ich verfluche dieses tomatenjahr als das schlechteste tomatenjahr seit anbeginn meiner tomatenjahre. verdammt. zwei mahlzeiten, handverlesen, ich hätte die früchte zählen können.
alle tage
steinreich
gestern nach jahren, wenn nicht jahrzehnten, wieder einmal die alte wollweste angezogen. in der tasche dann einen stein gefunden und sofort wiedererkannt. mich riesig darüber gefreut, mehr als über geld. (wären sicher auch DM gewesen.) heute ist der stein bereits verwunden, was mich kurz sogar entsetzt hat. so schnell kanns gehen, nach jahren der ruhe.
fürn arsch
habe in meinem wirklich nicht weitläufigen kleiderschrank doch noch eine hose gefunden, die mir paßt. die einzige aus einer damenabteilung offensichtlich, die hatte ich neulich wohl geflissentlich übersehen. so eine hüfthängende tussijeans, aber immerhin nicht aus gummi. wo, verdammt nochmal, hab ich die denn her?
na egal, bin ich heute eben mal mit arsch unterwegs.
es ist noch spät geworden gestern nacht und ebenso heute morgen. nach neun, dafür einen schmerzkopf und dieses pochen im nacken.
gegen vier hat eine frau unter meinem fenster herumgeschrien und mich mit karacho geweckt. was ist denn, was hab ich denn gemacht? immer und immer wieder. ein mann hat ihr geantwortet. viel leiser, aber doch sehr verständlich. ich kann das nicht mehr.
so ist es. manchmal. es geht einfach nicht mehr.
eisessen in potsdam
die maschine flitzt, sicher und stabil. langsam traue ich mich wieder und drehe sie hoch, bis auf 140 immerhin. der neue helm ist prima, reißt die ganze zeit nicht im hals und ist auch beim seitenblick ziemlich ruhig. bei etwa 90 macht die kiste ein eigenartiges geräusch, ein dunkles brummen oder singen, obertöne vermutlich. aber eher nicht schön. beim abstellen tickt sie, so heiß war sie lang enicht.
verfranzt hab ich mich auch nicht,und das ohne karte, ich hatte nicht einmal eine mit. andererseits bin ich vorwiegend autobahn gefahren, da ist das nicht ganz so schwer. nur potsdam ist so klein, daß ich um ein haar daran vorbei gefahren wäre. beim hineinfahren kommt es mir vor wie remscheid, was kein kompliment ist. überflieger, hat die kollegin damals immer gesagt. natürlich ist es ganz anders, viel weiter. aber dennoch. später, zu fuß, denke ich an england, die zweigeschossigen häuser, die kleinen läden. auch das ist völlig anders, viel kleiner, viel krummer, viel geduckter auf der insel. und der boden ist rot, nicht sand.
gelernt, daß das, was ich bis heute morgen für das holländische viertel gehalten habe, keineswegs das holländische viertel ist, sondern mehr so die einkaufsmeile von potsdam. gefunden habe ich dennoch, was ich gesucht habe. etwas abseits, ein wenig ratlos stand ich da. später war ich eisessen, wie damals. genau da, genaugenommen. das alles hätte schöner oder anders sein können. war es aber nicht. sicher zwei stunden bin ich durch die gegend gelaufen, geregnet hat es, und zu guter letzt habe ich dabei doch noch das richtige holländische viertel gefunden. mehr zufällig eigentlich.
außerdem gelernt, daß die neuen motorradstiefel zum langen herumlaufen keinesfalls geeignet sind. die wasseransammlung unter der linken fußsohle – vorne, mittig, unausweichlich – liegt tief unter der haut und ist ziemlich groß. die morgen aufzuberechen, wird keinen spaß machen.
ich hatte mein aktuelles buch mit, ich hätte irgendwo sitzen und lesen können. lesen in potsdam, das wäre auch ein schöner titel gewesen. noch unsinniger, aber egal. dem fuß wäre es definitiv besser bekommen.
auf dem rückweg dann, über dem tempelhofer feld, stand ein regenbogen. blaß, aber immerhin. der erste seit langem, ich kann mich gar nicht erinnern.
ich kann mich nicht erinnern. ich will mich nicht mehr erinnern.
los
ich glaube, ich kratze jetzt ein bißchen geld zusammen, mache den tank voll und verlasse berlin. vielleicht fahre ich nach potsdam, ins holländische viertel, nutzlose vergangenheit überschreiben. endlich mal. oder ich fahre einfach nur eine große runde. ich weiß auch nicht. die maschine freut sich sicher über ein wenig luft, nach jahren. los jetzt.