am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

achtung, neukölln

so richtig angst hatte ich hier noch nie, ganz egal, was in den zeitungen steht. wir sind hier kein aufgegebener problemkiez. nein, auf gar keinen fall. es ist wie überall in den städten, nur vielsprachiger. man sieht sich um, besonders als frau. man passt eben auf. ich achte auf meine umgebung, das tue ich immer. und ich sehe sie, die geschäfte und cafés, die irgendwie unheimlich sind. die häßlichen, fetten autos davor, besonders in der nacht. und die männer, die dazugehören.

das ist alltag, ich gehe daran vorbei. und ich achte auf mich.

in letzter zeit ist mir allerdings ein bißchen viel schießerei auf offener straße. zuviel anspannung und angst überall. zuviel geld und gewalt, egal welcher herkunft. nur noch opfer und täter, in ständigem rollenwechsel. am ende dann tote.

aktuell ist es mir dann doch ein wenig unbehaglich hier. leider.

neuköllner proleten

lesung in der buchkönigin, das hatte ich ja im HSB angekündigt. sehr interessanter überblick eines historikers, der mich in nicht wenigen punkten ans ruhrgebiet erinnert hat. also meine eigentliche heimat, so muß ich wohl sagen. proletengegenden, das ist gut. da gehöre ich hin.

die anschließende diskussion wurde dann leider von einem lokalhistorischen besserwissser – jetzt rede ich! – übernommen, sodaß ich frühzeitig flüchten musste und das buch selbst gar nicht mehr ansehen konnte. schade.

neuköllnalltag

die heizung ist aus und die balkontür steht offen, den ganzen tag schon. von draußen dringen gentrifikationsgeräusche herein, rollkofferrollen und gehämmer. penetrant ist die dielenschleiferei von gegenüber, die vor drei stunden eingesetzt hat. eigentlich vor drei tagen schon, aber die sind wohl immer noch nicht fertig. und es ist ja nicht so, daß ich das nicht auch gemacht hätte, gleich als erstes, als ich vor acht jahren herkam.

nichtsnutz

ach, da gehe ich oft aus, sagt die junge frau, nachdem ich ihr erzählt habe, daß ich in neukölln wohne. soweit ist es also gekommen, in knapp acht jahren.

ich meine, ich benutze die alte rechtschreibung. das sagt doch alles. ich halte mich daran, obwohl selbst ich sie langsam zu vergessen geginne. also was will ich denn bloß hier, bei den jungen kreativen nichtsnutzen? ach stimmt, das ist es. wir sind nichtsnutze, alle zusammen.

warum? darum!

mein neukölln schickt sich derzeit an, eine ganz eigene art der straßenkunst zu entwickeln. ich kenne mich da ja nicht so aus, aber es scheint vieles ineinander überzugehen, mit der zeit ergänzt und erweitert zu werden. vielleicht sollte ich dem mal nachgehen und die gleichen stelle noch einmal in ein paar tagen oder wochen dokumentieren. mal sehen.

einstweilen freue ich mich an der kreativen freude um mich herum. gibt ja auch genug verdreckte dreckecken hier.

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