am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

reflexe

steinhagel. die männer draußen reißen die fensterbänke raus und schlagen den putz mit hämmern von den wänden. das klingt so nah, als grüben sie mir furchen in die haut. peinlich die panik, die ich schiebe. unangemessen. und dennoch unerträglich. gefangen zu sein, eingesperrt. ohne zu wissen, was draußen vor sich geht. ohne die möglichkeit einzugreifen, zu reagieren, etwas zu ändern. peinlich, dieses gehabe aus nichtigem grund. nahezu lächerlich. verdammte bunkermentalität.
dabei bin ich persönlich nur selten eingesperrt gewesen, allerhöchsten einmal in der woche. und nicht einmal im keller, immer nur in der kammer. dazu ängstigt mich dunkelheit nicht. die metaebene aber, das wissen um das spiel mit macht und vernichtung. die gewissheit, daß kinder es nicht gewinnen können, auch ich nicht. damals wie heute. statt dessen der blick, der bleibt, der sieht. wenn wenigstens das nicht geschehen wäre.
[und die frage: wie geht das, wie kann das ein, daß die, die im krieg in kellerlöcher geflüchtet ist, gefangen war, später ihr kind (genüßlich) einschließt?]
der mangel an gelassenheit aber, jetzt, hier in dieser wohnung, weit weg von damals, beschämt mich. ich könnte sein wie sie, die mir das vererbt hat. ich bin wie sie. nicht der lage, enge und lärm zu ertragen. und menschen dazu, die das nicht verstehen wollen. da hilft der tiefste todstellreflex nicht. ich habe keine nerven, ich bin blankgerieben. fertig.
vielleicht habe ich es aber nur erlernt, erdacht, mir erschrieben. in diesem merkwürdigen buch, das keines ist, keines sein wird. weil es nicht fertig wird, sich aber auch nicht mehr bewegt. eine lebende leiche, ein untotes in meinem gemüt. ich sollte es zerstören, endlich.

niemals hätte ich das schreiben anfangen sollen, niemals das denken, das leben. 1980 war ein fehler.

living in a box (5)

es macht mich rasend, daß hier plötzlich permanent menschen sind. morgens um sieben fängt es schon irgendwo an zu klopfen und zu bohren. später sehe ich vom schreibtisch aus in den nacken des jungen mannes von gestern, der da hockt und hämmert. eine gerüstetage höher steht sein etwas älterer kollege und schmeißt von da aus immer wieder plastikschnipsel an mir vorbei.
gerade eben stehen da plötzlich beide und rufen nach mir. sie wollen auf meinen balkon, um die tür abzukleben. ich soll die pflanzen wegnehmen. ich verstehe nicht, warum sie auch die tür vernebeln wollen. davon, daß mein balkon renoviert werden soll, weiß ich natürlich nichts. offensichtlich soll der aber gestrichen werden. zumindest sind die beiden davon überzeugt und auch informiert.
wie gesagt bin ich irritiert, daß hier immerzu menschen sind. ich kann es einfach nicht haben, um genau zu sein. deshalb wohne ich allein, weil ich nicht ständig unter menschen sein kann. ich bin nicht nur irritiert, ich verliere mich. total.
und so passiert es, daß ich einen der beiden reinlasse, um das mit der tür zu erledigen. obwohl ich das eigentlich nicht will. ich frage nach, wann denn das gemacht werden soll. ich denke, daß ich die gesamte balkoneinrichtung wegschaffen und zum teil auch abmontieren werden muß. sie wollen mir früh genug bescheid sagen, immerhin. ich vergesse zu fagen, welche farbe sie denn streichen wollen. oder besser sollen. obwohl genau das doch das eigentliche thema ist. ich denke an diese lachsscheiße vom innenhof.
im grunde denke ich, daß die hausverwaltung mich hätte informieren müssen. und zwar vorher. ich weiß es aber nicht, hier sind zuviele menschen. stehen plötzlich da, duzen mich ungefragt und machen dann, was sie wollen. das bringt mich völlig durcheinander. ich habe dem schlichtweg nichts entgegenzusetzen.

flattern

das mit den vielen fahnen überall, das ist ja so eine sache. zwiespältig eben. vor ein paar jahren noch wäre mir das tagtäglich sehr übel aufgestoßen, das schwarzrotgelbe geflatter allerorten. momentan ist das überraschenderweise nicht so, muß ich gestehen. vielleicht meine ich auch, daß es an berlin lieg, bin deshalb irgendwie beruhigt. in wtal zum beispiel kann das doch unmöglich so schlimm sein. denke ich dann.
vor ein paar tagen allerding, unterwegs mit dem motorrad auf der stadtautobahn richtung steglitz, hatte ich plötzlich doch ganz starke bedenken. dieser knüppel, der da seitlich aus dem wagen vor mir ragte. mit einer riesigen fahne dran, die wie wild gegen die heckscheibe zappelte. sich ganz offensichtlich losreißen wollte, ich bin sicher. frei sein, endlich frei. so kam es mir zumindest vor, und ich kann das ja verstehen. was also, wenn dieses ding sich tatsächlich losreißen würde? gerade in in dem moment, in dem ich völlig ahnungslos und unschuldig hinter ihr herfahre.
würde der knüppel mich aufspießen? oder eher umwerfen, daß es kracht? würde sich das bunte tuch um mich wickeln? oder zumindest um meinen helm, mein gesicht? und so zu meinem verhängnis werden? blind fahren ist nämlich auch keine gute idee.
das sind häßlich vorstellungen, jeder motorradfahrer wird mir das bestätigen. da kriegt man das flattern, nicht zu knapp.
aber immerhin, jetzt weiß ich es wieder. nein, fahnen sind nicht gut. wirklich nicht! ich kann und möchte ohne leben von jetzt an. vor allem vor mir auf der autobahn.

living in a box (3)

gerade wird mir das wohnbürofenster verklebt. nicht blau, zum glück. sehen kann ich durch die folie dennoch nicht besonders gut, alles schwimmt. es sieht auch nicht so aus, als könnte ich das fenster jetzt noch öffnen. hast du balkon, sagt der junge mann, der das kleben der folie erledigt, auf meine nachfrage hin. dazu, wie lange das so bleiben soll, kann er nichts sagen. und die frage nach den anderen fenstern, wo ich keine balkone zur ersatzlüftung habe, versteht er gar nicht erst.
ironischerweise las ich dabei gerade diese große oper hier. FEEENSTEEER!!!!! schließlich ist sommer.

nerven!

als ob die vollverkleidung nicht genug wäre!
seit nunmehr fast acht stunden brüllt direkt vor meinem balkon ein schweißaggregat, das der stromversorgung einer kinderhüpfburg dient, die wiederum dem türkisch-arabisch-usw-straßenfest angegliedert ist. alle fenster und türen sind seither verschlossen, verrammelt und vernagelt, damit wenigstens die abgase draußen bleiben. der boden vibriert trotzdem. wie gesagt, seit heute morgen. den ganzen tag, ohne unterbrechung.
im hintergrund hüpfen fröhlich die kinder, soweit ich weiß. hören kann man sie nicht, bei dem lärm.
da ich ein mit nerven ausgestattetes wesen bin, habe ich folgerichtig soeben beschlossen, daß ich kinder mit sofortiger wirkung uneingeschränkt hasse. wobei mir ungerechterweise völlig egal sein soll, ob es nun türkische, arabische, deutsche oder sonstwelche sind. ich meine ALLE! ab sofort.

living in a box (2)

kein gerüstebauer, kein dachdecker weit und breit heute. am vormittag wurde ein bißchen gesägt, lautstark, versteht sich. jetzt ist ruhe.
ich sitze auf dem balkon, schaue durch ein feinmaschiges netz ähnlich der fliegengitter in zelten auf die gerüstbretter hinunter, und weiß nicht, was ich davon halten soll. je mehr ruhe heute, desto länger bleibt es stockduster innen. und stickig, kein wunder bei dem wetter. ein zwiespalt sozusagen.
dazu latente migräne. ich will nach hause. (ach, da bin ich ja. ganz vergessen.)

über kommunikation

der versuch, verläßliche informationen aus telekommunikationsfirmenvertriebsmitarbeitern jeglicher couleur herauszuquetschen, scheint mir von grund auf aussichtlos zu sein. die magentafarbene fraktion seinerzeit hatte so ihre macken, besonders der total unfreundlichen und gar nicht zuvorkommenden art. naja, postler schnauzen halt, und man kann ja auch woanders hinwechseln, inzwischen. also, alles kein problem.
die blauroten sind allerdings auch nicht ohne, wie ich heute feststellen durfte. der laden ist brandneu, der teppich riecht noch nach klebstoff, und ich dachte mir im vorbeifahren: warum eigentlich nicht, spar ich mir die endloswarteschleife in der hotline. das mädel hinterm tresen blättert in einem reisekatalog und telefoniert, offensichtlich privat. macht ja nix, spricht vor allem für die gähnende leere in dem shop. als sie sich mir dann zuwendet, verstehe ich sie zunächst kaum, was möglicherweise, aber nicht unbedingt, an dem kaugummi liegen mag, das sie mir alle paar sekunden entgegenschiebt. die frage nach der vertragsverlängerung in tateinheit mit einem tarifwechsel überfordert sie augenscheinlich. sie kann und will nur neukundenverträge abschließen, denke ich. warum auch immer. auf einmal will sie aber doch etwas für mich tun, die nächste frage jedoch – ein test, ich gebe es zu – beantwortet sie mir grundlegend anders als der mann am telefon vor ein paar wochen. auf nachfragen, weiß sie ebenfalls nicht recht zu überzeugen. es hilft nichts, ich traue ihr nicht. ich deute das sogar an, was sicher kein guter schachzug war.
ein glück also, daß ich natürlich meine kundennummer grad nicht zur hand hatte, so konnte ich unverrichteter dinge wieder verschwinden. also, ab in die hotline. oder vielleicht nochmal das internet befragen? aber kenn sich mal einer aus auf den seiten von telekommunikationsfirmen. wer weiß, was man da aus versehen bucht?

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