am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

arm geht wieder, nach vorne und über den kopf, wenn auch mit etwas mühe. nach hinten noch nicht so richtig. was das nur sein kann, eine 24-stunden-rheumaattacke? quatsch, vermutlich nur die schmerzablösung für die schwindende migräne. wär ja auch zu schön gewesen. (sehr gespannt auf das kleine blutbild am donnerstag, das mir im vorfeld immerhin schon mal eine schmerzhaft blaue armbeuge eingebracht hat.)

körpergeometrie

was über weihnachten in meiner linken hand gewohnt hat, ist ja dann kurz vor silvester in die recht hand gezogen. das mit dem muskelkater stimmte also doch eher nicht. zumal das ding sich seit gestern in der linken schulter eingenistet hat und dort höllenheiß herumwütet. wobei mir danach (oder war es doch schon davor?) eingefallen ist, daß es ja im letzten jahr, ende sommer, schon einmal genauso mit der rechten schulter war. ein wunderbare symetrie also, ein imaginäres andreaskreuz über meinen körper.

müde bin ich. ibu wirkt derzeit, angst vor der nacht habe ich trotzdem. vielleicht google ich mal „rheuma“, demnächst. (oder vielleicht besser nicht. vielleicht geht es dann wieder und kommt nie zurück.)

still

ein seltsames jahr, diese 14, macht vor allem angst. beinah körperlich, die erinnerung. aber nicht nur. nicht mehr atmen können, das herz spüren, wie es nach außen drängt. warum auch immer. als wäre das eine option, eine rettung sogar. aus der enge, wie eingesperrt sein, wieder eingesperrt.

dagegen steht die unmittelbarkeit, das leben nackt und augenblicklich, wie bisher selten.

laßt mich doch einfach still sein und allein. auch wenn ich mit dabei bin, immer. und erklärt mit nichts, ich weiß es doch. ich werde nur manchmal langsam, vor angst. und still. am liebsten still.

atmen

dieser tatort neulich, der zweite am letzten sonntag. der, der erst nach 10 laufen durfte, zu recht. sinnlos, die handlung nachzuerzählen, darum geht es mir nicht. ein knacki kurz vor der entlassung, einer der untesten, selbst dort, ein vergewaltiger. wie und warum auch immer, nach ein paar filmminuten sitzt er mit seiner bewährungshelferin allein im besucherraum, hat ihr einen kabelbinder um den hals geschlungen und hält sie mit einem improvisierten messer in schach. danach ist stille, viel stille und langsamkeit. hintergründe werden aufgedeckt, aber wie gesagt, das kümmert mich nicht.

atemlos macht das setting, die intimität. zwei menschen, ein raum, plötzlich geht um um macht, nur noch das, um macht übereinander. und es geht um leben.

eine requisite, der kabelbinder, ist grandios gewählt. der mann kann ihn zuziehen, immer weiter, er tut das auch. das ist seine gewalt. aber er hat keine macht, er kann ihn nicht mehr öffnen oder lösen, selbst wenn er es wollte. dazu hat er nicht das werkzeug.

am ende sind beide tot. sie stirbt zuerst. durch ihn.

am ende ist klar, daß es dem mann genau darum ging. um das ende, nicht das spiel. um die angst in den augen, um den moment der aufgabe, wenn die angst zu groß wird. um den moment, in dem der mensch sich verliert. zwangsläufig, egal ob er lebt oder stirbt.

ich erinnere diese art von angst, wenn es an die existenz geht. ich erinnere, daß räume verschwinden, der himmel, das licht und der boden. alle wahrnehmung reduziert sich auf den atem, das flattern im zwerchfell, das schluchzen des körpers, der ein fremdköper ist. dennoch der eigene noch.

ich erinnere die erleichterung im augenblick der aufgabe. nicht meine, das braucht jahre, jahrzehnte mitunter. ich erinnere die erleichterung des anderen menschen in verlauf des spiels. ich erinnere das lächeln, das ich ganz sicher nicht habe sehen können. es war in der stimme.

manche sagen freude dazu, freude an der gewalt. oder lust auch, wie im fall dieses films. manche halten es für perfide und unmenschlich. doch es ist erleichterung, ich bin sicher. ich war nah genug, um es zu wissen. es ist das entkommen aus einer schrecklichen qual, es ist erleichterung auf kosten eines anderen. es ist menschlich.

kein mensch wird dir jemals helfen, wurde mir einmal in diesem moment mitgeteilt. mitten im weißen rauschen, ohne boden, ohne welt und ohne zeit. da wird alles zur unmittelbaren wahrheit.

längst weiß ich, natürlich, daß der andere mensch in sich trägt, bis heute vielleicht, was mir nur eingehämmert wurde. von außen, über jahre. meinen kern hat es nie erreicht. und ich lebe noch.  das ist eine andere art der erleichterung. eine um einiges nachhaltigere.

große sehnsucht nach schlaf, schmerzfreien, raumgreifenden schlaf und traum bis in den aufgehenden tag. was gelingen wird, heute nacht. wie immer, nach dem höhepunkt der angst. folgt das gefühl von freiheit.

wenn ich nicht so müde wäre, würde ich etwas über das wesen der erschöpfung schreiben wollen. über ihr innewohnende plötzlichkeit ebenso wie über die gräßliche unzuverlässigkeit. über das wesen von schmerz auch, diese flüchtige nichtsubstanz irgendwo im körper. mal hier, mal da, ein sinnloses spiel. aber ebenso unendlich, ermüdend. allein, ich bin zu müde.

habe ich neulich noch davon berichtet, wie ich quasi über nacht nachwachse, um der last zu entsprechen, die die tage mit sich bringen, beinah stolz, vor allem aber selbstverständlich. so gehe ich aktuell schon vor dem frühstück in die knie und schaffe es auch danach nicht ins aufrechte. angst ist wie eine ewige kälte in mir, die wut darin eine klirrende starre.

egal: alles ist arbeit. und ich muß, ich will. leben.

tauchen

gestern ein bißchen über angst und wut im leben, geredet und gedacht. in der nacht wenig geschlafen, stattdessen lange den raum zwischen wachheit und traum geweitet. dort hinein abgetaucht. heute dann den blutdruck in rekordhöhen erlebt. arzttermin gemacht.

mein sein und meine seele, mein erleben, nichts davon muß sich ändern. und der körper ist dazu da, am ende zerstört zu sein. aber jetzt gerade wäre es doch schade um die kraft.

langsam, sehr langsam normalisieren sich die tage. ich kehre zurück zu planung und abarbeitung, zum teil jedenfalls. die dezemberrechnungen sind raus, die angefangene übersetzung liegt für morgen bereit. anderes noch, unübersichtliches und ärgerliches. nicht viel, ich hänge trotzdem.

dazu die verklingende poesie dieser tage, die durchlässigkeit der nachtstunden, sowieso, aber jetzt natürlich insbesondere. tanzen auch und tango. diese schönheit oft, vor der ich so gern zurückweichen möchte, zurück in die altbekannte alltagsquälerei. und die menschen, die wenigen, die vielen, die mich ebenso ratlos zurücklassen, wie ich sie. vermutlich.

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