der morgen beginnt mit musik. die größte herausforderung dann gegen zwölf: dem friseur sagen, was er machen soll, ohne zu wissen, was ich eigentlich will. wieder einmal. denke über eine radikalere lösung nach, das käme doch hervorragend bei dem schmalen gesicht derzeit.
alle tage
eisessen in potsdam
die maschine flitzt, sicher und stabil. langsam traue ich mich wieder und drehe sie hoch, bis auf 140 immerhin. der neue helm ist prima, reißt die ganze zeit nicht im hals und ist auch beim seitenblick ziemlich ruhig. bei etwa 90 macht die kiste ein eigenartiges geräusch, ein dunkles brummen oder singen, obertöne vermutlich. aber eher nicht schön. beim abstellen tickt sie, so heiß war sie lang enicht.
verfranzt hab ich mich auch nicht,und das ohne karte, ich hatte nicht einmal eine mit. andererseits bin ich vorwiegend autobahn gefahren, da ist das nicht ganz so schwer. nur potsdam ist so klein, daß ich um ein haar daran vorbei gefahren wäre. beim hineinfahren kommt es mir vor wie remscheid, was kein kompliment ist. überflieger, hat die kollegin damals immer gesagt. natürlich ist es ganz anders, viel weiter. aber dennoch. später, zu fuß, denke ich an england, die zweigeschossigen häuser, die kleinen läden. auch das ist völlig anders, viel kleiner, viel krummer, viel geduckter auf der insel. und der boden ist rot, nicht sand.
gelernt, daß das, was ich bis heute morgen für das holländische viertel gehalten habe, keineswegs das holländische viertel ist, sondern mehr so die einkaufsmeile von potsdam. gefunden habe ich dennoch, was ich gesucht habe. etwas abseits, ein wenig ratlos stand ich da. später war ich eisessen, wie damals. genau da, genaugenommen. das alles hätte schöner oder anders sein können. war es aber nicht. sicher zwei stunden bin ich durch die gegend gelaufen, geregnet hat es, und zu guter letzt habe ich dabei doch noch das richtige holländische viertel gefunden. mehr zufällig eigentlich.
außerdem gelernt, daß die neuen motorradstiefel zum langen herumlaufen keinesfalls geeignet sind. die wasseransammlung unter der linken fußsohle – vorne, mittig, unausweichlich – liegt tief unter der haut und ist ziemlich groß. die morgen aufzuberechen, wird keinen spaß machen.
ich hatte mein aktuelles buch mit, ich hätte irgendwo sitzen und lesen können. lesen in potsdam, das wäre auch ein schöner titel gewesen. noch unsinniger, aber egal. dem fuß wäre es definitiv besser bekommen.
auf dem rückweg dann, über dem tempelhofer feld, stand ein regenbogen. blaß, aber immerhin. der erste seit langem, ich kann mich gar nicht erinnern.
ich kann mich nicht erinnern. ich will mich nicht mehr erinnern.
los
ich glaube, ich kratze jetzt ein bißchen geld zusammen, mache den tank voll und verlasse berlin. vielleicht fahre ich nach potsdam, ins holländische viertel, nutzlose vergangenheit überschreiben. endlich mal. oder ich fahre einfach nur eine große runde. ich weiß auch nicht. die maschine freut sich sicher über ein wenig luft, nach jahren. los jetzt.
unruhe
in ermangelung einer irgendwie gearteten anderen ruhe sortiere ich heute abend wieder bücher. ja, das beruhigt. auch wenn es immer ein durcheinander bleiben wird.
vor vielleicht fünfunddreißig jahren, mit ungefähr zwanzig büchern im eigenen besitz, also zirka einem halben meter, und dazu vielleicht zehn oder zwölf platten (schallplatten, jawohl), sagte mein vater mir, daß das aufhören würde, irgendwann. daß anderes käme, wichtigeres, das leben, wie es wirklich ist, und man das mit dem büchern und der musik vergißt. zwangsläufig. er hat es ganz sicher anders gesagt, damals. ich erinnere mich nicht an den genauen wortlaut. ich erinnere mich an seine direktheit, seine traurigkeit, wie immer fast. nur noch mehr. und ich wußte genau, was er meinte. auch damals schon.
so gesehen bin ich heute reich. reich geblieben, denn es hat nicht aufgehört. ich lebe noch.
nicht macht mich so wütend wie staubsaugen, selbst wenn ich selber tue. selbst wenn ich mich aus einer unverkennbaren notwendigkeit, ja sogar einem grundlegenden bedürfnis heraus freiwillig dazu entschlossen habe. es macht mich dennoch wütend, dieses unfolgsame saugetier, das einfach nicht auf mich hören mag. dabei habe ich anschließend sogar noch das klo geputzt. war nur halb so schlimm, ehrlich.