am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

romantisierendes in den wochenblättern (108)

was für ein trauriges und ahnungsloses, beinah elendes stück satz, das der vielschichtigkeit und härte von armut, die sich niemals nur auf geld bezieht, völlig blind gegenübertritt:

… Menschen also, deren ganzer Lebensmut darauf baut, dass sie ihren Kindern zusehen können, wie sie etwas anderes lernen, entdecken, ausprobieren können als sie selbst, …

dabei ist der rest der kolumne mit dem knappen titel „Lernen“, die grundaussage und die daraus resultierenden forderungen, mehr als nur richtig und wichtig:

Wo aber Armut sich vererbt wie Privilegien, ist das Leben der einen so wenig Ausdruck eigener Leistungen oder Verdienste wie das der anderen.

An der sozialen Durchlässigkeit einer demokratischen Gesellschaft hängt ihre ökonomische wie politische Existenz.

das ist so zu treffend und wahr, auch das elend darin. das unverstandene. das ist schade.

bonding (2)

einfach anfangen ist leicht gesagt, aber gar nicht so einfach. bis es dann getan ist. dann ist es am ende doch eher harmlos gewesen, eine handbewegung nur. und schlagartig ist alles, was zuvor möglich erschien, gar nicht mehr so einfach.

eine seite, die erste. ein bereits gut durch- und bearbeitetes stück text, wie mir schien. hat sich dann doch in seiner ganzen vielschichtigkeit aufgefaltet, die ich nicht erwartet hatte. so kommt es, daß eine seite auch mal zwei stunden aufmerksamkeit fordert und morgen sicher noch einmal durchgelesen werden möchte.

danke, gern geschehen.

bauglück

alles schön.

auch wenn ich zirka drei liter kleister angerührt habe, um ein paar briefmarkengroße tapetenflicken anzukleben. naja, ein wenig größer waren sie schon. der kleister reicht aber jetzt noch für geschätze zwei bis drei bahnen. die ich nicht habe, kein bedarf also. gut, daß tapetenkleister ebenso harmlos wie haltbar ist.

gut auch, daß ich sowieso eher abends oder nachts schreibe, dann kann ich tagsüber ohne schlechtes gewissen bauen. bauen ist in gewisser weise tief verbunden mit dem schreiben, für mich sind die prozesse nahezu identisch. ein spiel mit planung und intuition. bauen macht mich glücklich. schreiben auch.

heute also erstmal ein kleiner, spontaner lampenumbau, mit holzbohren und metallsägen. mit der neuen kleinen metallsäge, von der ich gestern noch dachte, daß ich sie doch gar nicht kaufen muß, weil ich ja eine habe, die ich auch schon so gut wie nie benutze. aber die neue ist so eine alte, wie die von meinem vater. mit diesem klassischen einklappbaren griff, da konnte ich nicht anders. dann die besagten verkleisterten tapetenflickereien, was echt nicht so nicht so ding ist und daher keinen besonderen spaß macht. zum schluß ein bißchen windows, updates für den zukünftigen schreibmaschinenrechner. klicken und warten, das ist nun wirklich langweilig.

was mich wundert: ich bin ja vorwiegend eine holzarbeiterin, warum erinnere ich mich so intensiv an eisenfeilen? bei meinem opa im schuppen.

geht nicht

also so geht es nicht. den ganzen tag nur zeug erledigt und vor mich hingerödelt. das ist kein schreiben, keine kreativität. obwohl man das auch anders sehen könnte.

gestern nacht zum beipiel, todmüde nach einem höchstaktiven tag, fiel mich beim eintritt in die wohnung, endlich, die entscheidende idee für die neue garderobe an und drei schritte weiter darauf basierend ein neues lichtkonzept fürs bett. darüber war ich heute noch so begeistert, daß ich darin herumgedacht habe, listen angefertigt und dazu gegoogelt habe. und wie das so ist, wenn erst einmal eine idee sich in bewegung gesetzt hat, dann folgt daraus ebenso schnell wie logisch neue bewegung. die dinge passen sich eigenmächtig an, man muß es nur wahrnehmen. und notieren vielleicht, um es irgendwann umzusetzen.

man muß den ideen auch raum geben, sich zu entwickeln. raum und zeit. so manches wird sich noch ändern, bevor es umgesetzt werden wird. manche entwicklung kommt sowieso erst in gang, wenn die gegebenheiten abgeklärt sind. was bei baulichen maßnahmen recht handgreiflich ist: rohre, gewinde, kabel, haken und glühlampen.

beim schreiben ist es nicht viel anders. wer schreibt, tut das auch, wenn er gerade nicht schreibt.

in bezug darauf gab es auch eine idee heute, eine pragmatische. mein erstes thinkpad, das x61, ist für den normalen bürobetrieb längst bei weiten zu alt und zu unterdimensioniert. ausgestattet mit dem aktuellesten betreibssystem laufen zwar durchaus sämtliche programme, die zu meiner gewohnten ausstattung gehören, das aber nur in einem ganz und gar arbeituntauglichen tempo. indiskutabel und auch längst nicht mehr nötig, da ja inzwischen zwei taugliche arbeitstiere zur verfügung stehen. für alle fälle.

deshalb ist der kleine jetzt downgegradet, um ab sofort als schreibmaschine zu fungieren. zwei drittel der programme sind entfernt, geblieben ist nur textverarbeitung und eine rudimentäre internetausstattung für alle fälle. so passt es, zumal die akkuleistung noch grandios ist, über vier stunden.

als nächstes muß ich mir dann wohl ein passendes café in der gegend suchen, wenn ich hier zuhause das rödeln nicht lassen kann. wenn ich sonst nicht ans schreiben komme. das sollte sich finden lassen, immerhin befinde ich mich ja im allerhipstersten bezirk berlins. und vielleicht geht das ja doch irgendwie, das schreiben im café, zumindest für die anstehenden überarbeitungen. auf papier ging es ja auch, damals in wuppertal.

das muß ich jetzt wohl einfach mal probieren. alles.

paddeltango

gestern hat die alte frau sport getrieben. erst drei stunden paddeln, inklusive an-* und vermutlich zeitgreiches abbaden. anschließend tango. das hat ihr den rest gegeben, noch vor mitternacht. und heute ist sie verkatert.

das zuhausesein bekommt ihr übrigens nicht. sie ist unmittelbar in den erledigungsmodus zurückgekehrt, in die diktatur der (inneren und äußeren) auflistungen. verdammt.

außerdem fängt sie an, über sich selbst in der dritten person zu berichten. die alte.

* stimmt ja gar nicht, ich war doch vielfach im wörthersee im juli. natürlich!

heute ist der letzte sommertag, wird allgemein behauptet. komischerweise hatte ich den eindruck, daß gestern der erste war. das ist irgendwie blöd. damit fällt vermutlich das abschlusspaddeln zusammen mit dem anbaden. ich war tatsächlich noch nicht schwimmen in diesem sommer.

zudem flüchtet sich die rechte hand, ausgerechnet, in etwas zuviel rheumagerschehen. seit gestern nacht, sodaß die träume daraus bestanden, eventuell doch nichts aufs wasser zu können, heute. mit ausreichend schmerzmitteln wird es aber gehen. hoffe ich.

locker und entpannt, offen und bereit ist irgendwie nichts in berlin.

nach dem fenster putzen noch ein bißchen was in der wohnung gebaut, ich kann halt nicht anders. dann nur noch zeugs erledigt, ich bin eben so. wenn ich zu hause bin. zur post und zu meinem motorradbeauftragten, der immer noch keinen schritt weiter ist auf der suche nach dem passenden ersatzteil für die 31 jahre alte maschine. das wäre wichtig. aber er erzählt mir schon seit wochen von seiner besten freundin, die nicht mehr lange leben wird. derzeit besucht er sie wohl abends immer im hospiz. da sag ich dann nichts mehr, da hoffe ich nur.

anschließend mit dem lieblingskollegen aus dem früheren job essen gewesen. mehr so schlemmen eigentlich, vorspeise und hauptgericht mit eis zum nachtisch. ein sanfter engel. darüber geredet haben wir nicht so viel, aber ich habe mich an das berufsdesaster damals erinnert, an das ich mich sonst kaum noch erinnere. und das ist gut so.

jetzt vorfreude aufs paddeln morgen.

mit schreiben hat das auf den esten blick nicht so viel zu tun, aber zumindest das bauen kommt dem für mich recht recht nah. ab donnerstag ist dann wieder alles frei. der weg und so. mal sehen.

durchblick

fenster putzen: der inbegriff der prokrastination. und tote fliegen und spinnen von den fensterbänken fegen natürlich.

fazit (1)

es war eine gute idee, diese woche der romanwiederfindung nicht weit von berlin, aber eben nicht zuhause zu verbringen. es hat funktioniert, besser sogar, als ich zu hoffen gewagt hatte. keine andere arbeit, kein reparieren, kein planen oder putzen, keine bauprojekte sind mir dazwischen geraten. auch keine paddel- oder motorradtour, obwohl ich auf beides eingerichtet war. hätte vermutlich sogar spaß gemacht, doch die kiste stand die ganze woche da. und ich bin bei meinem papier geblieben, habe ein erstes ziel mehr als erreicht.

der ort war angemessen und schön, gerade eben ausreichend urban. im zentrum auf jeden fall, ich war aber sehr am rand. meistens. da war es geduckt, ruhig und nieder durch und durch. entspannt und freundlich, die menschen vor allem. nicht so wild und wütend wie berlin sich mehr und mehr gebärdet. so scheppernd laut und rücksichtslos, nicht nur in der nacht. dort war es richtig dunkel und still, nachts quasi menschenleer. daß das rascheln direkt vor dem geöffneten schlafzimmerfenster, zum greifen nah, ebenso seltsam wie mächtig erschreckend wirkt. (vermutlich ein tier.)

die wohnung war okay, passte aber wenig zu mir. ebenerdig in einer wohnanlage, ich hätte aus dem fenster hüpfen können. das level hatte ich als kind schon, das brauche ich nicht mehr. obwohl es für diesmal irgendwie richtig war. dunkel ist es in solchen wohnungen, eng und hellhörig. gruselig eben. vor dem fenster dagegen, viele große, hohe kiefern, deren wunderbare gegenwart all das auszugleichen wußte.

nach einer woche ist mir vieles klar, nicht nur in bezug auf den roman. klar ist vor allem, daß die beständige innere hektik nicht nur situationsbedingt ist, überarbeitungsiniziert. sie ist auch in mir, wenn außen gar nichts überdreht. und das steht dem schreiben schwer im weg. nach einer woche endlich, kamen auch innen die rasenden räder zum stillstand. und kaum zurück in berlin drehten sie wieder auf. als erstes mußte der schreibtisch reinstalliert werden, da ich ja vor der abfahrt die platte geölt hatte. wo aber schon mal alles abgeräumt war, bot es sich quasi an, schnell auch noch das fenster zu putzen. endlich. und dann dies noch und das noch, brooks-sättel zu spannen ist auch irgendwie eine kunst für sich.

für alles, was jetzt kommt, braucht es einen plan. für diese woche und die zeit danach. fürs schreiben. fürs leben. diese art von selbstverordnetem schreibexil werde ich beibehalten, in zwei oder drei monaten vielleicht, wenn auch vermutlich nicht gleich wieder für eine ganze woche.

das wäre ein zwischenziel. damit ich es nicht vergesse, das schreiben.

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