am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

win-win

vor lauter schreibfrust das große windows update vom mai 2020 angestoßen, der ersatzrechner für den totalschaden des voherigen war mir noch ohne dieses geliefert worden. anschließend dann drei stunden lag ziemlich besorgt gewesen, ob das eine so gute entscheidung war. das wärs natürlich gewesen, wenn das nicht geklappt und mir stattdessen nach zwei monaten den endlich wieder gut funktionierenden und schnellen neuen rechner zerschossen hätte.

ist zum glück alles gut gegangen.

beim warten und blättern in den manuskriptnotizen meiner agentin wurde mir außerdem noch klar, was gefehlt hatte bei der schreibarbeit heute. welche zusammenhänge ich nicht berücksichtigt hatte bei der bearbeitung von zwei um seiten auseinanderliegenden neuen szenen. diese beiden korrelieren zwar unmittelbar miteinander, nicht unmittelbar, aber energetisch auf jeden fall. sehr. andererseits existieren aber auch noch einige andere, bereits geschriebene szenen, die ebenfalls auf die neueinschübe abgestimmt werden müssen. das wird es gewesen sein.

ich schaue mir das später am tag mal an. (heute ist ja schon heute und nicht mehr gestern.)

aber erstmal schlafen.

schreibzeit (55)

manchmal ist es die hölle. wie komme ich nur darauf, schreiben zu wollen, schreiben zu müssen. wenn es immer wieder eine solche hölle bedeutet. irgendwann, gegen ende zumeist, mündet die arbeit in einer art wahnsinn. das weiß ich doch, nicht erst seit gestern.

keine ahnung, was ich heute getan habe. ob ich vorangekommen bin, irgendetwas brauchbares verfasst habe.

ich weiß nur wenig. ich sehe nichts. ich lebe in der schreibhölle heute, wie in einer höhle ohne licht. ohne ausgang auch.

beim zahnarzt gewesen. es gab nicht wirklich etwas zu beanstanden, mir ist im eifer des gefechts aber auch wieder einmal nicht alles eingefallen, was ich hätte fragen oder zumindest erwähnen wollen. immerhin gehe ich in drei wochen wieder, zu meiner ersten professionellen zahnreinigung überhaupt.

ob ich das überlebe?

bonding (132)

so recht kann ich gerade die finger nicht vom text lassen. nach der arbeit denke ich darin herum, obwohl ich totmüde bin. ich schlafe so schlecht in letzter zeit. trotzdem schaue dann manchmal sogar in die datei und tippe ein bisschen darin herum. ohne dass ich glaube, damit einen großen wurf machen zu können. vor allem aber schaue ich in bücher, sehr alte bücher, die ich vor jahrzehnten gelesen haben mag. alles über mütter und kinder, frühkindliche entwicklung und schwarze pädagogik. lange nicht gesehen, das zeug. zeug, das mich schaudern lässt.

außerdem schimpfworte recherchiert, gestern schon. das ist gar nicht so leicht. ich will für das buch nicht all die nehmen, die ich selbst kenne. das führt mich auf falschen grund. aber treffliche schmähnamen zu finden oder gar zu erfinden, das ist gar nicht so leicht. das braucht auch noch ein wenig, bis das sitzt.

bei genau dieser schimpfnamenrecherche hat sich zu allem überfluss noch ein fenster aufgetan, der titel für das nächste projekt. vielleicht ein arbeitstitel, aber das ding ist so gut. das könnte glatt der endgültige titel bleiben. es ist der schimpfname der hauptfigur, der so unglaublich passt. der den schimpf verlassen und ihr zueigen werden könnte. wenn ich es richtig mache. so eigen ist er. und zusammen mit diesem namen haben sich gleich auch erste neue strukturen gezeigt, ein erzählhaltung womöglich. die grundlage der story habe ich ja schon seit langem fest in der hand. genau weiß ich das alles nicht, natürlich nicht. ich habe auch die zeit nicht, ausgerechnet jetzt tiefer einzusteigen. oder hinauszufliegen aus diesem fenster, um mich umzusehen.

erst einmal muss ich ja durch das aktuelle manuskript. eine oder zwei wochen noch, bis das nächste stadium erreicht ist. wieder nur ein zwischenstadium, aber was für eines. die fassung, die an die verlage gehen wird.

also!

wut und selbstverachtung, wahnsinn und ständige denkwiederholungen stehen mir nicht mehr so gut wie mit zwanzig. das war eigentlich schon mit etwa dreißig weitgehend passé, obwohl ich mich nicht so recht daran gehalten habe. bis ich so ungefähr vierzig war, da wurde es dann wirklich unangebracht. inzwischen bin ich ja fünfzig, das heißt, genaugenommen weit über fünfzig.

das wär’s dann also. denke ich.

#insight

nein, es ist keine gute idee, dieses romanmanuskript an seinen endpunkt führen zu müssen, an den tiefsten fluchtpunkt, ausgerechnet in dieser unerträglichen zeit. die immer unerträglicher wird, jetzt, wo es kalt wird und dunkel. es ist nicht gut, wenn die kiste der vergangenheit sich öffnet, zwischen abstandhalten und gesichtsschutz. weil die erinnerung sich öffnet an die umfassende verlassenheit und den permanentem gesichtverlust. damals. ja, das war schlimmer, das war fundamental. und es war endlos. aber es hat mich auch alles gekostet, jahre und jahrzehnte vor allem, um ein wenig menschwerdung zu erreichen.

was aber soll ich tun, jetzt, wenn sich freunde lieber fernhalten, aus angst. und das dann auch noch fürsorglich finden. was kann ich tun, außer verzweifeln. ganz still für mich allein, weil die verachtung, diese unfassbare egozentrik, die dieser art altruismus zugrunde liegt, kaum zu vermitteln sein wird. was soll ich tun, außer zuzusehen, wie ich zerfalle. wie ich wieder das wrack werde, als das ich damals ins leben gerotzt wurde.

ich will das nicht mehr. es reicht, ich habe genug. es ist einfach zuviel verlangt. ich kann das nicht, noch einmal. also suche ich nach einem weg, das alles für mich zu beenden. einen ausweg, und finde keinen. ich sehe nur, dass es mir eine ewigkeit offeriert. im tausch gehen nichts.

die zeit werde ich nicht haben, noch einmal ein leben zu bauen. einfach so ins leere. auch die kraft wird kaum noch reichen. ich sehe, was ich damals gesehen habe, als kind. ich sehe mich verhungern.

das gute ist, ich weiß, wie es geht. und besser noch: es wird wieder niemand merken.

wie der mann auf dem fahrrad heute. fährt an mir und dem motorrad vorbei, hält dann an und dreht sich zu mir. seit zwanzig jahren oder so, sagt er, sieht er diese schöne, alte maschine. und jetzt, zum ersten mal, ihre besitzerin. ich korrigiere ihn auf sechszehn jahre, so lange bin ich jetzt in berlin. und wir reden ein bisschen, dreck und öl und wind und strecke. er fährt auch, nicht nur fahrrad. das war der erste fremde mensch, mit dem ich seit über einem halben jahr irgendwie persönlich gesprochen habe. das war schön, fast soetwas wie kennenlernen. es gibt ja seitdem keine gelegenheit mehr.

und er hat nichts gemerkt, glaube ich. wie weit ich schon weg bin. wie sehr es mich irritiert. dieses reden, dieses kennen. wie fremd, diese welt.

das muss ein ende nehmen. endlich.

nur eines noch: hört endlich auf zu predigen ihr moralapostel, ihr besserwisser, ihr elenden schwätzer. längst habt ihr alle idioten und leugner entfolgt, und euern ekel über sie ausgespuckt. ist das nicht genug? (ich stelle euch nur still und stumm auf facebook und sonstwo. das merkt ihr nicht einmal.) aber immer noch proklamiert ihr die wahrheit, maßregelt die dummheit der menschen, der meisten. als wärt ihr selbst keiner und nicht ebenso, mensch und dumm und überfordert. mit vorliebe verweist ihr auf andere besserwissenschaftler oder auf die wiederkehrenden schreckensberichte. zur ertüchtigung der anderen, die es noch nicht verstanden haben. oder es zu vergessen drohen. (wer denn? ich, die euch noch nicht entfolgt hat.) nur keine freude, keine erleichterung, so angebracht sie auch ein mag. das macht weich, das macht angst. ja. aber nicht mir.

wer seid ihr, dass ihr tut als wüsstet ihr mehr und sowieso bescheid. oh, ihr götter, ihr seid erleuchtet. richtig?!

doch auch ihr wisst nichts. ihr seid nicht anders als ich, als alle. ihr glaubt das nur. weil es hilft, für eine weile.

ha! da bin ich euch voraus. in diesem elend, das mir so vertraut ist.

bonding (131)

das letzte kapitel ist bereinigt, an zwei stellen etwas frischer text eingefügt. neue elemente, ebenso eine frisch geschriebene seite im vorletzten kapitel. zwei dieser neuen elemente waren höllisch schwer zu erfassen und eigentlich kaum zu schreiben. ich bewege mich am äußersten rand meiner sprache. das ist also noch lange nicht fertig.

grob gesagt ist aber dennoch alles im letzten kapitel auf eine einheitliche überarbeitungsstufe gebracht. bereit für einen weiteren durchgang, um das sprach- und denkgeflecht zu verfeinern. überhaupt für eine feinere ausgestaltung des endes. das kommt dann in der nächsten schreibzeit, nächste woche, donnerstag bis sonntag. wieder vier volle tage, vermutlich. ich hoffe doch!

bleiben zuletzt die beiden neuen elemente, frisch aus der hölle, schlüsselstellen womöglich. die brauchen länger, da bin ich sicher. ich weiß nicht einmal, ob ich es hinbekommen. gut genug, zutreffend. erfahrbar. ich weiß es wirklich nicht, aber irgendwie wird es.

es muss.

schreibzeit (54)

nach einer drei-tage-arbeitswoche, montag bis mittwoch, bleiben mir jeweils vier tage schreibzeit. so zumindest war es in den letzten wochen, fast durchgehend. immer freue ich mich auf diese zeit. und immer denke ich nach dem ersten tag, dass ich sie vertue. so wenig schreibe ich tatsächlich. am zweiten tag ist es kaum anders. erst am dritten sehe ich, dass etwas passiert. obwohl ich kaum schreibe, also irgendwie nichts zu tun scheine. das stimmt aber nicht. ich lebe und denke und schiebe, vieles passiert einfach nur in meinem kopf.

so auch in diesen vier tagen. viel ist geschehen, neu sortiert und durchdacht. aber nur zwei oder drei seiten sind neu. und fertig ist nichts davon. nicht so richtig.

manchmal muss text hängen, unfertig und abstrakt. damit er sich ausrichtet, seinen ballast von allein verliert. den muss ich dann nur noch abstreifen. nächste woche oder so. übernächste, spätestens.

dann bin ich durch. bis auf ein paar kleinigkeiten.

bonding (130)

es hat sich so einiges sortiert über nacht. das habe ich kurz notiert, zum glück, dann bin ich erstmal durch den regen gelaufen. eine hose kaufen, bei karstadt am herrmannplatz. so leer dort, zum teil auch die regale. dann ein fladenbrot in der nähe des s-bahnhofs sonnenalle. ein ganz schöner marsch, fast zwei stunden. über acht kilometer, sagt die app. früher dachte ich immer, ich schaffe sechs kilometer in der stunde. als kind. aber vielleicht waren es von altenessen bis karnap ja auch keine sechs kilometer. fünf komma sechs, sagt google. und sechsundfünfzig minuten.) aber ich verrenne mich gerade.

wieder zu hause erstmal kaffee und frühstück. dann alle hosen angezogen und das sortiment begutachten, vier hosen aussortiert. hätten eigentlich sechs werden können, aber zwei werde ich wohl einfach aus liebe noch ein- oder zweimal tragen müssen. eh sie dann auseinanderfallen. endlich. anschließend mit der ELSTER beschäftigt, die gern ein verlängerungszertifikat hätte, dieses aber nicht zu mit downloaden will. auf den infoseiten findet sich ein solcher fall natürlich nicht. nur der hinweis, dass man es einfach noch einmal versuchen solle. würde ich gern, nur finde ich den download-ort nicht mehr. der fehlversuch war irgendwann anfang august. ach verdammt, ich verrenne mich schon wieder.

nach der ELSTERei vor frust erstmal ins heiße wasser gestiegen. und weil der nacken heftig schmerzt, nach der nächtlichen motorradfahrt gestern. nicht wirklich ein wunder, das habe ich noch unterwegs gemerkt. der rücken tut auch weh, besonders beim atmen. tief innen, dass ich nicht tief atmen mochte. das bad hat nicht so recht geholfen, jetzt hoffe ich auf die nacht. aber so recht weiß ich nicht, meistens tut es morgens mehr weh. schon wieder verannt. so ist das mit der schreibarbeit.

irgendwie dann doch alles in den text eingearbeitet, was mir vorgeschwebt war. kaum zu greifen im grunde, und es sitzt auch noch längst nicht. aber es steht da., gekb markiert. damit ich es wiederfinde, für die nötigen überarbeitungen. vorher habe ich sogar noch den bestehenden text weiter sortiert und geputzt.

jetzt ist alles ausgelegt, habe ich den eindruck. so wird es zu ende gehen. bleiben fünf seiten auszuputzen, der text steht aber schon gut da. also nicht so schlimm, wie die letzten zehn, zwölf seiten. und dann die neu geschriebenen passagen, abwarten, hängen lassen, wachsen lassen. fertig.

es ist sehr anders geworden, der ganze text. obwohl ich vor allem die kleine binnengeschichte geändert habe. die stimmung, die energie. die tiefe auch. das ist gut, viel besser.

vierhundertachzig normseiten sind es jetzt. das ist mächtig viel, zuviel vermutlich. aber kürzen geht immer, ein bisschen zumindest. kürzen ist gut.

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