warum die anstreicher die von mir angebrachten abdeckungen der fest installierten regale, um diese vor noch mehr staub und noch mehr mörtel zu schützen, bevor ich morgen endlich dazu komme, sie ganz abzubauen, wegräumen, um dann eben diese regale ausgerechnet mit farbe zu versauen, ist mir schon irgendwie ein rätsel. wenn ich mir dann noch vorstelle, daß dieselben männer demnächst meinen balkon streichen wollen. na, herzlichen dank. wie bringe ich denen bei, daß sie meine dübelllöcher natürlich nicht zukleistern dürfen?
übrigens sind die dachdecker wieder da. es scheppert und wummert von ganz oben. auch fein.
alle tage
living in a box (13)
wie immer, kurz nach sieben geht das gekratze und geschabe los. da habe ich schon eine ganze weile im halbschlaf auf die arbeiter gewartet, d. h. von ihnen geträumt. daß sie einfach nicht kommen würden, heute. und daß sie in meiner küche sitzen und auf mich nicht reagieren, als wäre ich gar nicht da.
jetzt hockt vor mir gerade ein bauarbeiter und paßt den neuen fensterabschluß ein. in der küche stinkt es nach lösungsmittel. da ist das metallstück schon angebracht und mit irgendetwas stinkendem eingepinselt. macht sinn, ich weiß, daß das abgedichtet wird. das gerüst gefegt wurde eben auch schon. nette idee, aber natürlich ist jetzt wieder mein balkon versandet.
ich kann so nicht arbeiten. nicht einmal zeitung lesen. innerlich hoffe ich auf den tag, an dem die dachdecker wieder dran sind, irgendwo da oben scheppern und hämmern. aber mir nicht plötzlich ins blickfeld laufen.
living in a box (10)
heute ist der tag, heute tu ich es den männern da daußen nach. denke ich, und tue es dann auch. wann, wenn nicht jetzt?
die flex liegt schon seit ein paar tagen bereit. die flex jedoch macht mir angst, seit jeher. so sehr, daß ich sie neulich schon versehentlich zum ‚winkelschleifer‘ degradiert habe. es dauert also, bis ich die trennscheibe befestigt, den schutzring gerichtet, den griff angeschraubt und die schutzbrille gefunden habe. ohne schutzbrille geht da bei mir nichts, auch nicht ohne handschuhe. mit schrecken denke ich an die ungenau montierte schleifscheibe, um hier in der wohnung die schwellen von wenigstens drei schichten farbe zu befreien. eine ziemliche kraft, die da mit mir eierte. knapp an meinen nackten knöcheln vorbei. und wie zum spott jagt die maschine los, kaum daß ich den stecker einstecke. bei all dem sorgfältigen prüfen, verschrauben und besser nochmals prüfen hatte ich tatsächlich übersehen, daß der schalter auf ‚on‘ eingerastet war. na, prost mahlzeit. scheint ein guter tag zu sein, heute, für solche dinge.
ich bin froh, daß die männer auf dem gerüst gerade pause machen, als ich die leiter erklimme, um, unter einer gewissen anspannung, ich gebe es zu, neun rostige haken knapp an der wand durchzuflexen. es lärmt. die funken schlagen, ich weiß ja, daß das nicht schlimm ist. aber man spürt es doch auf den nackten armen und sogar durch das t-shirt, wie mir scheint. und es riecht nach heißem metall, nach schlosserwerkstatt. die habe ich nicht gemocht, damals in der lehre. ein dunkler schuppen, ölig und schmierig. niemand hielt sich dort auf, nicht einmal die schlosser selbst. die trieben sich lieber im haus rum, schweißten hier mal eine konsole oder krochen in der kaufhausdecke herum. keine ahnung, warum. die schlosser waren immer froh, wenn mal wer von der deko kam, um irgend einen verqueren metallwarenträger zu konstruieren. zum glück mußte ich nur drei tage in dieser schlosserhöhle verbringen, damals. so hab ich schweißen nie gelernt. leider.
es klappt aber dann alles reibungslos, heute auf dem schönsten balkon von ganz berlin, und ich bin froh, das höllending wieder wegpacken zu können. dann mache ich mich daran, das stück überstrichene ziegelfläche zu reinigen. geht ganz einfach, ist sozusagen nur staub, diese seltsame farbe. drahtbürste reicht. ich muß dabei allerdings feststellen, daß wirklich kein guter tag ist. die vorstellung von zerflexten knöcheln ist sicher eine unschöne sache. die tatsache, sich zweimal hintereinander mithilfe alten mauerwerks die ersten drei hautschichten* von den fingern zu schälen, ist dagegen vergleichsweise harmlos. aber ungleich schmerzhaft, wie man weiß. und irgendwie wundere ich mich, oben auf der leiter, daß ich für diese arbeit, ausgerechnet, die handschuhe wieder ausgezogen habe. das gerüst allerdings finde ich da oben, am rand der brüstung, zum ersten mal gut. ich weiß nicht, ob ich mich so hoch hinaus wagen würde, ohne das brett, das mir die sicht nach unten verwehrt. zwar steht fest, daß für einen sturz nach unten aus dieser position mittelprächtige artistische fähigkeiten vonnöten wären. aber man weiß ja nie, wozu man alles fähig ist. ganz plötzlich.
der rest ist putzen. ausgerechnet da tauchen das die männer aus der mittagspause wieder auf. und zwar gerade, als ich die ziegel mit einer alten nagelbürste schrubbe. ich hätte ja auch lieber die wurzelbürste genommen, aber die kann ich gerade nicht finden. das sieht schön blöd aus, denke ich. daß ich mitten in diesem allgegenwärtigen dreck putze. ich höre sie sogar lachen, die männer, aber ich versteh ja nicht, was sie reden. ich weiß nicht einmal, was das für eine sprache ist, die sie sprechen. keine ahnung. und ich mache ja nur meinen eigenen dreck weg, was ist dagegen zu sagen. sonst trag ich noch alles bis in die küche rüber, ans andere ende der wohnung. außerdem bin ich eine verfechterin der broken-window theory. wenn ich jetzt anfange und den schönsten balkon aller zeiten verkommen lasse, wer weiß, was die männer da draußen sich noch alles erlauben. nee, nee, lieber nicht.
später stelle beim putzen fest, daß ich sämtliche bretter neu wachsen sollte, nach der ganzen geschichte, dann säge ich schnell noch ein regalbrett kürzer, das sich bereits ausgedehnt und den putz von der wand gedrückt hat, außerdem dusche ich alle pflanzen, die samt und sonders hauswand auf den blättern tragen.
noch schnell den wohnbüroboden wischen, das geht ja so nun wirklich nicht, und dann schnell einkaufen. da ist dann der reifen platt, hinten. prima. noch mehr handwerk an einem tag, der dafür nicht gedacht ist, eindeutig.
* schnell noch eben nachgesehen, das mit den hautschichten. immerhin gibt es drei. ;-)


