im kino gewesen. eigenartiger film über gewalt, so nah und doch so falsch. anders kann ich es nicht sagen. vielleicht weil die schuldfrage fehlt, obwohl sie ständig präsent ist. wobei das eigentlich gar nicht so schlecht ist. vielleicht auch wegen der nicht ganz umschifften kitschmomente. ganz im gegenteil, der film ist voll davon. ziemlich anders auch als das buch, soweit ich mich erinnere. (hab das original gelesen, und das nicht ganz mit der vermutlich nötigen aufmerksamkeit.) nicht so sehr in der story, aber definitiv in der haltung, der perspektive. herausragend ist aber die montage des films, ebenso der einsatz der musik. und tilda natürlich.
alle tage
herrenjahre
guten tag der herr, sagt die kassiererin an der supermarktkasse. zu mir. das ist echt neu, bislang kannte ich nur junger mann, so nebenbei, ohne genau hinzusehen. und ganz früher die frage nach dem ausweis, weil man mich mit anfang, mitte zwanzig ständig für einen pubertierenden jungen hielt. nun werde ich im alter also zum herrn. naja, es gibt schlimmeres.
am nachmittag mit madame und dem baby im café über literatur und so. sehr heiter, erhellend und amüsant. baby f. meinte dazu nur: dadadadadadadadadadada usw.
dann noch über alter und den mangel an erwachsensein in dieser komischen zeit. selbst bei mir, dabei übe ich schon fleißig an der 50. (ich weiß noch nicht, ob ich das feiern werde im nächsten jahr, aber ich sollte wohl. und wenn, dann in einem schlichten, schwarzen kleid. das habe ich heute tatsächlich laut gedacht. ich meine, möglicherweise, vielleicht.)
magic
gerade habe ich endlich die wanduhr in gang gebracht, seit anfang des jahres wollte ich das. im grunde ist es auch kein problem, und geht ganz schnell: auf den stuhl steigen, die klappe öffnen, das werk mit dem schlüssel aufziehen, die zeit einstellen, die klappe zu und zum schluß noch das pendel anstoßen.
aber es ist die kriegsuhr, die 46, im jahr nach dem krieg, beinah in der emscherflut untergegangen wäre. das ist meine kleine alltagmagie, heute, daß das übrig gebliebene uhrwerk jetzt hier neben mir tickt, über 66 jahre später.
der krieg ist vorbei.
gerade erst gemerkt. exakt gegenüber von meinem schlafzimmer findet eine party statt. musik, hopsen und johlen, gespräche am offenen fenster, alles durchdringt meine ruhe. überlege, im wohnbüro auf dem sofa zu schlafen. oder einfach wieder an den rechner zu gehen. egal. wenn da nicht mein nacken wäre. der kann heute einfach nicht mehr, der ist alt und kaputt.
gestern abend, nachdem ich von charlottenburg nach hause gefahren bin, mit den sommerhandschuhen natürlich, war mir derart kalt, selbst die ringe sind mir anschließend von den fingern gerutscht. und heute waren die berliner in ihrer üblichen spätsommerkonfusion gefangen, pudelmützenträger in anoraks standen neben t-shirt-trägern und wanderstiefel neben nackten füßen in flipflops. mein gesicht fühlte sich wieder so seltsam heute im wind, so schmal und alt. die menschen sehen mich in letzter zeit auffallend oft an, finde ich. ich weiß aber nicht, wie ich das finden soll. oder warum ich es überhaupt bemerke. bei karstadt am hermannplatz hätte man mich fast aus der damentoilette geworfen. das ist eine alte geschichte, die braucht keine pointe mehr. die muß nicht einmal mehr erzählt werden.
gestern saß ich noch auf dem balkon in der sonne. seit heute ist der sommer vorüber, ich weiß nicht warum. eigentlich war es wärmer als gestern. heller sogar. ich sehe einen schweren winter kommen. ich möchte fliehen. jetzt. und bleibe doch, wie blei.
aber vielleicht bin ich einfach nur müde. die nacht gestern war lang und wirr.