am anfang war das wort eine mischung aus wahrnehmung und klang

diesen tag habe ich mir gestern noch anders gedacht. freischreiben, statt all der worte. doch das war illusion. also freitag dann, das wäre realistisch. vielleicht.

sand

nie mehr möchte ich mich freuen, aus versehen. und anschließend wieder und wieder alles zerbröseln, zwischen den händen, in den augenwinkeln. aus! (leben wie ein hund.)

ich bin wirklich eine schlechte köchin. farblich ist sowieso alles ungenießbar, aber auch sonst. den selbstproduzierten fraß mute ich mir immer nur selbst zu. mehr ist nicht drin, tut mir leid. die bratkartoffeln heute war auch wieder viel zu fettig, dafür aber wenigstens kein bißchen knusprig. außerdem habe ich es irgendwie geschafft, eine büroklammer einzubraten. weiß auch nicht wie.

migräneplanung

heute sämtliche migränemittel nach und nach aufgegessen. wenn ich morgen nachglühe, dann stehe ich ohne da. außerdem war der aufwand auch noch ohne jeden erfolg. nach 24 stunden scheint sich das tier dann aber von selbst verzogen zu haben. jetzt esse ich eis und suche nach im netz alternativen. vielleicht ein künstliches koma, das wäre nicht schlecht. was nimmt man da? propofol? und gibt es das bei ebay?

grundsätzlich menschenuntauglicher tag. egal, einfach abschreiben. für morgen wächst ein neues ich.

dreckstück

früher war ich ein wildes kind, hab ich mir sagen lassen. dabei habe ich nur im sand und in der erde herumgegraben, ich bin auf bäume gestiegen und habe an stöcken herumgeschnitzt. mit elf oder so bekam ich von meinem opa mein erstes taschenmesser. es war gelb, und ich trug es in der hosentasche mit mir herum, denn da gehörte es schließlich hin. auch in der schule hatte ich es immer dabei, niemand hat mich daran gehindert. ich reparierte damit mein fahrradlicht, wenn sein mußte, oder zog mit seiner hilfe den mantel wieder auf die felge. das messer war mein werkzeug, am wenigstens vielleicht die klinge. ich habe das gelbe ding sehr geliebt, bis es eines tages einfach auseinandergefallen ist.

ja, ich war ein wildes kind, ein halber junge, wie man damals sagte. vermutlich eher ein ganzer. ich kroch durch das gras im frühling und sprang im herbst in alle pfützen. im winter hackte ich mit den gleitschuhen löcher in die eisdecke der rodelbahnen. nur an die sommer erinnere ich mich kaum. dieses herumliegen auf den wiesen, dieses vater-mutter-kind-spielen. das war nicht meins. ich kugelte statt dessen die hänge hinunter, mit meiner kurzen lederhose und nackten beinen, im ringel-t-shirt. doch, das sehe ich genau. einmal hab ich mit zwei jungs ein kleines feuerchen gemacht, weit weg von allen, auf dem verwilderten grundstück vor dem fußballplatz. das war ganz leicht, und es ist gar nichts passiert.

aber natürlich war ich schmutzig, jeden abend, von kopf bis fuß. immer war etwas zerkratzt oder zerissen, an der kleidung oder an mir. und immer gab es ärger, wenn ich nach hause kam, nach getanem tagwerk. wo warst du, was tust du, wer bist du bloß. es wurde geschimpft und geschrien. ich wurde herumgezogen, erst in die eine ecke geschoben, dann in eine andere. meine klamotten wurden von mir entfernt und ich anschließend ins bad verbracht. dort wurde ich dann wieder sauber geschruppt, wie es sich gehört. andere sind doch auch nicht so verdreckt. guck dir die anderen an, die sind nicht so wie du. danach erst durfte der rest der wohnung betreten werden. danach durfte zivilisiert am tisch gesessen und gegessen werden, unter ständigem zetern und maulen. dreckstück. still sitzen und mund halten, nicht kleckern. ich.

füße waschen stand bei den abendlichen säuberungsaktionen ganz oben auf der liste. ausgerechnet die füße, ich weiß nicht warum. meine füße waren klein und sehr schön früher. sie haben mich überallhin weggebracht.

einmal sitze ich am abend nicht zuhause, sondern bei meiner oma auf der kleinen treppe in der küche und wasche mir selber die füße in einer blauen schüssel. meine füße sind grün, weil ich den nachmittag über meinen opa intensiv beim rasenmähen begleitet habe. meine kleinen grünen füße. genau in dem augenblick stehen plötzlich meine eltern in der tür, viel zu früh. ich soll abgeholt werden, zurück nach hause, doch ich bin noch nicht fertig. noch nicht sauber.

na, du müder krieger, sagt meine mutter da. und ich verstehe nicht. sie schreit nicht, sie schimpft nicht. sie ist ganz still. ich sehe sie wohl sehr fragend an, denn auf einmal lacht sie. weißt du nicht, sagt sie, wenn die soldaten abgekämpft und müde sind am abend. so bist du auch. ich verstehe nicht, was sie meint. natürlich nicht, was weiß denn ich vom krieg. was weiß denn sie. aber ich habe mich sehr gefreut, damals. vermutlich war es das einzige mal, daß meine mutter zu mir über krieg gesprochen hat. sonst haben wir ihn nur gelebt. schweigend, schreiend und seelenmordend.

doch ein kleiner müder krieger mit grünen füßen war ich gern für sie. dieses eine mal, an diesem einen abend.

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