am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding/167

das war abzusehen. ich mache weiter, ich arbeite, ich schreibe. jetzt ist die zeit. egal, was passiert. in weniger als zwei wochen bin ich wieder im geschirr, und was dann? zwei jobs, drei jobs und ganz am ende der text und das schreiben. wenn ich nicht mehr kann, nichts mehr weiß. ach, zur hölle!

heute also den gestern radikal heruntergekürzten text durchgegangen, geglättet, alle ideen eingearbeitet und mehr noch. und besser auch. (sogar etwas auf dem folgenden kapitel genommen und zu mir gezogen, weil es da besser passt.) und dann nochmal alles durchgegangen.

jetzt bleiben sieben oder acht seiten rahmenhandlung, die in dem kapitel mitten drinstecken. das hatte ich erstmal ausgelassen. das muss also noch, da hilft nichts. und das ist nicht ohne, diesmal.

aber wohl doch nicht mehr jetzt. das kommt dann morgen.

bonding/166

erst gegen eins saß ich mit dem rechner im café und bin ein letztes mal durch das anstehende kapitel, das letzte von den dreien, die ich mir für diese schreibzeit vorgenommen hatte. es war ein bisschen seltsam, diesen teil der arbeit in einem café zu erledigen. das mache ich nicht oft. da ich mir spätestens in der phase, alles halblaut selbst vorlese, kommt das ein wenig seltsam. meistens versuche ich es mit der bauchrednertechnik: möglichst wenig den mund bewegen. heute wollte mir das irgendwie nicht recht gelingen, also habe ich nach einer weile die hände vor den mund genommen. das hat geholfen.

lange hat das nicht gedauert, vielleicht zwei stunden. dennoch habe ich noch ein paar nuancen setzen können, die vorher nicht da waren, und mich um den sprachrhytmus gekümmert.

zurück in der wohnung habe ich erst alle fenster aufgerissen, so schön was es draußen. die sonne stand mir direkt gegenüber.

dann habe ich mich an das nächste kapitel gemacht, was sonst soll ich hier tun. ein ziemliches durcheinander, das ich erstmal großflächig gekürzt habe. um beinah fünf seiten, das ist in der phase immer eine große freude. dabei bin ich auf eine mögliche linie gestoßen, die ich verfolgen kann, die ich verfolgen sollte, um das kapitel besser auszurichten. mehr als so etwas kann ich nicht verlangen, das ist wirklicher fortschritt.

eine erleichterung auch, eine bestätigung. dass es (noch) geht, dass ich es kann. immer. (solange ich ein hirn habe mit sprache drin.)

bonding/165

ich muss es zugeben, ich bin ein streber. drei kapitel habe ich mir vorgenommen, zirka fünfzig seiten in neun tagen. keine ahnung, ob ich tatsächlich daran gezweifelt habe. jetzt ist es so, vier tage sind vorbei, und es ist absehbar: morgen, am fünften tag, so gegen mittag vermutlich, werde ich damit durch sein. das letzte mitgebrachte kapitel hatte nur zwölf seiten, jetzt sind es noch elf. das kann gar nicht schiefgehen.

es ist kein kompliziertes kapitel. ich habe es nur ein wenig gekürzt, an stellen, wo ich dieses oder jenes doppelt erwähnt und dann noch einmal erklärt hatte. die struktur, im großen und ganzen, stimmte. zumindest waren keine großen umbauten nötig. die sprache war auch weitgehend okay. es wird als gut, und es wird wohl wirklich fertig sein, morgen.

und dann? hier in der kleinen stadt bin ich noch bis dienstag morgen, gegen mittag erst fahre ich zurück. urlaub von meinem brotjob habe ich bis zum darauffolgenden montag. das anschlusskapitel wird also möglicherweise auch noch fertig. das wäre nicht schlecht, obwohl ich es mir schon angesehen habe. es ist mächtig, vollgepackt mit themen, die unsortiert in alle richtigen sprießen. außerdem ist es fast dreißig seiten lang. darauf freue ich mich nicht, aber.

ich bin ein streber.

die alternative wäre: erst einmal vier tage urlaub in der kleinen stadt. das wetter wird vergleichsweise großartig sein, sonntag und montag sind derzeit um die zwanzig grad angesagt. ich habe mein rad hier, das macht spaß. anschließend blieben noch fünf tage in berlin, in denen ich das nächste kapitel ohne zweifel bewältigen könnte. (allerdings müsste ich dann dort noch nebenbei die steuern fertig machen und den badboden natürlich. neben all dem anderen, was ansteht.)

ich weiß nicht. nichtstun fällt mir schwer, besonders zurzeit. wenn ich mich nicht am laufen halte, dann überwältigt mich die welt, wie sie derzeit ist. dazu braucht es nur sekunden, so kommt es mir vor. zeit für etwas schönheit lasse ich mir nicht. das ist nicht gut, ich weiß. aber es ist eben, wie es ist.

also: was soll ich tun?

bonding/164

drei kapitel habe ich mir vorgenommen, und das in nur neun tagen. allein das zu sagen, an dieser stelle auch zu schreiben, macht mich schwindelig. ich denke nicht wirklich, dass das zu schaffen ist. aber egal, ein bisschen verzweiflung muss sein. und wenn ich zurück in berlin bin, bleibt ja noch ein bisschen zeit, bevor ich wieder zur arbeit muss. also wer weiß.

heute war schonmal ein guter tag, trotz durchaus misslichem angang. die möglichkeit, hier alles mit ein bisschen mehr ruhe und weite angehen zu lassen, hat sich bereits ungemein bewährt. obwohl ich erst am späten nachmittag an den rechner kam, bin ich durch den komplexen überarbeitungsanteil des anstehenden kapitels schon einmal ganz durch. dabei habe ich um satte fünf seiten gekürzt, aber nicht, weil mir einfach mal danach war, mit all der ruhe und weite hier. an der stelle deutlich zu kürzen lag durchaus im plan. so mache ich das, wenn ich das gefühl nicht loswerde, mich mit einer figur verrannt zu haben. keine der hauptfiguren, zum glück, eher eine, die nur über eine kurze strecke konzentriert auftritt. noch dazu eine eher negativ konnotierte erscheinung, die zunächst einmal entschärft gehörte.

jetzt bin ich gespannt auf morgen, weil mir schon heute klarwurde, welch andere, bessere rolle diese figur möglicherweise tragen könnte. keine ahnung, ob das gelingen kann, denn erstmal ist es nur eine ahnung eben, mehr nicht. bislang weiß ich noch nicht genau, wohin sich die energie verschieben wird, das negative, das da im text liegt. es liegt da zu recht, und also muss es wohl bleiben.

wie auch immer. in einem text, der mit einem zentralen ich funktioniert, ist es am einfachsten, alle energie immer erst auf eben dieses ich zurückzuwerfen. und gerade habe ich den eindruck, dass sie eben dort bestens aufgehoben sen wird. morgen weiß ich dann mehr.

bonding/163

zur erinnerung: es ist keine gute idee, das schreiben in der planung hintenan zu stellen. das macht mich unzufrieden, so die erkenntnis aus dem letzten wochenende. aus vielen wochenenen eigentlich, wie auch aus anderen zeiten. egal.

ich könnte es auch unglück nennen. ich sollte mein unglück nicht derart verplanen. oder was? ach, keine ahnung.

ich bin müde heute. nach dem bürojob gab es noch einmal über zwei stunden meeting, also noch mehr büroarbeit. auch da hab ich mich verplant, wie mir scheint.

das nur zur erinnerung, …

bonding/162

ich mühe mich, beständig. ich komme voran, doch ich sage nicht viel dazu. ich weiß nicht, vielleicht weil ich mir nichts mehr denke. oder ich kann es nicht halten, das denken, ich kann ja den text kaum halten.

zu sagen wäre allerdings, dass es dennoch zu funktionieren scheint. nun ja, es ist nur die letzte überarbeitung, da fällt das wagnis weg. das kreative schreiten ins nichts, während gleichzeitig der weg gefunden und geformt sein will. ohne zu wissen, wie. oder warum, dieses ewige warum, besondes ganz zu anfang. als hätte ausgerecht das an so prominenter stelle etwas verloren.

nein, überarbeitungen sind nicht der große wurf, aber sie haben ihre eigenarten und tücken. aktuell habe ich angefangen, es mit den kürzungen zu übertreiben. also musste ich die entstandenen lücken finden, die risse wieder füllen. das ist anstrengend. und das widerum hat dazu geführt, dass ich inzwischen in jedem neuen kapitel schnell die schwachstellen erkenne, das geschwätz und die ungeordnetheit.

fast überall schneide ich also besser gleich aus und um, verschiebe und lösche ich mit großer wucht. erst grob, dann feiner, schließlich alles noch einmal im ganzen. das macht spaß, aber es kostet kraft. und zeit. damit habe ich so nicht gerechnet.

es dauert und dauert, wenn man sich keine abkürzunge mehr erlauben kann. und auch keine umwege. wenn nur noch geradeaus angesagt ist, kurz und direkt in die fresse. im grunde ist es nicht zu schaffen

wirkungstreffer ohne ende.

bonding/161

mein facebook erinnert mich an dinge, viel mehr tut es mir nicht mehr. facebook ist häßlich. das war es schon immer, aber inzwischen bewegt sich noch dazu in eine völlig falsche richtung. facebook macht häßlich. aber die erinnerungen dort haben etwas, zurzeit auf jeden fall noch. man sollte so etwas in blogs einbauen können. (ja, ich weiß, das geht vermutlich sogar. aber das wäre dann wohl doch nicht dasselbe.)

heute erinnert mich  facebook daran, dass ich exakt vor fünf jahren zum ersten mal in die kleine stadt aufgebrochen bin, um in die damals bestehenden fragmente eines manuskripts zu sehen. zwischen dreißig und vierzig seiten vielleicht, die inzwischen zu einem (so gut wie) fertigen roman von 485 seiten geworden sind. damals war ich dort, um zu entscheiden, ob ich es noch einmal, vielleicht ein letztes mal, mit dem schreiben versuchen wollen würde.

es war eine gute entscheidung, trotz allem. ich bin weit gekommen, wenn auch längst nicht angekommen.

aktuell bin ich im dritten durchgang durch den text, dabei kürze ich radikal. das kann ich überraschend gut, ich weiß nicht warum. ich töte sie nicht, meine lieblinge. ich lasse sie frei, sollen sie fliegen. das konnte ich immer schon, das gehört dazu.

im oktober fahre ich wieder hin, in die kleine stadt. ich dachte ja, dass es mich nicht mehr dort hinzieht. ich dachte, es wäre vorbei, und ich müsste mir einen anderen ort suchen. vor allem, weil es meine lieblingsarbeitswohnung dort nicht mehr gibt. aber noch ist es wohl nicht soweit. ich habe keinen anderen ort gefunden, obwohl ich danach gesucht habe. also habe ich mich ergeben, letzte woche, kurzentschlossen. und habe in der kleinen stadt tatsächlich etwas anderes gefunden. ganz in der nähe der alten unterkunft, in erschreckender nähe, und hoffentlich ebenso passend.

noch bin ich ja auch nicht ganz fertig mit dem text, den ich damals zu beenden beschlossen habe. aber es wird, denke ich. bald.

bonding/160

langsam aber stetig, ich komme voran. über die hälfte ist geschafft, wobei das schwer zu sagen ist. je nachdem, ob ich es nach der ursprünglichen seitenzahl berechne oder der jeweils aktuellen. beides fühlt sich irgendwie falsch an, aber ich kann eben nicht gut rechnen. der kleine pfeil am rechten rand von ms word steht über die hälfte, das ist mir beweis genug.

jaja, der text ist in word. na und?

das arbeiten in einem fast fertig ausgeschriebenen text ist ziemlich gut, fast ein bisschen berauschend. auch recht einfach, für mich zumindest, aber das meine ich nicht. nicht ausschießlich. einfach ist es vor allem, weil eine der arbeitsvorgaben, die hauptaufgabe überhaupt, rigoros ist: kürzen! das ist eine rein technische vorgabe, die an sich rein gar nichts bedeutet. aber sie ist ein muss, aus dem sich das handeln erschließt. auf jeden fall nehme ich das so, sportlich, denn es macht die entscheidung oft ungemein leicht. dadurch entsteht klarheit. weil ich zuallererst immer einfach mal text wegnehmen kann, wenn mich etwas im fluß stört. ohne weiter nachzudenken, und anschließend kann ich sehen, was sich daraus ergibt.

wie das so ist mit meinem schreiben, bei dieser art vorgehen fällt mir immer etwas ein, etwas auf, und ich finde einen weg. weniger ist mehr und meistens viel besser ist als alles, was da zuvor irgendwann einmal stand.

ohnehin ist es ja so: man kann immer alles auch anders machen. (nicht nur im schreiben.) ob es dadurch besser oder schlechter wird, lässt sich möglicherweise nicht gleich beurteilen. (zumindest im leben, im schreiben kann ich das durchaus.) darauf kommt es aber auch nicht an, wichtig ist erst einmal nur, dass bewegung entsteht. dass die ecken und kanten sich verscheiben und so die fläche aufbricht. mit ein bisschen glück.

es muss anders werden können, darum geht es. anders ist das wort.

bonding/159

kurz erwähnt, vor kurzem erst, vorsichtshalber. aber es stimmt, ich bin wieder im text. nicht erst seit heute, nein. schon ein paar kapitel habe ich mir heimlich vorgenommen und abgeschlossen. ich wollte es nicht beschreien, aber inzwischen empfinde ich es als stabil. also, ich bin zurück in der textarbeit.

der wiedereinstieg war nicht so schwer, wie ich es mir ausgemalt hatte, in all den monaten immer mehr. im gegenteil, es war nahezu simpel, obwohl ich mitten in einem kapitel abgestürzt war. selbst das habe ich gut zusammengebracht, es ist mir sogar entgegengekommen. weil es eben schon sauber und geputzt vor mir erschien. auch wenn ich mich nicht gleich erinnern konnte, was ich zuvor gemacht hatte. wo und warum, und was überhaupt noch nicht bearbeitet war.

und ziemlich genau so ging es weiter, obwohl es schwerer stoff war, tod und abschied. ob es das war, wovor ich zurückgeschreckt bin, anfang des jahres? wahrscheinlich eher nicht, aber da ist eben auch ein gewicht, das in den text muss, in aller schlicht- und offenheit. schwieriger wird es vielleicht jetzt, wo es darum geht den abschied zu verwalten, zu verkraften. den verlust.

festhalten muss ich noch, dass das schreiben erleichtert. das leben an und für sich ist scheiße, so oft schon gewesen und auch gerade wieder in loser folge. doch das schreiben hebt mich über alles, fügt das leben und atmen und alles tun gut zusammen. was immer sonst es noch kann, klarheit schaffen und verwirrung stiften zugleich, räume öffnen, für mich und für andere. das schönste ist die zufriedenheit damit, wie sich das denken und das tun verbindet.

für andere, naja. das ist schön, aber in den meisten fällen wohl eine illusion. so war es immer, das schreiben und die begegnung, das sind keine guten freunde. wobei es doch eigentlich so ist, dass erst durch das lesen, durch die leser*innen, ein text seine wahre form findet.

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