am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

erschöpfung

irgendwann am abend lege ich mein gesicht auf die bretter, ein paar sekunden nur. sofort bewegen sich welten. bis der kaffee kommt und mich wieder weckt. das dunkel unter dem tisch hebt und senkt sich in mir, der boden verliert an gewicht. oder ist es nur das boot, das auf dem wasser liegt und das fest ans ufer gebunden leise schwankt und dümpelt. und mich wiegt.

egal. die intensität der begegnung ist es wert.

tomaten 2013

das zarte tomatengrün hat sich in drei tagen faktischer re:publica-abwesenheit zuzüglich migränebedingter blindheit in fette kleine bäumchen verwandelt. ganz von selbst. so ist das, wenn man im dreck wächst.

aus dem wohnbürofenster hinunter auf die straße sehen und einen augenblick, den bruchteil einer sekunde nur, überrascht sein und erfreut über die plötzliche verbesserung der seit jeher desolaten sehfähigkeit. mich dann, ebenso plötzlich sowie ernüchternd, daran erinnern, daß es knapp eine stunde her ist, daß ich eben dieses fenster geputzt habe.

das ist so bedauerlich wie amüsant.

heute an der stelle vorbeigefahren, zirka 500 meter von hier, wo das kind weggeworfen wurde. zufällig, versehentlich, eine alltägliche strecke. vom motorrad aus aus den augenwinkeln zunächst nur die blumen und kerzen gesehen. erst unfall gedacht, dann plötzlich verstanden. ein altkleidercontainer, grün.

sehr erschrocken.

ich und noch wer, wir warten auf unsere letzte folter. wir wissen, beide, daß die welt draußen längst wieder in ordung, der krieg lange vorbei ist. nur wir hier unten, auf der letzten etage des parkhauses. wir wurden vergessen. wir warten noch, wir vergessen nicht. ich bereit mich vor. ich wühle in dem trog mit dem morast, ich schiebe die körperteile darin auf die seite. die hand meines vaters zum beispiel. und all das andere, undefinierbare zeug, das ich mir nicht nahe wissen möchte. nicht näher als an meine hände zumindest. dann warte ich wieder.

menschen fahren in ihren autos davon, aber niemand kommt bis zu uns. nur ihre hunde kommen und pissen uns an. es wird dunkel im dunkeln, bald ist nirgends mehr ein geräusch. ich schleiche ins büro und schreibe eine nachricht an den rand einer autowerbung. die schußwaffen sind nicht mehr intakt, schreibe ich. dafür werde ich ausgelacht.

als ich zurückkomme ist die andere nicht mehr da, ich bin nur noch für mich. ich warte und mit mir ist die angst, die wächst. ich denke an die menschen, nur wenige etagen über mir, die von all dem nichts mehr wissen. ich bitte und bete, daß ich nicht zu guter letzt noch sterbe. nicht so kurz vor dem ziel, vor dem ende. ich will das überleben, auf einmal. ganz am rand der hoffnung, der größten aller ängste, höre ich auf einmal nur noch mein flehen.

doch da ist kein gott, da ist nur schweigen. da ist nichts.

es dauert, bis ich begreife, daß es auch für mich vorbei ist. daß niemand mehr kommt, mich zu prüfen, mich zu richten. zuzurichten. daß die tür offen ist und ich gehen kann. gegen könnte. wenn ich nicht wüßte, daß ich nackt bin, nur mit einer dünnen schlafanzughose bekleidet. außerdem verdreckt und bepisst, völlig verkommen. und ich kann das nicht ändern. nicht hier unten.

wie lächerlich ich wirken werde, da oben, wo längst alles wieder in ordnung ist. wie unwirklich, auch für mich selbst, eine illusion. alles nur einbildung, ein schlimmer traum. so werde ich gleich mit ihnen. so vergesse ich mich.

so werde ich wach, und es ist ein sonntag. ein sonniger sonntag. fast schon mai, mein monat. mein mai.

würgen und brechen

zwischen räumen und bügeln, was gelegentlich zum samstäglichen haushaltsalltag gehört, ein bißchen was zum thema kinder und häusliche gewalt (pdf) gelesen. wie immer würge ich an der überrepräsentation der väter als täter. mag sein, daß das durch statistik belegt ist. vermutlich, solange es um einigermaßen klar definierte körperliche gewalt geht. alles andere gibt es auch, natürlich, aber doch mehr so am rande.  es spielt halt mit, aber kaum eine rolle. offensichtlich.

wenn das mal so einfach wäre, denke ich. während ich am feminismus würge, der im grunde so viel so kluges und gutes zum thema zu sagen hat. ich erkenne mich darin, und komme dennoch nie vor. kaum ein wort, in über dreißig jahren. also würge ich nicht zuletzt am eigenen feminismus. oder an dem, was davon noch übrig ist. damit will ich brechen.

ich lese auch über symbiose und gewalt in (lesbischen) paarbeziehungen (pdf), über nähe, die illusion von gleichheit und brutale überforderung zuletzt. darüber, wie die romantische vorstellung von intimität mitunter täterinnen zeugt, verzweifelte nichtliebende. damit muß ich nicht brechen, das war niemals meins. wie anders ich bin. anders noch als sowieso schon anders. und wie wenig das zu verheimlichen ist, je älter ich werde.

aber wie ich gesucht habe nach dem fehler in mir, nach dem hindernis, das das so nachdrücklich verlangte nie zulassen konnte. wie ich schuld war, immer, wer sonst, wenn meine vereinnahmung nicht funktionieren wollte. wie mich mich gewehrt habe, auf die art vernichtet zu werden. wie ich dafür bewundert wurde und verachtet, zugleich und zu gleichen teilen. und wie nichts bleibt am ende, mir nicht, dir auch nicht. kein leben, keine liebe. kein entkommen. damit muß ich brechen.

über all dem ein schweigen. das ebenfalls gebrochen werden sollte.

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