am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

bonding (8)

in den text hinein trägt mich jedesmal eine noch tiefere, trostlosere traurigkeit, die keinesfalls die meine ist. das habe ich heute endlich begriffen. ich selbst habe ja eher angst bis hin zur sinnlosen wut. das ist auch schwer zu ertragen mitunter, aber es ist anders. ganz anders.

noch weiß ich nicht, warum und wie ich aus dieser lähmenden stimmung heraus erzählen soll. also nicht ich, sondern das ich, das diese geschichte erzählt. von der story immerhin weiß ich schon so einiges, und es wird immer mehr, immer besser, immer dichter. das steht mir deutlich klarer vor augen, als dieses traurige ich, das eigentlich nur schweigen will. so mein eindruck jedesmal, wenn ich mir ihm nähere. über die geschichte weiß ich also wesentlich mehr als ihre erzählerin, aber so muß es ja. sowieso.

doch dieses tieftraurige, wie erstarrte ich ist es, das letztendlich alles formen wird. nicht ich. und ich weiß nicht, wie wir zusammenfinden können. noch nicht.

ich weiß auch nicht, wie sinnvoll eine geschichte oder ein buch aus einer derart depressiven grundstimmung heraus erzählt sein soll. oder könnte. oder vielleicht gerade? ich meine, die story würde das durchaus tragen. aber kann ich das tragen? ertragen?

orte, innen wie außen

zurück zum schreiben übrigens. und dafür zurück in den kleinen ort vor den toren berlins, der eigentlich gar nicht so klein ist. aber mit berlin im hinterkopf? da ist alles klein und geduckt und verschlafen.

vier tage nur diesmal, mehr war nicht drin. das ist zu wenig, natürlich. das wußte ich gestern schon, gleich in dem moment als ich den gemieteten raum betrat. ein toller raum, nicht ebenerdig diesmal. statt dessen oben in einem turm mit rundumblick. beinahe zumindest.

außerdem bin ich krank, torkel ständig zwischen migräne und rechtsseitiger nebenhöhlenzubetonierung. da ist nicht viel denken und schreiben, leider. da ist vor allem müde sein und schlafen wollen. manchmal lese ich einfach nur. nur?

der ort aber ist wunderbar, wie für mich gemacht. das war mir im august schon klar, mehr als nur das. dennoch (oder wohl deshalb?) habe ich es sofort wieder vergessen. der große park, keine zwei minuten von hier, sieht aus wie die landschaft in südengland. die großen, alten freistehenden bäume und die gelungene balance zwischen chaos und gepflegtheit. naja, da sind die engländer ein bißchen besser, aber sie haben auch mehr platz dafür. und sie lassen die leute frei laufen wie die kühe und schafe, denn das land ist für alle da. hier dagegen sind die wege befestigt, da traue ich mich kaum runter.

bin ich dann aber doch, weil ich ans wasser wollte. es plätschern hören. hier kann man sicher überall boote ins wasser lassen. und die gebäude, die alten parkgemäuer. die sind zum teil so unfassbar england, daß ich in die knie gehen möchte. aus dankbarkeit, daß mir das so unvermittelt und unerwartet wieder nahe rückt. und dabei so nah ist.

nachts ist es still. das fenster neben mir steht weit offen, und es ist still. jetzt schon, trotz regennasser straßen. es fahren kaum autos, es gehen wenig menschen und wenn, dann reden sie leise. oder gar nicht. die nachtbeleuchtung ist dezent, eher gelblich als weiß. wie die gaslaternen früher, so ist draußen alles sanft kupferfarben.

ich liebe es hier. und das schreckt mich.

raum

ich sehe aus den fenstern, die den raum in drei verschiedene richtungen öffnen. draußen ist es still und dunkel. man entgeht, wenn man berlin verlässt, ja nicht nur dem stadt- und menschenlärm. auch der lichtlärm verringert sich erheblich.

ich sehe aus allen fenstern und suche. mein leben.

toter sonntag

am morgen einfach liegen geblieben und das buch zuende gelesen. ich weiß nicht, wie lange ich so etwas nicht gemacht habe. ich kam mir vor wie das kind, damals, das den ganzen tag dalag und las. und sich dafür beschimpfen ließ, weil doch draußen die sonne. lesen, bis da nichts mehr zu lesen ist.

dann in den tag, den sonntag, der frei sein sollte. frei sein konnte, nach dem überraschend umfangreichen arbeitspensum am donnerstag und freitag in leipzig. also ein bißchen räumen hier und da, die getrocknete wäsche verstauen, entweder in die bügelkisten oder in den schrank, und aussortiertes papier in den container tragen. darüber hinaus habe ich das haus nicht verlassen.

ach, und die neue lampe aufgehängt, retrostyle aus china. aber hübsch und erschwinglich, außerdem vor allem ein testobjekt für ähnliche lampen, die ich selber zu bauen gedenke. mal sehen.

neues licht also.

gerade eben schnell noch die umsatzsteuer 2016 überwiesen. meine verzweifelten steuerbemühungen im oktober haben sich überraschend schnell in einem überaus erträglichen steuerbescheid niedergeschlagen. keine ahnung, ob ich es irgendwie richtig gemacht habe. alles bestimmt nicht, aber zumindest dann doch nicht so falsch, daß es zu größeren verzögerungen durch einen berechtigten bedarf an unbequemen nachfragen gekommen wäre.

ich bin zufrieden mit diesem tag. aber doch nicht so richtig. etwas fehlt ja immer. besonders, wenn man auf anhieb nicht weiß, was.

bonding (7)

einfach weitermachen. ohne impuls und inspiration, manchmal geht es nicht anders. weiterschreiben an dem punkt, den ich mir gemerkt oder notiert habe. ganz egal, wie lange es her ist. die zeit mag darüber hinweg gegangen sein und mit ihr sämtliche gelegenheiten. weiter geht es dennoch, wenn auch anders vielleicht. schwächer oder verdrehter, verrückt vielleicht. in eine ganz andere richtung weisend. oder viel besser am ende. egal.

kapitel eins jetzt durch. endlich.

mitmenschen

in der wohnung nebenan sind menschen. wenn sie reden, verstehe ich jedes wort. am nachmittag haben sie darüber diskutiert, ob grelle socken zu grauen schuhen passen. dazwischen rauschten dusche und toilette, auch der fön lief mehrfach. darüber die stimmen. dann auf einmal war ruhe, sie sind wohl ausgegangen. später wird dann sicher wieder geschnarcht, so wie gestern.

am nachbartisch im café sind auch menschen. es sind frauen und männer, und sie haben kinder dabei. kleine kinder. kleine wesen, wie der eine mann sie nennt. kleine wesen, die doch noch gar nichts von der welt wüßten und daher am liebsten bei mama und papa seien. also nix mit tagesmutter oder kindergarten, das könne man ihnen doch später nicht erklären. seine tochter versucht derweil, ihrer mutter zu entkommen, die ihr auf schritt und tritt hinterherlangt. moment, sagt sie zu der anderen mutter, deren wesen noch ein säugling ist und mehr oder weniger auf ihr liegt. moment, ich muß grad mal mein wesen vorm tod bewahren. und lacht.

das kind bemüht sich zu der zeit tatsächlich, das kleine podest hinter sich zu lassen, auf dem der caféhaustisch steht. nur wenig höher als eine normale treppenstufe, ein wagnis also, ein abenteuer. natürlich kommt das wesen nicht weit, es klebt schnell wieder an seiner mutter.

manchmal sind mir meine mitmenschen einfach zuviel. ich wende mich ab, lese in einem unverständlichen buch. wenigstens ist es darin leise. nach einer weile kommt mein frühstück. die kellnerin kündigt es an mit: sie haben zuwachs bekommen. ich verstehe meine mitmenschen manchmal wirklich nicht. und tatsächlich ich bin doch nicht immer zu hundert prozent überzeugt, daß es wie selbstverständlich an mir liegen muß. warum ist ein frühstück zuwachs?

dann erst sehe ich die kleine, die sich irgendwie von ihrer mutter losgeeist hat. zwischen zwei stuhllehnen hindurch sieht sie mich an.

bonding (6)

vieles ist in bewegung. ich spüre es, aber so gut wie alles läuft an mir vorbei. es lässt sich nicht erzählen, nicht einmal benennen. da ist ein flirrender rand.

das ist sehr seltsam, denn wenn ich den text öffne, ist alles wie immer. routine. was mir wie ein alarmsignal vorkommt, daß das alles viel zu banal sein könnte. lächerlich. nur dummes geschwätz.

trotzdem bin ich durch das erste kapitel durch, endlich. alles noch einmal gestrafft und den dreck rausgebürstet. soviel dreck, schreibschrott. außerdem denke ich über den titel nach. oder es denkt in mir, wie von selbst, bis in die träume. damit hätte ich nicht gerechnet.

das mit dem titel wollte ich auslassen, aussitzen, bis er sich von allein findet. anders schien mir das nicht machbar. doch ich weiß einfach keinen, der paßt. so richtig paßt. es gibt einige ideen, aber sie sind entweder zu konstruiert, zu gewollt oder aber zu nichtssagend und banal. (schon wieder dieses wort.)

doch der titel ist wichtig, er muß nicht nur gut, er muß richtig sein. ich kann sonst nicht arbeiten, habe ich festgestellt, was irgendwie auch wieder lächerlich ist. (oder banal?) aber es ist wohl so. wenigstens einen arbeitstitel brauche ich, sonst bleibt alles haltlos, ziellos. ohne basis, vielleicht ist es das.

ich weiß auch nicht. es ist schlimm.

daß ich in diesem fall im grunde gleich drei titel (oder zumindest arbeitstitel) benötige, macht die sache nicht gerade einfacher. naja, mitdenken sollte ich die anderen beiden. für alle fälle.

oder auch nicht.

keine ahnung.

ach.

moin

wieder mal auf reisen, und ich weiß nicht genau warum. es geht um geist und seele, es geht ums reden und ums schreiben. soviel ist klar. die dinge finden sich, mitunter bekomme ich es auch mit. wie aus den augenwinkeln, dann ist es augenblicklich wieder verschwunden. keine ahnung, ob ich darauf vertrauen sollte. oder könnte. oder kann.

die gemietete kleine wohnung ist wirklich klein. eigentlich nur ein raum, aber der paßt. im großen und ganzen. auf dem tisch stehen blumen und eine flasche wasser. es gibt tee, zucker und salz, dazu einen wasserkocher. im kühlschrank liegt ein kühlpack. alles wie für mich bestellt. die hochbettkonstruktion habe ich bereits genau studiert, für den fall, daß ich mal ein solches bauen möchte. könnte ja sein.

nur der schreibplatz liegt mit dem fenster im rücken, im erdgeschoß auch noch, schon wieder. schreibklausurorte im erdgeschoss scheinen meine neue spezialität zu werden. ich weiß nicht, was das soll, aber unangenehm ist es. die eingangstür, aus metall übrigens, ist gleich neben mir, dahinter das treppenhaus, unmittelbar dahinter haustür. einen flur gibt es nicht, ist ja nur ein raum. das ist laut, alles ist laut. und der tisch ist aus glas, das ist scheußlich.

aber man könnte was draus machen. so etwas in der art, vielleicht, irgendwann, in der nähe von berlin. als ständige schreibklause. oder pendlerbutze. oder was auch immer, je nachdem wie sich die dinge finden.

das ist ein komischer tag heute. ich bin eine schlechte reisende.

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