am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

anscheinend eis

draußen ist es eisig, aber tagsüber war viel sonnenschein. ich war brot holen, noch vor dem frühstück. und salat.

dann habe ich das herdpodest kleiner gesägt, damit der (gar nicht mehr so) neue herd nicht mehr über die arbeitstplatte übersteht. das wollte ich schon lange, dass es umgekehrt ist. auch ergonomisch soll es ja besser sein, wenn der herd niedriger steht.

jetzt ist das gemacht, und ich kann als nächstes an die neue verblendung des fliesenspiegels denken. das material ist ausgesucht, der klebetest im bad hat gut funktioniert. wenn das fertig ist, stehen für die küchenzeile nur ein paar letzte kleinigkeiten an.

für die küche an sich bleibt allerdings noch eine richtige menge.

den rest des tages habe ich geschrieben, wie schon in den letzten tagen. ich bin zurück in dem alten text, was bleibt mir sonst zu tun. da ist noch über die hälfte zu überarbeiten, und ich habe ein weiteres kapitel abgeschlossen, heute.

ohne freude und ohne jubel tue ich das. einfach weil es getan werden muss, scheinbar. und weil es trotz allem geht. mehr ist es gerade nicht.

weiter so

arbeitstag. dann den kühlschrank abgetaut, endlich. das ging recht schnell, und jetzt brüllt er nicht mehr so rum. ich bin zufrieden.

so weit, so gut, so weiter.

elend

wie sinnlos es auf einmal scheint, mich am abend in die banalität meiner tage, gedanken oder die getane schreibarbeit zu vertiefen. nur kurz, kurz vor der nacht. in der hinsicht bin ich sprachlos derzeit, auch meine nächte sprechen nicht. es fällt mir nichts ein, dass es zu sagen wert wäre.

nur eines. nur manchmal, wenn ich von den kriegsberichten aufsehe, vom schreibtisch aufstehe oder das rad besteige, um zur demo zu fahren. es ist ja häufig so, dass genau dann ein satz aufsteigt, in solchen momenten plötzlicher, oft körperlicher bewegung. so teilt sich das gemüt die zeit ein, indem es einen, zwei oder drei sätze aufsprudeln lässt, die auf den ersten blick sinnlos erscheinen oder in sich wiedersprüchlich.

im moment ist es immer nur einer, und der ist eindeutig. das sage, seufze, jaule ich leise vor mich hin: was für ein elend!

ich verlasse jetzt diese welt und begebe mich in einen tiefen schlaf. mal sehen, was am ende dabei rauskommt. morgen.

inferno

so ein tag. nächtliches großfeuer in essen, genau da, wo ich anfang der 60er geboren bin und vier jahe lang gelebt habe. im segeroth, ein stadtteil den es heute schon lange nicht mehr gibt, das steht jetzt die uni. und der rest heißt westviertel und nordviertel, lerne ich. der segeroth war sowas wie neukölln, nur hundert jahre früher. ein klassisches arbeiterviertel, sammelbecken für menschen von überall, lange zeit das am dichtesten besiedelte gebiet der stadt überhaupt. so richtig weit bin ich also nicht gekommen.

am abend suche ich im netz nach alten karten und stadtplänen. auch so kann man vergangenheit lernen, z .b. dass der park, in dem ich als kind immer spazieren gefahren wurde, damals noch ein friedhof war. (hatte ich das doch richtig im kopf.) und dass es darin einen jüdischen friedhof gibt, der heute unter denkmalschutz steht.

da war noch viel mehr, aber das ist lange her. alles ist anders. das wusste ich schon, als ich vor drei jahren dort war und durch genau diesen neubaukomplex gelaufen bin. irritiert, was aus meiner hässlichen drecksstadt geworden ist. nur die stahlstraße, die gibt es noch. habe ich heute nachgelesen.

in dieses finden und suchen und finden hinein, fast schon in der nacht: die desaströse machthaberei eines alten mannes. wie aus einem anderen jahrtausend, wie dieses spiel, das ich als kind tatsächlich häufig gespielt habe.

gegen fünf am nachmittag feierabend gemacht, aber dann nicht recht gewusst, wie weiter. was tun mit dem sonntagsrest?

auf die liste geschaut habe ich nicht, all die kleinen und großen erledigungen. da hätte sich sich sicher etwas gefunden, aber stattdessen habe ich der müdigkeit in mir nachgehorcht. das virus, die zeit und der krieg. das hört ja nicht auf, einfach so. es geht mir nur unter in arbeit. und die katastrophen sind ja auch wirklich exquisit in diesem jahr.

allerdings ist das jahr im grunde egal, ob dieses oder das letzte oder irgendein kommendes. der winzig kleine, tatsächlich allererste zukunftsimpuls meines leben, 2020 war das, ist längst verstorben. und geblieben ist die peinlichkeit, dass ich es recht hemmungslos ausgesprochen habe, für meine verhältnisse. dass ich keinen zweifel hatte, weder an mir noch an den anderen, die mit ins boot gehört hätten. was für eine großartige illusion.

das boot ist leer, das muss ich jetzt verstehen. sehen, dass es ist wie immer. dass es so bleibt und der blick nach vor keine option.

morgen ist wieder arbeit, zum glück. wie alles arbeit ist, zum glück. dafür will ich noch leben, weiter nichts.

zwei männer fahren mich nach hause. sie tun das nicht für mich, ich habe irgendetwas für sie getan. einer von beiden ist mein onkel, und da gibt es etwas, das er von mir noch will. deshalb fährt er mich, viele hundert kilometer. als wir bei mir ankommem, in dieser winzigen wohnung, die ich gerade renoviere, da fangen sie an zu streichen. weil sie denken, dass das scheckige der wände, das grün und das gelb das unter meinem frischen anstrich noch durchscheint, so nicht sein soll. es soll aber, und überhaupt: ich will das selber machen. alles anders machen. doch ich komme nicht durch zu den beiden männern, die einfach machen. es machen, wie sie es wollen. was ich auch tue oder sage, dagegen komme ich nicht an. da wache ich lieber auf.

verweht

alles wieder ruhig, zwischenzeitlich, besonders gegen abend. weniger schmerzen heute, nachdem die vergangene nacht eher schwierig war. bis in den morgen, obwohl die schulter im schlaf dann doch etwas ruhe gegeben hat. statt dessen war dann eben der rücken dran, quasi bei jedem schritt. das hatte ich auch lange nicht.

zum tangounterricht bin ich dann aber trotzdem, mit zwei oder drei ibuprofen intus. das ging dann sogar richtig gut, obwohl ich am morgen noch dachte, dass ich absagen muss. oder vielleicht nur dasitzen und zusehen. von wegen, das war wohl die beste stunde ever. und ich hab niemandem davon gesagt, das ist doch müßig. immerzu dieses gerede über die persönlichen befindlichkeiten. manchmal funktioniert das, nicht immer. aber es ist möglich.

wenn ich eines leid bin, nach den bislang zwei coronajahren, dann sowieso vor allem auch das. die ständigen erörterungen der eigenen befindlichkeit, in permanenter wiederholung. befindlichkeiten, die doch so viel anders nicht sind als die der anderen. doch die anderen bleiben die anderen, es sei denn sie werten ihre befindlichkeiten gleich. das ist ein ganz besonderes elend.

der rest war arbeit, ohne große wucht dahinter. mir ist doch sehr nach ein wenig pause. oder nach frühling. deshalb nur wenig, ein paar übersichtliche listen, frage-antwort-spiele.

so ist der tag verweht, ganz leise. und gut.

morgen will ich gern schlafen, so lang es mich lässt. so ein sonntag soll es sein. ein bisschen traurig.

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