am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

nachts gegen vier heimkommen vom tango, wobei ich anschließend noch ein bißchen glas kleingetreten habe im so36. auch das war wohl tanzen, irgendwie. (feine spuren davon finden unter meinen schuhen.) trotzdem pünktlich – gegen elf – auf dem kissen gewesen, das bei mir zu hause ja zum glück ein stuhl ist. dann meinen plötzlichen putzwahn ausgelebt, der unzweifelhaft* mit dem bevorstehenden besuch zu tun hat. (ausufernd diesmal, seit wann sauge ich die spinnweben aus den raumecken?) nicht damit fertig geworden, stattdessen durch die sonne gelaufen, bis sich erste blasen an den füßen zeigten. baden, essen, duseln, dümpeln.

und jetzt, wo ich langsam müde werden sollte, werde ich langsam wach.

* woran man die durchschnittliche reichweite meiner wut erkennen mag.

wie ich es ahnte und neulich erst schrieb: ein neuer text kommt, bahnt sich den weg, kommt über den ersten fetzen hinaus. ein schrecken wohnt in ihm, nichts neues im grunde. ein zarter schrecken, wie ich hoffe. aber was weiß ich, was habe ich in der hand, wenn es ums schreiben geht? viel spielraum gibt es wohl auch nicht, immerhin dreht sich alles um einen mord. und um eine mörderin, denke ich. doch die muß ich erst noch finden, heute nacht. ihr begegnen, so schnell wie möglich. ihr ins gesicht sehen.

vielleicht. vielleicht auch nicht, nichts ist jemals sicher. aber feierabend jetzt.

vielleicht.

nachteil einer intensiven ärztlichen begutachtung ist ja vor allem, daß man dinge über sich erfährt, die man eigentlich gar nicht wissen will. ich zum beispiel weiß nun definitiv, daß ich bereits um zwei zentimeter geschrumpft bin. jetzt schon.

gegen fast alles steht meine erschöpfung, verzweiflung und nichtigkeit. schlaflos und traumlos bleibt kaum noch ein wunsch. geschweige denn eine illusion, eine utopie.

nur das trotzdem. vielleicht.

erwartungen

eine frau von 50 hat eine lebenserwartung von 40 jahren, sagt die ärztin und meint ganz offensichtlich mich damit. holla! das erschreckt mich, aus verschiedenen gründen. zum einen bin ich zwar 50, es ist aber irgendwie noch gar nicht so richtig bei mir angekommen. außerdem denke ich bezüglich meiner persönlichen lebenserwartung grundlegend anders, ich käme gar nicht auf die idee von so viel zeit. im gegenteil, immer wieder frage ich mich, wieviele bücher wohl noch in meine restzeit passen könnten. (wenn ich denn endlich mal anfangen würde, all die ideen und notwendgkeiten umzusetzen.) kommt drauf an, wie ich die rechnung aufbaue, aber das gefühl von knappheit ist immer mit im spiel.

ich hoffe nicht, antworte ich daher der netten, kleinen frau. und höre mir selbst recht irritiert dabei zu, denn es handelt sich nicht nur meinen inhärenten sarkasmus, die letzten reste von bitterkeit. es ist auch ein spontaner ausdruck von überraschung.

aber 90, mal ehrlich, das könnte ich mir auch gar nicht leisten.

anderseits: ich bin eine durchaus gesunde frau, weitgehend rauchfrei und alkoholharmlos, mit einigen werten in mäßigen grenzbereichen, mehr oder weniger unwichtig bislang.

einzig der blutdruck, na gut. das ist nicht wirklich neu, muß ich zugeben, das war schon immer so. und ich führe es auch lebensstreß, posttrauma und weltwut zurück. da kann ja zunehmende altersmilde eigentlich nur hilfreich sein.

die hand im mund der anderen

die wahl. ach ja, diese wahl. lähmend und entsetzlich, schlimmer noch als vor vier jahren. es heißt also: weiter zusehen, wie alles – das leben, die menschen, die gesellschaft – weiter wie mit einer axt grob zurechtzustutzt wird, an die zeiten angepasst, die doch so schon bald vorbei sein werden. was abfällt, wird verschleudert, nicht einmal meistbietend, sondern vorwiegend verachtend. abfall eben, menschenmüll, zu prekärfisting verdammt.

so soll es sein, so spricht die mehrheit, der es mehrheitlich gut geht. offensichtlich. wenn sie nicht einfach nur angst haben, die mehrheitenwähler, ohne es zu wissen. ich meine, was angst ist.

drei tage meditation, sie erstmal letzte stufe, ab sofort könnte ich mich also »krieger« heißen. wenn ich denn wollte, was ich nicht will. na egal, ein krieger bin ich sowieso. ein dichter, ein lügner, in jedem einzelnen satz, ein dieb. sogar meine mutter hat das gewußt. alles. und stufenpläne greifen bei mir ohnehin nur selten.

heute dann die zweite runde physio begonnen und gleich nach der ersten session von tödlicher müdigkeit befallen worden. von wegen kämpfer, krieger, held. tango gab es aber trotzdem, ausgezeichnet beglückenden tango. danach war ich dann wach, leider. immer noch.

morgen dann den grundlegenden arztermin, nachschauen ob ich überhaupt noch ein herz habe. (warum eigentlich?)

affäre 13

dieses jahr schafft und überfordert mich. total. so vieles, was ich nachträglich gern auslöschen würde, restlos eliminieren. also mehr als nur vergessen, unmöglich machen stattdessen. (als wäre das möglich.)

mimose am tag

tagsüber. weit geöffnet die blätter, pralles, helles grün, mitten im leben, die mimose inmitten ihrer zartheit. und die blühten, auch beinah schon weit. dabei ist es kurz vor oktober. so what!?

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