am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

keine klagen/111

klagenfurt war gestern, heute ist wien, aber dazu später.

die preisverleihung brauche ich ich nicht, nur ganz selten bin ich extra dafür geblieben. gebracht hat es mir stets wenig. das eine mal, wo ich wirklich hätte dabeisein wollen, bei tex nämlich, da hat mich die fluggesellschaft vorverlegt. ausgerechnet. (heute fliege ich nicht mehr, nein.) und heute ist die preisvergabe ja anders, noch langweiliger als früher. keinesfalls spannender, weil die „trostpreise“ zu erst und der fette „hauptpreis“ zuletzt verlesen wird.

es ist früh, es ist warm, kurz vor heiß. ich habe glück mit meiner vermieterin, sie hat mich eine stunde früher in die unterkunft gelassen, jetzt lässt sie mir zwei stunden mehr, um sie wieder zu verlassen. so kann ich in ruhe das rad zurückbringen, erst ab 10h, und dann zum bahnhof, ohne dort zwei stunden herumsitzen zu müssen. der zug kommt pünktlich, während die ersten preise in mein mastodon weitergeleitet werden. es ist ein österreichischer railjet, ich hatte keine probleme erwartet. er fährt dann auch zügig (pun intended!) seinen plan ab, immer eine minute zu spät, dann wieder 2 minten zu früh. die deutsche bahn-app, wo ich das ticket gebucht habe, verkündet mir vorsorglich 10 bis 12 minuten verspätung. blödsinn! derweil gewinnt lena schätte den bachmannpreis, ich freu mich so. (ruhrpott, ey!) auch meine anderen favoriten sind dabei, nicht alle, denn dafür gibt es nicht genug preise.

der zug fährt durch das lanvanttal, und zum ersten mal begreife ich das, auch wie weit und groß es sein muss. ich habe ein buch von christine lavant zu hause, ein einziges, das muss ich mir mal wieder nehmen. etwas später wird es wieder bergig, nicht hochgebirgig natürlich, der zug fährt durch viele tunnel und engstellen. als es wieder in die ebene geht wird es wärmer, auch im zug spürbar. im wiener becken staut sich die hitze, so denke ich mir das.

in meidling hat es 38°, sagt mein mobiletelefon. genau so fühlt es sich auch an, draußen ist wärmer als ich. zum glück weiß ich den weg, ohne groß nachzusehen. die unterkunft befindet im selben haus wie im oktober. nur kleiner und günstiger ist sie. ich packe aus, esse ein paar salzstangen, dann gebe ich auf.

von etwa sechs bis halb zwölf schlafe ich auf dem sofa, lasse mich dabei von einem großen standdrehluftpuster bewehen. dann wechsle ich ins bett und schlafe noch einmal von halb zwei bis gegen neun. das ist rekord, über zehn stunden, so viel schlaf. da muss ich ein teenager gewesen sein, als das noch problemlos konnte.

kurz nachdem ich zu meinem klagenfurtabschied dieses bild gemacht hatte, um es später mit einem latent bösen kommentar versehen in meinem insta zu veröffentlichen, sah ich auf dem boden zwischen etwas müll und einer von public-fußball-viewing verstellten bank einen cent auf dem boden liegen. den hab ich mir genommen und ihn an einen fortan fixen platz in meiner kleinen brieftasche plaziert. ich glaube ja nicht an glück, aber dennoch. schaden kann es nicht, oder?!

gepostet habe ich den leicht bitteren bildbeitrag dann aber auch noch. sieht doch wirklich ein bisschen wie eine autor*in-juror*in-situation aus, oder etwa nicht?!

keine klagen/110

nicht mein tag heute. ich mache mich früh auf zum lendhafen, um einen einigermaßen guten, bildschirmnahen schattenplatz zu ergattern. viele gibt es davon nicht. also fahre ich wirklich früh los, kurz nach neun bereits, und weit habe ich es nicht. es ist aber schon richtig voll, besonders an den strategischen stellen. nur mein lieblingsplatz, der ist nicht frei. einnen augenblick denke ich, dass die netten damen, die ich jedes jahr hier treffe, ihn mir freigehalten haben könnten. das war quatsch, der liegestuhl war zwar sorgfältig mit einem strohhut belegt, aber natürlich für die noch abwesende dritte im bunde reserviert. außerdem wurde er gleich streng verteidigt, nachdem ich wohl allzu zielstrebig darauf zugesteuert bin. verzeihung!

erwischt habe ich dann einen eckplatz, sogar mit liegestuhl, an dem ich bald von allen seiten eingeklemmt bin. besonders von hinten wird gerne vor mein stuhlbestänge getreten oder gleich in meinen hintern. schuhe und beine reichen rechts und links an mir vorbei, dass ich die tischkante ungefähr in meinen nacken wähne. insbesondere von hinten war mir das heute echt problematisch. gelegentlich versuche ich einen notfallfluchtweg auszumachen, irgendwie rückwärts an der tischkante vorbei. mit dem erfolg, dass die damen hinter mir sich gemeint fühlen, als würde ich mich empört nach ihnen umdrehen. nein!

ach, egal!* auch wenn es kein wirklich schöner abschied vom lendhafen war, einem meiner liebslingsorte auf der welt.

es geht um texte, um literatur. kurz gesagt: die beiden männer heute, naja, aber einer schlimmer. die beiden frauen dagegen, beide bestens. beide ganz anders, aber jede auf ihre art auf den punkt. das ist natürlich wieder nur persönlicher geschmack, mehr nicht. ich will nicht, wie die kleine amatuerjurygruppe rechts neben mir, noch in den applaus hinein einen text als misslungen klassieren. das könnte ich auch gar nicht, nicht einmal als literaturwissenschaftler*in. das kann niemand, zumindest nicht mit texten auf dem hiesigen niveau.

ein bisschen was habe ich gelernt für die eigene arbeit, nicht nur heute. ich sage nicht was, weil es getan werden muss. nicht behauptet. aber es könnte helfen, denke ich. ich muss ja nun nach wien, morgen, und in die arbeit finden. ein wenig zumindest, der rest ist urlaub. sollte urlaub sein, aber bei angekündigten 38° bis 40°, da weiß ich gerade auch nicht so recht.

aber eines nach dem anderen: erstmal hoffen, dass die bahnverbindung klappt, die vorwarnungen machen zwar nicht gerade hoffnung. aber wird schon, wird alles. bislang war ja diesbezüglich, zumindest auf dieser reise, alles so ziemlich perfekt.

* das alles nur, weil mein damit zusammenhängender, leicht genervter tröt es offensichtlich ins 3sat-live-progamm geschafft hat. ich habs nur gehört, nicht gesehen. peinlich!

keine klagen/109

ich bringe nicht viel unter in diesem letzten jahr in klagenfurt. natürlich ist das programm umfangreich, viel viel mehr als in den anderen jahren, und ich habe mir vieles davon angestrichen. das viele ist wohl dem doppelten jubiläum geschuldet, aber es ist zu viel für mich. seit über einer stunde sitze ich bereits in meiner einigermaßen kühlen unterkunft und habe nichts mehr vor heute.

ich habe etwas an meiner hose geflickt. ja, so eine bin ich. in meinem kulturbeutel befindet sich ein kleines reisenähset, und es war nicht das erste mal im einsatz heute. dann habe ich die waschmaschine angeworfen, das kurzprogramm, damit ich nicht spät noch die nachbarn störe. man weiß ja nie. es gab allerdings keine störung, das ding steht sicher auf festem boden. nicht so wie bei mir zu hause, im neuköllner biedermeier, wo der holzboden ächzt und schwankt beim schleudern. jetzt hängt die wäsche draußen auf der terrasse und ich schwitze langsam nicht mehr.

dass ich mir auch natascha gangl gespart habe, weil zu heiß, zu spät, keine aufnahmefähigkeit mehr. das tut mir jetzt leid, denn davon höre ich über ecken und durch ritzen nur gutes, bestes, großartiges. und da gibt es so bald womöglich keine gelegenheit mehr. ach.

ach, ach, ach. ich hatte ja keine ahnung.

alle fünf texte heute habe ich natürlich gehört, die ersten drei unten im lendhafen, die letzten beiden im studio. das musste sein, da gab es keinen weg darum herum. zwei haben mir nicht gefallen, aber dazu sage ich nichts. ich schreibe selber, das steht mir nicht zu. es geht um gefallen, manchmal auch um verstehen, aber eigentlich nur darum, dass es eben nicht passt. zu mir. anderen geht es ebenso, aber mit anderen texten. eine gerechtigkeit gibt es nicht in der kunst.

es ist gut, es ist schluss. morgen. ich sollte mich noch weiter davon entfernen, den vielen worten um und über die texte. die doch auch nur text sind und wort. aber hörbar natürlich, in klagenfurt ist das wort immer auch klang. nicht zuletzt klang, vor allem anderen klang. davon lasse ich nicht, niemals.

es ist wohl kein wunder, und damit verrate ich nicht zu viel, dass mir bislang die beiden melodischsten texte ganz vorn im herzen liegen, ganz nah. autor und autorin, die dazu auch noch zu singen wissen, in den text hinein, in den textfluss, ohne dass es auffällt oder gar stört. es mag nicht alles stimmen im text, wechem auch immer. es kann gar nicht alles stimmen.

alles ist einfach, ganz leicht, wie im traum. wo alles recht ist, alles stimmig. ohne zu stimmen.

ps: ja, ich vermag kinga tóths freude und ihr glück zu teilen, das hart gegen mein eigenes schweigen, mein unglück steht. ich liebe es, so tief.

keine klagen/108

zielsicher finde ich auch in klagenfurt schnell einen der orte, an denen sich die menschen ohne dach über dem kopf ihre wohnzimmer im freien einrichten. schnell fiel mir ein, dass das auch vor ein paar jahren schon so war. ich war lediglich aufgrund von verschiedenen unterkunftssituationen lange nicht mehr diesen weg gefahren. alles beim alten, könnte ich also behaupten. aber ich weiß nicht.

überraschend rückt auch die letzte der lesenden heute, slata roschal, armut ins zentrum ihres auftretens. und zwar weniger im text, sondern erstens, indem sie nach der lesung das studio verlässt, um sich der ersten runde des preisgeschachers nicht auszusetzen. und zweitens und vor allem in dem anschließenden interview im orf-garten. (leider finde ich das im netz nicht. *) vieles, so vieles kommt mir bekannt vor. sich anreisen nicht leisten können, auch wenn diese kosten erstattet werden. aber eben nicht im voraus. auf catering hoffen, weil sich das das budget rettet. und so weiter, da gibt es noch vieles. (ich erinnere mich, dass eine band, in der ich vor einiger zeit spielte, als unterkunft eine turnhalle abgeboten wurde. zusammen mit dem hinweis, dass es leider kein frühstück geben könnte.) im fall klagenfurt bezieht sich das bei mir übrigens weniger auf meine anreise und meinen aufenthalt zu und bei den tddl, denn hier bin ich mehr oder weniger immer privat. das geht also auf jeden fall alles auf meine eigene, blöde kappe.

als schreibende muss ich allerdings festhalten, dass alles, wirklich alles am autor*innendasein finanziell ein verlustgeschäft ist. für die meisten von uns. es ist eine durchweg sehr schwere, insbesondere langwierige arbeit, die sich kaum je auszahlen wird. für so gut wie keine*n, das muss man wissen. selbst bei verkauf und veröffentlichung ergibt die plus-minus-rechnung am ende aller wahrscheinlichkeit höchstens ein nullsummenspiel.

ja, schreiben hat ganz grundsätzlich das potential, leben zu beeinflussen. das der lesenden ebenso, wie das der schreibenden. letztere vermag es darüberhinaus auch noch selbiges grundlegend zu zerstören, jahr für jahr für jahr bei der arbeit. die selbstverständlich unendlich bereichernd ist und es immer, immer bleibt.

es ist also beides, reichtum und vernichtung. nur deshalb tue ich es überhaupt noch, will ich es noch. leisten kann ich es mir eigentlich nicht.

* nachtrag, hier der link: slata roschal über ihre lesung und mehr.

keine klagen/107

ich habe nachgesehen und meinen erstern eintrag aus klagenfurt über klagenfurt gefunden. ja, im ersten jahr habe ich noch geklagt, danach erst gab es offensichtlich keinen grund mehr dafür. das ist also fünfzehn jahre her, die zwei corona-versionen abgezogen sind das dreizehn jahre. nicht eingerechnet all die fernsehjahre, seit irgendwann ende der achtizger. insgesamt sind es also geschätzt an die vierzig jahre bachmannlesen. #tddl kam ja erst später. vierzig, das ist doch beachtlich, und natürlich will und werde ich das weiterführen.

die zahl dreizehn bestärkt mich allerdings darin, ab dem kommenden jahr wohl keine reise hierher mehr anzustreben. das hat auch und vor allem finanzielle gründe, von daher bin ich fest überzeugt, dass es sich umsetzen lassen wird. meine zeit des reisens ist vorbei, so sieht es aus. das ist ein bisschen schade. ich fing gerade an, mich zu gewöhnen. immerhin habe ich diesmal noch nicht hier irgendwo hingeschrieben, was für eine schlechte reisende ich bin. einfach, wie es mir noch gar nicht eingefallen war. wirklich schade.

das ist das, strich darunter.

es ist heißt hier, wie überall in europa. meine unterkunft ist in vielerlei hinsicht großartig, die beiden fenster zur süd-west-seite verfügen über außenjalousien, die rückseitige terrasse ist gut verschattet, dahinter ist ein garten. das heißt, ich kann jetzt durchzug machen, die ganze nacht. still genug ist es auch. ich würde mir nur wünschen, irgendwo zwischen den 35 großen löffeln, messern und gabeln wenigstens einen kleinen löffel finden zu können. ach.

dass ich jetzt schon hier bin, quasi zu hause, in meiner temporären wohnung, belegt eindeutig, wie anders der bewerb inzwischen ist. damals ging gleich der eröffnungsabend bis tief in die nacht, dann drei stunden schlaf, kaum jemals mehr, und ab zu den ersten lesungen. und dann in die abende, immer weiter. auch das ist vorbei.

oder ich bin einfach alt. das leihrad, das kein e-bike ist, geht mir schon nach drei kurzen fahrten an die knie. und der lärm von all den vielen menschen hier ist anstrengend, wie aller menschenlärm, selbst im freien. immerhin kann ich deshalb jetzt in aller ruhe bloggen, der tag ist gelaufen. ich schau mir nur noch die langversion der großartigen rede zur literatur 2026 von helga schubert an.

das ist alles erstmal. bis morgen.

keine klagen/106

reisen durch die erste hitzewelle des jahres. das ist gar nicht so schlecht, weil es in zügen in den meisten fällen eine wunderbar funktionierende klimaanlage gibt. der schweiß, der sich auf dem weg zum bahnhof gesammelt hat, ist längst weggetrocknet. deutschland liegt hinter mir, ein gelingendes bloggen scheint sicher, denn es gibt wlan satt. jetzt geht es in in die berge.

bayern, so wie ich es verstehe, ist weitgehend flach und eitel. ziemlich sauber auch, sogar von gleisen aus betrachtet. das ist erschreckend. und vielleicht getragen von den vorurteilen, die ich vor jahrzehnten erworben habe, als ich mit eltern und bruder in genau dieser gegend in den urlaub verbrach wurde. chiemsee, prien, höslwang. ach, lassen wir das.

vom gleis aus in dieses bayern hineinzuschauen, war ein leichtes. über eine halbe stunde gab es immer wieder stillstand, totalen stillstand, nicht einmal schleichfahrt, und wenig information dazu. mir ist das gerade egal, ich muss nicht umsteigen heute. und es gibt ja die klimaanlage, und jetzt ein langsames tuckeln durch die berge. aber das österreichische zugteam hat sich als erstes „für eine Verspätung aus dem Ausland“ entschuldigt. so ist das jetzt: deutschland ist ausland!

während ich vor ein paar tagen noch unwillig war, ob meiner diesjährigen gegenwart in klagenfurt. inzwischen hat sich das weitgehend gelegt, ist sogar ein wenig einer kleinen freude gewichen. keiner wirklich großen freude, aber es läuft gut bislang. ich bin einen tag früher da, wie immer. die unterkunft scheint ganz wunderbar, man ermöglich mir einen früheren zutritt. ich muss also nicht am bahnhof warten, nicht einmal die nunmehr nur noch eineinhalb stunden. und ich habe nicht viel vor während der tage. ich erwarte keine bekannten gesichter, wiewohl mir eines bereits angekündigt wurde. eine nette überraschung, immerhin.

wenn mir danach ist, werde ich „zuhause“ bleiben und an dem exposé arbeiten, die unterkunft scheint mir dazu angemessen. erdgeschoss, nur wenig erhöht, durchaus geräumig, mit separatem schlafzimmer, wie mir scheint, und nach hinten eine kleine terrasse zum innenhof. ich bin gespannt. es wird eine kleine abschiedszeit. es wird zeit.

für mich eine zeit.

keine klagen/105

so, das wars. irgendwie seltsam, diesmal. ich war tatsächlich zu faul, auch nur einmal in der pause vom lendhafen hoch zum studio zu fahren. ein fahrrad hatte ich ja in diesem jahr, und so weit ist das ja nun wirklich nicht, ein paar hundert meter vielleicht. um wenigstens mal zu schauen, ob ich eventuell doch einen platz erwische. und die offensichtlich schon wieder umgebaute kulisse, diesmal möglicherweise ein bisschen so in richtung ganz früher, mit stuhlreihen und gitter, in augenschein nehmen.

aber ich weiß es nicht, ich habe es nicht gesehen. ich saß am lendhafen, mit etlichen anderen, besonders heute war es richtig gut besucht, und habe ferngesehen. allerdings mit sicherer textlieferung auch dort. mitlesen, oder zumindets mal das schriftbild betrachten, das mag ich ja. insbesondere letzteres. das ist etwas, das ich selbst beim schreiben dringend brauche.

das waren recht gute texte heute, aber hervorheben möchte ich keinen. möchte ich ja sowieso nicht, ich doch nicht, wozu. der erste ist ein wenig an mir vorbeigeflossen, das mag aber an einer laune gelegen haben, an meiner aufnahmefähigkeit, oder daran, dass mir story nicht entgegenkam. ein zweiter noch, nach der pause, der sich mir einfach nicht erschlossen hat. trotz des klitorishinweises im vorabfilmchen. auch da liegt es ohne zweifel, denn menschen, die noch keine dreißig, aber bereits promoviert sind, so die autorin, die machen mir angst. oder aber leipzig, immer noch.

alles in allem also doch ganz ordentlich texte, eineinhalb highlights, was mich angeht, und ein bisschen was fragwürdiges natürlich auch. keine große katastrophe, denke ich, alles gut. und alles nichts mehr jetzt.

der koffer ist bereit, schon mehr als halb gepackt. die preisvergabe morgen werde ich nicht mitbekommen. das macht nichts, solche preise sind ja immer auch unsinn. aber natürlich toll, und wichtig und überhaupt. ich weiß.

keine klagen/104

in der nacht hat es gewittert und ausgiebig geregnet, das hat den heutigen tag überaus angenehm gemacht. bei nicht einmal dreißig grad und permanent leichtem wind war es allein die literatur, die die gewichtigkeit bestimmt hat.

und es war ein nahezu durchweg gutes programm heute, mit dem besten auftakt ever. besser geht es kaum, das behaupte ich einfach mal so. wobei das natürlich immer auch geschmackssache ist. aber ein text, der sprachexperimente in höchstem maße mit sowohl so etwas wie erzählhandlung als auch mit geschichtlicher allgegenwart zu verbinden weiß.

was soll da mehr?

was will da noch ich? hier? wo niemand sonst ist, so wie sonst immer. gut, das war mir vorher schon klar, auch wenn ich nicht herumgefragt hatte. es ist nicht ganz das erste mal, aber jetzt sind auch die strukturen weg. kein bachmannwettschwimmen mehr, ich weiß nicht einmal, ob noch jemand an den see fährt. kein herumschlendern beim bürgermeister mehr, aber das war ja auch schon im letzten jahr. niemand trifft sich zum essen irgendwo zwischen augustin und was-weiß-ich, am abend geht es nicht ins theatercafé. ob es das noch gibt, ich bin nicht einmal daran vorbeigefahren.

nur der lendhafen ist schöner geworden. es sind zwei oder drei läden dazu gekommen, vor allem gibt es jetzt zu essen. ganz weit hinten, ein imbisswagen, auf den ersten blick, der aber speisen für ein paar gedeckte tische bereitet. es wird boccia gespielt, wie bei adenauers. es gibt auch junge leute, die machen ihr dings. literatur ist das nicht, aber was solls.

literaten sehe ich keine an den üblichen plätzen, weder verlagsleute noch schreiber*innen. oder zumindest wenige. von den teilnehmenden schaut auch niemand vorbei, soweit ich das mitbekomme. die literaturkursleute, die sonst immerzu und überall herumgesprungen sind, die vermisse ich am meisten. auch wenn ich eher wenig mit ohnen zu tun hatte, nur hier und da mal, der eine oder die andere. doch da gab es immer risse und rüche, da gab es hybris und dreck. ganz so, wie es sein soll.

lange dort geblieben bin ich gerade eben nicht. es ist kühl dort, das ist schön. es ist groß genug, um auch allein ganz gut sein zu können. einen augenblick, in dem mir klar wird, dass es nicht dieser ort ist, der es mir derzeit so schwer macht.

es ist der punkt, an dem ich den text verlassen habe, am montag in wien. wie ich meine hauptfigur zurückgelassen habe, der zustand, in dem sie sich befindet. und ich kann es nicht ändern, ich muss das noch vertiefen in den kommenden wochen. bevor ich ins letzte kapitel darf.

so ist das bei mir, so schreibe ich. ohne auszuweichen.

keine klagen/103

der morgen begann damit, dass ich eine halbe stunde zu früh zum lendhafen geradelt bin, damit mir genug spielraum bleibt für einen guten platz, am liebsten meinen lieblingsplatz. um dann vor ort festzustellen, dass etliche liegestühle vorab telefonisch reserviert worden waren. damit hatte ich nun wirklich nicht gerecht, und so stand ich ein wenig vor mich hingrunzend da, wusste nicht wohin mit mir. sehr seltsam, zumal mich das an die stetig zunehmende dauerplatzbelegingen im studio erinnerte.

um es kurz zu machen: ich saß dann doch, wo ich wollte. wohl wegen meines grummelns, was mir dann doch ein wenig peinlich war. im grunde ist es ja auch nur ein claim-abstecken, wenn ich auf den platz beharren mag, den ich jedes jahr am liebsten habe. mit etlichen anderen übrigens, die da auch jedes jahr sitzen man kennt sich inzwischen, würde ich sagen.

nach einer dreiviertelstunde wurden dann aber sowieso alle namenszetten abgeräumt, ohne dass da wer aufgetaucht wäre. und ich musste nur noch der versuchung widerstehen, mir für morgen einen solchen platz reservieren zu wollen. puh! ich hoffe lieber erstmal auf die gegenbewegung, also dass dieses spiel morgen einfach nicht mehr stattfindet. wenn nicht, begebe ich mich irgendwo ganz hinten in einen seitenbereich. wo ich dann nichts sehen kann und auch keine texte kriegen werde. hoffentlich aber hören. oder ich versuche es im studio, zumindest für nach der pause.

die texte heute haben mich durchweg nicht erwischt, so gut wie keiner. einen gab es, mit klaren insbesondere auch sehr körperlichen bildern über das sterben. aber auch der war es nicht bis zuletzt. ich hoffe also auf morgen.

immerhin war ich dabei, ich bin nicht abgeschweift, trotz zunehmender hitze, bis zum frühzeitigen ende. was ich übrigens später erst gemerkt habe, auf die uhr gesehen habe ich nicht. zwanzig minuten verschenkte zeit, habe ich das richtig gelesen?

die hitze war dann durchaus mehr, als ich es vor ort empfunden hatte. fast vierzig und gefühlt, in der sonne, auf dem rad, dann sicher über vierzig. doch zum glück geht ein leichter wind durch die stadt, seit gestern schon. später soll es tatsächlich noch regnen, in einer stunde oder so. so sagt zumindest das regenradar.

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