raum für notizen

disziplin: alle tage

das schweigen der bilder

10. April 2021 - 00:41

die küchenelektrik hat keinen schaden genommen, die lampe funktioniert noch. oder wieder, jedenfalls problemlos. das knie ist nicht mehr blau, kein bisschen, nur die haut braucht noch ein wenig zur heilung. aber es tut noch weh, unten drunter, innen drin. immer mehr sogar, auf die knie kann ich noch nicht wieder. doch wer will das schon.

der tag hat sich vertrödelt und ich bin mit ihm. nur dagesessen im grunde, mir ist nichts passiert. ich habe ein puzzle gelegt, unsinnig lange. das war nicht schön, es war dumm. vor ein paar tagen habe ich das große kalenderblatt in der küche umgelegt, am fünften des monats erst. das passiert mir sonst nie, obwohl der kalender da nicht als kalender hängt. sondern als bild. bauhaus in diesem jahr, die bilder erinnern mich, das wusste ich gar nicht. was ich als kind im kunstunterricht gemacht und gelernt habe, das muss bauhausgeprägt gewesen sein.

eben erst habe ich das bild gesehen, das kalenderblatt, das ich vor tagen verspätet umgeblättert habe. vorher nicht, auch das habe ich vergessen. so ist mein sein, so entwickelt sich mein gemüt. alles schwindet und schweigt mit dem schweigen der welt, wobei sie doch so brüllt und kreischt. diese gräßliche welt.

und tango? auch davon habe ich neulich ein bild gesehen. was ist das?

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wasser

09. April 2021 - 01:24

immer wieder in den letzten wochen und monaten habe ich gedacht, wie lächerlich doch dieses wasserproblem zum jahreswechsel 2019/2020 war. im bad bei den nachbarn über mir war irgendwas mit dem ablauf nicht in ordung, deshalb tropfte es von der decke in meine wanne. das war nervig, nahezu penetrant schien mir der eingriff in meine privatsphäre.

keine ahnung hatte ich, damals, von dem, was kurz danach kommen würde. von den wirklichen, tiefen eingriffen in unser aller leben. in mein leben auch, von dem nicht mehr viel übrig ist, seit über einem jahr. auf jeden fall aber seit etwa anfang dezember. so wie es war, mein leben, wie es sein soll, für mich: das wichtigste fehlt, alles, ist völlig verschwunden. das, was für mich und meine lebengeschichte existenziell ist. seltsame dinge, die ich längst nicht mehr erklären mag, weil es anders ist, so anders, was ich lebe. ich bin anders, aber was solls. und meine existenz interessiert natürlich nicht, doch damit bin ich völlig einverstanden. (damit keine zweifel aufkommen.)

heute nachmittag dann, es dämmert gerade, stehe ich in der küche und dort läuft wasser aus der deckenlampe in meine wohnung. richtig viel, als hätte jemand einen wasserhahn aufgedreht. ein sitzkissen ist durchnässt, eine riesenpfütze auf dem boden, meine hand geht zum lichtschalter, um das desaster besser sehen zu können. das lasse ich dann aber, zum glück, gerade im rechten moment. die lüsterklemme liegt im wasser, stelle ich später fest. aber erstmal platziere ich schnell ein paar eimer, greife meinen schlüssel und laufe nach oben.

der nachbar ist ahnungslos. nein sagt er, hier ist nichts. obwohl ich das wasser laufen höre, von draußen, aus dem treppenhaus. nachschauen geht er aber zum glück doch. und dreht den wasserhahn zu, der seine küche offensichtlich in eine duschtasse verwandelt hat. (wie das geht? keine ahnung, es gibt doch überläufe. dachte ich.)

immer von dort, von da oben kommt wasser über mich. diesmal ist es erst durch das kabelloch in der decke gelaufen, dann hat es etliche nasse stellen an decke und wand hinterlassen, sogar auch im bad, wo es wieder in die wanne getropft ist. diese stellen trocknen inzwischen schon langsam und hinterlassen leichte schatten mit deutlich gelben dreckrändern.

es ist so schön, das zu beobachten. wie mir alles undicht wird, da musste ich schon lachen. heute.

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kalt

07. April 2021 - 00:00

am abend all die traurigkeit einsammeln, aus den ecken und winkeln der wohnung, und sie oben auf die bettecke, also mir auf den körper schichten. damit ich nicht friere, die nacht.

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done

06. April 2021 - 10:31

meine hausärztin kündigt den corona-schutzimpfstart in ihrem haus kurz und knapp auf der webseite an und bittet um schlichtes handheben per mail -> done!

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fahren

05. April 2021 - 12:25

auch auf dem motorrad denke ich ja immer ans fallen, wie gestern, gegen mittag. eine kleine runde, schauen ob alles läuft, mit mir und der maschine. ein klein wenig kalt war es, grundsätzlich aber sonnig. falsche klamotten also, sonst nichts. es war gut, alles gut. ganz anders als heute, wo regen alles noch einmal herunterkühlt. heute möchte ich das nicht machen.

ans fallen denken beim fahren, das ist ein wenig wie ans sterben denken, mitten im leben. man weiß es, alle wissen es. aber wenn es dann kommt dieses letzte fallen, dann ist wohl ebenso überraschend und unverschämt, wie das fallen mit einem motorrad.

ein schlag, ein moment. und das wars mit dem fahren.

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kniefall

05. April 2021 - 00:31

unglaublich, welche brillanz frisch geputzte fenster auch in die nächtliche wohnung bringen. eigentlich weiß ich das ja, auch wenn ich diesen zustand höchstens einmal im jahr genießen kann. wenn überhaupt, immer um ostern herum ist die zeit. wenn ich die verpasse, dann kann das dauern. diese klarheit, diese brillanz.

bis zum nächsten regen, das ist natürlich blöd. auch das putzen an sich, das mache ich nicht gern. besonders das fenster vorm schreibtisch im wohnbüro. da muss ich viel abbauen und wegräumen, anschließend immer wieder auf die tischplatte steigen. am blödesten aber ist es, wenn ich irgendwann während der prozedur einen eleganten satz von eben jener platte versuche und statt mit beiden füßen parellel auf dem boden zu landen, mit einem knie exakt auf die tischkante knalle.

zu sehen ist wenig, vor allem ein riss in der haut und etliche feine rote punkte unterhalb der kniescheibe, die langsam blau werden. was allerdings hinter der kniescheibe los ist, das will ich lieber gar nicht erst wissen. zuerst war alles ein bisschen heiß und geschwollen, leise pochend auch und entsprechend bewegungsbeschränkt. zumindest treppab hatte ich gestern doch ein klein wenig schwierigkeiten. bis jetzt, zwei tage später, ist alles immer noch immens druckempfindlich. beinah komisch auch, dass exakt am tag zuvor das andere knie einen kleinen rheumatischen ausfall performt hat. gut immerhin, dass die sich abgewechselt haben. ein leben mit doppeltem knieausfall, das ist nix. das kenne ich.

das ist, was ich so mache, an ostern 2021. beim fensterputzen verunfallen. immerhin nicht aus dem fenster fallen, das geht mir tatsächlich jedes jahr durch den kopf. weil ja der schreibtisch quasi auf fensterbretthöhe ist. ob das okay wäre, aus dem zweiten stock zu fallen? so acht bis zehn meter vielleicht, keine ahnung.

und alles für ein bisschen brillanz, für kurze zeit. ich weiß ja nicht.

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exakt

04. April 2021 - 19:05

nicht selten ist es ein kleines glück, rechtzeitig das richtige zu tun. denn was weiß ich schon. am morgen also, noch im schlafanzug, auf dem balkon die frisch eingetopfte tapas-chili-pflanze erschreckend erschlafft vorgefunden. als wäre sie am verdursten. noch nicht vertrocknet, das nicht, aber völlig kraftlos bereits. hart auf der grenze, wenn man bedenkt, dass sie erst seit ein paar tagen hier lebt. da muss man vorsichtig sein.

ich greife nach der gießkanne, aber das kann doch nicht sein. das kann nicht sein, denke ich. der topf ist schwer, die erde satt. ich bin ratlos. ich stelle die kanne wieder weg und bringe die chilli-pflanze in die wohnung. es war eine kalte nacht draußen, und es kommen noch mehr davon, bis in den minusbereich soll das gehen. die tomaten sind klein, die halten das aus, oben im zweiten stock. das ist kein problem. sie wachsen noch kaum, sind dunkelgrün und stark. sie warten noch auf die sonne die wärme. mehr sonne. auch die mimosen halten sich tapfer, sie falten sich ein in der nacht, klappen sich weg. fast wie der klee, auch den interessiert das bisschen kälte nicht. und der rest ist ohnehin winterhart oder gänzlich windgeschützt.

nach kaum einer stunde in der wärme und ohne wind hat sich die fast schon totgeglaubte stabilisiert. die feinen blätter halten sich wieder von selbst, auch der stiel helt sich. das ist ein glück. und es ist zufall, reiner zufall. dass ich das richtige getan habe, exakt im richtigen moment.

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#insight

01. April 2021 - 01:21

sehr, sehr müde, aber dennoch schlaflos. die impffrage treibt mich um, dieses ausgeliefert sein und nichts tun können. eine freundin (aus derselben impfgruppe) schreibt, dass sie (irgendwie) einen termin ergattert hat, nächste woche schon. ich freue mich so für sie, es ist dringend. sie schreibt mir, dass ich doch viel gefährdeter sei, gerade wegen der ansteckenderen varianten. und dass ich sicher auch bald drankomme. (weil -> gleiche impfgruppe.) ich denke sofort, dass es bei mir doch egal ist, dass ich ja einfach nur alle kraft gelassen habe, aber kein bisschen gefährdet bin. (was für ein unsinn! gerade die totalerschöpfung gefährdet mich womöglich am meisten.) aber lachen muss ich doch. zwei verschiedenartig autoimmunkranke unterstapeln sich gegenseitig, wie absurd.

tatsächlich bin ich zum ersten mal wirklich in sorge, was eine tatsächliche erkrankung angeht. wenn das alles so weiterläuft oder so laufen gelassen wird, dann rückt mir das doch irgendwie zu nah. also durchaus in den bereich des möglichen, und das wäre mehr als unschön. mit sicherheit, denn auch das müsste ich ja allein regeln. wenn es aber andererseits noch ein paar wochen dauert, bis ich an die impfreihe komme, dann sitze ich ebenso lange mit mir hier zu hause, mehr noch als zuvor womöglich, weil alle anderen, die ich kenne, auch angst bekommen werden. wenn sie das nicht längst schon haben, aus den einen oder anderen gründen. derer gibt es viele, wenn das einfach so weiterläuft. andere wiederum hüpfen draußen herum, kümmern sich um nichts mehr. dann bleibe ich also noch wochenlang oder länger bis in die letzte ecke meines privatlebens hinein ausgebeint ganz auf mich allein gestellt. schlimmer als jemals zuvor vermutlich. (außer als kind.) ich weiß nicht, ob ich das noch (einmal) schaffen kann.

es ist und bleibt ein elend, und die täglichen nachrichten, die ja wichtig sind, ohne frage. man muss es ja wissen, auch ich will wissenschaft. aber die nachrichten derzeit sind ein elende qual, weil nichts passiert. morgen ist karfreitag, menschen werden sterben. und nicht auferstehen, nein. niemand.

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nur die ruhe

31. März 2021 - 00:54

die osterruhe beginnt ziemlich rau. ich bin wie zerrissen, draußen der frühling, eindeutig, in mir die freude darüber. nach der arbeit putze ich zügig den balkon, der darüber hinaus schon recht gut bepflanzt ist. in mir ist aber auch die erschöpfung, die verzweiflung des wartens, die hoffnungslosigkeit. es gibt keine ruhe, obwohl doch alles viel zu ruhig ist, schon viel zu lange.

früher habe ich solche zeiten gemocht, die glatten zeiten. immer an weihnachten und ostern, ein bisschen auch zu pfingsten. wenn mehrere tage hintereinander zur freien verfügung stehen, dann kehrt ruhe ein. mitunter zumindest, es besteht die möglichkeit. freies schwingen und ein leben, das einfach geschieht. das lassen können, es genießen und doch arbeiten, was ich arbeit nenne und arbeiten will. lesen und schreiben, träumen und einfach sein. ganz einfach.

jetzt habe ich nichts mehr davon. keine ruhe, keine zeit, keine macht über mein leben. all das ist verloren.

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#insight

29. März 2021 - 01:17

zwischenzeitlich sehr wütend gewesen. auf all die dämlichen politiker*innen und den damit zusammenhängenden unsinn der letzten tage. es ist kaum auszuhalten, aber darüber habe ich hier gar nicht erst geschrieben. denn wut ist sinnlos, meistens jedenfalls. wur tut weh, vor allem mir selbst. mehr gibt es dazu nicht zu sage. in diesem fall ganz besonders, denn eigentlich ist es natürlich das virus, das mir die last eines unmenschlichen lebens als solitär auferlegt. wie aber funktioniert wut auf ein virus? das ist absurd!

ich folge der wut, öffne sie, schaue dahinter. in den schmerz, in die angst. die traurigkeit, die den boden öffnet, bis in den tiefsten grund, schreit es hinaus. dieses leben, immer auf messers schneide. immer am abgrund und darüber hinaus, schwebend. das ist das wesen meiner pandemie: dass ich keine angst habe, die im jetzt begründet liegt. dazu geht es zu tief. was ich sehe ist die angst auf der molekularebene meiner seele, begründet in der energetischen ladung der elementaren teilchen dieser welt, aus denen ich geschaffen bin. was ich sehe ist, dass ich nichts bin und niemals war. darauf also kommt es nicht an.

die wut ist verflogen, ebenso die angst und die verzweiflung. es ist nur ein virus, ein kleines programm, das auch nur leben will. etwas in mir kennt dieses simple konzept, das überleben will. nur das. und es gibt musik, das vergesse ich immer. auch etwas, das so sehr auf wiederholung basiert und nur im jetzt existiert. und dennoch ewig ist. ewig in der wirkung auf das wesen mensch.

dort, an dieser stelle, liegt der anfang. der anfang von etwas, das keinen anfang kennt. ebensowenig wie ein ende. seltsamerweise ist das etwas, das meine mutter mir vermittelt hat, als sie von dem großen teich sprach, aus dem ich stamme. (vermutlich nur eine simple vermiedung von aufklärungsgespächen, aber egal.) das ist die schnittstelle, an der ich bin wie dieses virus. nicht lebend, aber auch nicht tot, ich bin. das ist alles.

verrückt.

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