am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

resturlaub aus 2018, ein ganzer tag. das ist unbezahlbar, richtig und wichtig heute. in gelassenheit und ohne eingespanntsein in andere verpflichtungen organisiert sich manches wie von allein. also diese woche noch einiges an ärzte- und laborstress, dann sollte damit erst einmal ein monat ruhe sein. ein ganzer monat, nur die physio wird weiterverfolgt. in der hoffnung auf besserung, wenigstens an der stelle.

und jetzt erst einmal nichts, heute und hier. das ist auch wichtig. und richtig. das nichts.

drei nächte in leipzig, solide gestürzt durch eine stramme matraze am boden, die mir recht gut gefallen hat. vielleicht sogar wohlgetan, ich weiß nicht. kann auch sein, dass es der fehlende schreibtischeinsatz war, das viele laufen durch die hallen, die straßen, die stadt. oder das thema überhaupt, das wandeln im thema buch.

jetzt also wieder im heimischen schlafzimmer, im eigenen bett, lattenrostgestützt. weicher also, zumindest flexibler. und damit schmerzverursachend? ich bin gespannt.

überhaupt gibt es anderes in der welt, so viel anderes. welten und geschichten zu ergründen.

sitzen

nicht gearbeitet heute. die nacht war scheußlich, wieder einmal. der tag demensprechend low. dennoch viel unterwegs gewesen, jetzt erst sitze ich im bett. endlich.

im streitraum kein streit, wie immer. statt dessen ein autor, der am ende zugibt, wie wenig er selbst von seinen werken versteht. und dass das das spannende am schreiben ist. kluger mann. dann fische, schlangen und quallen im aquarium im zoo. beeindruckend, wie viele menschen sich an einem sonntag nachmittag dort einfinden. anschließend äthiopisches fingerfood mit einem gradiosen afrikanischen kaffee zum abschluss. vor ort handgeröstet, bis hart an die brandgrenze. also so gerade eben gut, einzigartig, genial. (ganz am anderen ende der fahnenstange, an deren perversen gegenstück der kapselkaffee prangert.) diesen fetten, tiefschwarzen afrikanischen, auf jeden fall gewürzt, vermutlich mit karadom, könnte ich jeden tag. da braucht es nicht einmal milch dazu, nur etwas zucker.

aber müde bin ich jetzt schon. vor allem, weil gestern ein mächtig voller arbeitstag war, den ich mir so gar nicht vorgenommen hatte. ich muss mir das pause machen, leer sein und nichts tun konsequenter einverleiben. denke ich.

oder: meditieren!

let it be

da glaubt man immer, alles was eine*r so schreibt, käme irgendwie aus einem wie auch immer verorteten selbst. es muss ja nicht immer gleich die autobiografie sein, aber so halbwegs im persönlichen spektrum. das muss doch, anders kann es nicht. oder?

schön wärs.

meine vielfach gescholtene hauptfigur, tatsächlich sogar meine (durch und durch unzuverlässige) erzählerin, hat zumindest einen überragenden vorzug. sie weiß die dinge geschehen zu lassen, ohne sich dabei aus der ruhe zu geraten. aus ihrem selbst, ihrem kern. sie beobachtet, was geschieht, wird aber selten aktiv. ihre einzige aktivität besteht möglicherweise in der durch alles gewonnenen erkenntniss. mehr nicht

da ist kein ehrgeiz, keine zielstrebigkeit, auch wenig zweifel und verzweiflung. bislang zumindest. wer da aus mir spricht, ist ein wunder der ruhe in sich selbst, wie unsicher und verdreht dieses selbst auch sein mag.

ich dagegen begegne (am freitag) für zirka zehn bis fünfzehn minuten einer neuen ärztin, von der ich mir lediglich eine zweite meinung erbitte. und bin dann derart angegriffen von deren dragonerhaftigkeit einerseits und ihrem rasanten tempo andererseits, dass ich die nächsten tage und nächte noch daran kaue.

das sollte ich lassen.

zwanziger

der schreibtisch. geschweißte rohstahlkufen hat er bekommen, anstelle der pisseligen runden baumarktbeine, wie bisher. jetzt sieht er ein bisschen nach bauhaus aus, zwanziger jahre. ein wenig früher vielleicht, frank lloyd write write. aber hat der möbel gemacht? keine ahnung

die schattenkante ist es, zwischen tischplatte und stahlträger. die ist schuld. das war nicht wirklich meine idee, das kam aus der notwendigkeit. sonst hätte die höhe nicht gereicht. es musste also etwas dazwischen. aber auf eine schicke schattenkante wäre ich allein nicht gekommen, da musste eine architektin her. wie gut, dass ich regelmäßig mit einer tango tanze.

kantiger kommt er jetzt also daher, mein schreibarbeitsplatz. geradliniger. darauf hatte ich gar nicht spekuliert, obwohl schon das material darauf schließen lässt. der stahl. das wort allein. und natürlich fällt mir gleich ein, wie ich die wirkung verstärken, die uralten ikea-unterschränke daran anpassen kann. oder sollte. oder muss.

es passt einfach.

nachtangst

anstrengender tag heute, körperlich anstrengend vor allem. der schreibtisch hat neue beine bekommen, schick und stabil. aus stahl. außerdem kabelkäfige, damit die die pc-, intenet- und telefonkabelage nicht immer am boden und damit im dreck rumliegt. ein ziemliches geacker also, für das ich mir zum glück hilfe engagiert hatte. einer eingebung folgend, obwohl ich das doch sonst so gut wie nie mache. mit helfen lassen. beim bauen. wie bitte?

heute war es hochvonnöten. selbst mit hilfe hatte ich zeitweise das gefühl, mich mächtig zu übernehmen. mit zwei maladen schultern, zwei händen, die gerade nicht so richtig fest zugreifen wollen und einem eiernden kreislauf. mal auf hundertachzig, dann wieder unter null. das schlaucht.

dazu nur oberflächlich geschlafen. im bett bin und bleibe ich derzeit schlagartig so gut wie unbeweglich, ohne schultern, ohne arme, ohne hände. bei jeder bewegung werde ich wach, höre mich ächzen.

und davor habe ich jetzt angst, vor der anstehenden nacht. im bett bin ich schon, sitze und schreibe. und weiß nicht. ich bin nicht mehr jung.

das machen schmerzen, nach nur ein paar tagen, ein paar wochen. dass es keine ruhe mehr gibt.

manchetten

fünf freie tage, und ich bemühe mich tatsächlich um ein wenig freiheit. es gelingt sogar, immer wieder für ein paar sekunden. dann erkenne ich, was einmal die weite von zeit um mich war. die reichweite von körper auch, weit über die grenzen der haut hinweg. und wie sich das anfühlt.

vor allem aber bin ich beschäftigt mit einer seltsamen, äußerst lästigen innenschau, mit deren hilfe ich herauszufinden versuche, auf welchem grund sich der schmerz in meinem körper stützt. immer noch, immer wieder, dieser tage.

sind es restviren der herpesklasse, ist es das irre autoimmunsystem mit seinem rheumapotential, oder hat mir die physiotherapeutin die rotatorenmanschette beidseitig derart aufgerissen, dass sie mir zur strafe den reibungslosen dienst versagen?

flügellahm bin ich, bewegungsblind geschlagen. ja, tatsächlich wie geschlagen, geprügelt. geduckt und gebrochen, wie ein hund. jaulend mitunter, im plötzlichen schmerzschreck.

nachdem ich an den zwei tangoabenden hintereinander die arme nur schwer in die offene umarmung zu heben vermochte. nicht einmal das, geschweige denn, dass ich sie beim tanz hätte stabilisieren können. und dann die nächte danach, ein verzweifeltes ringen um schlaf. seitdem, und nach ein wenig recherche zum thema schulteranatomie, vermute ich aktuell tatsächlich letzteres. immerhin hat das derzeitige schmerzproblem exakt mit den therapieterminen begonnen. und man soll wohl auch ohnehin desolate rotatoren nicht über die maßen aktivieren, strapazieren oder massieren. stand da irgendwo. könnte zu einer massiven verschlimmerung führen.

nun ja, abwarten. heute, so ab dem nachmittag, ging wieder einigermaßen. sogar ohne jegliche schmerzmittelzusätze. jetzt bin ich gespannt auf die nacht. aber grundsätzlich ist das beim nächsten termin am freitag mal zu thematisieren. denke ich.

der rest ist schreiben, schreiben, schreiben.

tuckern

ein tag, ganz anders als geplant. eigentlich wollte ich eine heimliche, kleine flucht wagen, raus aus berlin. ein mittag oder nachmittag an meinem inzwischen angestammten scheibort, ein wenig am wasser entlanglaufen, irgendwo einen kaffee trinken und ins manuskript glotzen. wirklich glotzen; nicht schreiben, auch nicht planen. nichts dergleichen. nur licht und luft ins hirn lassen, leerraum schaffen. damit das material sich entfalten kann.

eigentlich wäre das mal wichtig, ich krebse am rande meiner kraft und meiner lust entlang. das geht so nicht weiter, nicht lange zumindest.

das muss mir im hinterkopf bleiben, dringend. mit präferenz nach vorn, ganz bald mal. wobei ich zu ostern ja sowieso wieder in schreibzeit dort bin, ist längst abgemacht.

denn heute war mal wieder alles ganz anders. nicht zum ersten mal. zu viel zu tun, zu unruhig deswegen, zu aufgedreht. dazu wieder schmerzen, pünktich zur nacht, in beiden schultern. vielleicht vom tango, die dazu nötige starre tanzhaltung ist grad echt nicht gut für mich.

so war der tag angefüllt mit pflicherledigungen. dringenden überweisungen und müllentsorgung, erfolglosen arztterminausmachversuchen und der daraus folgenden wut, mit anschließenden verzweifelten aufräumversuchen. als ließe sich dadurch irgendetwas retten, der ebenso rasende blutdruck gar.

immerhin, das buchmessenticket für leipzig ist dann mal aus dem emailnirvana befreit, in dem es offensichtlich in jedem jahr landet. und ein winziger spätnachmittagsmittagsschlaf, wirklich nur ein paar minuten, hat sich ausgesprochen positiv auf meine nackenstarre ausgewirkt. und mich an sich durch und durch erfrischt, wie all die tage nichts.

nicht zuletzt: das motorrad ist erwacht, in knapp einer minute lief es. na gut, der winter war nicht allzu hart, irgendwann im november bin ich ja noch gefahren. schnee gab es so gut wie nicht, auch keine massiven minusgrade oder dauerregen. die batterie ist ja außedem seit letztem jahr säurefrei, also superstabil mit rasender ladegeschwindigkeit. in diesen paar laufminuten, in den die maschine sauber vor sich hintuckerte, fix noch das licht gecheckt. wie immer das rücklicht, das braucht eine weile, bis es sich entschließen kann. dann das grobe putzen, also das abwischen des oberflächengeschmiers auf morgen oder so verschoben. ebenso das entrosten der züge und das gängigmachen sämtlicher schalter. mehr braucht erst einmal wohl kaum.

auf dem zettel stehen in diesem jahr nur: verstellbare hebel, dringendst! heizgriffe, am besten zeitgleich, sonst wird das nie was. und zwei neue bremsscheiben, weil das muss.

aber das tuckern des motorrads, heute gegen drei. das hat mich wirklich belebt, dann doch. beinah so, als wäre ich tatsächlich raus aus berlin und an den ort meines schreibens.

ohne schreiben zu wollen. nur um zu leben, das leben in mir. dass ich es dann schreiben kann, später.

das ist ein seltsames leben, dieser tag. und überhaupt.

puh! ich bin ziemlich froh über den neuen feiertag am achten, der für mich heute stattfindet. ich habe heute frei, statt freitag, wo ich sowieso nie arbeite. ich muss also nicht in dieses büro, zu den geschweiften klammern. ich kann hier sitzen, am heimischen schreibtisch, nachdem ich schon früh auf der rolle und anschließend gleich im wasser war. jetzt mal nichts, außer atmen. dann einkaufen und wieder atmen. dann kochen und tango. und atmen, dann schlafen. und atmen.

bis montag früh. ganz für mich.

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