sehr sehr müde heute. das mag am wetter liegen, am plötzlich wieder fehlenden licht. oder aber an meinem unweigerlich anstehenden besuch arbeitsamt, das nun job-center heißt. seit tagen bereits fürchtete ich, dabei wiederum auf dieses hier zu stoßen. dem war zum glück nicht so, obwohl ich an der tür der dame vorbei mußte. ich wüßte jetzt ihren namen, wenn ich ihn mir denn gemerkt hätte. überhaupt war es im grunde ein pc-termin, bei dem meine einbestellung lediglich getilt wurde. click – und weg. darüber hinaus erfuhr ich, daß man mich vorzugsweise besser gleich gar nicht mehr sehen möchte. keine dreimonatstermine mehr, wie bislang offensichtlich üblich. tja, über vierzig, ich bin wohl bereits ausgemustert, ein überflüssiger faktor im allgemeinen andrang. andererseits erklärt mir der nette herr aus essen – ja, tatsächlich, er pendelt seit hartz iv zwischen essen und neukölln, von wegen personalmangel – daß alles noch vollkommen durcheinander, meine akten sowieso nicht vor ort und er mir demzufolge auch nicht sagen könne, wann denn eine zahlungsanweisung zur abwechslung vielleicht einmal korrekt ausgeführt werden könnte.
lassen wir das, von dort erwarte ich ohnehin nix. nur der tag heute war kaputt, weil ich kaputt war. aber bald, morgen vielleicht oder übermorgen, ist frühling, und dann ist sowieso alles anders.
engl
wip – aber ja
dochdoch, es geht immer weiter und weiter. ich hab nur gerade keine lust, großartig darüber zu berichten. ist doch sicherlich auch reichlich langweilig, auf die dauer.
daher nur kurz: immer noch erscheint die zweite hälfte wesentlich geordneter, als die erste. zwar kommen da noch ein paar brocken, und auch heute habe ich eine wichtige szene bislang nicht zufriedenstellend hingekriegt. aber morgen ist ja auch noch ein tag, das wird schon. diesbezüglich zumindest, habe ich keine sorge.
musik? na gut…
… frau modeste, obwohl es gar nicht stimmt, daß ich nie über musik schreibe.
1. Wieviel gigantische Bytes an Musik sind auf deinem Computer gespeichert?
derzeit etwas über 4,5. der rechner ist alt, die festplatte auch, ich muß immer wieder radikal ausmisten.
2. Die letzte CD, die du gekauft hast…
ghost dog, the way of the samurai, soundtrack, aber das sagte ich ja bereits. ;-)
3. Welches Liedl hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?
gar kein liedl, der fernseher lief.
4. Fünf Lieder, die dir viel bedeuten oder die du oft hörst.
ach lieder, das ändert sich doch ständig, stündlich sozusagen, da gibt es doch kein ende. und überhaupt – konserven… das ist doch alles pfusch, second hand, mehr nicht. ich erzähle lieber von fünf liveerlebnissen.
4.1. oh! that chello – thomas beckmann spielt charles chaplin – ca. 1989/die börse wtal
eigentlich mein erstes konzert ever, zumindest das erste ansatzweise klassische. ich schätze, daß ich etwa 24 gewesen sein muß. ich hatte keine ahnung, im familiären haushalt gab es seinerzeit ganze drei klassische platten. die kleine nachtmusik, die moldau und rigoletto. der rest war operette und schlager. (was ich heute gehässigerweise – immer noch – als grundsätzlich naheliegend möchte.)
zum ersten mal erkenne ich die qualität von performance. und zwar im gesicht von beckmann. wenn er spricht und erklärt, und das tut er viel an diesem abend, dann sieht er aus wie zwölf. er grinst und feixt, die ganze zeit.
zwei sekunden später, wenn er spielt, ist er ein anderer mensch. und instrumente atmen, als würden sie singen. auch das lerne ich an diesem abend.
4.2. sainkho namtchylak u. a. – im rahmen von unter wasser fliegen – 1993/die börse wtal
mein vater stirbt. nicht am tag des konzertes, tatsächlich erst ca. vier monate später. aber es ist der tag, an dem es klar ist. obwohl es auch vorher schon klar war, trotzdem macht das einen unterschied. vor oder nach der operation, vor oder nach der endgültigen ärztlichen diagnose. den ganzen tag telefoniere ich mit irgendwelchen verwandtschaften, fünf stunden, ohne unterbrechung. mitunter habe ich meine mutter und meines vaters freundin im direkten wechsel am höhrer. beide lüge ich an. die freundin weiß von meiner mutter, meine mutter weiß von nichts. sie lebt aber auch nicht mit meinem vater, also was solls. vielleicht wird das ja wieder, sagt sie. ich weiß nicht warum sie das sagt. die sorge um meinen vater kann es nicht sein. den würde sie am liebsten eigenhändig, immer schon. oder auch nicht, was weiß denn ich, in diesem moment. vermutlich ist es die plötzliche präsents von sterblichkeit. ich könnte meiner mutter die wahrheit sagen, die hoffnung nehmen, oder was auch immer. ich tue es nicht, und das wird sich in den nächsten monaten als eine grundlegende fehlentscheidung herausstellen. aber mein onkel hat mich darum gebeten, und ich muß mich entscheiden, wie immer, zwischen der einen und der anderen seite. vermutlich will mein onkel sich so lediglich meine mutter vom leib halten. und er nutzt mich als werkzeug, heute weiß ich das. damals war ich jung.
als ich in die börse komme, bin ich leer wie selten zuvor. ich bin spät, einiges ist schon gelaufen. es ist brechend voll, und ich winke bekannten gesichtern nur von weitem. ich bin zu müde für jedes weitere wort. und das ist erst der anfang, das weiß ich. i was born near a river, that does not exist any more, sagt sainkho als sie die bühne betritt, kurz vor ihrem auftritt.
frage mich jetzt bitte niemand, wie es war. ich weiß es nicht, es geht durch mich hindurch. aber es ist gut, auch so.
später habe ich die cs lost rivers gekauft, aber da ist nichts von diesem abend drauf. logisch.
4.3. mari boine – 1996/die börse wtal
2 ½ stunden dynamik pur, ohne den geringsten spannungsverlust. und das meine ich so! mari kommt auf die bühne, beginnt mit einem der schwersten gesangspassagen, die, wie schon auf der cd deutlich ist, fast jenseits ihres kapazität liegt. aber eben nur fast. nachdem in den höhen zunächst nur luft kommt, hat sie sich schnell freigesungen. was für ein ansatz, so zu beginnen.
wie gesagt, 2 ½ stunden wird durchgearbeitet, ohne jeglichen verlust. präzise percussion, von einem jungen trommler, dessen grandioser spaß an der sache bis in die letzte reihe blüht. bis ins letzte ausgespielte soli, freudig und leicht begleitet. überhaupt, eine bühnenkommunikation, der man euphoriert zusieht. dazu eine fantastische technik, ein derart transparenter sound, daß man hineingreifen könnte. mitten ins geschehen, in den klang. lediglich die geige geht hier und da unter. drei zugaben, nach satten zwei stunden. und dann, als sogar ich schon gehen will. da kommt mari noch einmal, allein, für eine letztes akapellastück.
leider ist die combo von damals weitgehend nicht mehr zusammen. heutige konzerte klingen anders. auch nicht schlecht, aber anders. wer hören will, versuche es mit den ersten drei cds (Gula Gula, Goaskinvella, Leahkastin). die klingen, muß ich entgegen meiner konserventhese leider sagen, absolut so, wie dieses konzert. (nur daß man beim dritten mal hören eben sämtliche feinheiten auswendig kennt, die live dann doch immer wieder anders sind.)
4.4. mi querida – sephardische lieder – ca. 1999/bücherladen wtal
(linkhinweis: 4. punkt von oben, eine eigene seite gibt es offensichtlich nicht)
das sollte man nicht machen, den verkaufsraum des bücherladens als konzertraum umzufunktionieren. es ist ein riesiges geräume, nach feierabend, und außerdem, wenn eine percussionistin ihr equipment ausbreitet, dann braucht das – eigentlich – viel platz. aber was soll der geiz, das publikum steigt freudig über tische und stühle, vorbei an den ausgebreiteten glocken, rasseln und waterdrums.
auch die drei musikerinnen haben es infolge der enge nicht leicht, zwischen den stücken sortieren sie sich nur umständlich an die richtige stelle. (percussionisten, you know! immerzu muß alles komplett umgebaut werden.) es ist ein ziemliches gelächter, immer wieder. ich denke an die schönen anekdoten von hinterrücks abstürzenden schlagzeugern. (nicht sehr lustig, ich weiß.) zum glück ist das in diesem fall nicht möglich, weil hinten die fest installierten bücherregale stehen.
schluß mit internen den boshaftigkeiten. eine sängerin mit klasse, dazu die ungekrönte königin der smallpercussion und dann noch die harfe. das hab ich vorher auch noch nicht gewußt, wieviel raum eine harfe füllt. sie ist es, die alles klanglich zusammenhält. mal abgesehen vom phantastischen chorgesang und einem exzellenten programm.
ich weiß nicht, ob es aufgrund der enge des raumes ist oder warum. die musik ist überall, vorne und hinten. und innen irgendwann.
4.5. DASKwartett (speakers on! und klick!) in ‚die hamlettmaschine’ – 2003 in einem theater in köln, obwohl eine produktion des bochumer prinzregenttheater/ musik:eckard koltermann.
eigentlich eine theateraufführung, was soll das also hier? auch bin ich nicht gerade ein leidenschaftlicher fan von heiner müller. (bitte keine diskussion!) zu allem überfluß verläßt eine befreundete kölnerin, mit der ich die vorstellung besuche, nach ca. 10 minuten angewidert das geschehen. wie gesagt, heiner müller… (nein, keine diskussion! ;-) es ist ein abend, an dem ich theater an sich studiere. sprechtechnik hier, bühnenbild da, inszenierungseinfälle. ist es zuviel, neben text und musik, auch noch videosequenzen einzuspielen? usw.
ansonsten höre ich musik und ich sehe auch musik, denn die vier sind sozusagen lebender bestandteil des bühnenbilds, darüber hinaus auch in die inszenierung integriert. die videosequenzen der spielerinnen sind die einzig lohnenden, soweit ich mich erinnere. die musik ohnehin. auch alles andere, was ich von ihnen aus anderen zusammenhängen kenne.
anschließend erzählt mir die erste geige ihre wahrnehmung des stückes. es ist immer wieder ein genuß, herauszukriegen, wie verschieden die bühnenperspektive ist. das stück hat sie erst vor kurzem überhaupt zu lesen gekriegt, sagt S. nur auf nachfrage. gut, die musikerinnen hatten natürlich auch und vor allem separat geprobt. aber ganz ohne textzusammenhang? (na ja, heiner müller…) die videoprojektionen kennt S überhaupt nicht, sie guckt ja ständig nur in die noten. überhaupt hat sie nicht den geringsten gesamteindruck. ganz am schluß steht sie für bestimmt zehn minuten im hintergrund auf einem podest, während vorne monologisiert wird. (verzeihung!) da hat mein knie so geknackt, sagt sie. konnte man das hören?
im übrigen ist DASKwartett mein derzeitiges lieblingsensemble, das ich, leiderleider weit weg im westen, nur wehmütig zurückgelassen habe. (die erste geige kommt mich im übrigen bald besuchen. wer hinweise für auftrittsmöglichkeiten, festivals, jazzorte o.ä. hat… dann kommen sie vielleicht alle!)
5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?
eigentlich mag ich so was ja nicht. aber als angebot vielleicht: elsa laska und daily mo, und dann noch mamassiv, weil ich schon auch irgendwie neugierig bin.
(nachtrag: die börse wtal googeln gilt nicht, es ist längst nicht mehr derselbe ort.)
wip – zügig
kein glatter anfang heute, zuviel erledigungen, elender geldkram. und dann wollte es langelange einfach nicht klarwerden im hirn.
jetzt aber sind drei szenen, fast sieben seiten durch. kann sein, daß zum ende des textes tatsächlich weniger arbeit ansteht, zumindest geht es seit dem wochenende richtig gut. kann aber auch sein, daß da noch ein paar brocken warten. ich ich bin sogar ziemlich sicher, daß es so ist. ich ahne und vermute. also besser nichts beschwören, sowas geht immer daneben.
wip – im chaos
ich bin zurück und gut im fluß. grandiose session heute abend. so würde man wohl sagen, wenn es um musik ginge. die szene mit claas, was er vom tod weiß. da öffnen sich seltsame welten mit einem mal. fleißarbeit ist ein dreck gegen das plötzliche finden, das sich zurechtfinden im chaos. das schöpfen aus dem nichts. oder wasser vielleicht. alles ist da, wo dennoch nichts ist. nur text. ist das physik?
morgen noch einmal kurz darüber, das wird ein guter morgen. der anschluß dürfte nicht allzu schwer werden. und weiter, immer weiter. so!
wip – siebzehnte zwischenbilanz
satte zehn seiten seit gestern, und vielleicht mache ich gleich noch weiter. (es ist wichtig, bald mal fertig zu werden. schließlich gibt es noch anderes zu tun.) was textlich betrachtet danach noch ansteht, ist reine papierarbeit, die sich in schönster gelassenheit angehen lassen sollte. zumindest, solange es für all das noch keinen verlag gibt.
andererseits kann ich aber nicht verhehlen, daß ich ganz am rande längst schon skizzen für eine neue arbeit mache. etwas, das sich sicherlich nicht in ein paar wochen abhandeln lassen wird. allenfalls die vorarbeiten, vielleicht. aber eines nach dem anderen, wie es sich gehört.
wip – flüssiger
bislang geht es heute ganz gut. die szenen sind aber auch nicht allzu verdreht. ich mache einfach alles ein wenig flüssiger. das dauert auch, aber es fordert nicht allzu weitreichende überlegungen. ich folge lediglich dem text und spiele schiebekästchen. (jaja, so ist das schreiben am pc. früher war alles besser, da brauchte man noch echte konzentration. heute wundere ich mich, was für eine mist ich verzapfe, indem ich die brocken hin und wieder zurückschiebe, zigmal. am ende sind dann hilfsverben doppelt oder sogar dreifach vorhanden. oder aber völlig verschwunden. ebenso personalpronomen oder ähnliches. mal ganz abgesehen von den unsinnigsten satzzeichen. und nichts davon bemerke ich, selbst wenn ich zehn- bis zwanzigmal drüberlese. ;-) hier und da ist etwas zu ergänzen, einzufügen oder zu löschen. mehr ist aber nicht.
dazu gibt es musik, wieder einmal. ich traue mich. und ich gewöhne mich langsam daran. nebenbei entdecke lang verschollene dinge, die endlich mal wieder zum klingen kommen. (heute: keith jarrett, the köln concert und the melodie at night with you. außerdem ben harper. letzterer mit einer fantastische liveaufnahme von ’sexual healing‘.) daß allerdings, die anlage und die boxen hinter mir stehen, wenn ich am schreibtisch sitze, das ist ein manko. das ertrage ich nur kurz. und das abspielen über pc ist mit qualitativen einbußen verbunden. schlechte boxen und das elende rauschen des laufwerks.