es ist nicht leicht, vor allem für das lisatier.
katzen sind ihrem ort meistens mehr verbunden als ihren menschen, hab ich mir sagen lassen. ich weiß von einer katze, die, jahre nach dem wegzug in ein anderes land, als sie dann endlich wieder in die gegend zurückkam, nichts eiligeres zu tun hatte, als auch die letzten drei oder vier kilometer noch zurückzulegen und in ihr haus zurückzukehren. wo sie dann auch geblieben ist, für den rest ihres leben. man hat versucht sie zurückzuholen, das haus gehörte immerhin inzwischen ganz anderen leuten. aber es hat nicht geholfen.
auch ich wundere mich über mein neues umfeld. die geräusche und gerüche. die fremden stimmen. der holzboden bebt ein klein wenig, wenn ein laster vorbeifährt. das ist irritierend. und die schritte über mir. das bin ich nicht gewohnt, seit über 20 jahren nicht. ein fernseher nebenan. oder ist es ein radio? oder summt es in einer meiner kisten? nein, da spricht wer, monologisch, elektrisch. keine frage, ein tv.
wie muß das alles für lisa sein, die alte dame? immer noch ist sie groggy von der betäubung, immer noch kackt sie vorwiegend flüssig. ein bißchen ist es, als würde sie durch die wohnung torkeln. aber sie frißt, sie ist eher neugierig als ängstlich, allerhöchstens nervös. läuft immer wieder hin und her, von raum zu raum, findet keine ruhe. immer, wenn sie mich sieht, jammert sie ein bißchen. es ist wirklich nicht leicht.
aber es gab keine wahl. sie ist eben keine dame, sie ist ein garstiges biest, das nur mich akzeptiert. die alternative, sie in wtal zu lassen, irgendwem zu schenken – undenkbar!
hilft also nichts. da muß sie jetzt durch.
und ich auch.
engl
morgen?
morgen! früh um 6 oder so muß ich die katze sedieren. momentan lebt sie gerade auf, kriecht interessiert durch die plastikmüllbeutel und in ansonsten verbotene schranknischen. das ist vielleicht gar nicht schlecht, dann pennt sie morgen durch und kann gleich weitermachen mit der neugier. außerdem frißt sie genüßlich, im stundentakt. :-)
heute! muß ich noch einen guten rest der küche verpacken, inklusive wasser und herd abnabeln. dann den pc natürlich, das fällt schwer. aber so ist es. ich bin abhängig, ich muß es zugeben. auch wenn ich sagen könnte, es ist ja mein arbeitsgerät.
im großen und ganzen habe ich ruhe, irgendwie, ich weiß auch nicht. es wird schon, sagt es. es wird schon.
chaos
gestern war anstrengend. das chaos zu ertragen, der zustand der wohnung, immer schon auch mein zustand, irgendwie. wenn es also, wie jetzt, an allen ecken brüllt und brennt. das ist nicht gut zu ertragen. ich bin nicht mehr zuhause. nirgends.
gut, das ist ein vorübergehendes element, keine frage. das wird sich ziemlich schnell lichten. heute also läuft es wieder, wie von selbst. auch die katze taucht ab und zu auf. sie hat einen regen freß-, sauf- und scheißrhythmus entwickelt. ansonsten hockt sie fast ausschließlich unter einem schrank und schläft. oder sie wacht achtsam über die dinge, die ich tue. dann stapft sie wieder tapfer durch die kisten-, beutel- und bretterlandschaft und wundert sich vermutlich.
der bürodienst morgen ist gecancelt, ist eh nix zu tun. hier dafür umso mehr. vielleicht deshalb die wiedergekehrte ruhe. der samstag wird schon noch lustig genug.
weitere absagen in sachen MEMORY. ein formbrief aus münchen: meine unterlagen liegen bis oktober zur abholung bereit. na, super! ein anderer, persönlicher, der auf form und askese (?) eingeht, aber natürlich die unverkaufbarkeit moniert. jetzt könnte ich mir also sagen, daß ich es schon immer wußte, daß ich zu gut bin. oder aber in diese art hybris verfallen, die da meint, auf ewig verkannt zu sein, verschwendet an diese welt. das wärs dann wohl.
doch das ist nicht das wesen von literatur, das ist nur das geschäft. das wichtigste ist längst geschehen. die arbeit. sieben jahre leben, für ein bißchen mehr als 100 seiten. oder waren es acht jahre, neun? ich weiß es nicht, es interessiert mich nicht. aber das läßt sich nicht auslöschen, wie papier.
die frage bleibt, wie es mit dem lesen ist. kann lesen je so intensiv sein wie schreiben? oder anders: macht es überhaupt sinn gedruckt zu werden?
(noch ein tag wuppertal. morgen noch.)