im nachhinein betrachtet muß ich meinen nachsatz an dieser stelle doch ein wenig revidieren. sicherlich ist fußball kein wrestling, aber andererseits, wer will schon mit anfang dreißig vergöttert werden? da kommt es vielleicht ganz gut, sich ein bißchen danebenzubenehmen. noch dazu so schön danebenzubenehmen. große geste, ein anderes spiel zwar, das mit dem stier, aber sauber und klar ausgeführt. konsequent vermutlich, denn wer weiß schon, was da geredet wurde.
sauberer zumindest, diese sache mit dem kopfstoß, als sowas hier. fußball hat ganz offensichtlich seit jeher viele verschiedene seiten, und so manches hat mit dem spiel selbst nur wenig zu tun. zidane allerdings ist vermutlich eine der besten seiten. meine güte, wenn man den spielen sieht. da schweigen selbst die berühmtberüchtigten brasilianischen sambafußballer mucksmäuschenstille. im moment zumindest.
alle tage
von wegen fußballnation
ich mag ja fußball, irgendwie zumindest. wie könnte ich auch nicht, ich komme schließlich aus dem ruhrpott. als kind bin ich auf dem schulweg tag für tag an dem gebrauchtwagenhandel von helmut rahn vorbei gelaufen. und willi lippens hat in derselben straße gewohnt, nur ein haus weiter. ich hätte sicher auch selber gespielt, wäre mir nicht die abwesenheit jeglichen ballgefühls zueigen. abgesehen von den lächerlich schwachen gelenken und den viel zu kurzen beinen. aber fußball gehört dazu, das steht von anfang an fest.
das mal vorneweg.
wenn ich mir nun aber dieses geschwätz reinziehe, ob in print oder in der flimmerkiste, über das neu definierte nationalgefühl und die gemeinsam-schaffen-wir-es mentalität allerorten. dann wird mir langsam aber sicher übel. denn gleich ist das ding vorbei, liebe leute. dann ist er aus, der zauber. dann müssen freude und taumel von anderswo herkommen, und das ist sicher nicht so leicht. (nennt sich übrigens adrenalin, das zaubermittel. ganz umsonst und körpereigen, aber eben auch sehr schnell verbraucht.)
diesbezüglich scheint es mir angebracht, den blick auf frau merkel und ihre „mannen“ zu lenken. ganz üble performance in letzter zeit, da hilft nix. auch kein klinsmann. (aber adrenalin ist ja ein streßhormon, das springt auch bei ärger, frust und wut an.)
[oh, 1:1! also ab sofort für frankreich! wegen zidane. – 22.22h okay, letzteres revidiere ich! fußball ist ja nun kein wrestling.]
living in a box (16)
1. nachts um vier etwa schlägt jemand mit einer metallstange gegen das metallgestänge des mich umgebenden gerüstes. das ist eine ganz unglückliche art, aus dem tiefschlaf zu erwachen. ansonsten herrscht schweigen draußen. keine worte, kein gelalle, nur das schlagen. doch der wind ist das nicht. nach einer endlosen weile dann, schritte.
2. häuserwände können auch im regen gestrichen werden. heute sind zwei maler da, die sehr schnell arbeiten. die weiße vorstrichfarbe wird mit einem grünstichigen beige übertüncht. könnte aber sein, daß das grün nur die reflektion der gerüstlappen ist. immerhin kein lachsorange. puh!
3. der maler mit den fein ausrasierten zarten bartlinien im gesicht, der lange zeit sorgfältig vor meinem wohnbürofenster herumpinselt, beugt sich offensichtlich über die balkonbrüstung und klatscht schon mal eine bahn farbe an die innenwand. kein wort, keine geste. den efeu, der da steht, lackiert er einfach mit.
4. dachdecker mag ich lieber als maler. der eine gestern, der mit der schubkarre in richtung fallrohr ging, ganz da oben, während ich mit dem rad schnell noch zum markt wollte, bevor der große regen losgeht. der hat gewunken.
nachtrag: wer sagt mir eigentlich, dass die nur zweimal streichen? vielleicht kommt ja doch noch lachsorange, am ende. verdammt!
living in a box (15)
gutes timing, wenn auch reiner zufall. gestern habe ich den balkon zurückgebaut, wie es ja in berlin so schon heißt. in erwartung der maler, die ja irgendwann kommen, haben sie ja gesagt, wenn auch nicht wann, warum auch. und heute dann, ich komme gerade vom klo, steht der eine schon auf dem balkon und grinst mich an. ich weiß nicht recht, auch jetzt noch nicht, ob die hose schon zu war. meine, meine ich. ich hoffe, ja.
ich schleppe also alle pflanzen rein und schraube das letzte regalbrett ab. dann erkläre ich dem mann, der mich zum glück zu verstehen scheint, daß ich die dübellöcher noch brauche. inzwischen zweifel ich aber daran, auf verständnis gestoßen zu sein, denn die beiden da draußen arbeiten doch sehr viel mit putz, muß ich sagen. was andererseits wiederum nicht schlecht ist, war ja doch ein bißchen buckelig, hier und da. aber… nervt halt. alles!
außerdem krieg ich hier grad keine luft, weil sämtliche fenster und jetzt auch noch die balkontür zu sind.
kein tag für irgendwas. zu heiß. sag mir jetzt keiner, daß ich gut lüften soll, wo es doch grad so schön gewittert hat. wie denn? die fenster sind fast alle verklebt. und auf dem balkon liegt noch die abdeckfolie der maler von heute morgen. haben sich nicht abgemeldet, die herren, so weiß ich nicht, ob sie nun fertig sind oder nicht. viel tun hätte ich aber heute eh nicht. netzhautuntersuchung an so einem strahlenden tag = drei stunden überbelichtung und unschärfe. am ende dann: totale müdigkeit.
morgen sehen wir dann wieder, äh weiter.
living in a box (14)
warum die anstreicher die von mir angebrachten abdeckungen der fest installierten regale, um diese vor noch mehr staub und noch mehr mörtel zu schützen, bevor ich morgen endlich dazu komme, sie ganz abzubauen, wegräumen, um dann eben diese regale ausgerechnet mit farbe zu versauen, ist mir schon irgendwie ein rätsel. wenn ich mir dann noch vorstelle, daß dieselben männer demnächst meinen balkon streichen wollen. na, herzlichen dank. wie bringe ich denen bei, daß sie meine dübelllöcher natürlich nicht zukleistern dürfen?
übrigens sind die dachdecker wieder da. es scheppert und wummert von ganz oben. auch fein.