es gibt ja nicht viel, was man in u- und s-bahnen machen kann. entweder lesen – die zeitung , ein buch oder das berliner fenster – oder musik hören und ins leere starren. nur nicht die leute ansehen, zumindest nicht direkt, das geht gar nicht. da herrscht in den bahnen dasselbe gesetz wie im fahrstuhl. man hat so zu tun, als wäre die situation nicht so, wie sie ist. zu laut, zu eng, zu stickig. auf jeden fall vorwiegend unangenehm.
was also tun? telefonieren im massenverkehrsmittel ist nicht so mein ding und musizieren kann ich auch nicht. ganz zu schweigen von presseproduktverkäufen von wagon zu wagon. ich sitze also da, mehr nicht. und wenn ich einmal von meinem buch hochsehe oder die zeitungsseite umschlage, dann – und auch nur dann – wage ich vorsichtig einen blick auf die anderen. die machen genau dasselbe. sie starren löcher in die luft, telefonieren oder glotzen zum berliner fenster hoch. wenn sie nicht zufällig auch gerade die seite umblättern und erschrocken auf meinen blick treffen.
heute speziell zu beobachten: die unfähigkeit mit dem eigenartigen wetter umzugehen. typen im sweat-shirt und barfuß in ihren turnschuhen sitzen neben aufbauschenden daunenjacken und wollschals, handschuhträger neben blanken nierenpartien. regenschirme machen da noch den besten eindruck. das paßt irgendwie. frühlingswinde wehen durch die schächte.
berlin
keine berliner
in der zeitung, die ich nach wie vor in der papierversion lese, obwohl sie doch fast vollständig online zur verfügung steht, aber das nur am rande. in dieser zeitung also lese ich eben, daß es eine alljährliche weihnachtliche berlinflucht gibt. nicht hier bei mir natürlich, neukölln ist nach wie vor nicht entvölkert. ganz im gegenteil. aber die kastanienallee zum beispiel soll quasi verwaist sein, sogar die angesagtesten läden schließen für ein paar tage. ich bin fassungslos.
aber macht ja nix, ist ja nicht schlimm. das geht vorbei, das gibt sich mit zunehmendem alter. einstweilen wünsche ich eine gute reise nach hause. ich selbst bleibe natürlich, denn isch bin ain birliner.
programmhinweis
auf gehts, in die sonntagsshow. da sind immerhin sensationen versprochen.
neukölln eben
da scheint sich eine art muster herauszubilden. immer, wenn ich nach hause komme, steht der rbb vor der tür. diesmal noch die polizei dazu. tja, neukölln eben!
von wegen. es hat nur ein bißchen gebrannt und ein alter herr mußte in sicherheit gebracht werden, das ist alles. mehr war nicht, so sagt man mir.
wie langweilig. und ich dachte, ich wäre hier mitten im slum. seit ein paar wochen zumindest.

