am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

wow!

besuch verändert die welt, schlagartig. nachts sitze ich in kreuzberger kneipen, in denen uralte david bowie platten von vorne bis hinten durchlaufen, und trinke bier. danach geht es in eine lange, dunkelrote schlauchkneipe, für die letzten drei songs einer angeblichen punkband. na ja, das rockt. aber atmen geht nicht.

blogjournalismus

bei all dem gerede über blogs und journalismus in letzter zeit könnte ich mir glatt dämlich vorkommen, habe ich dazu doch nicht das geringste beizutragen. dennoch tauchte bei mir heute etwas auf, weit abseits dieser diskussion, das einen wirklichen sinn macht. dieses blog fand sich auf der siebten oder achten googleseite, die ich auf der suche nach informationen zur aktuellen lage im tsunamigebiet aufgeschlagen hatte. ein zustand, der mir, nach ziemlich genau drei monaten, mangels medienpräsents, was allerdings zu erwarten war, nahezu unvorstellbar ist.

gut und gerne

vor ein paar tagen wurde ich wieder einmal auf 35 geschätzt. gleichermaßen belustigt und erfreut lache ich auf und entgegne etwas wie: na, nicht ganz! womit ich auszudrücken versuche, daß sich der nach eigenem bekunden fast fünfzigjährige gleich um einige jahre verschätzt hat. später erst wird mir klar, daß der arme daraufhin zweifellos gedacht haben muß, deutlich zu hoch gegriffen zu haben. wie peinlich. damit allerdings ist anzunehmen, daß ich wieder einmal gut und gerne 10 jahre habe gut machen können.
und so sei es nun also hier, ganz still und heimlich, einmal zugegeben, daß, egal, was ich sonst womöglich verkünden mag, nicht wirklich gleichgültig ist. sondern mich über die maßen beglückt. (zumindest aber ist es mir weitaus lieber als etwa umgekehrt.) ohne schwerwiegende probleme könnte ich also mein alter irgendwo zwischen 32 und 46 verorten, und niemand würde fundierten anstoß daran nehmen.
das ist so überaus lustig. nie im leben hätte ich gedacht, daß mir soetwas einmal spaß machen würde. auf meine alten tage.

wip vs. asf

so soll es nun nicht aussehen, daß etwa die arbeitssuchfront allzu arg gelitten hätte unter der bucharbeit (= work in progress ;-). die üblichen verdächtigen in zeitungen und onlineportalen sind unter ständiger beobachtung. bewerbungen werden inzwischen wie nebenbei verfasst, verpackt und verschickt. das ist ein dauerthema, auch wenn es derzeit hier nicht mehr tagtäglich vorkommt.
zu sagen gäbe es zwar vieles, aber mir ist nicht recht danach. festzuhalten wäre einstweilen, daß die resonanz mehr als nur zu wünschen übrig läßt. wäre ich mathematisch interessierter und nur ein klein wenig begabt, könnte ich inzwischen ohne weiteres mit einer mehr oder weniger aussagekräftigen statistik auffahren. so aber kann ich nur schätzen, daß ca. 80% der angeschriebenen sich nicht einmal regen. es gibt keine antwort. keine zusagen, keine einladungen, nicht einmal absagen. auch keine rücksendung der unterlagen, einfach nichts. und da vieles über chiffre läuft, hilft auch kein nachfragen, einfach so, ins leere hinein. das macht kaum sinn.
inzwischen habe ich keine fotos mehr und kann auch keine nachmachen lassen. der fotograf sitzt in wtal, gegenüber meiner alten firma. die vorstellung, daß sie alle, zusammen mit den restlichen unterlagen, vermutlich sang- und klanglos geschreddert wurden…

reduktion

aus heutiger sicht würde ich wohl hierbei die dritte zeile gar nicht mehr schreiben. (aber jetzt streichen?) und in zehn jahren dann, vielleicht, wird nicht einmal mehr die letzte noch nötig sein.

vokabelkrieger

mein kleiner bruder ist intelligent, hochintelligent sogar. er hat sich eine schlechte zeit dafür ausgesucht, damals, in den 60ern, wurde zwar ein test gemacht, und ein raunen ging durch die masse der lehrerschaft: so einen hatten wir noch nicht! sonst wurde aber nicht weiter reagiert. es ist anzunehmen, daß der arme kerl in der folgezeit vor langeweile gestorben wäre, hätte er sich nicht eigenartige würfelspiele ausgedacht und diese dann stundenlang mit sich selbst gespielt. mathematik selbstgemacht, mit wachsender begeisterung und einer leichtigkeit, die wir normalwesen nur schwerlich begreifen.
ich selbst hingegen weigerte mich fortan, und bis heute andauernd, öffentlich zu rechnen. der vorführeffekt, der den bruder hätte treffen sollen, wurde von mir ausagiert. vielleicht zusätzlich, also letztendlich doch auch von ihm selbst, was weiß ich? gesprochen haben wir wenig. über die kinderspiele hinaus gibt es nichts, was ich erinnere. nur, daß ich mit dem bruder ball gespielt habe, daß ich die autorennbahn aufbauen mußte, weil er es nicht konnte. und jeden lieben tag die eine runde spazierengehen, damit das schlaue brüderlein auch mal an die luft kommt. selbst wenn er ohnehin immer nur zu dem strommast wollte, um dort ehrfurchtsvoll zu verharren. um aufgeregt und schwitzend nach hoch oben zu sehen. um diese riesige energie zu ehren, ganz offensichtlich. da war er noch nicht in der schule. (erzähle mir also niemand jemals irgend etwas von schulreife. für soetwas werden schulen wohl nie reif genug sein. können.)
was machst du, wenn sie streiten und schreien? das ist der einzige wirkliche dialog zwischen uns, an dem ich mich erinnere. wir liegen im bett, im gleichen zimmer und draußen vor der tür ist krieg. ich schließe die ohren, sage ich. aber was, wenn es tote gibt? sagt er, fragt er, der kleine bruder. so ist es, denke ich. tag für tag, und er weiß es auch. zwischen seinen würfeln und zahlen hindurch sieht er hinaus in dieselbe welt. das überrascht mich beinah. dann morde ich zurück, sage ich laut. aber ich weiß, daß ich schweigen würde. leben mit der leiche, so wie immer. da bin ich vielleicht zwölf. und er acht. vielleicht bin ich auch schon vierzehn, dann wäre er zehn gewesen. ich weiß es nicht mehr so genau, ich rechne nicht öffentlich. niemals.
der bruder ist das sonntagskind, und ich bin der esel. ich trage die last, ich weiß und ich sehe. alles. doch ich schweige. während er seine zahlenkolonnen untereinanderschreibt und dabei schwitzt vor aufregung, vor freude. ich bin es auch, der mein vater erklärt, daß der einfachste weg ein großer blauer müllsack ist. schön fest zumachen, von innen. danach muß das ganze nur noch irgendwer wegschmeißen. eine saubere lösung also. da bin ich sechzehn, wenn ich mich recht erinnere. von meinem bruder weiß ich nichts aus dieser zeit. er rechnet, er würfelt. er ist ein sonntagskind. und ich bin das tier, das die lasten trägt, die man ihm auferlegt. immer. der esel schleppt und schweigt.
ich kenne nur zwei vokale. und wenn ich schreie, schreie ich. (bis ich dann schreiben kann.) und wenn ich nicht mehr will, dann ist es aus. so ist das. ich weiß das. und alle anderen auch.

ich rechne nicht öffentlich. ich mache auch keine intelligenztests, ich will es nicht wissen. ich will keine erwartungen wecken, nicht einmal in mir selbst. ich bin an einem donnerstag geboren, das muß reichen. das mußte es immer schon. gestern hat es mich dann doch erwischt, ganz nebenbei, ganz zufällig. warum muß ich auch blogs lesen? von hier ging es direkt nach da.
erst wollte ich das ding nur bookmarken, für eine weile, um es schließlich – unbesehen – irgendwann wieder rauszuschmeißen. so wie immer, ich rechne eben nicht. punkt. aus. schluß. das geht mich nichts an, das gehört dem bruder.
aber dann habe ich reingesehen, immerhin, und letztendlich habe ich es eben mal so hingefuscht. ohne groß zu überlegen. soetwas kann man doch nicht ernst nehmen. wer vergleicht da was? und womit? es ist unsinn, weiter nichts. denke ich. keine acht minuten hat es gedauert, die 40 fragen durchzugehen. wohl weil ich die mathematikaufgaben nur geraten habe, gar nicht erst gerechnet. die zahlenreihen und so, das war mir einfach zu blöd. (oder es war zu öffentlich. ;-) die graphischen und geometrischen sachen fand ich vergleichsweise leicht und lustig. das sprachliche? naja, was soll ich sagen? auch die fragen habe ich eher nebenbei beantwortet, kaum daß ich die zeilen komplett durchgelesen hätte. mehr so draufgesehen habe ich, als wäre es ein bild. trotzdem war es eindeutig, auf den ersten blick.
die auswertung weist mich als vokabalkrieger aus. ich bin außergewöhnlich sprachbegabt und kommuniziere auf höchstem niveau. darüber hinaus bin ich natürlich kreativ und visionär. undsoweiter, undsofort. das ist ja keine überraschung.
die zahlen hingegen, den intelligenzquotienten oder wie das heißt, kann ich nicht interpretieren. ich habe kaum die hälfte der durchschnittlich benötigten zeit an diesen test verschwendet, dennoch ist das ergebnis dreistellig. (vermutlich liegt das aber lediglich an meinem alter, das ich ganz zu anfang angeben mußte. ich hätte die fehlenden zwei monate unterschlagen und aufrunden sollen. so leicht wäre eine weitere wertsteigernde manipulation gewesen.)
letztendlich hat es keine bedeutung, denke ich. so wie es für meinen bruder keinen unterschied gemacht hat. er hat da leben müssen, wo auch ich gelebt habe. und das ist es, was den unterschied macht.

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