am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (81)

manche tage sind so, andere anders. heute zum beispiel war das schreiben eine qual. das kann ich also doch auch noch.

zwölf stunden habe ich auf einem fleck gehockt, mit einer kurzen unterbrechung nur. draußen immerhin, einkaufen gehen. und dann gleich zurück in den text. in die qual.

aber was soll ich machen? am montag abend ist meine kleine, im grunde mit leichtigkeit zu reißende kurs-deadline. doch ich will sie halten, und morgen ist tango. sie session heute war also pflicht.

so hab ich mich durchgequält, sechs seiten in über zwölf stunden. gut ist es noch lange nicht, das ist mal klar. aber ich habe eine idee von der linie geschaffen. ganz schwach nur, noch kaum erkennbar. aber sie ist da, eindeutig.

morgen vormittag habe ich vielleicht noch ein paar stunden, wenn ich früh genug aus dem bett finde. dazu ein paar ideen, wer weiß. vielleicht finde ich auch in einen fluss, das wäre blöd. könnte aber gut ein, weil ich anschießend bis einschließlich freitag kaum mehr an den text komme. solche gemeinheiten klappen ja oft.

so oder anders. ist alles egal, denn abgeben und drüber reden geht durchaus. geht eigentlich jetzt schon, wenn ich ehrlich bin. dann hätte ich morgen ein bisschen luft. vielleicht.

wobei ich es im grunde schlimm finde, vom luft haben zu reden. oder auch nur daran zu denken. doch das passiert neuerdings, immer öfter sogar. die vorstellung von ein bisschen luft in meiner zeit.

kurz bevor alles zu ende ist, bin ich wohl doch ein klein wenig erschöpft.

eine überraschung ist das natürlich nicht. über sechzig seiten habe ich seit mitte september geschrieben. gute seiten, fast fertige seiten. im schreiben bin ich besser, aber ich kann auch ein wenig rechnen. sechzig seiten in drei monaten sind viel. sechzig solche seiten.

wenn ich mit diesem kapitel fertig bin, werden es siebzig sein. dann bleiben noch geplante fünfunddreißig. also so in etwa sechzig, denke ich.

abwarten. schlafen. tanzen.

bonding (80)

den ganzen tag nur dies und das, mehr so rumgerödelt. nichts wichtiges irgendwie, immer noch geht es um ordnung im chaos. und dann zur ruhe kommen. davon träume ich, von ruhe und raum. vielleicht auch zeit. aber erstmal ordnung, in der wohnung diesmal. was durchaus spaß macht, und sogar sinnvoll ist. aber es hindert natürlich am schreiben.

damit habe ich dann auch erst gegen acht abgefangen, kurz nach der tagesschau. (oh, those brits!) dennoch bin ich jetzt zufrieden. ich war sofort drin, der text gehört mir, und es wurde besser und besser. auch wenn ich speziell auf diesen teil keine lust hatte.

nicht viele seiten, vielleicht drei. ich hab nicht einmal genau gezählt, fällt mir gerade auf. es waren genug auf jeden fall. es kommt ja ohnehin eher darauf an, die line zu erkennen. oder besser: die linien, die wachsen und sich winden. die in den griff zu kriegen und zu beleben.

das ist schreiben.

ein wenig ist es mir ja peinlich, wenn es so gut läuft. so scheinbar leicht. leicht ist gar nichts beim scheiben, aber gut eben. so reich und voller geschenke. ich schreibe dinge, an die ich sekunden vorher noch nicht gedacht habe. ich baue gedanken wie mauern, treppen und türen. und finde leben darin.

das ist irre.

alles

das schreibhirn nimmt irrsinnig viel raum ein, von tag zu tag mehr. es drängt sich in alles, hat immerzu ideen und will los. es ist schlimm. denn das meiste davon vergesse ich, wenn ich es mir nicht zügig notiere. ich kann aber nicht immer alles gleich aufschreiben. auf der arbeit zum beispiel oder wenn ich mal mit wem ausgehe. was ich derzeit so gut wie nie tue, aus gründen. schreibgründen.

ach himmel, ist das anstrengend! und so wunderschön. alles zu geben und alles zu können. alles zu sein.

ganz einfach, das mit dem regen in meinem bad. ein anruf von der arbeit aus, die dringlichkeit muss ich gar nicht erst näher erläutern. die liegt sofort klar auf der hand. und als ich nach nach hause komme, ist alles erledigt. vermutlich, denn in meine wohnung musste wohl niemand, das wurde mir noch am telefon erklärt.

sehr erfreulich.

sehr lustig ist, dass sich etliche der mittlerweile unnütz gewordenen coup-roller bei mir vor der haustür zu versammeln scheinen. 26 habe ich heute morgen in meiner straße gezählt, am abend waren es schon 37. hier scheint wohl eine der letzten stationen zu sein, vor dem kollektiven abflug. da bin ich mal auf morgen gespannt.

überhaupt bietet mir dieses lustige geschehen die einmalige gelegenheit, die elenden drecksdinger höchstpersönlich in den wind zu schießen. in den müll oder sonstwohin, hauptsache weg damit. wobei ich ja eigentlich überhaupt nichts gegen die niedlichen kleinen fahrzeuge habe, die finde ich sogar ganz schick. und gar nicht so sinnfrei vermutlich.

vor allem aufgebracht bin ich gegen deren unfähige fahrer*innen, ohne jegliches gefühl für gefahr. besonders die, die sie für andere darstellen. andere zweiradfahrer vor allem, also solche mit richtigen zweirädern. und mit zweiradführerschein. wenn man den hat, weiß man, dass man andere fahrzeuge auf einem fahrstreifen nicht rechts überholt. niemals, wirklich absolut nicht. auf einem zweirad noch nicht einmal einfach so, wenn man einen eigenen fahrstreifen für sich hat. und schon gar nicht mit der beschleunigung, die diese elektrodinger drauf haben.

mal ganz abgesehen von den vielen kleinen zweiradvereinbarungen und -verabredungen, von denen diese meitrollerhirnis natürlich nicht die geringste ahnung haben. stillschwiegende agreements, die funktionieren, ohne dass man sich kennt. ohne dass man sich je kennenlernen wird. trotzdem.

diese unverschämten zeitgenossen auf ihren albernen spielzeugen haben mich in den letzten jahren oft genugnden letzten nerv gekostet, vor schreck und vor angst.

damit ist jetzt schluss. punkt.

bonding (79)

ich denke, ich bin ein update schuldig. oder? nach den letzten wochen, die in stress, krankheit, steuererklärung und erschöpfung untergegangen sind. in denen ich mich kaum äußern konnte oder wollte, wie es so aussieht mit der schreibarbeit.

natürlich habe ich weitergeschrieben, wann immer ich konnte. eines nach dem anderen, so ist es doch immer gewesen in den letzten jahren mit diesem text. ich glaube kaum, dass sich daran auf den letzten metern etwas ändern wird. ich zumindest werde dieses vorgehen keinesfalls in frage stellen.

300 einigermaßen sauber ausgearbeitete seiten sind es seit eben, über 83.000 wörter. und noch bin ich ja nicht fertig, nur der plan steht auf einmal. bis durch bis zum schluss, das ist neu.

es heißt also, kapitel zwanzig fertigstellen bis in ungefähr einer woche. das sollte nicht allzu schwer sein, das meiste ist davon schon geschafft oder zumindest vorgearbeitet. im anschluss muss die sträflich vernachlässigste binnengeschichte in wien einmal ganz von vorne aufgerollt und aufgeräumt werden, über sechzig seiten immerhin, damit es auch damit weitergehen kann. das ist wichtig, denn das ende findet genau dort statt, in wien, im jetzt. diese arbeit sollte über weihnachten und in der wohl letzten potsdamer schreibzeit zum jahreswechsel zu bewältigen sein. hoffe ich zumindest.

so bleiben für 2020 noch zwei exakt abgezirkelte kapitel, die nicht die welt sind. aber was heißt das schon? aber was weiß denn ich, was die welt ist! exakt abgezirkelt ist zu glück auch noch so gut gar nichts. das habe ich so dahergeschrieben, ohne nachzudenken. vermutlich. das wäre ja langweilig, so zu schreiben.

nein, alles ist offen, alles geht weiter und alles wird fertig. muss ja, irgendwie. auch mit plan. überhaupt ist ein plan beim schreiben ja womöglich nur die absehbarkeit, die unvermeidlich irgendwann eintritt.

so also sieht es aus.

perkussion

der tag beginnt leichtem regen in meinem badezimmer. ein tröpfeln nur, ein pling und ein plang, gelegentlich, ganz leicht. ganz schön eigentlich, rhythmisch, wie musik.

es hört sofort auf, als in der wohnung über mir das duschen oder baden eingestellt wird. es ist auch nicht tragisch, erfordert kein schnelles eingreifen. es tropft direkt in meine wanne, die naturgemäß auf die ableitung von wasser ausgelegt ist. was beibt ist ein feuchter schatten an der decke, eine sich leicht wölbende tapete, die das wasser nur schwer hält. bleiben kann das nicht.

na, da hab ich grad lust drauf.

im kopf donnert es weiter, rechts hinter dem ohr, über dem auge auch, wie gestern schon. es stockt in den nebenhöhlen, die ganze nacht. auch das kann so nicht bleiben, aber heute ist sonntag.

ich werfe eine kleine ibu ein und streiche alles auf der liste.

nur das schreiben, das nicht.

räumen & bauen

ordnung. ich versuche, ordnung zu schaffen. gestern war es frustrierend, weil ich nur in rechnern herumgebastelt habe, den ganzen tag. irgendwie auch schön, weil es darum geht, ein neues gerät einzurichten. eines der neuesten rechenteile, das ich jemals hatte. aber noch besser: ein anderes laptop werde ich verschenken. höchstmöglichst gewinnbringend sozusagen, weil auf ihm dann an anderer stelle bücher übersetzt und romane geschrieben werden. satt dass er bei mir sinnlos im schrank rumliegt.

und es ist ja bald weihnachten, habe ich mich sagen lassen.

heute war es dennoch noch ein bisschen besser. zwar habe ich ewig geschlafen, bis nach zehn. aber dann war da die liste, die ich mir gestern vorsorglich auf den schreibtisch gelegt hatte. auf der stand zwar nur so dämliches zeug wie: müll raus, arbeitsplatz aufräumen, saugen, motorradbatterie ausbauen und aufladen usw. aber gerade das ist grandios, absolut perfekt für meine innere verfasstheit. wenn ich nach und nach die punkte auf solchen listen durchstreiche, dann löst sich etwas in mir und baut mich gleichzeitig auf.

eben grandios, denn jetzt ist die batterie wieder geladen.

mit arbeitsplatz war im übrigen nicht mein schreibtisch gemeint. wenn der nicht penibel sortiert ist, dann arbeite ich an nichts. oder ich hänge fest, dann versumpft mir alles und zwar zügig. das wäre schlimm. aber so ist es zum glück nicht.

gemeint war die stelle, an der seit wochen meine werkbank aufgebaut ist. an der ich aber nicht viel gemacht habe, aus zeit- oder krankheitsgründen. dennoch war dort, keine zwei meter von meinem schreibtisch entfernt, alles völlig heruntergekommen. sogar alte sägespäne lagen herum, neben werkzeug, werkzeug- und maschinenkisten, einer kabeltrommel und holz, das ich gar nicht gebrauchen kann. nicht für das, was ich vorhabe zumindest.

überhaupt war wohl das das hauptproblem. dass ich nicht mehr wusste, was ich da eigentlich vorhatte. oder anders: dass ich so viel vorhabe, dass ich nicht weiß, wo anfangen, in aller ruhe und eines nach dem anderen.

aber jetzt ist alles gut. ich habe aufgeräumt, die lästigen späne aufgesaugt. so kommt mein hirn wieder klar, auch mit dem bauen. hoffentlich.

mit dem schreiben ja sowieso.

overflow

nirgends ist mehr ruhe, alles in aufruhr stattdessen. alles unfertig, wie das buch. und alles andere liegengelassen, weil die zeit dafür nicht ist. nicht jetzt. nur das buch. das liegt nicht, das muss. ganz nebenbei steht jetzt der plan, bis zum schluss.

was für ein schock.

dabei würde ich so gern mal wieder etwas bauen. die ideen dazu stapeln sich. ein bisschen was notiere ich, eine ganze menge sogar. und immer wieder wandelt und ändert sich alles ein wenig. bis ich dazu komme, es wirklich zu bauen, wird es perfekt sein. bis auf den punkt, den letzten. das freut mich, mass

also vielleicht morgen mal wenigstens mal ein bisschen was aufmessen, durchrechnen, zeichnen auch. das wäre fun. auch das ein wenig auf die reihe zu kriegen, damit die dinge absehbar werden.

und meine tangolieblingsmusik, natürlich. also nontango vor allem, die muss mal durchsortiert werden, schon seit monaten.

auch das. aber eigentlich: schreiben!

pausen

pausen sind niemals pausen, so ist das in einigen jahren. manchmal erinnere ich mich an die erste zeit hier in berlin, als alles noch ganz anders war. die tage hatten viel weite, alle tage. und auch die nächte, die besonders. andererseits gab es die tägliche sorge um die existenz und damit große enge und beständiges sorgen.

die krankheitspause hatte es dennoch in sich. und irgendwie ist sie auch noch nicht vorbei, obwohl wieder im rad renne. im büro, in der übersetzungsarbeit, da steht derzeit viel an, und beim schreiben natürlich. so it’s: run, baby, run.

lästig ist allerdings, dass der kleine zeh, mit dem ich vor fast schon zwei wochen vor den bettpfosten gesemmelt bin, nicht heilen mag. wird also gebrochen oder angebrochen sein. tango geht kaum und auch sonst, alles nur mit vorsicht. eigentlich.

ich klebe einfach zwei zehen zusammen, und weiter geht’s. pausen, die sind eben nicht. nicht jetzt.

by the way: ist pausen eigentlich ein verb? (jaja, ich weiß. aber das meine ich nicht.)

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