am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

sein

immer weniger gut bin ich im schachteln der vielen dinge, der vorhaben und erledigungen, die anstehen. ich weiß, dass es zuviel ist, doch es  muss ja. weiter, solange zumindest, bis es mir wieder gelungen ist, auch das schreiben solide in das geschehen einzufädeln. dann, ja dann.

bislang geschieht das schreiben nur fragmentarisch. ich verliere es nicht, bleibe aber auch nicht wirklich dran. das ist unbefriedigend.

dann fehlen nur noch die pausen, die weite und leere. mein körper sehnt sich danach, mehr denn je. doch ich finde dafür keinen platz. die steuern zum beispiel, damit habe ich mich montag nacht noch spontan beschäftigt. zwei oder drei stunden, und das war gut, das war wichtig. das musste endlich auch mal.

ab donnerstag habe ich urlaub, dann werde ich schlafen. so viel wie nie, am liebsten für immer. nicht mehr schreiben, sonst werde ich noch verrückt. noch verrückter?

räumen

manchmal nachts, wenn ich zu lange wach bin, dann knallt irgendetwas in mir durch. dann muss ich anfangen, ordnung zu schaffen, am besten etwas auf- oder umzuräumen. das ist am einfachsten, um mich zu beruhigen. manchmal aber gerät dann alles nur noch mehr in aufruhr.

so habe ich eben, von einer halben stunde vielleicht, beschlossen, dass ich kein fahrrad mehr im schlafzimmer haben will. also habe gleich das neue zweitrad, eines zum klappen, abgehängt und in die küche gebracht. zu seiner großen schwester mit dem motor. ganz leise natürlich, damit ich niemanden im haus störe.

und jetzt muss ich mich zusamenreißen, dass ich nicht alle die folgeveränderungen, die mir auf einmal möglich scheinen, auch gleich umsetzen will. die fahrradhalterung abschrauben, einer der beiden kisten von der wand anhängen und als tisch umbauen. vielleicht streichen, zumindest die füße. das bild abhängen und die andere kiste umhängen. ich weiß nicht, das muss ich sehen.

vor allem aber: zeug aus den schubladen in den schrank räumen, zeug aus den kisten in die schubladen, platz schaffen, raum. zeug wegwerfen.

das alles geht natürlich nicht, es ist nacht. ich bin wach und kann nicht schlafen. ich will bauen, ich will räumen. ich will die möglichkeiten finden, die veränderungen. jetzt.

wie soll man da schlafen?

am boden

den ganzen tag am boden, am badboden, und ein brett nach dem anderen gemessen, geschnitten und eingefügt. (naja, brett. eigentlich besteht so ein click-vinyl aus plastikbeschichteten plastikstücken.) am ende, nach stunden, dann am fenster angekommen, fertig.

das bad ist klein und eng. ich habe nicht mitgezählt, wie oft ich beim aufstehen vor den heizungtermostat gesemmelt bin oder ans waschbecken. auch die erkenntnis, dass es klug gewesen wäre, das klo vor der bodenverlegung zu putzen, nur am rande. da irgendwer vor jahrzehnten der meinung war, die schüssel mit silikon an den boden zu kleben, hatte ich das ding stundenlang in den armen, um meine nichtbrettchen drumherum zurechtzuschnitzen. das war gelegentlich recht unangenehm.

der boden liegt also. hier und da bin ich unzufrieden. es ist schwer, ein muster in einem so schmalen raum zu legen. das ist nicht wirklich gelungen, aber egal. wichtiger war, mit dem material zu sparen, weil ich noch die kleine kammer damit auslegen will. und immerhin waren drei von den plastikbrettchen verbraucht, bis ich verstanden hatte, wie man das zeug mit der stichsäge bearbeiten kann. an einer stelle hab ich auch die dichtigkeit nicht so gut hingekriegt. da muss ich vielleicht nochmal ran, bevor ich die kanten mit acryl verklebe und dann streiche. (eine saubklöde, bröckelnde mörtelkante übrigens, noch dazu abgerundet. wer macht sowas? und warum?) aber sonst, alles gut.

körperlich bin ich fertig, da hilft nix. kaum dass ich aktuell noch von einem stuhl aufstehen könnte, soviel katern alle muskeln. bodenarbeit, noch dazu in beengten räumen, war noch nie so meins. schon in der lehre nicht. warum nochmal bin ich schaufensterdekorateurin geworden? wo alles in enge passiert, viel auch auf dem boden und in der hitze von scheinwerfern.

morgen geht es in den baumarkt, das nötige zeug für die kanten besorgen. und noch anderes, für die ersten drei regale im wohnbüro. demnächst dann. aber auf den boden kriegt mich so bald erstmal nichts mehr. morgen sitze ich erstmal wieder ordnungsgemäß am schreibtisch.

luft

um endlich den neuen vinylboden im bad zu verlegen, hab ich mir heute einen urlaubstag genommen. solche arbeiten können dauern, da hab ich lieber ein bisschen luft nach hinten. ich kann und will auch nicht mehr acht bis zehn stunden täglich kloppen. mit dem feiertag am montag kommt auf jeden fall genug strecke zusammen, dachte ich.

dann hab ich heute vormittag den alten boden in knapp einer stunde rausgerissen und entsorgt. am nachmittag schnell die klebespuren beseitigt, die trittschallfolie gesäubert und besser befestigt. und anschließen nicht nur eine vinylreihe gelegt, so zum anschauen, sondern gleich mehr als ein drittel. dabei ausreichend erkennentnisse gewonnen, um zu wissen, wie ich die übergänge bewältigen kann. die türschwelle und die wandkanten. das ist alles mehr als unschön, aber so ist das eben hier. und die lösung ist einfach zu bewältigen und durchaus schön genug in einem auf retroschrott gemotzten bad. gut, dass ich nicht heute schon im baumarkt war, da hätte ich am freitag gleich wieder hingemusst.

überhaupt freitag. weil ich heute frei hatte, um eben all das zu tun, denke ich nun schon seit stunden, morgen sei samstag. (also eigentlich heute, sehe ich gerade.) mein zeitgefühl macht wirklich absurde sachen mit mir.

arbeitsleben

das mit den plänen ist so eine sache, das ist bekannt. man macht sie nicht, um sie zu befolgen oder gar reibungslos umzusetzen. erfolg, erfolg, erfolg! nein, alle pläne sind dem scheitern gewidmet, bevor sie noch geschmiedet sind.

das streichen einer decke ist nicht einfach so, schnell mal eben umgesetzt. zuerst muss die kante abgeklebt, dann alles ein bisschen oder auch etwas mehr abgedeckt werden. nein, es ist kein spaß, eine decke, die dunkler ist als die wand, neu zu machen, während der raum im grunde fertig und längst wieder in gebrauch ist. wirklich nicht! und wie immer habe ich das abschließende kratzen, saugen und putzen vergessen mit einzuplanen. auch das kostet schließlich nicht nur zeit, sondern auch kraft. ich hasse putzen, auch wenn das ergebnis mich meist mit zufriedenheit segnet.

zufrieden bin ich auch mit der decke, endlich. weil alles immer auch etwas gutes haben muss, ist sie nun ein klein wenig heller als zuvor. beim ersten mal ist mir das schwarz leicht entglitten und der ton zu dunkel geraten. (das ist bekannt, dass man so viel weiß gar nicht in den farbeimer kriegt, um auch nur eine winzige nuance aufhellung hinzubekommen, ja?) das endresultat war gar nicht schlecht, auch nicht schlimm, kein bisschen. ich musste mich nicht einmal abfinden. aber jetzt erst passt es wirklich. das freut mich bei jedem blick.

untergegangen ist bei all dem das schreiben und auch der vorsichtige planungsansatz, mit der steuererklärung voranzukommen. irgendwie zwischen die küche geklemmt hat nur das übersetzen noch irgendwie geklappt. muss ja, das ist arbeit. und arbeit ist das leben, richtig?

ganz zuletzt habe ich noch, tatsächlich wie geplant, den fenstersims mit elefantenhaus versiegelt. an der stelle wird es immer so schnell schmutzig, und man kann wandfarbe so schlecht putzen. aber der neuköllner dreck will rein, kommt rein zu mir, wenn das fenster offen steht. da kann man nichts machen.

damit sollte die küche nun also fertig sein, denke ich. der boden ist an einigen stellen ziemlich durch, vor allem da, wo sich mehrfach das wasser von oben gesammelt hat.  außerdem laufe ich offensichtlich nirgends so viel auf der stelle wievor der arbeitsfläche. dabei halte ich mich eigentlich gar nicht so viel in der küche auf, denke ich, doch die spuren sagen etwas anderes. zum küchenboden fällt mir aber gerade nichts ein. ganz neu machen will ich den bestimmt nicht, ob man einzelne bereiche auffrischen kann? keine ahnung.

fertig ist man ja nie.

über fülle

schöner tag, an dem ich eines ins andere habe fließen lassen. das räumen und rumpeln, das übersetzen und das anrühren der neuen farbe für die doofe decke in der küche. der wasserschaden, immer noch, der endlich mal abgeschossen sein will. morgen. dann noch etwas ablage und schnell einen brief zur post gebracht, von dem ich kurz zuvor noch nicht wusste, dass ich ihn dringend würde schreiben müssen. nothing personal, nur behördenquark. eine aufforderung zum tätigwerden, über drei monate nach antragstellung. was für ein glück, dass mir das noch untergekommen ist, zufällig natürlich, an so einem tag.

morgen dann also streichen, zwischendrin weiter mit dem übersetzen und am abend dann unterwegs sein. schlecht daran ist, dass ich wohl nicht zum schreiben kommen werde. aber das ist ja nur morgen, danach kommt das wochenende, auch da will ich, muss ich arbeiten. nicht mehr streichen, hoffe ich, und auch nur wenig übersetzen. allerdings kommt dann noch die steuererklärung dazu, die muss ja auch mal, endlich. die stand in meinem kalender für ende august. autsch!

so sieht es aus, so ist es gut. oder auch nicht, denn ein wenig fehlt das leben in all dem. es fehlt, einfach mal zu sein. alles sein zu lassen.

naja, was soll’s. ist halt nicht, geht halt nicht. jetzt ist die zeit, zeug wegzufressen, seit jahren schon. keine ahnnug, ob das jemals endet. irgendwann, bevor ich sterbe noch, vielleicht.

zeitenwende

neulich habe ich radiergummis gekauft. das macht man ja selten, finde ich. radiergummis sind ja irgendwie immer da, wie von selbst. die nimmt man so mit, trägt sie zur kasse, wenn sie auf dem weg liegen. aber diesmal standen sie mit auf der einkaufsliste, zwischen brot, milch und ahornsirup. radiergummis!

das war lustig, in diesem tollen künstlerbedarfsladen zu sein. ja, so etwas gibt es hier in neukölln, ein richtig großer laden, auf zwei etagen sogar. glaube ich. all das schöne papier, die farben und formen, bücher gibt es da auch. sowieso. und viele radiergummis, so viele sorten. das war wie obst kaufen, winzig kleine beeren, umgeben von hochleistungsfrüchten.

gestern habe ich bis spät auf dem balkon gesessen, musik gehört, whisky getrunken und gequatscht. da war noch sommer, der letzte abend vielleicht, die letzte nacht. das war klar, das haben wir gemerkt und auch gesagt.

heute ist herbst.

schleifen

ein sonntag, der mit einem echten sonntagsfeeling begann, das noch dazu gemächlich anhielt. das mich also erst verließ, als ich mich an das nächste romankapitel setzte, da war es schon fast nachmittag. um dann allerdings vor allem anderen festzustellen, dass das keine einfach sache werden würde.

so ist das manchmal. überhaupt ist der übergang vom bauen zum schreiben gerne mal eine holperige angelegenheit. umgekehrt ist es einfacher, das schreiben hängt sich derzeit nicht so fest in meinem hirn. noch leichter ist der übergang zwischen den beiden brotberufen und dem schreiben. überhaupt kein problem, da bereitet mir ein unmittelbar anschließendes bauen weit mehr probleme.

wobei, all das kann morgen schon ganz anders sein, eine solche einteilung ist auch nicht wirklich wichtig. wichtig ist die zufriedenheit, die sich heute beim schreiben nicht eingestellt hat. obwohl ich viel bearbeitet habe, noch einmal gut gekürzt und gedankenstränge neu und feiner verknüft habe.

gestern beim bauen aber schon, da war ich am ende zufrieden. (und hatte natürlich gleich eine erweiterungsidee, die ich vermutlich auch umsetzen werde. so oder anders, mal sehen.)

ich sitze im bett und plane meine arbeit, die wechsel, sprünge und übergänge für die nächsten tage. und bin müde dabei, kaum dass ich die augen auf das laptop-bildschirm-schriftbild konzentrieren könnte. es ist zuviel, das weiß ich genau. ich trage material ab, seit jahren. und wenn die klinge zu dünn wird, dann bricht sie.

das weiß jeder schmied.

schnapsnachtidee

im übrigen ist es mitunter auch ganz gut, dass sich spätnächtlichen ideen nicht so ohne weiteres sofort umsetzen lassen. zumindest den bauideen steht da die nächtlich einzuhaltende ruhe entgegen. und gerade die (nächtlichen bauideen) erweisen sich am morgen gerne als ziemlicher blödsinn.

so auch die von gestern nacht, für die ich schon alles vorbereitet und bereitgelegt hatte. um sie am morgen zügig in die tat umsetzen zu können. dann musste ich aber erst noch zu meinem lieblingsbäcker, der mich gerade sehr ärgert. erst wird mein lieblingsbrot aus dem programm genommen, dann die rezeptur meines drittliebsten zu meinem nachteil geändert und überhaupt gibt es immer mehr kastenbrote. wer will denn kastenbrote? da haben alle scheiben die gleiche größe, wie langweilig. und es gibt viel zu wenig kruste!

einkaufen war ich auch noch, salat, eis und schokolade. (das obst ist unterschlagen, das ist bei mir immer dasselbe. ich mag kein obst.) und als ich dann wieder zu hause war, da konnte ich klar und deutlich sehen.

den guten teil der idee hatte ich in der nacht schon umgesetzt: das stromkabel des lautsprecher umgesteckt, dass es nicht mehr im weg baumelt. der lautsprecher hingegen bleibt, wo er ist. der umbau wäre aufwändig und unumkehrbar gewesen, mit kabelbindern. das muss ja nicht.

mit dem rest hatte hatte ich schon mehr als genug zu tun. wieviel arbeit und zeit in zwei kleine bretter verschinden kann. erst alles abbauen, verspachteln und neu vermessen. dann neu bohren, die bereits zugeschnittenen bretter und latten schleifen und beizen. dabei die ganze zeit hoffen, dass die etwas komplexe höhenanpasung an die schreibtischplatte gelingt. so vergeht ein tag.

gut, ein halber nur, so in etwa. und es hat alles gut geklappt. da war viel mehr ruhe in mir, als bei den letzten bauereien hier. also auch kein vermessen oder verbohren, keine größeren unglücke. die eine kleine unwucht habe ich früh genug bemerkt und mit ein bisschen schieben kaschieren können.

da denke ich dann schon manchmal, dass ich mitunter ein ganz klein wenig ziemlich gut sein kann, eigentlich, an solchen tagen. ja.

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