesen werden, die mir beim ersten vorgelesen bekommen vielleicht zwangläufig entgehen. ich will, daß über verortungen gestritten wird, litararisch und weltlich. ich will, daß gejubelt wird und gejammert. verrissen natürlich. ich will, daß mir türen geöffnet werden, räume.

aber nie wieder will ich hören, daß falsche adjektive zu streichen seien.

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