am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

ein tag folgt auf den anderen. ich wechsle konsequent zwischen qual und schmerz. heute also kopf und nacken, das rechte auge, gleich am morgen. am ende dann die rechte schulter und das schlüsselbein. zuviel bildschirm, zuviel maus. aber eigentlich: zuviel belebte erinnerung derzeit.

ich bewege mich an der grenze, ziemlich dicht am rand. ich spüre es nicht immer, aber ich weiß es. ich weiß nicht, was kommt. doch morgen ist ein anderer tag. ein tag der müdigkeit vermutlich, die gibt es auch. so dreht sich die welt von mir weg.

wie gut, dass ich die wege früh gelernt habe.

tonglen

mein ohr pfeift. das ist egal. seit drei tagen pfeift es, immer wieder mal. besonders nachts. das stört beim schlafen, aber ich schlafe sowieso nicht viel. auch das ist egal, zurzeit ist das eben so. wie könnte es anders sein.

manchmal ist der preis für klarheit und intensität, dass es schwer wird. so ist es auch jetzt. richtig schwer und unerträglich hart ist es, weil es keinen weg mehr gibt. alles ist verzerrt, nichts mehr erkennbar. das ist weitgehend unerträglich. aber das ist auch nicht neu. so bin ich gemeint, von anfang an.

am ende habe ich noch immer verstanden. was immer es zu verstehen galt. und genau darum geht es, mir.

mein leben ist klausur

#insight

ganz egal, welche art von maßnahmen demnächst entschieden werden.

es ändert doch nichts daran, dass das einzige wesen, das sich mir seit mitte märz 2020 spontan und fraglos körperlich genähert hat, der nachbarskater war. er kam am paketboten vorbei zu mir gelaufen, direkt in meine hände. das fell und das lautlose, nur spürbare schnurren, die großen offenen augen. katzenaugen, in denen menschen nichts sehen. überhaupt menschen, ich weiß gar nicht, ob es sie noch gibt.

außer die fünf oder sieben, die ich in den letzten zehn monaten tatsächlich gesehen und auch berührt habe. kurz nur, drei sekunden vielleicht. an die erinnere ich mich.

dunkel.

brutal

erst verschlafen, vermutlich den wecksender über eine stunde überhört. dann träge an die arbeit: schreiben. mehr habe ich nicht geschafft, obwohl deutlich mehr auf dem programm stand.

zwischendurch der aus wuppertal mitgebrachten büropflanze, die im zimmereck vor sich hinwuchert und die ich schon seit jahren schon vergeblich zu töten versuche, mit einem messer kurzerhand den längst an den rand gedrängten mutterkern herausgeschnitten und auf den balkon geworfen. dazu das jüngste kind ausgerissen, mit bloßen händen, so brutal kann ich sein. mal sehen, wie sich die verbleibende kinderzahl, drei, um genau zu sein, das überleben gestaltet. entweder sie blühen auf, alle, in dem nunmehr riesigen topf. oder sie fangen ein krieg an, bemühen sich, die lästigen geschwister zügig zu verdrängen. vielleicht sterben sie auch endlich, alle. ich bin gespannt.

in alles eingeronnen ist der mittlerweile beinah tägliche kampf mit der pandemibedingten alltagsquälerei, den rein hirngesteuerten wiedergeburten meiner kindheitsfolter vor allem. schon einmal war ich auf mich gestellt, über jahre und jahrzehnte, ohne zukunft, ohne welt. ich brauche ich das nicht, im grunde, nicht noch einmal. ich kenne das schon.

ich bin gläubig, stelle ich fest. ich glaube zum beispiel, dass das leben nicht endet mit der zerstörung des körpers. vor allem aus dem leid gibt es kein entkommen, weder im leben, noch im tod. am ende ist alles dreck. das hat mein vater mir erklärt, eines nachts, da war ich siebzehn: der einfachste weg sei es, in einen müllsack zu kriechen und von innen den eingang zuzuschnüren. später müsse dann nur noch irgendwer den dreck wegräumen.

siebzehn war ich also, als mein vater mich bat, den müll zu beseitigen, der er zu sein glaubte. gewundert hat mich das nicht, auch nicht erschreckt, nur überfordert. die grundidee war mir vertraut, seit jahren. nur hatte er nicht die kraft, nicht wie ich ihn kannte. ich dagegen. siebzehn war ich und habe es getragen, für ihn. auch das.

so war sie, meine familie. mein vater hat einen weg gefunden, dreizehn jahre später, seinen körper zu zerstören auf natürlichem weg. ich durfte ihm zusehen dabei, ihn tragen. soweit ich konnte.

auch jetzt trage ich es, seit fast genau zehn monaten. allein, wie mich das immer enger werdende corona-regelwerk zwangsläufig hinterlässt.

leben will ich so nicht.

#insight

ich arbeite und arbeite und arbeite. (bürojob, übersetzen, schreibenschreibenschreiben.) mehr welt gibt es für mich nicht, und die lage spitzt sich weiter zu. es wird noch weniger werden, das ist absehbar. die freundin, die gestern auf einen whisky vorbeikam, darf das in der kommenden woche sicher nicht mehr.

damit bin ich auf unabsehbare zeit wieder allein und zu hause. auch weil ich inzwischen immer mehr vermeiden muss, die ersten lebenserfahrungen zu triggern. ich kann kaum noch halten, was dann in mir passiert. in der letzten woche habe ich die diskussion über die schulöffnungen bzw. schließungen nicht ertragen. wie schon im frühjahr schreit alles in mir: sperrt mich nicht ein mit denen, zu hause. in dieser woche ist es das homeoffice. seit mitte märz 2020 erledige ich inzwischen auch in meinem bürojob fast ausschließlich von zu hause. und alles in mir schreit: ich kann nicht mehr, ich will das nicht.

es fehlt die körperliche gegenwart anderer, nicht nur im tango. es fehlt die resonanz von menschen, nicht nur verbal. es fehlt das, was menschen starkk macht. ihre erreichbarkeit, ihr verständnis. es fehlt vertraulichkeit.

aus dem grund kann ich mich auch den abstandregeln und vielen anderen durchaus sinnvollen schutzmaßnahmen immer weniger aussetzen. weil ich die unmenschlichkeit darin nicht auf der haut spüren möchte, nicht im gesicht und nicht im blick. weil ich mich nicht daran gewöhnen möchte, an das denken, das fühlen, die not darin. auch deshalb bleibe ich übrigens zu hause, allein.

es ist wie früher. mein leben ist eine hoffnungsfreie zeit. wenn ich den blick gebe, sehe ich nichts.

es wird kein fest, wenn das alles vorbei ist. es wir ein jubel und geschrei, unerträglich laut. es wird eine dieser partys, bei der niemand wirklich glücklich ist. denn darunter wächst die qual der gemachten erfahrung, die verzweilfung über eigene sterblichkeit, die man letzten endes doch nicht überleben können wird.

nein, es wird noch anders. das ganze wird sich ausschleichen, langsam und heimlich. und niemand wird es merken. so bleibt es dann für immer.

kleines glück

back at work. immerhin war ich nicht völlig erledigt und neben mir, von anfang an. also durchaus konzentrationsfähig, ziemlich früh am morgen sogar: auf und dann frisch ans werk.

naja, ging so. für eine weile zumindest.

auch sonst nicht viel erledigt, keine wäsche, keine einkäufe, nix. aber egal, die erschöpfung kommt auch so. lange vor mitternacht. und gerade als sie einsetzt kommt auch der impult, ein bisschen in der küche herumputzen zu wollen. dem gebe ich nicht nach, nein. oder nur ein bisschen.

den ganzen tag bestaune ich das gestrige bild von mir. diese große freude zu sehen, eingebettet im offensichtlichen glück meiner kleinen existenz damals.

schreibzeit (61)

natürlich war ich dann doch im text, gleich nach dem aufstehen, die kaffeetasse neben der tastatur und los. ganz gemütlich allerdings, mit überaupt keiner art von zeitdruck. das war schön, so macht es spaß.

ich konnte in aller ruhe das wiederum etwas komplex gebaute kapitel überschauen und die reinen infoabschnitte angehen. kürzen natürlich, das allein hat schon fast zwei seiten gespart. es bleiben drei längere abschitte mit wichtigem geschehen, nur zwei davon hängen grob zusammen. das wird noch ein bisschen was.

das mache ich selten, derart gelassen und gezielt seite für seite eben nicht nacheinander zu überarbeiten. da müssen dann am ende natürlich noch die anschlüsse geprüft werden, aber das sollte kein problem darstellen.

nebenbei noch einen logikfehler entdeckt. das passiert, wenn man seite für seite aber durchaus nicht chronologisch und mit einem vorab feststehenden plan schreibt. plotten? what for?

ein sehr zufriedenstellender sonntag war das. deshalb: schreiben, für immer.

schreibzeit (60)

schreibpause. das heißt bei mir, dass ich heute tatsächlich nur das kapitel noch einmal überflogen habe, dass ich am donnerstag bereits durchgegangen bin. und etwas mehr als zwei seiten von dem danach.

also so etwa drei stunden heute, vielleicht auch vier. dann war schluss.

hirn und körper sagen mir seitdem: das war zuviel.

naja, was soll ich sagen?

schreiben ist nie zuende.

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