am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

keine klagen/108

zielsicher finde ich auch in klagenfurt schnell einen der orte, an denen sich die menschen ohne dach über dem kopf ihre wohnzimmer im freien einrichten. schnell fiel mir ein, dass das auch vor ein paar jahren schon so war. ich war lediglich aufgrund von verschiedenen unterkunftssituationen lange nicht mehr diesen weg gefahren. alles beim alten, könnte ich also behaupten. aber ich weiß nicht.

überraschend rückt auch die letzte der lesenden heute, slata roschal, armut ins zentrum ihres auftretens. und zwar weniger im text, sondern erstens, indem sie nach der lesung das studio verlässt, um sich der ersten runde des preisgeschachers nicht auszusetzen. und zweitens und vor allem in dem anschließenden interview im orf-garten. (leider finde ich das im netz nicht. *) vieles, so vieles kommt mir bekannt vor. sich anreisen nicht leisten können, auch wenn diese kosten erstattet werden. aber eben nicht im voraus. auf catering hoffen, weil sich das das budget rettet. und so weiter, da gibt es noch vieles. (ich erinnere mich, dass eine band, in der ich vor einiger zeit spielte, als unterkunft eine turnhalle abgeboten wurde. zusammen mit dem hinweis, dass es leider kein frühstück geben könnte.) im fall klagenfurt bezieht sich das bei mir übrigens weniger auf meine anreise und meinen aufenthalt zu und bei den tddl, denn hier bin ich mehr oder weniger immer privat. das geht also auf jeden fall alles auf meine eigene, blöde kappe.

als schreibende muss ich allerdings festhalten, dass alles, wirklich alles am autor*innendasein finanziell ein verlustgeschäft ist. für die meisten von uns. es ist eine durchweg sehr schwere, insbesondere langwierige arbeit, die sich kaum je auszahlen wird. für so gut wie keine*n, das muss man wissen. selbst bei verkauf und veröffentlichung ergibt die plus-minus-rechnung am ende aller wahrscheinlichkeit höchstens ein nullsummenspiel.

ja, schreiben hat ganz grundsätzlich das potential, leben zu beeinflussen. das der lesenden ebenso, wie das der schreibenden. letztere vermag es darüberhinaus auch noch selbiges grundlegend zu zerstören, jahr für jahr für jahr bei der arbeit. die selbstverständlich unendlich bereichernd ist und es immer, immer bleibt.

es ist also beides, reichtum und vernichtung. nur deshalb tue ich es überhaupt noch, will ich es noch. leisten kann ich es mir eigentlich nicht.

* nachtrag, hier der link: slata roschal über ihre lesung und mehr.

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