am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

schreibzeit (8)

am ende der schreibzeit nehme ich abschied von meinem schreibort. schwer nehme ich abschied, schwerer noch als die male zuvor. ich sitze am wasser und will nach hause, schrieb ich zu einem bild heute. was bedeutet: ich will bleiben. am wasser, im schreiben, bei mir.

das geht natürlich nicht.

die schreibzeit wird ab morgen wieder im wohnbüro stattfinden, am heimischen schreibherd. der auch nicht zu verachten ist, buchenholz und capisco. das ist doch nicht schlecht. und ich will, ich muß sie beibehalten, meine schreibzeit.

bleibt die überlegung, mir hier irgendwo dauerhaft raum zu schaffen. nicht immer nur für ein paar tage, hin und wieder einmal und dann voller schwermut. eine winzige zweitwohnung, besser arbeitswohnung. im grunde ein zimmer nur, a room of one’s own, mit duschklo und kaffeekocheecke. leer natürlich, ohne möbel, damit es werden kann, wie es sein soll. für mich.

vermutlich utopisch.

sicher unerschwinglich.

traurig.

bonding (25)

wenig geschrieben heute, sehr wenig. hier und da ein bißchen geputzt, aber mehr nicht. auch denken kaum möglich. es ist der letzte tag, bin nicht ganz bei mir. bin besorgt, aber das ist egal.

morgen also wieder nach berlin, in ein mir schnell fremd gewordenes leben.

auch das in teilen betrüblich.

gifted

schon seltsam. so tief ins schreiben eingetaucht, so zufrieden damit. zum ersten mal seit jahren, wenn nicht jahrzehnten wieder im wort zuhause. und dann zerreißt der rest des lebens, von einem tag auf den andere. in einem moment fast.

schreiben ist ein gift, das unmenschlich macht. oder es tun alle die, die schon immer nicht menschlich waren. obwohl ich da vermutlich von mir auf andere schließe.

ich muß mich wohl entscheiden, ob ich der mensch sein will, der ich bin, wenn ich schreibe. nein, ich muß nicht entscheiden, das versteht sich von selbst. schreiben ist mein (beinah) einziges talent. aber es wird alles ändern, wieder einmal. zurück auf anfang?

das ist der punkt, an dem mich mein alter zu quälen beginn. viel zeit ist nicht mehr. drei bücher will ich noch schaffen, mehr muß nicht.

es ist ein elend.

glücken

blöder tag, leicht verunglückt. vielleicht auch schwer, das weiß ich noch nicht.

früh aufgestanden, um nach berlin zu fahren, zur schreibgruppe. also durch aus im thema geblieben. früh losgefahren und dann dennoch zu spät gekommen. so deutlich zu spät, daß es ein wenig peinlich war. ich komme so gut wie nie zu spät, aber das glaubt mir da wohl jetzt keine mehr. letztes mal sah es ganz ähnlich aus. (war aber im grunde noch peinlicher, weil ich da schlicht und einfach zu spät losgefahren war. heute dagegen war es nur ein stau.)

dementsprechen leicht desorientert gewesen, beinah unkonzentriert. auch peinlich. andererseits ist morgens um zehn texte analysieren ohnehin nicht so mein ding, bislag lag ich da jedes mal ein klein wenig neben mir. ich bin und bleibe ein nachtschreibedenkmensch.

anschließend wurden mir noch privat ganz schlechte wetter bescheinigt. damit hatte ich nicht gerechnet, erschreckend. nun bin ich betrübt.

wetterlagen

dämmerung, aber wirklich kühl wird es hier wohl nicht. der regen ist vorbeigezogen, auch morgen scheint wenig davon in aussicht. zum glück hat meine vermieterin mir dreistufigen, künstlichen wind names „Duracraft“ zu verfügung gestellt, von dem ich gnaden- und nahtlos gebrauch mache. doch übers wetter reden gerade alle, das ist nicht besonders spannend.

ich warte noch ein wenig, dann gehe ich auf meine kleine abendliche runde durch die stille der nacht. wie gerne würde ich das jeden abend machen, aber wie soll das gehen, in neukölln. bis es dort still ist, muß ich lange warten. bis gegen vier etwa, würde ich sagen. vier uhr morgens! da schlafe selbst ich am liebsten. naja, zumindest muß ich, wenn ich gegen neun, spätestens zehn auf der arbeit sein will. auch nicht besonders spannend.

es muß sich etwas ändern. es ändert sich bereits, wie von selbst, ohne daß ich es aufhalten könnte. oder wollte. es gibt nur die möglichkeit, es zu erfassen, zu begreifen. zu verstehen, was vor sich geht. und vielleicht den weg freizumachen.

draußen ist das wetter, das klima vielleicht. das ist übel. auch innen herrscht dürre, alles zerfällt. wichtig ist nur noch das wort. das ist reduktion und konzentration, wie es mag. ich kehre zurück. im kern wohnt das kind, das ich war. und es ist groß.

das ist spannend.

bonding (24)

schreiben ist leicht. sagte ich das schon? nein, nie wieder! aber manchmal geht es doch schneller als erwartet. heute vormittag das kapitel einfach mal fertig gemacht, ohne groß zu zaudern. fertig genug immerhin, daß ich mich weiter trauen kann. weiter im text.

zwischen zweifeln und zetern war ja dennoch zeit genug, die story weiterwachsen zu lassen. sagte ich das schon? da hat sich viel getan in dieser schreibzeit, genug für weitere vier kapitel, was dann in etwa die hälfte des gesamten romans sein dürfte. nach bisheriger planung zumindest.

und danach ist auch die welt nicht zuende. noch lange nicht.

jetzt, hier, dort

so sieht es aus, jetzt, auf meinem lieblingsplatz, hier, der so seltsam ist. dreieckig und voll mit großen bäumen, die in irgendwelchen reihen stehen, die man aber nicht erkennen kann. wenn man sie zu finden versucht, dann dreht sich irgendwann alles. also runde ecken oder so. das ist so unpreußisch, tief im preußenland. hier.

alles ist still, jetzt, obwohl so ziemlich mitten drin. dort.

bonding (23)

seit gestern abend im zustand völliger schreiberschöpfung. dementsprechend nichts getan, nur gelesen. das immerhin geht. aber was sind all diese worte, traurig und leer. gegen die kraft und ausdauer meiner paddelschultern. kein muskelkater heute, nur aufrechte freude. und ein bißchen sonnenbrand und ehrliche, fette blasen an den fingern.

daß ich es womöglich nicht schaffen werde, in dieser ziemlich ausgedehnten schreibzeit ein einziges kapitel zu bewältigen, also zu überarbeiten, mehr nicht, beschämt mich. ja, es ist ein fettes kapitel, mehr seiten als sonst und außerdem ein bündel neuer aspekte. neues personal auch, menschen, von denen bislang nur die rede war, treten zum ersten mal in erscheinung. das ist nicht leicht. das braucht zeit. das weiß ich doch. alles, und nicht erst seit gestern.

vielleicht fehlt mir einfach nur die denkzeit, die ich zu hause am liebsten mit bauen verbringen. das ist so nah, so kreativ. auch da entsteht etwas. das tut gut. wenn beim denken die hände beschäftigt sind. das bringt auch das denken in bewegung.

hier hingegen hängt es sich in schleifen, das denken wie das zweifeln, bildet knitterfalten und produziert angst. lange lange zeit, bevor es mit erkenntnissen aufwartet. dann doch noch, irgendwann.

die bitterste davon: es fehlt ein schreibgegenüber, talentiert und herausfordernd, adäquat eben. und daraus folgend, glasklar und schnittscharf: es gibt keine lösung, derzeit. keine hoffnung. ich habe den anschluß verpasst, vor jahren, vor jahrzenten schon. vermutlich.

was in etwa der gegenteilige ansatz von dem ist, was mich an und nach dem abend im lcb erfasst hat. was war denn das? und wo ist es jetzt? dieses gefühl von zugehörigkeit, von heimat fast. in sprache, in büchern, in den narrativen der welt.

was für ein seltsames wechselspiel, diese woche, diese zeit. schreibzeit!

schreibzeit (7)

auf dem wasser gestern dann doch noch einen kleinen moment von urlaub gehabt. gluckern und treiben lassen, dann wieder ein wenig gluckern. das war in der „alten fahrt“, nahe hauptbahnhof, also quasi in der innenstadt. paddeln durch die stadt, diese stadt, mit ihrem seltsamen protz. ein bißchen wie wien, marmor und gold. nur eben preußisch. dazu das gummiboot, meine (lahme) NTE. das passt schon so, gerade auch wegen seiner behäbigkeit. genau, was ich brauche auf dem wasser. nicht reingefallen diesmal, auch nicht beim aussteigen. dafür beim einsteigen sowohl angeschoben als auch gezogen worden, aber was solls. so ein boot zieht halt aufmerksamkeit auf sich, jemand wollte es sogar fotografieren.

übrigens aus versehen die hiesige freundschaftinsel umrundet. was ich gar nicht gedurft hätte, denn die „neue fahrt“ ist für paddelberiebenes verboten, wie umgekehrt die „alte fahrt“ für schrauben. hab ich aber erst hinterher gesehen. ich war also quasi mit dem fahrrad auf der autobahn, und es fühlte sich auch genau so an.

gern wäre ich noch in den kleinen stadtkanal gefahren, der nur ein stummel ist, wie ich später auf der karte gesehen habe. da ich das vor ort aber nicht wußte, hab ichs lieber gelassen. es war heiß da draußen, gestern schon. heute sicher noch mehr, jetzt zumindest. in der wohnung gehts noch, aber in der prallen sonne draußen. ich hätte früh aufstehen müssen, um gegen neun schon im boot zu sitzen. dann nach zwei stunden wieder zurück in den schatten. ich wollte aber lieber schlafen. und morgen geht das wohl nicht mehr, sagt die wetter-app. erst am sonntag wäre wieder ein schöner paddeltag. da bin ich dann aber schon wieder in berlin. leider.

die nuthe würd ich auch gern mal ein bißchen runter. nächstes jahr vielleicht, wenn sie nicht gar so veralgt ist wie in diesem. sieht idyllisch aus.

geschrieben habe ich auch, ja. viel!

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