am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

autoimmun

das reißen, das sich seit september freundlicherweise in hübsch angeordneter geometrie durch meinen körper gefräst hat, erhielt heute seine vorläufige bezeichnung. es heißt womöglich tatsächlich rheuma und würde, sollte sich das alles in nächster zeit bestätigen, bleiben wollen. und auf lange sicht so einges anrichten können.

beides ist irgendwie überraschend. die erkenntnis einer womöglich tatsächlich vorhandenen krankheit ebenso, wie vorstellung, etwas nachhhaltig zerstörerisches in mir zu beherbergen. (als wäre das nicht immer schon so gewesen.)

die schmerzen dagegen? nun ja, anders sind sie, ganz anders als migräne. aber eben auch nur schmerzen. beinah banal.

(gibt schlimmeres, definitiv.)

frohlocken aufgrund der wochenblätter (106)

Es gehe eine große Glaubenskraft von Eheleuten aus, die zehn Kinder in die Welt setzten, sagte der Kardinal.

totlachen möchte ich mich über die ansichten des greisen kölner kardinals, der womöglich tatsächlich zu glauben scheint, kinder ließen sich durch glaubenskraft zeugen. wer weiß? spotten möchte ich und ein kleines teuflisches frohlocken durchs netz schicken. engl, die ich bin.

wenn es nicht so traurig wäre und ich nicht im grunde entsetzt.

ich denke an heartcore in diesem moment, den fernen freund, den schwulen türken, dessen herz so weit ist, daß es die größte kathedrale sprengt. der so jung ist und so klar und weise, daß es mich, 30 jahre älter, immer wieder in die knie zwingt. wie er mich zum abschied auf die stirn küßte, als wir uns das erste mal trafen. wie ich dann fassungslos neben meiner wohnungstür stand, unmittelbar danach, minutenlang vermutlich. weil mir so etwas nahes, intensives und zugleich leichtes in meinem leben noch nie jemand getan hatte.

es gibt momente, die klingen, die heilig sind.

es gibt menschen, die heil sind. ganz von allein.

und andere, die glauben, heilig zu sein.

reißen und wüten

bewegungsschmerzen in beiden händen und in der linken schulter, seit über einer woche, nach wie vor. dennoch den anruf bei der ärztin, der sich mit der abklärung der rheumafrage befassen könnte, großzügig auf morgen (oder so) verschoben. einstweilen nenne ich es das reißen, was im grunde nicht viel unterschied macht. doch da ist etwas, das an mir reißt, eindeutig.

was ich beim tango lerne

außer tango natürlich.

verschlossene türen bleiben verschlossen, was immer ich auch tue. das wurde lange vor mir entschieden. ich kann nicht leben, wie menschen zu leben scheinen. ich kann sie nicht erreichen, nicht verstehen. ich kann mich nicht zwingen und sie nicht, daran ist nichts zu ändern, nichts zu retten. doch diese unabänderlichkeit, die beschränkung macht es auch leicht, mitunter.

ich tanze trotzdem, besser sogar.

wenn ich aufhöre, an den türen zu rütteln, die nicht für mich gedacht sind.

schneefall, der nicht tröstet. im gegenteil. kein zweifel bleibt an der verzweiflung. so ist der winter, doch noch. geworden.

englbart* belassen

viel wird verhandelt und geschrieben über frauen und die ihnen zugehörige, bzw. die ihnen immer weniger zugehörige körperbehaarung. das ist nicht neu, doch ich kümmere mich seit jeher recht wenig um die diesbezüglichen moden. manchmal rasiere ich die beine, meistens eher nicht, auch nicht im sommer. die achselhaare dagegen schneide ich kurz, aber nie völlig weg. auf das kinn dagegen habe ich einige jahre sorgfältig geachtet und die zunehmende stoppeligkeit tag für tag artig beseitigt. gesichtsbehaarung schien auch mir nahezu unangebracht. bis ich es im spätsommer 2012 einfach mal versuchen wollte. die haare am kinn wachsen lassen und abwarten, was dazu gesagt wird.

leicht fiel mir es zunächst nicht, mein gesicht so unter menschen zu bringen. anfangs konnte ich es selbst schlicht und einfach nicht vergessen. ich erwischte mich auch dabei, wie ich vorsorglich die hand vors kinn nahm, wenn ich mit jemandem sprach. daher konnte ich mein ursprüngliches vorhaben nicht umsetzen, genau so lange nichts mehr wegzuschneiden, bis irgend jemand irgendetwas dazu gesagt hatte. höchstens eine woche habe ich jeweils ausgehalten, und jedesmal, wenn etwas „offizielles“ anstand, die haut erst recht schön glatt gekratzt.

dennoch hätte ich nicht gedacht, daß es über ein jahr dauert, bis überhaupt jemand etwas sagt. mitte november 2013 bin ich schließlich tapfer zu einem höchst radikalen vorgehen übergegangen, habe von da an, also über zwei monate inzwischen, rein gar nicht mehr bearbeitet. außerdem ist es natürlich längst so, daß ich die hand nicht mehr verschämt vors kinn halte, sondern vielmehr ebenso gedankenlos wie gewohnheitsgemäß an den vorhandenen haaren zupfe, ganz egal, ob ich gerade mit jemandem rede oder stillschweigend in der ubahn sitze. alles kein problem mehr, an die 2 zentimeter stehen mittlerweile zum herumspielen zur verfügung.

gestern nacht erst war es dann endlich soweit: schick sei der bart, ich solle es so belassen. oder beibehalten? egal, klang auf jeden fall positiv. was mache ich denn jetzt?

vielleicht erstmal belassen?

* twitterbenamung und/oder mittelalterliche rittergestalt

im august 63

ich schaue mich an, im alter von zwei oder drei monaten. ich sehe in meine augen, die mir vertraut vorkommen. ebenso die augenbrauen und der haaransatz. all das steht mir bis heute zur verfügung. oder?

meine nase dagegen ist inzwischen mehr so wie die links im bild. auch gut.

diese riesige hohlheit mitten in meinem körper, in der herzgegend irgendwo. meine menschenleere, wenn ich andere in aller einfachheit von begegnung reden höre, von ihrem leben auch. dieses fremdartige leben, überall um mich herum und doch. ist die selbstverständlichkeit beider welten, liebevoll.

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