am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

todestage

es ist eine seltsame todeszeit, derzeit. seit wochen bereits dieses gerangel, wenn nicht spektakel um terri schiavo in den staaten. diese frage, die nicht zu beantworten ist. was ist leben? was ist es wert? als könnte man das jemals sagen, jemals wissen. oder gar juristisch regeln.
und heute man fragt sich, unwillkürlich, wer denn wohl das rennen machen wird, morgen, auf die titelseiten. kurz nach terri schiavo. der fürst oder der pabst? oder einfach nur der juhnke?
andererseits, was soll das eigentlich? tod ist alltäglich. es passiert eben, es muß ja, auch wenn niemand mitfilmt. sogar wenn überhaupt niemand hinsieht, auch dann wird gestorben. massenhaft, tagtäglich.

sonne und kälte

der besuch ist heute mittag zum zug gezockelt, und ich bin wieder allein zuhause. fünf tage fast ohne jede arbeit, aber es war ja auch ostern. dafür war ich mitunter als berlintouristin unterwegs, bin spreeboot gefahren und habe mich dem passivshopping ergeben, widerstandslos. jetzt ist es eigenartig still hier. ich kann ins bad, wann ich will, meinen kaffee vorm pc trinken und überhaupt. ich schlafe wieder im eigenen bett heute nacht, was für besuchszeit eine schlechte lösung wäre, da der pc in dem raum mit dem klappsofa steht. wenn ich selbst in dem zimmer schlafe bleibt zumindest die ahnung von arbeit. (und ich kann hin und wieder ein paar blogs lesen. ;-)
ich habe mich also wieder. und ebenso vermisse ich, was mir von jeher so fremd ist. entspannte gesellschaft, das unangestrengte miteinander der letzten tage. museumsbesuche und mensch-ärgere-dich-nicht. frühstücksorgien und billiginder. stadtplangeblätter und u-bahnchaos. sonne und kälte, frühling eben. die welt da draußen, außer mir.

festgeschrieben

kurzentschlossen sind wir heute im hamburger bahnhof in der flick ausstellung gewesen, die morgen schließen wird. seltsam eigentlich für mich, wo ich von kunstwerken dieser art (leider) so gar nichts verstehe. dementsprechend bin ich hundemüde, vom stehen und warten. vor allem aber vom schwiegen und doch nicht begreifen können. bis auf hier und da, ganz plötzlich, ein lachen, ein stich. im grunde aber brauche ich worte, das ist wohl so, festgeschrieben. und da hilft nichts.

wow!

besuch verändert die welt, schlagartig. nachts sitze ich in kreuzberger kneipen, in denen uralte david bowie platten von vorne bis hinten durchlaufen, und trinke bier. danach geht es in eine lange, dunkelrote schlauchkneipe, für die letzten drei songs einer angeblichen punkband. na ja, das rockt. aber atmen geht nicht.

gut und gerne

vor ein paar tagen wurde ich wieder einmal auf 35 geschätzt. gleichermaßen belustigt und erfreut lache ich auf und entgegne etwas wie: na, nicht ganz! womit ich auszudrücken versuche, daß sich der nach eigenem bekunden fast fünfzigjährige gleich um einige jahre verschätzt hat. später erst wird mir klar, daß der arme daraufhin zweifellos gedacht haben muß, deutlich zu hoch gegriffen zu haben. wie peinlich. damit allerdings ist anzunehmen, daß ich wieder einmal gut und gerne 10 jahre habe gut machen können.
und so sei es nun also hier, ganz still und heimlich, einmal zugegeben, daß, egal, was ich sonst womöglich verkünden mag, nicht wirklich gleichgültig ist. sondern mich über die maßen beglückt. (zumindest aber ist es mir weitaus lieber als etwa umgekehrt.) ohne schwerwiegende probleme könnte ich also mein alter irgendwo zwischen 32 und 46 verorten, und niemand würde fundierten anstoß daran nehmen.
das ist so überaus lustig. nie im leben hätte ich gedacht, daß mir soetwas einmal spaß machen würde. auf meine alten tage.

nachgeschalteter gehorsam

was die migräne macht, fragt eine freundin, gestern abend. nichts, antworte ich, beim letzten mal waren es eher übelkeit und häßliche verdauungsgeschichten. auch nicht schön, aber leichter zu ertragen, sage ich noch, und wir lachen, beide. vielleicht bin ich ja am wochenende dran, und damit schließe ich das thema ab.
heute werde ich dann noch vor acht mit schmerzen rechts oben wach. als hätte ich es so gewollt, es beschworen, gestern abend. nach einer weiteren stunde schlaf und traum sitzt der griff im nacken. besser denke ich und schlafe noch ein wenig weiter. gegen zehn die ersten tabletten und der schwindel jedesmal beim aufstehen oder wieder hinlegen. aber es hilft ja nichts. vorm bildschirm brennen die augen, der mausarm ist starr bis ins hinterhirn.
schließlich lasse ich ab davon. ich werfe die waschmaschine an, trage den müll runter und beginne, die beiden fahrräder besuchsfit zu machen. muß ja auch mal sein. radbremsen richten, das habe ich seit jahrzehnten nicht mehr gemacht. das ist sozusagen eine regressive tätigkeit, die mich in einen urmobilen zustand versetzt. in eine hilflosigkeit eher noch, einen überaus eng gezogenen radius. in die noch führerscheinlose zeit eben, zwischen 10 und 18, in der jede noch so kleine flucht in die pedale getreten werden mußte.
danach sind die schmerzen weg.

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