am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (114)

ich bin nicht ganz raus, das nicht. aber ich stecke auch nicht mehr tief drin im text. immerhin ist der übersetzungsjob jetzt zu einem drittel durch, das hätte ich so nicht erwartet. und das war sogar schon am letzten wochenende so gut wie gemacht, nur hab ich es da noch nicht einmal absehen können.

das also hat überraschend ein wenig ruhe in mein wochenende gebracht. mit dasitzen und nichts tun, mit balkonpflege und spazierengehen sogar. das dasitzen hat mich wieder näher an den text gebracht, ebenso an eine vorstellung von meiner rolle, meinem standing irgendwo in diesem betrieb. darum werde ich nicht herumkommen. und das ist vielleicht, was mich am meisten fordern wird. kann sein, dass ich es hassen werde. ich behaupte das gern, weil ich mich gern so sehe. scheu und missverstanden, zu zart und zu arm für diese welt. vermutlich wird es aber anders sein, natürlich wird es das. ich werde wege finden, fest in meiner sensibilität zu stehen, wurzeln zu schlagen in meiner tiefe, die kein abgrund ist.

wenn ich meine flügel entfalte, als wäre da wirklich ein engel in mir, dann ist das kein spaß. dann ist das groß. nur tue ich das selten, so gut wie nie. weil es sich meistens weder lohnt, noch irgendwie angemessen wäre. einfach so. ich muss das nicht.

ich muss zurück in den text, das ist alles. und ich sehe es kommen. seit heute, seit eben. meine zeit wird es zulassen, meine spielräume bis zur nächsten schreibzeit anfang august. es wird passen, womöglich sogar ohne stress. dieses mal. zwölf tage unweit von berlin in der kleinen stadt, in meiner liebsten und längst so vertrauten schreibunterkunft.

in wenig habe ich noch angst, dass die coronalage es eventuell doch nicht zulassen könnte. bis dahin sind es ja noch ein paar wochen, wer weiß schon, wie sich das alles entwickelt. aber andere machen richtige urlaubspläne, in andere länder und mit zugfahrten oder flügen gar. das habe ich nicht, das will ich auch gar nicht. und dennoch.

wir werden sehen. am schreiben wird das nichts ändern, hoffe ich. nur schade wäre es und traurig wäre ich. aber das bin ich ohnehin ständig. in diesem jahr besonders.

bonding (110)

erste besprechung mit der agentur am letzten donnerstag. immerhin angesetzt war der termin, und ich habe mich extrem darauf gefreut. ein bisschen auch, weil ich persönlich hinfahren sollte. und woltle und durfte. vor ort im garten und abstand einen menschen in echt treffen, um etwas wirklich wichtiges zu bereden. beinah das erste mal in acht wochen, also so ein echter mensch, fast zum anfassen nah. eine stimme, die aus einem körper kommt, ein dreidimensionales gesicht. immerhin.

war dann aber nichts, weil das motorrad nach ein paar kilometern nicht mehr mitspielen mochte. irgendein dämlack hatte wohl irgendwann darauf platz genommen und an allen knöpfen und hebeln herumgespielt. das war klar, das merkt man sofort. ich stelle die kiste nie mit eingelegtem gang ab. ich lasse den seitenständer nicht ausgeklappt, wenn ich sie auf den hauptständer gehievt habe. eben jener dämlack hat offensichtlich den schalthebel derart malträtiert, dass er mir unterwegs von der welle gerutscht ist.

ich bin gut mit holz und säge, ein wenig auch mit leder, seil und pinsel. aber letzteres schon nur noch unter protest. maschinen reparieren kann ich nur schlecht. selbst mit dieser simplen mechanik war ich überfordert, obwohl mir im nachhinein klar wurde, dass ich hätte wissen können, wie. ohnehin hätte das zu lange gedauert. so konnte ich nur notdürftig flicken und vorsichtig im zweiten gang in die werkstatt meines vertrauens tuckern.

und die schöne besprechung, der termin vor ort in der sonne, mit einem echten, richtigen menschen. hat sich verflüchtigt. stattdessen sind die notizen jetzt per post zu mir unterwegs, in zwei fetten briefen, die zweite hälfte ist schon da. der rest passiert dann am telefon. ich weiß nicht. das ist schade, ich bin über die maßen traurig. aber das bin nur ich, die ich hier sitze. allein.

ich habe den einen fetten brief geöffnet und kurz hineingesehen. gestern schon, wenn auch kaum gelesen, auch nicht die bemerkungen. nur gewundert habe ich mich. wie seltsam eine handschrift, kopiert nur, nach acht wochen menschenleere auf mich wirkt.

sinnlich fast. ich fasse es nicht. wie ein kleines geschenk.

bonding (109)

immer noch alles ganz ruhig und weit weg, so weit, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. noch vor ein paar wochen. aber es ist ja so, dass alles von vor ein paar wochen jetzt lange vergangen scheint. nicht nur dieser text.

das schöne ist, dass er dennoch bleibt. das weiß ich. das wusste ich vorher, aber jetzt ist es sicher. er steht allein da, und die geschichte läuft. er ist also ausgewachsen. irendwie. er kann gehen.

seltsam, dass das der erste arbeitstitel: gehen. jetzt ist es gegangen.

hier und da erreichen mich erste kleine rückmeldungen über den anfang der lektüre. mich selbst beschämt es ein wenig, aber um des textes willen ertrage ich die scham.

es liest sich, leicht sogar, von anfang an. wer anders dagegen, dass es im zweiten kapitel schwer wird mit den vielen namen usw. gut so, das will ich wissen. das muss er aushalten, der text. dann wieder überwältigt die schönheit, was wiederum mich ein wenig überwältigt. aber genau so etwas wollte ich, leicht sein und reich und dicht. es ist großartig, dass es zu funktionieren scheint.

im nächsten projekt kommt noch tiefe dazu, dachte ich gestern. ein gewagter ansatz.

bonding (108)

das ist seltsam, das buch ist weit weg. ganz schnell ging das, kaum mehr als eine woche. spätestens als ich es de facto vertraulich in ein paar ausgewählte leser*innenhände gegeben hatte, da war es dann auch wirklich weg. aus dem hirn, aus dem herzen sogar. das klingt schlimm, aber das ist gut.

auch an die agentur ist das manuskript inzwischen gegangen, das kratzt und juckt ein wenig im himntergrund. doch auch das ist noch nicht dran, jetzt gerade. überhaupt gar noch nicht.

stattdessen arbeite ich viel, wie immer, im brotberuf und im freiberuf, und beides zu hause derzeit. exakt an dem platz, an dem ich über jahre an diesem buch gesessen habe. seltam auch, dass ich mir in dieser lage gerade gar nicht mehr vorstellen kann, wie ich das schreiben eigentlich geschafft habe. all die zeit. heute habe ich fast zehn stunden in all dem anderen zeug gewühlt, und zwar nicht zu schlecht.

also wann denn bloß?

bonding (107)

damit hätte ich nicht wirklich gerechnet, dass ich tatsächlich keinen einzigen blick mehr in das manuskript tun würde. nachdem ich mir am karfreitag das zumindest einstweilige ende der schreiberei erklärt hatte. aber es ist so. dabei weiß ich genau, wieviel da noch im argen liegt, doch darum geht es derzeit nicht.

jetzt ist erstmal fertig. tatsächlich.

als nächstes wird an unterschiedlichen orten und aus unterschiedlichen positionen testgelesen. kann sein, dass mich das ein wenig ängstigt.

vielleicht.

bonding (106)

nachtrag: ja, ich bin tatsächlich fertig, die eckdaten stehen eins weiter unten.

das letzte kapitel hatte es noch einmal in sich, aber so richtig. auch die zweite hälfte, wenn auch nicht ganz so schlimm wie die erste. und, wenn ich ehrlich bin, bin ich nahezu unfähig, das ergebnis einzuordnen. es ist jetzt mal so, wie es ist. es ist alles drin, aber der emotionale faktor, die plausibilität. keine ahnung, die aktuelle welt funkt mir doch schwer dazwischen. immer wieder, da kann ich nichts machen. dagegen komme ich nicht an.

was soll’s, ich bin fertig. ich melde mich dann, vielleicht gleich morgen. um zu berichten, ob ich diese tatsache schon begriffen habe.

bonding (104)

den ganzen tag im text, etwa zehn seiten geschafft. blieben vier, zwei davon müssen nur geputzt werden. vielleicht gepflegt, der rest ist ein spiel.

aber mal sehen.

eines steht fest: morgen habe ich fertig. (vermutlich.)

bonding (102)

seit zwei tagen kämpfe ich mit dem letzten kapitel. das heißt, eigentlich mit der zweiten hälfte des letzten kapitels. die erste steht ja nun schon lange, die rühre ich auch nicht mehr an.

gestern ging es noch einigermaßen mit der arbeit, auch wenn ich auf uralte techniken zurückgreifen musste. papier und bleistift, ein radiergummi, zwei bunte marker. ohne das wäre ich nicht zurechtgekommen. das mag an der hohen konzentration am ende eines textes liegen. oder an der pandemischen weltlage, was durchaus denkbar wäre. ich weiß nicht einmal das mit gewissheit zu sagen.

fakt war gestern, dass ich keine sechs seiten ohne diese hilfmittel hätte überblicken können. während ich sonst in der lage bin, zwanzig, dreißig oder auch vierzig im hirn zu behalten. genaugenommen sogar alle, weit über vierhundert.

heute allein drei stunden an einer einzigen seite geklebt. danach waren es drei seiten, es musste also wirklich sein. auch der rest des bestehenden textes musste an vielen stellen ergänzt und erweitert werden. fünf, sechst stunden lang. fertig bin ich damit nicht, diese überarbeitung muss noch einmal überarbeitet werden. da hilft nichts.

drei seiten sind noch offen. gegen sechs, es war noch hell draußen, habe ich erschöpft aufgegeben.

ich fasse es nicht. ich bin am ende. (noch nicht.)

weiter geht’s: morgen und übermorgen abtauchen in den brotberuf. mittwoch dann.

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