am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

loops

wirklich ärgerlich am kranksein, an so einer intensiven atemwegsinfektion vor allem, ist ja die unfähigkeit zu schlafen. andererseits natürlich selbstverständlich, wer ohne anstrengung nicht atmen kann, schläft eben nicht. auch nicht, wer der einfachheit halber durch den mund die nötige luft schöpft. zu schöpfen versucht. auf die art manifestieren sich lediglich anfallartige hustenwellen, bei denen jedes mal schmerzhaft fetzen aus den bronchien gerissen werden.

so zumindest geht es mir derzeit. und die träume werden dadurch auch nicht besser. sie hängen sich in enge schleifen, verstricken sich nach ein paar runden, verknoten sich zu klumpen, aus denen der erschöpfte geist auch nach dem (vermeintlichen) aufwachen so schnell nicht wieder hinausfindet.

so hatte ich heute morgen schwierigkeiten herauszubekommen, ob ich meinen zustand tatsächlich mit hilfe von etwas, das html nicht unähnlich war, programmiert haben könnte. oder ob dieses vorgehen ausschließlich im traum stattgefunden hat, also lediglich eine illusion war.

letztendlich ist das zu wissen vermutlich nicht besonders wichtig, denn es ändert ja auch nichts. ein satz, der im übrigen für vieles im leben gilt.

ich huste es aus, dann ist es weg. was immer es ist.

transformation.

gestern nacht noch mit dem kleinen zeh vor einen schrank gelaufen, seitdem ein bisschen humpelig. heute morgen dann mit halsschmerzen aufgewacht. ich glaube aber nicht, dass da ein zusammenhang besteht.

die arbeit lief dementsprechend schleppend heute. eigentlich gar nicht, aber zum glück stand auch fleißarbeit auf der liste. das ging so gerade.

schreiben nicht. ist aber nicht schlimm.

schreibzeit (30)

manchmal wird in schreibzeiten auch gar nicht geschrieben. sehr oft sogar. dann dümpeln die tage so vor sich hin, die zeit. dann passiert lange gar nichts.

bis in der nacht dann, kurz vor dem einschlafen, die bilder kommen, die szenen und die worte. so war es gestern, kurz nach dem letzten blogeintrag. kurz vor dem schlafen, das ist eine gefährliche zeit, leider. zu leicht ist am nächsten tag alles vergessen.

so war es heute. aufwachen und schnell los, zur arbeit, bevor der angesagte regen einsetzt. ich fahre nicht gern motorrad im regen, wenn alles voller blätter liegt. das baucht verdaḿmt viel achtsamkeit. so hab ich an nichts mehr gedacht.

später dann, in der physio, in fango verpackt, kam ein bisschen was zurück. das wichtigste, wie mir scheint. die bilder zumindest, das eine vor allem. damit lässt sich arbeiten, denke ich.

vielleicht morgen.

laufen tut es

besser heute, weniger mist zumindest. dafür mehr stress, na gut. im büro trudeln kurz nach mir beide bürokolleg*innen ein. nicht gut. keine fünfzehn minuten und die luft kocht. drei stunden später die explosion, da war ich zum glück gerade kurz raus, zur apotheke. meine hauptaufgabe in dem spiel: mit beiden darüber reden, getrennt voneinander, versteht sich, und verständnis zeigen. was nicht schwer ist , das habe ich. sowieso.

und darüber hinaus aber natürlich auch noch meine arbeit machen. ein bisschen wenigstens. zusammen genommen ist das stress, ich sagte es.

immerhin keinen s-bahn-stress heute, keine wutwartereien mit anschließenden menschenmassen in sardinenbüchsen. stattdessen fröhliches mitrollen in den morgendlichen blechkarawanen, verdammter individualverkehr. (an dieser stelle einsetzten: heimliche träume von einem schicken e-bike als alternative.) zu kalt für die maschine ist es immer noch nicht. das klima, ich weiß. aber auch, weil zum ersten mal meine ausrüstung einigermaßen adäquat ist. heizgriffe, lithium-ionen-akku, statt säurebatterie, und: noch niemals im leben hatte ich echte motorradstiefel, aber jetzt. ja, gebraucht ergattert, für ein paar kröten nur, weil ich sie sicher nicht oft benutzen werde. gut für den winter vor allem. aber unbequem und steif, dafür wind- und wasserdicht, angeblich, und sicher natürlich. alles andere als schick, aber das sind solche dinger ja nie. und laufen tut es sich da drin, wie ein trampelmonster.

is nix mit engl, leichtfüßig und schwebend.

zu hause dann wieder nichts geschafft. kein bisschen arbeit zumindest, nur rumdümpeln. also essen machen, in heißem wasser liegen, im internet surfen. richtig surfen, nicht recherchieren, suchen oder gar planen. einfach nur so dümpeln, hab ich ja lange nicht. ist auch schnell langweilig.

wenn ich ehrlich bin.

fehlt mir das schreiben, natürlich. nach zwei tagen nur, zwei arbeitstagen, genaugenommen, an denen ich sowieso kaum zeit gehabt hätte. fehlt es mir schon.

was schreiben ist …

… Schreiben ist überleben, das Schreiben überleben oder mit dem Schreiben überleben, trotz des Schreibens überleben, Schreiben ist einen Plan B haben, der das Schreiben erst möglich macht, …

… Ich glaube, dass es gut ist, auch noch andere Quellen für sein Seelenheil zu haben. Und dass es riskant ist, sein ganzes Glück vom Schreiben abhängig zu machen – auch wenn ich weiß, wie schwer das zu beherzigen ist, wenn man eigentlich nichts anderes will. …

das und viel mehr, das mir ebenfalls ausgesprochen zutreffend erscheint, sagt isabelle lehn in ihrer keynote zum open mike autor*innenworkshop.

mistress

verkackter tag, ganz wie berlin irgendwie. typisch. verzweifelte versuche, s-bahn zu fahren, noch vor acht. ebenso dann wieder am feierabend, es wollte einfach nicht. die summe der heutigen wartezeiten beläuft sich so in etwa auf fünfzig minuten. ich hasse warten. warten ist wut.

das tagesfazit lautet daher: zu spät beim arzt, zu spät auf der arbeit und viel zu spät wieder zu hause. hier dann nicht mehr viel zusammengebracht. nur leere, frust und rage.

morgen setze ich mich wieder aufs bike. heute war mir das irgendwie zu heikel. zu nass und zu viele frisch gefallene blätter, da muss man aufpassen. dazu hatte ich zu schlecht geschlafen, außerdem musste ich ziemlich durch die gegend. den stress und die spannung wollte ich einfach mal nicht.

im büro war gähnende leere, zum glück. also bei mir im raum, keine*r da, außer mir. da konnte mich also auch niemand anschnauzen, was durchaus von vorteil ist. so ganz in ruhe vor sich hinarbeiten zu können. (und zwischendrin schnell ein re:publica early bird ticket zu erwerben.)

etwas in mir geht kaputt, denke ich als ich nach hause komme. ich weiß es genau, ich weiß aber nicht, was es sein könnte. es interessiert mich auch nicht besonders. vielleicht ist es ja gut so. seit ich weiß, wie schnell es gehen kann, dass ich in einem fast vollständig funktionslosen körper verbleibe, ist mir so etwas von grund auf egal.

also lasse ich den gedanken fallen. und greife nach einem andern, ganz überraschend. verraten wird hier nichts, weder heute noch in den nächsten wochen. vermutlich nicht einmal in den kommenden monaten, und wenn es nicht klappt, dann sowieso überhaupt nie. nur soviel vielleicht: es hat etwas damit zu tun, vielleicht noch ein master zu werden in diesem leben. ein master of arts.

oder eine mistress. ja, das könnte mir gefallen, auch wenn es rein gar nichts in mir retten oder gar heilen wird. mal sehen …

zahnfleisch

jeden sonntag, woche für woche inzwischen, gehe ich gegen nachmittag zugrunde.

vier seiten geschrieben an diesem wochenende. dazwischen übersetzt, da steht halt auch viel an derzeit. ein klein wenig haushalt noch, nur den müll und ein bisschen sägen. mehr nicht.

vier seiten. aber nicht nur geschrieben, auch umsortiert und neu durchdacht. alles, nicht nur dieses kapitel. es geht aufs ende, ich sagte es, da will alles bedacht sein. und alles ist viel.

sonntag dann, am frühen nachmittag, diese woche, letzte woche und auch die davor, schaltet alles ab. plötzlich geht gar nichts mehr, nur ein großer frust macht sich breit. eine erschöpftheit bis auf den grund, für die ich keine lösung sehe. mich nur noch frage, ob nach dem kriechgang auf dem zahnfleisch das feuer folgt. das ausbrennen, innen.

die leere. endlich. das nichts.

aber war es immer, wenn ich mich recht erinnere. gewesen. dass ich substanz verliere mit allem, was ich schreibe. besonders aber in einem roman lasse ich all meine kraft, verliere ich mich letztendlich. wohlwissend, das nichts davon zu mir zurückkehren wird.

träume habe ich gelassen in jeder kurzgeschichte vor dreißig, fünfunddreißig jahren. wünsche und welten sind mir vor zwanzig in dem roman verschwunden. wünsche, von denen ich heute nichts mehr weiß. welten, die mir seither nicht mehr gehören.

diesmal ist es schlimmer, das spüre ich. jeden sonntag nachmittag, am ende meiner kräfte. wenn ich genau weiß, dass ich weiter muss, weitermachen. noch wenigstens bis januar, vermutlich aber februar oder märz. dann ist alles gut.

dann habe ich meiner hauptfigur über zwanzig jahre durch eine reichhaltige familie geführt und ihr am ende womöglich eine neue liebe geschenkt.

während ich selbst, kaum noch mitte fünfzig, eher so auf die sechzig, ich fasse es nicht. ich schaue auf die substanz des alleinseins, immer schon. so bin ich geboren, so bin ich gemeint.

ohne familie. und ohne liebe.

bonding (78)

ich schreibe gerade nicht so viel über das schreiben. dafür schreibe ich zuviel, eigentlich immer. in meinem kopf oder am schreibtisch, darauf kommt es nicht an. tief verkrochen bin ich in meiner arbeit. besessen fast, jetzt, wo ein ende fast schon absehbar ist.

das ende. beschreien mag ich es wirklich nicht, der weg scheint noch weit. und viel, und reich. aber absehbar ist es durchaus. und ich werde ihn gehen, den weg. bis zum ende.

auch wenn ich am vormittag noch denke, dass ich es ebenso gut auch lassen könnte. das gehen, das rennen. alles fallen lassen, kurz vor dem ziel, dem sieg. und lachen stattdessen. alles und alles auslachen, mich selbst zuallererst. (aus welchem buch ist das denn, diese idee?)

heute zum beispiel.

am nachmittag stelle ich fest, dass ich ich trotzdem den erstmal nur hingerotzten anfang des 2o. kapitels durchgeackert habe. einfach so, beinahe ohne es zu merken. absätze und ganze passagen habe ich herumgeschoben und strukturiert. offensichtlich. dann wieder alles umgeworfen und neu gemacht. und alles noch einmal zurück. oder anders, was weiß denn ich. so ungefähr ist das mitunter. dabei ist natürlich auch der text überarbeitet, wie auch immer. dialoge wurden ergänzt und verbessert, ideen notiert. das heißt, die meisten sogar schon um-, mindestens aber angesetzt.

das ende steht also außer frage.

irgendwie ist das selbstverständlich und glasklar. und ebenso beängstigend. denn selbst wenn danach noch viel arbeit ansteht. absehbar und vieles davon bereits notiert. so vieles und lange nicht genug. so ist es wenn auch längst noch kein abschied, doch ein rausch. etwas, das platzen wird und vergehen. etwas, das nicht wiederkommen wird.

doch noch nicht jetzt, also egal. also weiter. (ich wiederhole mich an dieser stelle, seit wochen schon, wenn nicht seit monaten. sorry, ich kann es nicht ändern. ich muss schreiben.)

raben und drachen

eigenartige tage. überraschend war ich ab mittwoch, früher nachmittag, schon frei. dann aber doch nicht so richtig frei, weil ich seit dienstag abend bereits humpelnd unterwegs war. oder eher nicht so viel unterwegs, vorsichtshalber. alle tangoversuche gescheitert, früh ins bad, ins bett.

am donnerstag nach der physio, immer noch humpelnd, endlich mein hiesiges stammcafé klargemacht. lange hab ich gesucht, überall, nur nicht dort. ein jahr lang bin ich konsequent daran vorbeigelaufen, ohne auch nur auf den gedanken zu kommen, da einfach mal reinzulaufen. was soll ich sagen? bester kaffee, tee, scones und toller kuchen, mittagstisch, bezahlbar und lecker, nicht zu voll, gute musik und nette leute. das hat mich seltsam glücklich gemacht, weil ich dort für eine stunde oder etwas mehr vielleicht zur ruhe kommen konnte. und wieder kommen kann, und lesen und schreiben und sein.

ein wenig nervig vielleicht, dass da oft auch mal leute rumhängen, die meinen, lauthals verkünden zu müssen, dass sie ja gerade ein buch schreiben, weil mehrere literaturagenturen an sie herangetreten, und deshalb. dass sie außerdem jetzt endlich im eigentum wohnen, eine wirkliche erleichterung. na egal, das ist neukölln hier. ich bin ganz still. ohnehin sehe ich so aus, als gehörte ich nicht hier her. zu alt, zu verrockt, längst schon runter, irgendwie. die jungen menschen im café siezen mich, ungefragt.

und das ist alles richtig, genau so.

sonst ging nichts in diesen tagen.

ein gemeiner teufel besetzt mich, gleich danach, kaum dass ich wieder zuhause bin. ein hinterhältiges biest, erst grummelnd, dann tobend. ließ mich sachen fallen lassen, die daraufhin in tausend stücke. ließ mich erst nicht schlafen, dann träumen von äxten und messern, die mir vor die tür gestellt, zur freien verfügung. (ich lehne das ab.)

gewaltige bilder, die mich aushöhlen, bis weit in die lesungen des open mike. das auch noch, nicht vergessen. tolle texte, besser denn je. als doch das in mir kratzt mich leer, saugt mich aus. bis nichts mehr.

ich bleibe. für die nacht wünsche ich mir engel, raben und drachen in meinen sphären. die kleine und große kreise ziehen, immerzu. bis das licht wieder da ist. und klar ist.

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner