am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

in heißem trinkwasser liegen und diesen nackten körper betrachten, der so schön ist, wie er nur sein kann, in seinem alter. wissen, in diesem moment, daß ich ihn niemals zerstört sehen möchte, zerschlagen, zerrissen, ausgelöscht. ebenso wissen, daß es dennoch so sein wird. zwangsläufig.

so bin ich geboren.

vermögen

gestern noch stundenlang geredet, bis an die grenzen der ausdrucksmöglichkeiten generell, mich dennoch bemüht, es auszudrücken versucht, irgendwie. mich auszudrücken versucht, bis auf den letzten tropfen. (nein, nicht das mit dem rheuma, das ist eine lästige nebensache.) beinah gescheitert, an der grenze der worte, weit darüber hinaus geschwommen. bis ins weinen und würgen, die verzweiflung geteilt, mitgeteilt, die das leben in sich trägt. wie ein geschenk.

am ende bleibt die angst, meine schuld nicht zahlen zu können, niemals. was für eine perfide idee.

viel denken jetzt und auch das kaum vermögen, im grunde gar nichts mehr verstehen. auf der schwelle stehen und ahnen, daß etwas passieren wird, passieren muß, und keine richtung mehr kennen. keine angst mehr haben und kein geld. die zartheit freilegen, preisgeben, was tief in mir unter allem wartet. ein seltsames wagnis in dieser welt, wie mir scheint.

ich will jetzt musik. für immer.

autoimmun

das reißen, das sich seit september freundlicherweise in hübsch angeordneter geometrie durch meinen körper gefräst hat, erhielt heute seine vorläufige bezeichnung. es heißt womöglich tatsächlich rheuma und würde, sollte sich das alles in nächster zeit bestätigen, bleiben wollen. und auf lange sicht so einges anrichten können.

beides ist irgendwie überraschend. die erkenntnis einer womöglich tatsächlich vorhandenen krankheit ebenso, wie vorstellung, etwas nachhhaltig zerstörerisches in mir zu beherbergen. (als wäre das nicht immer schon so gewesen.)

die schmerzen dagegen? nun ja, anders sind sie, ganz anders als migräne. aber eben auch nur schmerzen. beinah banal.

(gibt schlimmeres, definitiv.)

reißen und wüten

bewegungsschmerzen in beiden händen und in der linken schulter, seit über einer woche, nach wie vor. dennoch den anruf bei der ärztin, der sich mit der abklärung der rheumafrage befassen könnte, großzügig auf morgen (oder so) verschoben. einstweilen nenne ich es das reißen, was im grunde nicht viel unterschied macht. doch da ist etwas, das an mir reißt, eindeutig.

was ich beim tango lerne

außer tango natürlich.

verschlossene türen bleiben verschlossen, was immer ich auch tue. das wurde lange vor mir entschieden. ich kann nicht leben, wie menschen zu leben scheinen. ich kann sie nicht erreichen, nicht verstehen. ich kann mich nicht zwingen und sie nicht, daran ist nichts zu ändern, nichts zu retten. doch diese unabänderlichkeit, die beschränkung macht es auch leicht, mitunter.

ich tanze trotzdem, besser sogar.

wenn ich aufhöre, an den türen zu rütteln, die nicht für mich gedacht sind.

schneefall, der nicht tröstet. im gegenteil. kein zweifel bleibt an der verzweiflung. so ist der winter, doch noch. geworden.

im august 63

ich schaue mich an, im alter von zwei oder drei monaten. ich sehe in meine augen, die mir vertraut vorkommen. ebenso die augenbrauen und der haaransatz. all das steht mir bis heute zur verfügung. oder?

meine nase dagegen ist inzwischen mehr so wie die links im bild. auch gut.

diese riesige hohlheit mitten in meinem körper, in der herzgegend irgendwo. meine menschenleere, wenn ich andere in aller einfachheit von begegnung reden höre, von ihrem leben auch. dieses fremdartige leben, überall um mich herum und doch. ist die selbstverständlichkeit beider welten, liebevoll.

ein so wunderbares gewerk

beim einschreiben der neuen füllerfeder, ein erstsatzteil für meinen kurz vor weihnachten mit hingabe, aber dennoch eher notdürftig, reparierten kaweco sport, fällt mir auf, von welcher unendlichen schönheit das schreiben mit der hand ist. das kratzen auf dem papier, das langsame wachsen von muster und struktur. und chaos. wie gern ich das tue, was ich beileibe nicht gut tue. meine schrift ist nicht nur eine klaue, sie ist eine zumutung an gekrakel, kaum zu lesen, selbst von mir selbst. aber es ist ein so unglaublich wunderbares handwerk, dieses schreiben mit tinte auf papier.

sollte ich viel öfter mal wieder tun. denn genau so habe ich ja einst angefangen damit.

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