am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

treffliches und kein mitleid in den wochenblättern (82)

Ich werde nicht als freier, unabhängiger Bürger wahrgenommen, sondern pauschal als Mitglied einer Risikogruppe. Ich will aber mit dem Arbeitsamt nichts zu tun haben. Ich habe nichts verbrochen, bin nicht arbeitslos, habe doch mein Leben noch vor mir.

das schreibt david rätsch in der zeit. und erhält dazu einen überaus lächerlichen erstkommentar.

wenig los heute, feiertag eben. ostern. dennoch rüttelt von nebenan die waschmaschine, schon den ganzen tag. ich dagegen habe eine baupause eingelegt, mehr oder weniger unfreiwillig. zum einen natürlich feiertagsbedingt, sägen, schleifen und schrauben erscheint mir eher osteruntauglich. selbst in neukölln. (nageln ginge ja noch. oder wäre zumindest am karfreitag nicht so ganz abwegig gewesen.) außerdem wohnte in mir heute morgen wieder so ein schädelding. keine migräne, zum glück, nur so ein spannungskracher an selber stelle. tablettenzugängig, also halb so schlimm. trotzdem: heute nur kleinere basteleien, ein paar alte bohrlöcher verfüllt, die küchenlampenverkabelung umsortiert und den dreiecksschleifer repariert. muß ja auch mal sein. (dauert alles übrigens jeweils nur ein paar minuten, eine halbe stunde höchstens. und das es multitasking ja nicht gibt, geschieht es der einfachheit halber im fliegenden wechsel.)

zu blöd, daß mir trotzdem immer wieder neues auf- und einfällt. neue kleinigkeiten, zum beispiel die beiden küchenschranktüren, die langsam aber sicher vergilben. und dann braucht es ja noch eine lösung für das wandstück am kopfende des bettes. (so sollte es mal beim schreiben gehen, aber das scheint ja irgendwie verstorben, offensichtlich.)

und dann verlangt ja auch noch das motorrad ein wenig einsatz. wo soll ich nur das noch hernehmen?

der weg zum glück führt nicht über das glücklichsein.

ach

wo ich eh schon im tagebuchbloggermodus bin: das seit wochen auf der warteliste kauernde interview ist heute so gut wie fertig geworden, endlich. und die haare sind auch ab. aber die wachsen ja wieder. endlich.

tatsache, satte zwei tuben silikon sind in den rissen und löchern um das kammerfenster herum verschwunden. was zu erledigen übrigens kein besonderer spaß ist, in diesem winzigen raum, in dem ich gerade mal gebückt stehen und keinen einzigen schritt machen kann. es ist vielmehr eine brachialattacke auf die atemwege, sogar die augen haben gebrannt.

irgendwie reichts mir ein bißchen. obwohl: morgen mache ich dann wohl das bett. schleifen. ist ja nicht so schlimm, nur laut.

statt frühjahrsputz mache ich nach wie vor frühjahrsdreck, heute sogar bauschutt. ein kleines bißchen zumindest, so eine schaufel voll. kein wunder, daß die kleine kammer neben der küche sich im winter dem schimmel ergeben hat. unter dem bröseligen mörtel fand sich gleich der montageschaum, nichts sonst. keine abdichtung, keiner versiegelung, nichts. und außen wird es ähnlich aussehen.

zum glück ist ja der schimmel nach der essigkur vor ein paar wochen nicht wiedergekommen. jetzt wirkt gerade ein zweites schimmelmittel, dann versenke ich noch höchstpersönlich ein bis zwei kartuschen silikon in die von mir geschaffenen krater. die ebenfall heruntergekratze aufgeweichte farbe hat eigenartige grundanstriche aus vergangenen jahrzehnten freigelegt. hübsches grün und olles braun, sieht aus wie rost. weitere schönheitsmaßnahmen unternehme ich aber nicht, also kein gepinsel mehr heute. wer weiß, ob da nicht doch noch was nachwächst. und dann geht das gekratze eh wieder von vorne los. nein, danke.

das ende ist nah

meint zumindest das neuköllnblog kreativkiez in dem heutigen beitrag Neukölln ist nicht kreativ:

Die Weserstraße bereitet sich schonmal darauf vor die neue Simon-Dach-Straße zu werden – alles läuft logistisch durchgeplant ab, man hat aus den anderen Kiezen gelernt. Die Spätkauf-Kioske haben schon die strategischen Positionen besetzt, die Eck-Kneipen sind alle vermietet, dazwischen vorübergehend ein paar Galerien, die später durch Mode- und Schuhläden ersetzt werden.

über die weserstraße denke ich auch manchmal nach. meistens, wenn ich gerade aus dem schlafzimmerfenster sehe. da liegt sie dann, die zukünftige simon-dach-straße. im tip las ich neulich sogar einen (noch gewagteren) vergleich mit der kastanienallee.

alles unsinn, denke ich dann. hoffentlich alles unsinn. die eckkneipe gegenüber wird (womöglich seit jahrzehnten) von älteren leutchen betrieben und hat abends fast immer zu. am lautesten sind hier die über das kopfsteinpflaster eilenden autos und die müllwagen, tag für tag. vielleicht noch die trunkenen entlangläufer des nachts.

alles andere ist illusion. bislang.

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