am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schmerzverzerrt

das wunderbar arbeitsreiche wochenende ist mir mit beginn der woche in eine schmerzeskapade eskaliert. völlig unerwartet, denke ich. aber wer weiß, vielleicht habe ich nicht gut genug hingehört. ich kenne sie doch, die schwachstelle rechts. die hand, der arm, die schulter, der nacken, der kopf. alles alles notorisch verschmerzt, sowieso. aber so etwas wie diese woche? schmerzen in schulter, nacken und rücken, dazu vorn an den schlüsselbeinen beidseitig, in der halsmuskulatur sogar, und im liegen dieses pochen im schädel, bis hin zu an- und abschwellendem rauschen in den ohren. die ganze nacht, das ist wirklich übel.

zwei tage mit schmerzmittelbedröhnt auf arbeit, ich weiß nicht, warum. im büro, wo die (relativ normale) tischhöhe einfach nicht zum (relativ normalen) stuhl passen will. entweder komme ich mit den füßen nicht ganz auf den boden oder die tischplatte zwingt meine arme, meine schultern beständig nach oben. das muß ich vor ort nochmal überdenken und überarbeiten, dringend. aber diese woche hätte ich mir die anwesenheit dort klugerweise sparen sollen. hätte vielleicht geholfen. so ist es einfach tag für tag immer schlimmer geworden.

jetzt gerade pocht es nicht mehr, zum glück. heute morgen war das noch anders. der arm ist aber immer noch nicht wieder frei. in die oberbekleidung zu kommen, war eine prozedur. mit ist, als hätte mich ein großes, böses tier in seinen fängen. deutlich spüre ich den festen druck der fangzähne, vorne und hinten. und ich dazwischen bin starr wie beton.

morgen mal zum arzt? (aber was sage ich da? wer ist dieses tier?)

2. schulddrehtag

noch vor dem frühstück mache ich fotos von menschen, die menschen filmen, die gefilmt werden. zu deisem zweck verfüge dabei über einen logenplatz im zweiten stock des angrenzenden eckhauses. unübertroffen.

die weitere verfolgung des geschehens hat mich eine weile von den anstehenden arbeiten abgehalten. zu spannend waren mir die abläufe da draußen, das zusammenspiel so vieler menschen, das mir nahezu reibungslos erschien. wie zügig da auf- und dann gleich wieder ab- oder umgebaut wurde. daß überhaupt gebaut wurde, daran hatte ich gar nicht gedacht. und wieviel gebaut werden mußte. kamerakräne, diverse lichtaufbauten, kurze schienenstrecken für kamerafahrten, mit kleinen holzklötzen stabilisiert. und so vieles mehr noch, dessen sinn sich mir nicht erschlossen hat. dazu die orgamenschen, die mit headsets, tablets und klemmbrettern durch die gegend hüpften.

das wäre etwas für mich gewesen, dachte ich nach einer weile. erst das bauen, dann das organisieren. das hätte ich machen können und gerne machen wollen. das ist auch eine art, sich durch eine geschichte zu hangeln, auf jeden fall. wenn mir sowas über den weg gelaufen würde. damals, kurz nach der lehre. dann wäre etwas aus mir geworden. wenn ich da den blick hätte heben können, über die bis dahin gemachten erfahrungen hinweg. wenn ich da schon gewußt hatte, was ich heute weiß. daß ich ein mensch bin, wie alle anderen auch. daß ich genauso funktioniere, oder es zumindest lernen könnte. irgendwie. daß mit die substanz dazu gegeben ist. wenigstens das.

wenn mir klar gewesen wäre, daß ich etwas hätte wollen dürfen. und suchen. und finden sogar.

doch da war eben nichts. damals. nichts von dem, was und wie menschen leben, hatte sich mir jemals erschlossen. das war nicht das, was ich kannte. nicht mein leben. ich hatte keine absicht, damals, nicht einmal die absicht weiterzuleben. wie hätte ich zum film wollen können? oder sonst etwas tun.

na, egal: die einzigen frauen in der filmcrew heute waren zwei schauspielerinnen, eine maskenbildnerin und eine orgafrau mit gelber leuchtweste, die offensichtlich durchaus belebte straßenkreuzung freizuhalten hatte. sonst nur männer! die übliche scheiße halt. da hätte ich vor dreißig, vierzig jahren auch so keine chance gehabt.

tango, wir müssen reden

tango ist eine komplexe angelegenheit. viel gäbe es zu sagen über körper in bewegung, über das ständige scheitern und gelingen an allem. dem eigenen körper, dem anderen, der gemeinsamen balance wie der eigenen, der musik auch. und das ist längst nicht alles. manchmal denke ich, ich sollte das tun. das alles mal aufschreiben, regelmäßig, wie in einer kolumne. (naja, mal sehen.)

vor allem, wenn ich ein wenig herumsuche, was andere so zu sagen haben. und wenn mich dann gleich beim ersten satz ein mächtiger ekel überfällt:

In sexueller Hinsicht benötigen Frauen oft etwas mehr Zeit zum Durchblick.*

was zur hölle soll das denn? lieber gerhard, unbekannterweise, was vorzugsweise so bleiben möge: vielen dank für den frühmorgendlichen kotzreiz!

(* quelle: Gerhards Tango-Report, aber achtung: der rest des textes ist auch nicht besser oder gar klüger.)

aber immerhin: auf dem weg noch ein ganz feines, ganz anderes tangoblog entdeckt. Berlin Tango Vibes kommt vergleichweise wunderbar daher, vielschichtig und persönlich, in jeder hinsicht durchdacht. natürlich besteht auch dort eine gewisse distanz zum queertango, der noch einmal so ganz anders ist. aber das macht ja nix, da gibt es dann halt einen einblick in das „normale“ tangogeschehen.

das queere liegt wohl doch an mir, vermutlich. (na, mal sehen.)

sommerzeitpro

ich mag das ja, diese zeitverwirrung. wenn der körper den ganzen tag eine andere zeit erfährt, als die uhr es vorgibt. eine woche in etwa wird das jetzt so gehen. spätestens morgen nachmittag, wenn es erst dämmert, dann dunkelt und der arbeitstag noch lange nicht zuende sein wird, werde ich es hassen. weil ich dann im dunkeln nach hause fahren werde, das mag ich gar nicht. außerdem werde ich trotzdem nur mit mühe und unter zuhilfenahme eines ziffernblatts herauskriegen, ob ich nun morgen früher oder später aufstehen muß. und dann gleich wieder vergessen.

aber so ist der winter. winter ist, was immer ist. manchmal aber ist sommer. danach dann, hoffentlich mit seiner zeit.

ich liebe diese verwirrung. und das licht, bitte das soll so.

nix da

sonntag abend, und ich wäre dann mal bereit für ein wochenende. alles fertig, naja, fast. ich hätte noch ein wenig mehr der brotübersetzungsarbeit erledigen sollen. stattdessen fast nur im roman versunken. auch gut. oder nicht?

keine ahnung. ich brauche ein wochenende, dringend und sofort. (aber das wird wohl nix.)

#unteilbar

anfang oktober 1981, auf der friedensdemo im bonner hofgarten, da war ich nicht dabei. nicht einmal daran gedacht habe ich. ich war 18 und die friedenstäubchen hatten meine vollste verachtung. zu wütend war ich, zu sehr geprügelt und geprägt von der kriegskindergeneration.

beachtlich fand ich es dennoch. 300.000 menschen sollen es damals gewesen sein, zwei jahre später, ebenfalls im oktober, noch einmal in etwa genauso viele in der menschenkette von stuttgart nach ulm.

gesten waren es über 240.000. alle bei mir in berlin, und war ich auch dort. natürlich war ich da. großartige entspannte stimmung. kein palaver, gerangel oder gepöbel, nirgends. kaum polizei sichtbar. wenn, dann schlendernd und quatschend, entspannt. dazu die sonne, die wärme, das licht.

ab jetzt heißt es wissen und glauben, daß alles unteilbar vielfältig ist. und bleibt.

bis demnächst

seit ich aus der letzten schreibzeit an der stadtgrenze zurück bin, steht das boot hier sauber verpackt in meinem schlafzimmer. bislang habe ich es noch nicht richtig weggeräumt, also hoch oben ins regal verfrachtet. weil ich auf jeden fall noch einmal aufs wasser wollte in diesem jahr. gleich in der nächsten woche hatte ich es vor. was sage ich, keine drei tage später wollte ich zurück dorthin, noch die eine oder andere schlaufe paddelnd erkunden. da ist so noch so viel. meine lust auf berlin schwindet. (immer mehr und immer mehr.)

hat sich dann aber nicht ergeben, viel zu viel arbeit. oder das wetter war mir nicht gut genug. (kann das wahr sein?)

ich denke, jetzt werde ich es wohl wegpacken können. mein boot. oder müssen, denn so richtig warme bootsklamotten besitze ich (noch) nicht. das macht mich ein wenig traurig.

ich bin aber guter hoffnung auf einen neuen sommer, demnächst.

achtung, neukölln

so richtig angst hatte ich hier noch nie, ganz egal, was in den zeitungen steht. wir sind hier kein aufgegebener problemkiez. nein, auf gar keinen fall. es ist wie überall in den städten, nur vielsprachiger. man sieht sich um, besonders als frau. man passt eben auf. ich achte auf meine umgebung, das tue ich immer. und ich sehe sie, die geschäfte und cafés, die irgendwie unheimlich sind. die häßlichen, fetten autos davor, besonders in der nacht. und die männer, die dazugehören.

das ist alltag, ich gehe daran vorbei. und ich achte auf mich.

in letzter zeit ist mir allerdings ein bißchen viel schießerei auf offener straße. zuviel anspannung und angst überall. zuviel geld und gewalt, egal welcher herkunft. nur noch opfer und täter, in ständigem rollenwechsel. am ende dann tote.

aktuell ist es mir dann doch ein wenig unbehaglich hier. leider.

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