am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (45)


endlich den teil der story angegangen, den ich seit wochen, wenn nicht monaten vor mir herschiebe. dafür an die siebzig seiten durchgearbeitet, sortiert und geglättet hier und da. dann wieder gebrochen und neu geschnitten, an anderen stellen. dazu die gedankenarbeit, die präzisierung dessen, was mir in all der zeit nur vorschwebte.

jetzt sitzt es weitgehend, so zu zirka siebzig prozent. der fehlende rest wird mir hoffentlich nicht mehr so schwer fallen. der wird sich leichter finden, wenn die eckpunkte konkret gesetzt sind. endlich.

bleibt die frage, ob sich ein gespräch, das eigentlich etwas klären soll, am ende aber nur noch mehr fragen aufwirft, über knapp fünfzig seiten ziehen darf. also sechzehn seiten gespräch eingeworfen in ganz andere teile der geschichte.

was soll ich sagen. ich bin zufrieden, aber es mag die leserschaft am ende ein wenig fordern. was mich wiederum zufriedenstellt.

manchetten

fünf freie tage, und ich bemühe mich tatsächlich um ein wenig freiheit. es gelingt sogar, immer wieder für ein paar sekunden. dann erkenne ich, was einmal die weite von zeit um mich war. die reichweite von körper auch, weit über die grenzen der haut hinweg. und wie sich das anfühlt.

vor allem aber bin ich beschäftigt mit einer seltsamen, äußerst lästigen innenschau, mit deren hilfe ich herauszufinden versuche, auf welchem grund sich der schmerz in meinem körper stützt. immer noch, immer wieder, dieser tage.

sind es restviren der herpesklasse, ist es das irre autoimmunsystem mit seinem rheumapotential, oder hat mir die physiotherapeutin die rotatorenmanschette beidseitig derart aufgerissen, dass sie mir zur strafe den reibungslosen dienst versagen?

flügellahm bin ich, bewegungsblind geschlagen. ja, tatsächlich wie geschlagen, geprügelt. geduckt und gebrochen, wie ein hund. jaulend mitunter, im plötzlichen schmerzschreck.

nachdem ich an den zwei tangoabenden hintereinander die arme nur schwer in die offene umarmung zu heben vermochte. nicht einmal das, geschweige denn, dass ich sie beim tanz hätte stabilisieren können. und dann die nächte danach, ein verzweifeltes ringen um schlaf. seitdem, und nach ein wenig recherche zum thema schulteranatomie, vermute ich aktuell tatsächlich letzteres. immerhin hat das derzeitige schmerzproblem exakt mit den therapieterminen begonnen. und man soll wohl auch ohnehin desolate rotatoren nicht über die maßen aktivieren, strapazieren oder massieren. stand da irgendwo. könnte zu einer massiven verschlimmerung führen.

nun ja, abwarten. heute, so ab dem nachmittag, ging wieder einigermaßen. sogar ohne jegliche schmerzmittelzusätze. jetzt bin ich gespannt auf die nacht. aber grundsätzlich ist das beim nächsten termin am freitag mal zu thematisieren. denke ich.

der rest ist schreiben, schreiben, schreiben.

tuckern

ein tag, ganz anders als geplant. eigentlich wollte ich eine heimliche, kleine flucht wagen, raus aus berlin. ein mittag oder nachmittag an meinem inzwischen angestammten scheibort, ein wenig am wasser entlanglaufen, irgendwo einen kaffee trinken und ins manuskript glotzen. wirklich glotzen; nicht schreiben, auch nicht planen. nichts dergleichen. nur licht und luft ins hirn lassen, leerraum schaffen. damit das material sich entfalten kann.

eigentlich wäre das mal wichtig, ich krebse am rande meiner kraft und meiner lust entlang. das geht so nicht weiter, nicht lange zumindest.

das muss mir im hinterkopf bleiben, dringend. mit präferenz nach vorn, ganz bald mal. wobei ich zu ostern ja sowieso wieder in schreibzeit dort bin, ist längst abgemacht.

denn heute war mal wieder alles ganz anders. nicht zum ersten mal. zu viel zu tun, zu unruhig deswegen, zu aufgedreht. dazu wieder schmerzen, pünktich zur nacht, in beiden schultern. vielleicht vom tango, die dazu nötige starre tanzhaltung ist grad echt nicht gut für mich.

so war der tag angefüllt mit pflicherledigungen. dringenden überweisungen und müllentsorgung, erfolglosen arztterminausmachversuchen und der daraus folgenden wut, mit anschließenden verzweifelten aufräumversuchen. als ließe sich dadurch irgendetwas retten, der ebenso rasende blutdruck gar.

immerhin, das buchmessenticket für leipzig ist dann mal aus dem emailnirvana befreit, in dem es offensichtlich in jedem jahr landet. und ein winziger spätnachmittagsmittagsschlaf, wirklich nur ein paar minuten, hat sich ausgesprochen positiv auf meine nackenstarre ausgewirkt. und mich an sich durch und durch erfrischt, wie all die tage nichts.

nicht zuletzt: das motorrad ist erwacht, in knapp einer minute lief es. na gut, der winter war nicht allzu hart, irgendwann im november bin ich ja noch gefahren. schnee gab es so gut wie nicht, auch keine massiven minusgrade oder dauerregen. die batterie ist ja außedem seit letztem jahr säurefrei, also superstabil mit rasender ladegeschwindigkeit. in diesen paar laufminuten, in den die maschine sauber vor sich hintuckerte, fix noch das licht gecheckt. wie immer das rücklicht, das braucht eine weile, bis es sich entschließen kann. dann das grobe putzen, also das abwischen des oberflächengeschmiers auf morgen oder so verschoben. ebenso das entrosten der züge und das gängigmachen sämtlicher schalter. mehr braucht erst einmal wohl kaum.

auf dem zettel stehen in diesem jahr nur: verstellbare hebel, dringendst! heizgriffe, am besten zeitgleich, sonst wird das nie was. und zwei neue bremsscheiben, weil das muss.

aber das tuckern des motorrads, heute gegen drei. das hat mich wirklich belebt, dann doch. beinah so, als wäre ich tatsächlich raus aus berlin und an den ort meines schreibens.

ohne schreiben zu wollen. nur um zu leben, das leben in mir. dass ich es dann schreiben kann, später.

das ist ein seltsames leben, dieser tag. und überhaupt.

puh! ich bin ziemlich froh über den neuen feiertag am achten, der für mich heute stattfindet. ich habe heute frei, statt freitag, wo ich sowieso nie arbeite. ich muss also nicht in dieses büro, zu den geschweiften klammern. ich kann hier sitzen, am heimischen schreibtisch, nachdem ich schon früh auf der rolle und anschließend gleich im wasser war. jetzt mal nichts, außer atmen. dann einkaufen und wieder atmen. dann kochen und tango. und atmen, dann schlafen. und atmen.

bis montag früh. ganz für mich.

8 stunden

heute wie gestern. stundenlang auf der suche nach einer soliden und vernünftigen ordnung in meinen backslashes, geschweiften klammern und tilden. dazu der seit monaten gährende kleinkrieg zwischen meinen bürogenossINNen, der (mir) gerade wieder einmal mächtig stinkt. beide reden kaum noch miteinander, gehen sich aus dem weg und sind froh, die/den andereN nicht sehen zu müssen. dabei sind sie ein team, arbeiten am selben projekt.

wenn sie doch mal versuchen, ein paar fachlich worte zu wechseln, oder auch nur wichtige verabredungenzu treffen, dann endet das zielgenau ohne irgendein nennenswertes ergebnis. außer dem, dass mitten im thema schleunigst abgebrochen wird, um nicht noch mehr in streit zu geraten. und dass in dem gesamten raum, in dem schließlich ich ebenfalls sitzen muss und ein klein wenig ja auch mal arbeiten, stundenlang die luft vor lauter angestrengtem schweigen zum schneiden steht.

wie eine wand.

darüber hinaus reden beide auch noch mit mir darüber, immer wieder, wenn wir mal zu zweit sind. also über sich und die schwierigkeiten, zunächst einmal. in letzter zeit aber vermehrt auch einfach nur über die/denjeweils andereN. schuldfragen und latente verzweiflung bzw. verhärtung auf beiden seiten. so ist das seit monaten, mal mehr und mal weniger schlimm.

das hängt mit derart zum hals raus.

vom wert der arbeit

nichts wert heute, nur acht stunden montägliche arbeitsschicht plus zwei stunden an- und abfahrt gelebt. danach war die luft raus, und ich zu nichts mehr zu gebrauchen. kein schreiben, nicht einmal dringend anstehende emails. einfach nichts.

code aufräumen, die ganze zeit. backslashes und geschweifte klammern sortieren, unnütze leeräume suchen und überhaupt: eine lesbare grundstruktur schaffen. endlich, nach über zwei jahren, meine eigene code-handschrift manifestieren.

das ist wichtig, das ist schließlich auch sprache. letztendlich.

in einem gewissen rahmen macht das also spaß. weil einerseits aufmerksamkeit angesagt ist, damit die stingenz nicht verloren geht. dann wieder kann man dabei denken, was man will. denn vieles ist wiederholung.

spaß also, aber heute irgendwie nicht. mein hirn rattert immer noch durch chaos und schwebt in mustern. beides ist bis jetzt, bis kurz vor mitternacht kaum zu bewältigen oder auch nur beruhigen.

und ich bin nicht einmal halbwegs fertig. wortwörtlich, nicht einmal die hälfte, seit letzter woche.

was soll ich sagen? das ist eine so andere arbeit als das schreiben. doch es zahlt mir die miete und noch vieles mehr. mein ganzes leben im grunde. seltsam. wo es doch das schreiben ist, das mein leben trägt.

es gäbe mich nicht. schon lange nicht. mehr.

bonding (44)


ich arbeite, ich schreibe in gleichbleibendem tempo und ohne qualitätsverlust, wie mir scheint. trotz schmerz und erschöpfung. es ist schließlich (fast) das einzige, was mich belebt. was mich zufriedenstellt und alles andere vergessen lässt. außer gutes essen natürlich, in guter gesellschaft. und ein bisschen was bauen, auch für andere.

im text gehe ich aktuell dem sträflich vernachlässigten gegenwartsstrang nach. nicht so sehr dem alltagsgeschehen, das steht durchaus ganz gut. doch die hintergrundstory braucht dringend aufmerksamkeit, schon seit wochen. jetzt oder nie, so der stand der dinge.

tatsächlich. das verdeutlicht sich schon allein dadurch, dass ich den komplex von anfang an durchgehen musste. allein um zu begreifen, wo das hinführen soll. selbst das war mir nicht so recht klar. also zunächst einmal überall kleinere oder größere änderungen vorgenommen, auf gut glück ein wenig klarheit geschaffen. von vorne bis hinten, über fast 200 seiten.

so vernachlässigt und unsauber ist diese eher feine linie, die mitnichten viel raum einnehmen wird. zumindest nicht vom volumen her betrachtet. sie muss einfach nur bekannt sein. es handelt sich also ein diffiziles gebäude, das solide gebaut sein will. das heißt: erzählt!

bislang völlig unzulänglich. doch ein anfang ist nun gemacht. ein guter anfang.

der körper ist ein arschloch

so oder so ähnlich drückt ANderS sich aus, wen sie selbst mit dem ihren hadert. ich bin dann immer ein wenig erschrocken, bislang zumindest. nie käme ich auf die idee, mich derart massiv zu beschweren, weil er mal ein wenig husten und schniefen mag, der blöde körper. das geht vorbei, immerhin.

in diesem jahr, spätestens seit der gürtelrose, sehe ich das selbst ein wenig anders. bis dahin war alles so einigermaßen im lot, altersentsprechend ein wenig brüchig, mehr nicht. mit dem einem einzigen ausreißer autoimmunverwirrter natur, der sich aber über jahre am riemen zu reißen wusste. und weitgehend stillschwieg.

seit zirka vier wochen weiß ich nun nicht mehr, wo mir der kopf steht. ist das nun das rheuma? oder eine erstverschlimmerung aufgrund der massiven physioterapie? also sowas wie muskelkater, in kombination sehnendehnung und nervenreizung? geistert ein wildgewordens herpesvirus da immer noch in mir herum und lässt mich nacht für nacht nicht schlafen vor schmerzen? oder habe ich am ende nur einen fehler gemacht, als ich das bett mithilfe eines federnden lattenrostes umgebaut habe?

glaubt man an eine verbindung zwischen körper und geist, kommen noch andere faktoren ins spiel. der häßliche streit am neujahrstag, mit zunächst nicht absehbaren folgen. (ein vorgehen, das sich nur langsam wieder löst.) der plötzlich sich abzeichnende berufliche erfolg kurz darauf, den ich noch immer nicht so recht begriffen habe. (ist auch ein solches glück womöglich körperverwerfend?) und der roman nicht zuletzt. der text, der sich in den letzten wochen meiner biografie zugeneigt hat. durchaus beabsichtigt, aber deshalb nicht weniger gewagt. (die körperlichkeit des schreibens immerhin sind mir zutiefst vertraut und steht gänzlich außer zweifel.) auch das noch, auch das.

und was wohl sonst, das sich mir aktuell noch gar nicht erschließt. am donnestag, unmittelbar nach dem schreibtreffen, bin ich augenblicklich in eine derartig bleierne müdigkeit verfallen, wie ich sie lange nicht erlebt habe. eigentlich seit migränetagen nicht.

doch rechtfertigt all das eine derartige schmerzentgleisung? eine solche körperverwirrung? ist es das wert?

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