am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

seit gestern denke ich daran, das motorrad aus dem winterschlaf zu wecken. oder wenigstens die batterie zu checken, im zweifel auszubauen und schon mal vorsorglich zu laden. damit es im ernstfall schnell geht.

denn es ist jetzt schon fast schon frühling. ende februar, ernsthaft? war das im letzten jahr auch so? und dann im märz, zur messe in leipzig wieder tiefschnee?

bitte nicht!

besser

langsam wird es besser, alles. kopf, nacken und schultern schmerzen aktuell nur noch in etwa so wie ein muskelkater, der darüber hinaus an den sehnen und nerven zerrt. das klingt blöd, ist aber okay. das gefällt mir. ohnehin ist dieser körper ja nur ein teilbereich meiner selbst, dem eine derart überdimensionierte aufmerksamkeit wie in den letzten tagen und wochen gar nicht gut steht.

die physio schlägt an, obwohl ich bislang kaum voll aktiv einsteigen konnte. weil sie zunächst einmal alles verschlimmert hat. soll vorkommen, hab ich mir sagen lassen. aber an sich gaukle und hopse ich herum mit dieser eigenartigen frau, die ich diesmal erwischt habe. vor fünf jahren war sie noch nicht da, da war dort alles noch ganz brav und still und bieder. aber genauso häßlich und grob eingerichtet in diesem physioladen bei mir um die ecke.

ich zeige also meine eigenartigsten tangoverdrehungen und werde dafür bestaunt. ich erkläre, wie steif und starr man auf einem motorrad zu sitzen kommt, wenn man es nicht besser weiß, sich nicht konzentriert lockert. was gar nicht so einfach ist, mit 250kg unterm arsch. da ist noch viel mehr, und alles das tue ich ohne scham und schande, wie es mir sonst zueigen ist. vor allem, wenn es um meine physis geht.

ja, ich habe einen körper, und der ist besser als man meinen mag. als ich selbst behaupte sogar, deutlich besser.

schmerz & angst & schreiben

leben besteht nicht aus schmerz, auch meines nicht. obwohl es ein wenig so aussieht, derzeit. weil ich hier darüber schreibe. es ist aber durchaus nicht so.

schmerz ist ein begleiter, mal mehr und mal weniger präsent. wie auch angst. früher war es migräne, heute eben etwas anderes. namenlos, weil der name nichts ändert. die nerven, die gelenke, das waten auf eine antwort. alles ist schmerzhaft und beängstigend.

ansonsten tue ich alles, was sich sonst auch tue. ich gehe zur arbeit, erledige mein zeug, regelmäßig baue ich an meiner wohnung weiter. das ist wunderbar, wenn der schmerz es zulässt. ich schreibe auch an dem roman, natürlich tue ich das. das ist überhaupt das wichtigste. und ich bemühe mich, meine einnahmen durch übersetzungszeug größtmöglich auszuweiten. erfolgreich, gerade heute erst. das ist auch nicht unwichtig.

wenn ich also vom schmerz schreibe, hat das einen doppelten boden. wenn nicht noch mehr böden, die mir auch nicht alle bekannt sind. vieles daran ist erinnerung. und wiederholung natürlich, das ist der langweilige part. die wiederholung durchspielen zu müssen, bis zum erkenntnisgewinn. der sich womöglich gar nicht mehr einstellt, denn irgendwann ist alles durchgespielt. dann steht da gar nichts mehr am ende. kein gedanke, kein wort, kein weg. nicht einmal eine richtung.

ich weiß nicht viel.

doch schmerz und angst sind nicht die quelle, das steht fest, wohl aber die grundlage meines schreibens. früher waren sie auch das thema, soweit ich mich erinnere. heute hat sich das gewandelt, was eine überraschung ist. ich schreibe an einer zum ende hin ausgesprochen offenen geschichte, nahezu positiv, für meine verhältnisse.

was bleibt ist der kern.

ich schreibe, weil ich sehen will. nicht, weil ich etwas zu sagen hätte. weil ich sehen kann, wo andere die augen schließen. vor angst und vor schmerz, in dem moment sehe ich hin.

dann erst beginnt die geschichte.

schmerz,

meine grausame mutter. reißt mir die flügel aus und drückst mein gesicht in den dreck. mit deinem arsch.

nachts, wenn ich nicht schlafe

dann bin ich eben wach. nicht immer ist das so, weil ich schmerzen habe. eigentlich sogar eher selten. jetzt zum beispiel.

nachts bin ich wach, weil es ruhig ist. weil alle anderen schlafen. ihre körper kommen mir nicht in den weg, ebenso ihre gedanken. endlich sind sie still. ihre absichten, gefühle und verzweiflung. ich spüre ihren atem nicht, der die luft bewegt, und ihre träume. die träumen sie ganz für sich, in der nacht. und tragen sie nicht wahllos in eine welt, die mit freuden illusionen schafft.

nachts bin ich gerne wach, ganz allein ist es gut. nicht zu träumen und nicht zu verzweifeln, aber zu leben. bis in den tag,

ende und anfang

das waren seltsame tage und schlimme nächte, völlig outstanding. so richtig klar hab ich immer noch nicht, was das denn wohl gewesen sein könnte. so bis ins letzte, das weiß ich wirklich nicht. nur dass es wieder besser geht, jetzt, das schlafen und das leben, das handeln mit diesen schmerzenden händen. alles ist fast wieder normal, so gut es eben geht. ich bin zufrieden.

das ist ein anfang. immerhin.

überhaupt scheint mir vieles derzeit ein anfang zu sein. oder auch alles. alles neu und alles zum ersten mal, mir daher völlig unvertraut. sogar jobangebote trudeln bei mir ein, über facebook und anderswo. in schönster regelmäßigkeit. jetzt, wo ich so gut wie keine zeit für so etwas habe. menschen wollen mich abwerben von da, wo ich bin. auch unter der hand, das war die krönung heute. kaum zu glauben.

es ist ganz und gar unüberschaubar, was da auf mich zukommen mag. alles offen und alles gut. egal was, daran besteht überhaupt kein zweifel. und das ist ungeheuerlich, es ist vollkommen verrückt. ich bin in höchstem maße fassungslos.

das ist es wohl, zumindest ein teil davon. das hat mich ordentlich aus der bahn geschleudert, in den letzten tagen sowieso und auch davor schon.

wobei im kern doch alles klar ist, sauber und entschieden.

ich werfe mein leben ins spiel. endlich.

no problem

wieder so eine nacht, gestern, die dritte in folge. in der der schmerz ein cocktail war aus muskelkater, halsstarre und rheuma vielleicht. vielleicht auch nicht, ich habe keine ahnung. da geht viel zuviel durcheinander.

zwischen den beiden ärztlichen extremen, einerseits den schmerz besser nicht aushalten zu müssen vs. den magen vor allzuviel schmezermittelzufuhr unbedingt schonen zu sollen, habe ich mich heute gegen abend für ersteres entschieden. ohne rücksicht auf meinen magen, der ein schweigender sack ist, der tut, was von ihm verlagt wird. immer.

eine winzigkeit ibuprofen wird mich also gleich schlafen lassen. so einfach ist das. so gut.

alles kein problem.

ein gutes hat das ganze übel übrigens. in den zwei, drei stunden wachliegen letzte nacht habe ich die wohnung entworfen, in die meine beiden aktuellen protagonisten alsbald einziehen werden. ich bin durch die räume gelaufen, habe balkone angebaut, drei an der zahl. dazu ein paar gute dialogfetzen aufgefangen, aus denen noch etwas wachsen wird. ich bin sicher.

in der phase bin ich nun also. dass mir der text in die zwischenwelten von schmerz und schlaf wandert. und sich dort nährt.

na, mal sehen.

auch das sollte ich kennen und können.

Es gibt nichts Schöneres als Kürzestsätze in Gesprächen, Minimaldialoge. Da ist so viel drin.

Herta Müller, Lebensangst und Worthunger

abwracken

ärzte sind ein seltsames volk. vielleicht sollte ich ihnen abschwören, den rücken zudrehen. warum überhaupt habe ich mich ihnen jemals zugewandt?

vor zwei wochen sagt mir die eine, ich solle ruhig schmerzmittel nehmen, denn es hülfe gar nichts, wenn ich die schmerzen auszuhalten versuche. davon würde ich auch nicht schneller gesund. da ging es noch um die gürtelrose. naja, so schlimm war es eigentlich nicht, ich hätte das schon aushalten können. aber ohne war dann doch schöner.

am donnerstag sagt mir dann die andere, im selben zimmer übrigens, wenn ich so viel schmerzmittel nähme, müsse ich dazu auch ein magenschonendes mittel usw. und frühstücken und so, nie auf nüchternen magen. obwohl mein magen so ziemlich alles schluckt, ohne aufzumucken. da ging es um die schultern, auf denen ich nachts kaum noch liegen konnte. und immer noch nicht so recht kann. und um dreimal voltaren, mehr nicht.

also habe ich das ibu mal weggelassen gestern. die nacht war nicht schön und nicht besonders lang. seit kurz nach sieben bin ich wach, und das am samstag. nicht nur beide schultern und der nacken, auch das linke handgelenk, der rechte ellbogen, rechte hüfte, linker fuß, beide knie. wenn das mal nicht doch das rheuma ist, einer noch anderen ärztin zum trotz, die im herbst noch etwas anderes behauptet hat.

ich bin ein wrack.

und wage mich dennoch an den hartcore-test. wenn das rheuma ist, also entzündungen überall in den gelenken, dann gibt hitze dem geschehen den rest. dann wird es übel, wenn ich so in eine heiße wanne steige. hatte ich auch schon, plötzliches unerträgliches pochen überall. das war keine gute idee. damals. ich mache es dennoch, heute, kurz nach acht.

das ergebnis ist ein anderes. es wird besser, deutlich besser, als ich den fluten entsteuge. nur die hände, die finger, aber das soll ja arthrose …

ach verdammt, ich bin ein wrack.

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