am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

trottel

tango ist eine art hölle, mitunter wird gegrillt. ganz sanft und leise, mit permanenter spaßerwartung vor allem. das ist so von grund auf nicht meins, dass ich manchmal gar nicht mehr weiß, was ich da noch verloren habe. vor allem, wenn ich aufgrund der kursbeschreibung eine andere erwartung hatte, zudem von dem allerersten kurs gleich derartige fußschmerzen habe, dass eigentlich nichts mehr geht. dann rettet mich wenig, nur noch die flucht. so wie immer, wie vor hunderten von jahren. und schon steht ich da, wie der olle tangotrottel, der ich heimlich sowieso bin, immerzu.

unbelehrbar eigen. weil es so tief geht, so wichtig ist. viel zu wichtig, um es anderen zu überlassen, die interpretation wie die qual. das alles ist meins. das ist peinlich, und geht so schnell nicht vorbei. auch als ich längst gegangen bin.

erst als ich das motorrad zurückhabe, draufsitze und unterwegs bin, einfach so. denn zu der lesung am wannsee schaffe ich es natürlich nicht mehr. erst als ich die ersten motorradgrüße des jahres erhalte, spät genug. da dehnt sich die welt wieder, da darf ich wieder sein. allein, ohne allen die pein meiner nichtigkeit zu verkörpern. in diesem alten fleisch, das mich beherbergt. nur das.

und jetzt ist schluss.

keine klagen/92

fliegen ist fürchterlich, dass ich das immer vergesse. und tatsächlich glaube, es ginge nicht anders. das muss anders sein im nächsten jahr, das wird es sein. alles eine frage der planung, die ich gerade schon angesetzt gabe. es hilft ja nichts, reisen an sich ist immer schrecklich. egal wie.

erst ein geruhsamer vormittag, trotz wettbewerbsabschluss in tv-inszenierung. mit dem ergebnis bin ich zufrieden, meine reihenfolge wäre eine andere, aber was tut das. es hätte mehr preise geben sollen, viel mehr. ausgerechnet diesmal, wo doch diesmal zwei texte weniger am start waren. zuletzt ein gutes essen in bester gesellschaft mit anschließendem eisessen und der plötzlichen erkenntnis, dass ich das mit dem bus verkackt hatte. und ein taxi rufen musste. mit dem telefon, was sich ungefähr einmal in hundert jahren tue. soll heißen: es war das erste mal.

dann bin ich allein unterwegs, zusammen mit etlichen anderen literaturreisenden. all die, die auch aus berlin kommen und zügig dahin zurückfliegen wollten. und das sind viele. sie bewegen sich auf der gleichen strecke.

auch flüge haben verspätung. flugzeuge sind widerliche blechbüchsen, die kreischen und fauchen, dauerspiepsen auch und immer wieder rumpeln. es ist heiß und voll, irrsinnig voll. fast alle schlafen oder dösen, das sehe ich auf dem weg durch den gang zum klo. ich nicht, ich lese in dem buch über traumata. es ist das einzige, das ich parat habe. denke ich.

doch ich irre, fällt mir jetzt gerade erst auf. denn ich hatte das pocketbook mit. das ding ist mir offensichtlich immer noch so neu und ungewohnt, dass ich gar nicht darauf gekommen bin, dass da ja noch mehr drauf ist. ich hoffe, ich kann das noch lernen, irgendwie. in meinem alter.

kurz nach zwölf bin ich zu hause. viel geht nicht mehr, nicht einmal den koffer packe ich noch aus.

literatur macht müde.

keine klagen/91

aus dem traditionellen quiz gestern abend halte ich mich raus, obwohl ich mir mit ein bisschen elan zugang zu der topgruppe hätte verschaffen können. doch mein ehrgeiz reicht nicht einmal für das. ich tauge eben wirklich nicht für gesellschaftsspiele, das wäre nur peinlich geworden. ich sitze in der wohnung, packe schon einmal ein bisschen zeug in den koffer. dann gehe ich doch an den hafen und google zum spaß ein bisschen mit. nur so für mich. und am ende kriege ich sogar ein stück kuchen ab, einfach so.

das ist meine art von gesellschaftsspiel. tun, was ich so gerade aushalten kann. jetzt, im alter, scheine ich das doch langsam beherrschen zu lernen. obwohl ich einen moment lang tief erschrocken bin, als jemand aufspringt, um mich zu begrüße. wie ich denke. mein körper will gerade auch schon springen, doch ich bin gar nicht gemeint. zum glück merke ich das im letzten moment.

die pein, innen, ebbt nur langsam wieder ab. einen moment lang will ich sterben vor scham. aber dann gibt es ja kuchen.

gleich gibt es gewinner*innen, ich kann es mir kaum vorstellen. natürlich habe ich eine liste mit lieblingen, aus den unterschiedlichsten gründen. doch es ist keine siegerliste, es ist annäherung. ich bin ohne ehrgeiz, ich mag den wettbewerb nicht. wenn ich darin bin, komme ich um.

in diesem jahr war es leicht, die texte waren fast durchweg gut oder noch besser. auch wenn sie mir nicht alle nah sind. ein guter jahrgang, würde die jury gesagt haben, doch sie wurde nicht wirklich gefragt. oder ich habe es übersehen, überhört. auch die jury war weitgehend gut und konzentriert, wenn auch nicht immer hilfreich. aber das ist nicht ihre aufgabe, sie muss werten.

ich habe viel mehr über die texte geschrieben, als ich das wollte. nicht konkret, nicht als kritiker*in, das liegt mir nach wie vor fern. ferner geht gar nicht. aber doch als wahrnehmung und refexion.

vielleicht habe ich in diesem jahr einfach nur richtig gut zuhören können.

das ist ein fazit.

keine klagen/90

heute war es kalt und nass. zunächst ging es so in etwa, zumindest war es trocken, und ich war eh ein bisschen zu spät, um es mit dem studio zu versuchen. damit war ich diesmal kein einziges mal im studio, zufrieden bin ich damit nicht. aber okay, das gehörte wohl zur diesjährigen gemütlichkeit. lendhafen rules!

ich ziehe eine lange hose an, festes schuhwerk und nehme die neue jacke mit. bei kaffee und croissant fließt text an mir vorbei, der nicht weiter stört. das ist mir ein bisschen peinlich, meine aufmerksamkeit. bin ich textmüde, obwohl diesmal gleich autor*innen ausgefallen sind? oder sind es die texte? ich verstehe die ersten beiden gut, ich habe keine einwände. dann fängt es an zu regnen.

lange und deutlich an zu regnen und zu wehen, mir wird kalt. ich ziehe die jacke an, doch das reicht nicht auf dauer.

der dritte text weckt mich dann auf, nicht nur das frieren. da ist etwas. da werde ich angesprochen, und nicht nur ich. das geht an alle. heimlich denke ich an die publikumsbeschimpfung, aber laut sage ich das nicht. weil 1. handke, 2. theater und 3. kenne ich es nur in ausschnitten. anders ist es sowieso.

und auch wenn vieles mir in dem text altvertraut ist. der hinweis zum beipiel, dass ein MISSbrauch einen GEbrauch impliziert, was in bezug auf menschen in jedem fall missbräuchlich ist. allein das wort. oder die existenz eines sternchens bei täter*innen. wie könnte es anders? der text bleibt bemerkenswert offen, ein angebot. was nicht jede*r in der juryrunde zu verstehen vermochte.

der letzte wettbewerbstext fängt groß an, sprachlich gesehen. ich erwarte einiges. doch das vergeht, leider, nicht nur wegen des zunehmenden frierens. besonders als neben mir tatsächlich ein eis gegessen wird. zum see, zum schwimmen später werde ich auch heute nicht mehr kommen. schon gar nicht zu einem wettschwimmen. damit wird dieses jahr auch eines, ohne im wasser gewesen zu sein. doch das ist durchaus okay.

der letzte text des bewerbs rauscht an mir vorbei, ich kann ihn kaum fassen. er hat raum und wichtigkeit, das verstehe ich durchaus. aber womöglich ist es grad mal genug.

ich muss zurück, dem eigenen schreiben den raum.

zum nachlesen, bitte selber suchen -> https://bachmannpreis.orf.at/stories/ondemand/

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