
throwing bones
sorry, das hat ein wenig gedauert. aber hier ist jetzt das zweite textstück:
über leben
vor einiger zeit schon hat claudia sich über das thema altenpflege gedanken gemacht. ich habe die rege diskussion verfolgt, wie immer ein wenig neidisch über die gepflegte diskussionskultur dort. ich habe mit einer freundin gesprochen, die mit dementen arbeitet, auch nicht zum ersten mal. persönlich stellung beziehen kann ich kaum. ich weiß, daß es für mich letztendlich keine rettung geben wird, ich bin bin bereits verhältnismäßig alt. und ich bin ziemlich arm, so wie immer schon. da geht nicht viel, ich weiß. ich werde arbeiten, bis ich die buchstaben nicht mehr aneinanderzureihen weiß. und dann?
von der freundin weiß ich, daß demenz die menschen oft zurückführt in ihre kindheit. die heutigen alten sind also häufig kriegskinder. jetzt. in diesem augenblick. wie kinder im krieg. und damit weiß ich ungefähr bescheid, wo es mich hinführen wird, irgendwann. ich werde ich dahin zurückgehen, wo ich herkomme: in relative gefangenschaft.
aber gut, was solls. das kenne ich doch. das werde ich auch noch überleben.
den vormittag in friedrichshain verbracht, am boxhagener platz. brunch mit ein paar HSBlern, das 5-jährige blogbestehen begehen.
zum ersten mal seit fast einem jahr in dieser gegend, die mir einst die liebste war. zum abschluß eine runde über den flohmarkt gegangen, allein. verloren in dieser hoffnungslosen traurigkeit. gebunden an die gewissheit, daß dieser weg ins leere führt, sein ziel nicht mehr finden darf. das immerhin ist nun immer bei mir.
nein, ich breche die brücken nicht ab. ich bleibe dort daheim. ich töte die liebe nicht.
kryptisch, ich weiß. mir doch egal.
ach, wo ich mal dabei bin
vulgärdarwinistischen Sarassizinismus ist natürlich auch ein wunderbarer ansatz.
individuelles in den wochennachrichten (88)
eigentlich wollte ich ja nicht mehr. den schnauzer einfach nicht mehr beachten, nicht darüber lesen und schon gar nichts dazu sagen. aus gründen der selbstschonung. natürlich geht das nicht, ich weiß ja, ich weiß. via @HumanVoice kam heute der link zu einem artikel von hilal sezgin in der zeit. der ist lesenswert, wie claudia sagt. besonders, weil mir auf einmal aufging, wie das ganze funktioniert. man nimmt einfach einen groben stempel und drückt ihn einer imaginären gruppe auf. daß dadurch automatisch die vielfalt, das heißt die existenz der vielen einzelnen dieser mehr oder weniger frei gewählten gruppe, quasi ausgelöscht ist, das hat ja schon bei den ernährungstips für arbeitslose damals prima funktioniert.
darüber hinaus steht da ein ganz einfacher satz, der mir das erkaltete herz doch noch einmal ein klein wenig erwärmt:
Multikulturalismus ist das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft unter gleichberechtigten Bedingungen.
das ist multikulti. so und nicht anders werden wir in deutschland leben. müssen und wollen. in einer globalen welt, was immer das sein wird. irgendwann.
[was ich mir dagegen nicht antue, sind die unsäglichen kommentare, die zu diesem meisterlichen artikel verfasst wurden. kurz reingelesen habe ich, aber: nein, danke. da geht dann bei mir gleich wieder alles zu.]